kay.kloetzer

robinson

04.11.2011 | 00:20

"Früha wurde mehr jelacht"

Man kann gegen Beckmann sagen, was man will, oder wollen, was man muss, am Donnerstag jedenfalls: Eine Sternstunde hätte es sein können. Das liegt erfahrungsgemäß nicht am Moderator, sondern an den Gästen: Wolfgang "Erfolgsproduzent" Rademann und Harald "Late-Night-König" Schmidt.

Rademann! Ein Sympathikus schon des Dialekts wegen. "Die Russen warn aber jar nich jetürmt, sondern die ham die Speidel jebracht." Er hat die Peter-Alexander-Show produziert und die Schwarzwaldklinik, das Traumschiff erfunden. Schwamm drüber. Dann sagt Schmidt statt "modernes Märchen" versehentlich "modernes Mädchen", und Sascha Hehn wird Deckoffizier genannt, und schönste Erwartungen schwinden Satz für Satz dahin.
 
Eine Sendung, die sich 10 Millionen Zuschauer anschauen, sagt Schmidt und meint das Traumschiff, sei enorm politisch, weil sie "für etwas steht". Er zitiert einen Soziologen, demnach ein Volk, in dem nicht 8 Millionen Musikantenstadl anschauen, unregierbar sei. Na toll. Vielleicht sollte dieser Aspekt der orakelnden Sonntagsfrage untergejubelt werden.
 
Ob er schon in Griechenland gedreht habe, wird Rademann gefragt: "Nee, da kannste selba hinfahrn und dein Geld verliern."  Wenn die Leute Weihnachten, Neujahr das Traumschiff sehen, "wollen sie nicht frieren". In diesem Jahr, befleißigt sich Beckmann anzumerken, wird es Kuba sein. "Mit wem drehen Sie in Kuba?" Rademann: "Mit der Regierung." Im Hof schreien zwei Katzen. 
 
Und dann will Beckmann doch über Griechenland reden, mit Schmidt.  Es genügt, "Griechenland" zu sagen, sagt Schmidt. So wie früher "Calmund". Und was hat Rademann mit Politik am Hut? "Im Grunde jenommen hab ick keene Berührung damit." Dann lässt er sich aber doch hinreißen zu einer Antwort auf die Helmut-Schmidt-macht-Peer-Steinbrück-Frage: "Einen Größeren als Helmut Schmidt ham wa nich"  Harald sieht es klassisch: "Das könnte ein ganz großer Shakespeare sein, einen Kandidaten zu beschädigen." Schon sind wir beim Hamburger Sie und könnten sein bei Roland Emmerichs Film "Anonymus", wonach Shakespeare gar nicht Autor Shakespeare'scher Werke ist, also Schmidts Helmut nicht der Königsmacher oder -mörder. Da wäre Potenzial gewesen,
 
Aber ach, "die Realität liegt da, wo wie sie ham woll'n", weiß nicht nur Rademann. "Die Mischung macht den janzen Erfolg aus."
So wie für Schmidt "Drehort vor Inhalt" geht. Eine Liebesgeschichte werde im Traumschiff erzählt, eine lustige und eine spannende. Die wirklich lustigen und spannenden erzählt Christoph Maria Herbst in seinem Buch "Ein Traum von einem Schiff". Er fehlt an diesem Abend. Vielleicht macht er gerade woanders für die neuen Stromberg-Folgen Reklame.

Stattdessen kommt als dritter Gast dieser Traumschiffkapitän-Darsteller. Dabei war Herbst vor einem Jahr beim gleichen Dreh wie Schmidt dabei. Bora Bora. Sechs Wochen Schiff, fünf Drehtage. Aus Langeweile, erzählte Herbst neulich, habe er  seinen Freunden und Bekannten Mails geschrieben  über die Kollegen und Umstände. Gewiss pointiert. Das habe sich dann zum Buch entwickelt. Rademann kommt darin sehr gut weg. Es gibt eine großartige Szene, in der sich die beiden in einem Berliner Hotel zum ersten Mal begegnen.

In der Öffentlichkeit wurde und wird das Buch als Abrechnung mit den Fernseh-Fuzzis wahrgenommen. Es ist aber eine Liebeserklärung! Die, zu der sich an diesem Abend weder Schmidt noch Beckmann hinreißen lassen wollen, während sie es behaupten. Das vielleicht unterscheidet den Zyniker vom Ironiker.
"Früha wurde mehr jelacht", sagt Rademann. Da wurde wohl weniger gelogen.

