kay.kloetzer

robinson

19.11.2011 | 21:21

Novemberlicht

Vor dem Hauptbahnhof bilden die Punks ein Empfangskommando. Ihre Hunde frieren weniger. Drinnen, im Einkaufsparadies, wird dem Teufel Zimt in die Augen gestreut. An jeder Ecke lauert die Bescherung: Farblärm und Glücksversprechen. Bald kommen die Weihnachtslieder.
 
Draußen bei den Straßenbahnen steht M., wir teilen uns zwei Haltestellen. Er will ins Lofft, freies Theater, ausverkaufte Performance: "Ich wollte schon immer eine Chica Almodóvar sein". Am Tag darauf geht er ins  Centraltheater: "Nackter Wahnsinn - Was ihr wollt (Ich will nicht dass mir jemand sagt welche Rolle ich zu spielen habe)". (Wegen der Sparzwänge muss auf Kommata verzichtet werden.)
 
Gestern, erzählt M., hat er mittags für seine Kollegen gekocht. Eigentlich kann er sagen: für seine Angestellten. Das sagt er nie. Wie er es schafft, fast jede Theater-Inszenierung zu sehen ... bei kaum einer Vernissage zu fehlen ... Kuratorien anzugehören ... Kulturprojekte zu organisieren ... als Unternehmer Erfolg zu haben ...
 
Er nimmt sich Zeit und gibt sie wieder her.
 
Wir tauschen Rote-Bete-Rezepte, schwärmen von Krautgerichten. Und nie wieder sollen Kartoffelspeisen in den Gefrierschrank. So fühlt es sich an: an einem Novemberabend für einen Moment sicher zu sein.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
poor on ruhr schrieb am 19.11.2011 um 21:38
Wunderbar! Schön! Gerne gelesen.
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 22:18
danke dir! manchmal ist der mensch einfach wetterfühlig. dazu scheinen sie wohl da zu sein, diese jahreszeiten. wozu sonst?
goedzak schrieb am 19.11.2011 um 22:05
"Ich wollte schon immer eine Chica Almodóvar sein" - Habe mir gerade vorgestellt, mich wie Dustin Hoffmann als Schauspieler-Chica zu verkleiden, um (nicht Jessica, sondern) Penélope näher zu sein...
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 22:16
lieber! deine phantasie scheint ja an diesem wochenende recht, nun, verwandlerisch unterwegs zu sein. warum auch nicht, andere machen shakespeare daraus. oder shakespeare macht andere daraus. was weiß denn ich. ach!
goedzak schrieb am 19.11.2011 um 22:35
Da wir ja alle Mitglieder einer tendenziell verschworenen Community sind, kann ich Euch ja an meinen Phantasien teilhaben lassen.
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 22:48
unbedingt!
luggi schrieb am 19.11.2011 um 22:40
Ich wünschte, wir hätten viele Rote Beete.
leider verkaufen die Großhändler de.wikipedia.org/wiki/Rote_Bete

aber die tags gefallen mir, ausnehmend: Bong Forzjonös.
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 22:47
auch wieder wahr! gestatte, dass ich das oben korrigiere. also auf deinen hinweis hin aus linker feldfrucht die alte mitte mache, wo die rübe wohl hingehört. womit gleichzeitig an das radieschen und den guten tuchy erinnert sei:
"Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß."
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 22:54
und: danke! natürlich.
Rosa Sconto schrieb am 19.11.2011 um 23:06
Luggi; Was ist "Bong Forzjonös"?????????????
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 23:11
er meint bomm fortzschioneuse.
GeroSteiner schrieb am 19.11.2011 um 23:46
Bonn Forz-Joneus.
Altes Regierungs-Phiertel in Bong.
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 23:51
oder eben doch: phong bo zong oes, grenzstadt mit hoffnung.
luggi schrieb am 19.11.2011 um 23:51
ja sry, das habe ich aus den Tiefen der "Mansfelder Mundart" entlehnt ... so ähnlich wie "Musje Niedlich"
Weitere Anfragen bitte an Elsterglanz: www.elsterglanz-dieband.com/
Hinnerletter.
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 23:57
wusstest du, dass zwei tuben elsterglanz bei manufaktum jetzt 10,80 Euro kosten? hätte sich dieses qualitätsbewusstsein eher durchgesetzt, könnten wir heute sagen: sry, leute, aber wir wollen euch nicht übernehmen.
so bleibt die erkenntnis: es ist nicht alles neu, was glänzt.
Rosa Sconto schrieb am 19.11.2011 um 22:47
Sich Zeit nehmen und wieder her geben eine Kunst, oder "nur" soziale Verantwortung?
kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 22:53
beides, oder? ich kenne naturgemäß wenige unternehmer, aber dieser scheint wirklich zu wissen, was soziale verantwortung ist. er ist stark genug, weich sein zu können.
Rosa Sconto schrieb am 19.11.2011 um 23:02
Kay, beides, natürlich denn darum geht's. Sonst geht nichts.
goedzak schrieb am 19.11.2011 um 23:09
"So sieht ein Herbsttyp aus:
Haut:
Der Unterton der Haut ist beim Herbsttyp immer warm, gelblich oder golden. Im Unterschiede zum Frühlingstyp sind die Wangen nicht rosig. Blasse Haut mit rötlichen Sommersprossen ist häufig vertreten. Die Haut kann aber auch dunkel sein.
Haare:
Rote Haare in allen Nuancen oder auch mittelblond bis dunkelblond oder braun mit einem rötlichen oder goldenen Schimmer.
Augen:
Gold-, Dunkelbraun oder Grün. Aber auch Hellblau oder Türkisblau mit dunklem Rand."

Was in dieser Definition fehlt, ist die entscheidende Frage: Inspiriert einen der November mehr als Mai oder August?

Nach Galenos hätte man bei Beantwortung dieser Frage mit einem Ja das Temperament eines Melancholikers, einen Überschuss an schwarzer Galle im Körper (wärs gelbe Galle, wäre man Choleriker) und einen Hang zu Erde und Luft statt Feuer und Wasser.

kay.kloetzer schrieb am 19.11.2011 um 23:14
ja, tschuldigung, ich stehe etwas unter kleist.

aber: gelbliche haut, goldene augen, mittelblonde haare mit goldenem schimmer ... und dann die erkenntnis, dass gelb allein auch nicht glücklich macht. ist doch klar, dass der november-typ das gelbe vom ei nicht mehr sehen kann. er ist es!
GeroSteiner schrieb am 19.11.2011 um 23:53
Diese Sprache!
Diese Bilder!
Den Zimt!
Zum Teufel!
Da haben wir die Bescherung.
Mehr Komma!
Mehr davon.
archinaut schrieb am 20.11.2011 um 00:10
... ja, wie schön,
das Gold kann ich schon riechen (den Zimt!)
GeroSteiner schrieb am 20.11.2011 um 14:39
Weihnachtsmarkt: Immer der Nase nach und auf jeden Geruch reingefallen. Zuviel von Allem und doch nicht genug.
Magda schrieb am 20.11.2011 um 21:11
:-))
Zur Sicherheit
koslowski schrieb am 20.11.2011 um 23:40
Wunderbar!
kay.kloetzer
meer ist mehr
Ort:
Leipzig
Mitglied seit:
3 Jahre 10 Wochen
Zuletzt aktiv:
14.05.2012
Status:
Publizistin
Aktivität:
Beiträge: 179
Kommentare: 2349
Logbuch
04:21
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:02
claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:52
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:39
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
03:36
claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG