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Genau genommen geht der Trend mal wieder zurück zu den Wurzeln. Draußen hat das Drama angefangen. War das Mammut erlegt, spielten die Männer den Frauen nochmal vor, wie die Jagd sich zugetragen hat. Verfremdungen und Pathos steigerten das Vergnügen. Manchmal beendete ein Regenguss die Vorführung, und das Lagerfeuer ging auch aus.
Als sich die Sache mit den Mammuts erledigt hatte und die Wettervorhersagen immer präziser wurden, bauten die Männer sich und den Frauen große und größere Höhlen, in denen – warm, sicher, trocken – immer neuen Heldentaten die Runde machten. Auch vom Versagen der anderen galt es zu berichten. Sie nannten es: Theater.
Inzwischen verfügt jeder größere Stamm über so ein Haus. Die einen nutzen es, um Geschichten zu erzählen, andere jagen Mammuts über die Bühne. So oder so – im Sommer ist Pause. Auf dem Weg in den Urlaub machen die Ensembles gern nochmal gemeinsam Rast im Grünen. Sie nennen es: Sommertheater.
Ein Festspiel hier, ein Spektakel da – unter freiem Himmel muss es sein, Tiere dürfen eine Rolle spielen, und wenn es regnet, werden Capes verteilt, die knistern wie ein Lagerfeuer. Wichtig ist weiterhin, dass alkoholische Getränke feilgeboten werden, nicht selten mit einer Preisstruktur, die an die Anfänge der Inflation erinnert.
Dass Kultur nicht nur auf Marktplätzen, Felsenbühnen und in Schlossruinen attraktiv ist, beweist Berlin jetzt mit eigenen Seefestspielen. Katharina Thalbach setzt am Wannsee Mozarts „Zauberflöte“ in den Sand, also an den Strand. Mit Bier & Bockwurst & Biosphäre. Pompös ausgestattet, prominent besucht. Die Königin der Nacht singt ihre Arie in gut 20 Meter Höhe, es sind ja auch sehr hohe Töne. Sie nennen es: Event.
Im Großen und Ganzen sind solche Open-Air-Festspiele die hohe Schule der Gewinnoptimierung: gut bis sehr gut ausgelastet, nicht zuletzt, weil sie Kunst & Kirmes & Klima zusammenbringen. Bringen wir nun Kunst & Kirmes & Klima mit Krise zusammen, genauer gesagt der künstlerischen wie wirtschaftliche Depression der Regisseure wie der Häuser, liegt die Lösung vor uns wie das müde Mammut auf der Lichtung: Das Theater muss raus, muss unter die Leute, muss unter freien Himmel, das ganze Jahr, auch im Winter.
Tiere (Gondwana-Land) und Kinder (Spaßbad) haben sie schon zum Kassenschlager gemacht: die Imitation der Draußenwelt in einer künstlichen Drinnenwelt. Um nichts anderes geht es doch im Theater, das vor Art-gerechter Haltung nicht länger Halt machen darf.
(dieses blog ist zuerst erschienen unter www.lvz-online.de)
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Ich muß gestehen, erst habe ich aufmerksam gelesen, doch die Konklusion, in die der Beitrag dann mündet: "Um nichts anderes geht es doch im Theater, das vor Art-gerechter Haltung nicht länger Halt machen darf." konnte ich nicht als konsistent nachvollziehen. Erklären Sie es mir?
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schrieb am
15.08.2011 um 10:34
Das Kombinat Industrielle Mast (KIM) oder so ähnlich...
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Ich verstehe es immer noch nicht, alleine grammatikalisch nicht. Und Ihr Satzfragment, apatit, verwirrt mich noch mehr. Ist das etwa Kunst?
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lieber gebe, versteht sich sommertheater nicht von selbst?
was es im politkitschigen heißt, ist doch allen klar. kk vollzieht die parallelverschiebung der bühnen nach, nachvollziehbar. theater im ur-laub und anderem grünzeug. |
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"ur-laub" ist gut, so habe ich es noch gar nicht gesehen: die drohende herbstlichkeit im rauschen ...
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@GEBE
es handelt sich bei diesem satz um einen sommerlichen kurz-schluss ironisch durchgebrannter doppeldeutungen, hier der begriffe art-gerecht und haltung. von den möglichkeiten sind die KIM-eier (apatit) nur eine ... |
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Liebe Kay Kloetzer,
bei Kultur und Getränken zu astronmischen Preisen dachte ich unwillkürlich an die Renaissance der Flachmänner ;) Sehr geschmunzelt, e2m |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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