 
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Kommentare
eykiway schrieb am 04.11.2011 um 01:39
FRÜHA hatten wir ein Kaiser und wenn der Geburstag hatte haten wir SCHULFREI
archinaut schrieb am 04.11.2011 um 01:48
"Er zitiert einen Soziologen, demnach ein Volk, in dem nicht 8 Millionen Musikantenstadl anschauen, unregierbar sei."
Meinte Harald Schmidt etwa, dass die Griechen jetzt mehr Musikantenstadl sehen sollten ;-))
h.yuren schrieb am 04.11.2011 um 08:00
noch immer gibt es den lachenden dritten, noch immer lacht es sich zuletzt am besten, aber früha, und zwar wirklich früha, als es noch keine hauptstädte und geheimdienste gab, war das lachen alltäglich wie heute meist nur noch bei den nicht hungernden kindern.
koslowski schrieb am 04.11.2011 um 12:55
Herbst war am Abend zuvor in Bielefeld und las aus seinem "Traumschiff"-Buch. Die Lokalzeitung berichtet u.a.: "...traf sich Christoph Maria Herbst mit dem Produzenten der Schwarzwaldklinik und des Traumschiffs, Wolfgang Rademann, und verkaufte ihm "nach elf Herforder Pils" und einem "monologistischen Dialog" seine Seele."
kay.kloetzer schrieb am 04.11.2011 um 13:16
ja, herbst schreibt: "Elf Bier später will ich ein Kind von ihm". und das wiederum gehört zu jenem teil des buches, den er als, wie er es nennt, "belletristische rampensau" selbstironisch in die fiktion treibt.
tlacuache schrieb am 04.11.2011 um 13:10
Ich dachte, der 13. Juli ist jetzt schon Nationalfeiertag in Deutschland (Günther Jauch),
herrje, bin schon so lange wech'...
oder isses der 18. Mai (Thomas Gottschalk)...
kay.kloetzer schrieb am 04.11.2011 um 13:20
bevor wir noch über pilawa, lanz, hirschhausen spekulieren, favorisiere ich dann doch den 24. november (rademann)
tlacuache schrieb am 04.11.2011 um 13:39
Rademann?
der Bettvorleger von der Ruth Maria Kubitschek?
Nee Nee,
ich habe mich entschieden:
19. Februar wird jetzt "Feiertach'"
Wolf Schmidt
=
„Babba“ Hesselbach...
;-)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.11.2011 um 13:19
Mein TV-Favorit von FRÜHA war Karl-Eduard von Schnitzler im Schwarzen Kanal.
Da gab es dauernd etwas, obwohl ungewollt, zum Lachen.
Ich habe möglichst (und das als Westdeutscher) keine Sendung ausgelassen.
kay.kloetzer schrieb am 04.11.2011 um 13:28
weiß jemand, welche quoten dieser agitatorenstadl eigentlich hatte?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.11.2011 um 13:57
kay.kloetzer schrieb am 04.11.2011 um 13:28
>>weiß jemand, welche quoten dieser agitatorenstadl eigentlich hatte?<<

Es gibt nur Vermutungen (siehe link).
Die DDR-Bürger fanden die Sendung sicherlich etwas langweilig.
Im Westen war sie aus Humorgründen schon eher gefragt.
Humorfördernd waren auch Schnitzlers kleine Augen durch seine starke (nicht nur optische) Kurzsichtigkeit.

www.rbb-online.de/30favoriten/archiv/die_30_groessten_berliner0/30aufreger.galerie.9.thumb.9.html
kay.kloetzer schrieb am 04.11.2011 um 14:13
danke
GeroSteiner schrieb am 04.11.2011 um 20:14
Calvin meint dazu:
kay.kloetzer schrieb am 04.11.2011 um 22:29
Sie wissen eben, wie ich fühle! Oder waren wir schon beim Du?
GeroSteiner schrieb am 04.11.2011 um 23:49
Siedu.
Dudu.
Du.
Du Kay.
Ich Gero.
kay.kloetzer schrieb am 05.11.2011 um 00:00
gero!
GeroSteiner schrieb am 05.11.2011 um 00:59
Gero heiß ich.
Nicht Hirsch.
Welch ein unverdientes Glück.

Was würden die Röntgenologen mit uns nur machen, wenn nicht Konrad Wilhelm Röntgen den Röntgenapparat erfunden hätte, sondern ein
- Anton Apphäut
- Frank Fähreppel
- Darius Donner
und dieser Apparat auch noch nach ihm benannt worden wäre?
kay.kloetzer
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