Marco Bülow

bülow blogt

16.06.2011 | 16:53

Wir sind alle Migranten

Oder die Beobachtung des merkwürdigen Menschen

Wir Menschen sind zwiespältige, fast absurde Wesen. Was wir als normale Entwicklung empfinden, würde jeden neutralen Beobachter des Lebens auf der Erde sicher sehr erstaunen. Ein außerirdischer Zeitreisender, der uns jahrhundertelang beobachtet, wäre von unserer Spezies vermutlich gleichermaßen fasziniert wie schockiert. Was dies mit Migration zu tun hat, versteht man nur, wenn man die Entwicklungsgeschichte des Menschen nachvollzieht.

Vom Affen zum intelligenten Massenvernichter
Der Mensch hat eine unglaubliche Entwicklung hingelegt. Nach der Weiterentwicklung vom Primaten zum Homo Sapiens vor etwa sechs bis acht Millionen Jahren verlief die weitere Entwicklung zunächst im Kriechtempo. Doch dann ging alles ganz schnell. In einer erdgeschichtlich kurzen Zeitspanne von nur etwa 40.000 Jahren hat der Mensch behauene Steine, dann ausdifferenzierte Werkzeuge und schließlich hochspezialisierte Maschinen konstruiert. Von der Höhle ist er über Hütten und einfache Häuser in riesige Wolkenkratzer und Nullenergiehäuser mit allen Annehmlichkeiten gezogen. War die Fortbewegung anfänglich nur auf allen Vieren möglich, hat er sich später auf den Mond katapultiert und rast heute mit Autos und Flugzeugen über den Globus. Fast biblisch hat die Menschheit die Erde in Besitz genommen und sich weit über alle Tiere aufgeschwungen.

Doch wir Menschen haben nach Keule und Speer auch Massenvernichtungswaffen entwickelt und eingesetzt. Wir verpulvern in kürzester Zeit unsere Ressourcen, heizen die Klimaerwärmung an, rotten Tier- und Pflanzenarten schneller aus, als wir sie benennen können, und vernichten jährlich Millionen Hektar Wald . Wir verseuchen unsere Erde mit atomarer Strahlung und chemischen Giftstoffen. Wir haben den Genozid und den Rassismus erfunden, beuten uns gegenseitig aus und überziehen unsere eigene Spezies immer wieder mit Krieg, Hass und Gewalt. Das Eigenartigste daran ist, dass wir als hochentwickelte Lebensform in der Lage sind, dies alles zu erkennen, zu dokumentieren und teilweise sogar zu reflektierten. Dennoch halten wir diese Entwicklung und uns selbst für völlig normal und glauben immer noch, dass der Mensch am Ende der Entwicklungsstufe steht und die „Krönung“ der Schöpfung bildet. Alle die es wagen, unsere „Fortschritte“ in Frage zu stellen, und eine andere Entwicklung einfordern, werden müde belächelt oder als idealistische Spinner betrachtet. Wie würde unser Zeitreisender unser Dasein und unsere Entwicklung wohl beurteilen?

Vielleicht würde sich einem unbeteiligten Beobachter der Eindruck aufdrängen, dass das moralische Empfinden des Menschen, seine soziale Intelligenz und sein globales Bewusstsein mit seinem sonstigen Hirnwachstum und seiner Entwicklung nicht Schritt gehalten haben. Aus wissenschaftlichem Interesse würde er vielleicht einige Fragen auflisten: Leben die Menschen geistig-moralisch immer noch in der Höhle? Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Warum investieren sie so viel Gehirnschmalz in den Zuwachs von Profit und Macht und so wenig in die geistige und moralische Entwicklung? Warum dominieren bei ihnen häufig die destruktiven, diskriminierenden Handlungen und nicht die friedlichen, nachhaltigen Lösungswege? Warum jubeln im angeblich so fortschrittlichen Europa immer noch Massen rechten Populisten zu, die nichts anderes als Vorurteile, Ressentiments und destruktive Aussagen zu bieten haben?

Der Rassismus offenbart uns, was wir alles nicht verstanden haben
Der außerirdische Zeitreisende, der natürlich weit entfernt davon ist, ein menschliches Wesen zu sein, würde wohl vor allem nicht begreifen, wie wir nach so vielen Jahrtausenden immer noch Hass gegenüber anderen Hautfarben, anderer Herkunft predigen können und warum wir den Rassismus trotz unseres Wissensfortschritts nicht überwinden können. Auch wenn es seinem Wissen widerstrebt, kann er vielleicht nachvollziehen, dass in früheren menschlichen Entwicklungsstufen mit rassistischen Ressentiments Stimmung gemacht werden konnte. Wegen der herrschenden Unwissenheit, konnte die Angst vor Fremden allgemein und vor dem Fremden speziell, schnell in Ablehnung oder sogar Hass befördert werden.

Nach vielen Spekulationen und Umwegen sollte der Mensch heute aber doch verinnerlicht haben, dass Hautfarbe, Augenform, Herkunft, Geschlecht nichts mit Intelligenz, Entwicklungsstand oder moralischer Integrität zu tun haben. Wie kommt es also, dass gerade auch die Europäer mit ihrem unglaublichen Fundus an Wissen, nach mittlerweile hunderten Jahren andauernden Fortschritts dennoch immer wieder Populisten für platte und blödsinnige Ressentiments bejubeln? Dieser Beobachtung müsste eine ernüchternde These folgen: Auch die Menschen in Europa haben Ängste, Vorurteile und andere niedere Instinkte nicht überwunden, sondern mit Erklärungen, Regeln, Werten kaschiert und mit „zivilisiertem Gehabe“ übertüncht. Unser Beobachter notiert nüchtern: Vieles gelernt und noch mehr nicht verstanden.

Warum wir alle Migranten sind
Es bedürfte eigentlich keines Außerirdischen, damit uns deutlich wird, warum alles Gerede von unterschiedlichen Rassen mit unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch wissenschaftlich völlig blödsinnig ist. Lange wurde die Auffassung, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei, ignoriert, ja massiv bekämpft. Dabei ist dies keine Weltanschauung, sondern eine simple Tatsache. Die deutsche Öffentlichkeit reagiert dennoch erneut verwirrt, teilweise sogar schockiert, wenn in Untersuchungen festgestellt wird, dass bereits jeder vierte Bewohner unseres Landes einen „Migrationshintergund“ besitzt. Doch streng genommen stammen wir sogar alle von Migranten ab.

Wir sollten mal unser Wissen nutzen und endlich nachvollziehen, wo wir herkommen und wie wir uns entwickelt haben. Europa, Deutschland ist geprägt von unfangreichen Migrationsbewegungen. Die Millionen Gastarbeiter nach dem 2. Weltkrieg bilden dabei nur eine von vielen Gruppen. Allein vor dem 1. Weltkrieg kam damals die gewaltige Zahl von etwa 1,2 Millionen Polen in unser Staatsgebiet. Deutschland als Nationalstaat gibt es noch gar nicht so lange. Davor existierte lange ein Flickenteppich von Königreichen, Herzogtümern und Bistümern. Die wiederum waren Ergebnis auf einer Entwicklung, an der viele verschiedene Volksgruppen von teilweise sehr unterschiedlicher kultureller Herkunft beteiligt waren. Allein die große Völkerwanderung in der Spätantike würfelte die Bevölkerung gerade in Europa komplett durcheinander.

Ganz gleich, welche langen heimischen Stammbaum wir auch präsentieren können, am Ende gehören immer „Nichtdeutsche“ zu unseren Vorfahren und niemand weiß, welche Kulturkreise, welche Volksgruppen eine Familie geprägt haben. Egal, wie blond und blauäugig man auch sein mag, sagt dies gar nichts über seine Wurzeln aus. Auch die „nationalistisch“ gesinntesten Europäer sind das Ergebnis von immer neuen Vermischungen. Wissenschaftlich betrachtet ist diese Durchmischung wichtig, reduziert sich dadurch die Wahrscheinlichkeit von inzestuösen Beeinträchtigungen. Zur weiteren Aufklärung sollten wir aber noch weiter in die Vergangenheit reisen.

Unsere Wiege liegt in Afrika
Genau genommen gibt es nur eine Ursprungsregion für die gesamte Menschheit und die liegt in Afrika. Dies wissen wir schon lange, aber ziehen daraus nicht die richtigen Schlüsse. In Afrika trennte sich die Linie des Menschen von den übrigen Primaten, dort entstanden die ersten menschlichen Rassen und dort entwickelte sich auch der Homo Sapiens. Doch bevor dieser moderne Mensch Europa und die Welt eroberte, wanderte der uns als Neandertaler bekannte Verwandte nach Europa ein. Er war grobschlächtiger und wohl auch weniger weit entwickelt als der moderne Menschentyp. Er konnte sich bis vor etwa 30.000 bis 40.000 Jahren in Europa behaupten. Vor dem Aussterben des Neandertalers zog der moderne Mensch aus Afrika – vermutlich über den Nahen Osten – ebenfalls nach Europa. Dort kreuzten sich die Wege der beiden menschlichen Verwandten. Die meisten Forscher glauben heute nicht daran, dass beide Rassen gemeinsame Nachkommen hatten. Wenn aber doch, dann sind gerade wir – die „überlegenen“ Europäer – auch die Nachfahren einer weniger weitentwickelten Menschenrasse.

Wenn es zu nicht zu einer Vermischung kam, dann stammen alle heutigen Menschen von einer Ursprungsrasse ab. Einer Art, die sich in Afrika entwickelt hat und dann nach vielen Wanderungen kreuz und quer durch die Welt über Jahrtausende zu größtenteils sesshaften Volksgruppen wurde, eigene Sprachen bildete, Kulturen weiterentwickelte und schließlich Nationalstaaten gründete. Die Entwicklung wird weitergehen. Staaten, Kulturkreise werden sich verändern, werden zerfallen und dabei wird Migration immer wieder eine Rolle spielen. Viele Menschen blenden die Vergangenheit aus und denken zudem, dass wir uns an einem Endpunkt der Entwicklung befinden.

Höchste Zeit, die Höhle zu verlassen
Wir Menschen sind meisterhafte Ignoranten und es gelingt uns trotz allen Wissens, uns immer wieder voneinander abzugrenzen, unsere jeweilige nationale Identität über die der anderen zu stellen. Wo wir auch geboren wurden, von wem wir am Ende auch abstammen, wir wähnen uns höhergestellt als die Nachbarn oder die Nachfahren anderer Kulturkreise. Egal ob gegenüber Indianern, Afrikanern oder Muslimen, wir Europäer fühlen uns überlegen, betonen das christlich-kulturelle Erbe, das wir in Verfassungen verankern wollen und das uns abgrenzen soll. Es geht häufig gegen, statt miteinander. Es ist so schön einfach, die verwurzelten Vorurteile zu bedienen, bei Problemen einseitig Sündenböcke zu benennen. Einige können es auch heute nicht lassen und verunglimpfen und beschimpfen diejenigen, die nach ihren eigenen Vorfahren eingewandert sind, zweifeln ihre geistigen Fähigkeiten an. Wenn sie statt Militärkleidung und Springerstiefel Anzug und Krawatte tragen, ihre Botschaften nett verpacken oder mit Halbwahrheiten garnieren, ernten sie damit immer noch viel Applaus.

Selbst gebildete oder aufgeklärte Kreise wollen oder können sich diesem unterentwickelten Verhalten kaum entziehen. Die Gegenwehr gegen Populisten oder deren Vorurteile ist häufig auf zaghafte Debatten in den Feuilletons beschränkt. Parteien, Medien, Unternehmen schrecken vor allzu lautem Widerstand zurück, denn damit könnte man ja eine Mehrheit verschrecken. Unser Zeitreisender ergänzt deshalb nüchtern: Vieles Gelernt und noch mehr nicht verstanden, und die es verstehen, haben Angst vor der eigenen Courage. Genau dies gilt es zu ändern. Wir müssen gerade auch in Punkto Toleranz, Moral und Selbstreflexion endlich die Höhle verlassen. Es ist höchste Zeit, den außerirdischen Beobachter erneut mit den menschlichen Entwicklungsmöglichkeiten zu überraschen.

 
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Kommentare
R Stilzchen schrieb am 16.06.2011 um 19:22
Wie man hört, zahlt der "Freitag" extrem niedrige Honorare. Und das ist auch gut so. Für so ein dummes Geschwafel wäre nämlich jeder Euro einer zuviel.
Sagen Sie doch mal den Arabern und Juden in Palästina, dass sie alle nur Migranten sind. Vielleicht vertragen sie sich dann.
wwalkie schrieb am 16.06.2011 um 19:38
"Dummes Geschwafel", RStilzchen, ist das nicht, auch nicht falsch, sondern nur redundant und sehr allgemein, was Ihnen die Möglichkeit des Meckerns gibt. Und die Zeitreisenden, die in der veröffentlichten Meinung stets auf gepackten Koffern stehen müssen, hätten auch mal 'nen Urlaub verdient.

Weshalb Sie ausgerechnet auf den Israel/Palästinakonflikt kommen, frage ich mich allerdings.
Marco Bülow schrieb am 16.06.2011 um 20:04
Kann ja jeder sehen wie er will - aber sie haben ja genau den Punkt angesprochen: Es ist nicht gerade verständlich, dass die menschen immer noch nicht gelernt haben ihre Vorurteile, ihren Rassismus in den Griff zu kriegen.

Ihr Kommentar Herr/Frau Stilzchen hat natürlich ein sehr gehobenes Niveau erreicht, was deutlich über jedem Geschwafel liegt: Sehr differenziert, mit gezielter Kritik, konstruktiv und absolut nicht verallgemeinert. Hätten sie auch noch mal ne Begründung gennant, dann hätte vielleicht sogar eine Diskussion daraus entstehen können. Schade
Marco Bülow schrieb am 16.06.2011 um 20:08
Nachsatz: Im Übrigen ist dies ein Blogbeitrag und der wird logischerweise nicht bezahlt und entspricht auch nur der Meinung des Autors. Also sicher kein Grund auch noch dem FREITAG an den Karren zu fahren.
Magda schrieb am 16.06.2011 um 20:14
Tatsächlich ein bisschen lang und breit. Wo soll man das alles denn immer hinlesen. :-)
"Wir Menschen" -als Ansprache ist mir auch zu pauschal.

"Selbst gebildete oder aufgeklärte Kreise wollen oder können sich diesem unterentwickelten Verhalten kaum entziehen. Die Gegenwehr gegen Populisten oder deren Vorurteile ist häufig auf zaghafte Debatten in den Feuilletons beschränkt."

Glauben Sie wirklich, gebildete und aufgeklärte Kreise ticken so viel anders, als die "Doofen". Und das Pfeuilleton befördert noch Debatten und ist keineswegs immer aufklärerisch.
Magda schrieb am 16.06.2011 um 20:16
Soll heißen: Und das Pfeuilleton befördert noch fremdenfeindliche Debatten und ist keineswegs immer aufklärerisch.
Marco Bülow schrieb am 16.06.2011 um 20:20
Geht hier nicht um doof oder nicht-doof, sondern eher darum, dass bei den Debatten beispielsweise um Sarrazin-Thesen, gerade auch die Intellektuellen und die viele Journalisten, öffentliche Personen und sicher die meisten Politiker ziemlich versagt haben. Auch diejenigen, die es ja eigentlich ganz anders sehen

Anscheinend ticken sie nicht viel anders oder sie wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten
Magda schrieb am 16.06.2011 um 21:58
"gerade auch die Intellektuellen und die viele Journalisten, öffentliche Personen und sicher die meisten Politiker ziemlich versagt haben. Auch diejenigen, die es ja eigentlich ganz anders sehen"

Warum wohl? Weil die die Thesen prima fanden fürs Volk.
WB2004 schrieb am 16.06.2011 um 22:09
Während die Themen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit immer nur dann in den Vordergrund rücken und für Empörung sorgen, wenn etwas Dramatisches passiert, hat Sarrazin uns durch seinen Erfolg gezeigt, welch geistiges Kind viele in diesem Land eigentlich sind. Viele haben sich plötzlich hinterm Ofen hervorgetraut, weil man ja nun endlich mal sagen könne, wie es wirklich ist, der Sarrazin hat es ja auch geschrieben. Dieses völlig unreflektierte und indifferente Weltbild vieler ist wirklich erschreckend. Deswegen ist es gut, dass mal jemand sich dem Thema annimmt und von der anderen Seite beleuchtet.
nil schrieb am 16.06.2011 um 22:13
Schön hier jemanden zu treffen der die richtigen Schlüsse aus der Weltgeschichte gezogen hat. Da bleibt mir nur Ihnen beizupflichten:) Sie haben so recht.... Die meisten sind doch ziemliche Ignoranten mit wenig Feingefühl für das Subtile.
ostello jaeger schrieb am 16.06.2011 um 23:17
"wir" sind im grunde noch die gleichen wie vor einigen tausend jahren. nur haben wir weitestgehend verlernt die natur und deren gesetzmäßigkeiten zu verstehen, sind nicht mehr eingebunden in überschaubare lebenserhaltende kreisläufe und systeme.
es fehlt einerseits die weisheit der naturvölker, es fehlt an erfahrung, zb im verantwortungsvollen umgang mit technik, mit macht, ja es fehlt am willen zur verantwortung. - das ist es, der egoismus des vermeindlich zivilisierten menschen. diese art von egoismus entspringt, vermute ich, nicht unserem archaischen erbe, sondern unserem entwurzeltsein, dem gefühl nicht (mehr) zur natur zu gehören und sich auch nicht der menschlichen gemeinschaft, als ganzem, zugehörig und verpflichtet zu fühlen.
- dazu haben wir uns gemacht, sind wir ge-MACHT worden, je nach denkrichtung, in jahrtausenden, durch sozial,politisch,religöse prozesse. der entfremdungsprozess scheint sich weiter fortzusetzen, aber da sind auch starke gegentendenzen, die sehnsucht nach menschlichkeit, kreativität, spiritualität...
hg
Marco Bülow schrieb am 17.06.2011 um 10:15
Das wollte ich ausdrücken, dass wir einerseits so kreativ und einfallsreich sind, andererseits es uns nicht gelingt friedlich miteinander auszukommen und Techniken entwickeln, die unsere Lebengrundlagen gefährden oder zerstören
Nietzsche 2011 schrieb am 16.06.2011 um 23:18
Mag sein, dass der Artikel eine hehre moralische Botschaft vermitteln will - mich hat sie nicht erreicht. Was an mir, aber auch am Inhalt des Artikels liegen kann.

"„Nichtdeutsche“ zu unseren Vorfahren . . ." - geht es nun um Rassismus oder Nationalismus? Oder setzen Sie beides gleich?
Wenn ich es richztig auffasse, so ist Populismus immer rechts? Ich habe allerdings auch schon Linkspopulismus kennengelernt.
Mit der Begründung, wir seien alle Migranten, weil homo erectus aus Afrika stammt, kann ich auch nichts anfangen. Schreiben Sie doch dazu, dass wir alle Affen seien, weil diese in der Kette der Vorfahren auch vorkommen.

Fazit: Ziel verfehlt. Leider
Marco Bülow schrieb am 17.06.2011 um 10:19
Sicher ist Populismus nicht immer rechts - aber das habe ich auch nicht behauptet und das ist voa allem nicht die Aussage meiens Textes.

Ich wollte nur, dass wir uns immer etwas bewußter vor Augen führen, wo wir herstammen und dass häufig diejenigen sind, die Vorurteile verbreiten, diskriminieren, obwohl ihre eigene Herkunft sie eigentlich eines besseren belehren sollte. Es zeigt nur wie unsinnig manche Ressentiments sind
GeroSteiner schrieb am 17.06.2011 um 00:17
Ja, dacht ich mir's doch. Wir sind alle Migranten.
Wir sind auch alle Individualisten, wenn man von mir mal absieht - denn nach wie vor würde ich keiner Gesellschaft angehören wollen, die mich als Mitglied akzeptiert.
Ein Schelm schrieb am 17.06.2011 um 08:57
Schade, hätte ein interessanter Beitrag werden können, endet aber wieder nur mit dem üblichen hilflosen moralischen Appell.

Gerade der Hinweis auf die stammesgeschichtliche Entwicklung hätte Fragen aufwerfen können, warum der Mensch so offensichtlich "unvernünftig" ist.
Man hätte fragen können, ob wir zu schnell für die Evolution sind, d.h. ein System entwickelt haben, an das das "System Mensch" noch nicht ausreichend angepasst ist.
Hat das Ersetzen von "Natur" durch "Kultur" eine Situation geschaffen, in der Menschen durch die Überforderung der Komplexität und des Irrelevantwerdens der Sinne häufig auf alte stammesgeschichtliche Reflexe zurückgreifen, mangels bereits entwickelter Alternativen?
usw.

PS. Bitte erspart mir das Schwingen der Biologismus-Keule. ;-)
kranke schrieb am 17.06.2011 um 09:03
"Selbst gebildete oder aufgeklärte Kreise wollen oder können sich diesem unterentwickelten Verhalten kaum entziehen."

- Wieso sollen gebildete kriese gegen das unterentwickelte verhalten kämpfen, wenn sie daraus vorteile ziehen? Der mensch an sich ist ein egoist, daran wird sich nichts ändern. Es fing mit "survival of the fittest" an und endet auch damit. Wenn wir alle total altruistisch wären, würden wir alle sterben.

Den migrantenbegriff in der entstehungsgeschichte des menschen betrachtet finde ich jedoch ein bisschen irreführend. Damals gab es noch keine länder oder kulturräume, nur unterschiedliche lebensräume an die man sich anpassen konnten. Erst im laufe der zeit haben sich die menschen durch religion, bräuche und kultur und verschiedenen anpassungsformen voneinander sichtbar abgegrenzt. Seit diesem zeitpunkt kann man von migration sprechen.
Neobe schrieb am 17.06.2011 um 09:17
Mich freut besondern die genaue Betrachtung durch den Auserirdischen. Denn das waren natürlich keine menschlichen fragen und bewertungen, jeder kann einfach mal so aus seiner Haut und sich dabei genau die richtigen Fragen stellen und die absolut richtigen schlüsse ziehen. Das Wort "Rasse"in bezug auf die natürlich verschiedenen Rassen der Frühzeit des Menschen, fand ich auch sehr schön. Darauf zu Pochen das es um niedere Instinkte gehe und auch hier gewisse bewertungen anzustellen mit der feststellung wir müssten doch und und und. Wunderbar daneben gegangen einfach nur Polemisch, undiferenziert und verfehlt nicht mehr und nicht weniger. Schade
DREWS-7 schrieb am 17.06.2011 um 09:21
Der erste Teil Ihres Beitrags gefällt mir sprachlich und inhaltlich sehr gut - er könnte zu den verschiedensten Themen überleiten. Doch zu Ihrem eigentlichen Thema (2. Teil Ihres Beitrags): Rassismus ist für mich die Diskriminierung einer bestimmten Rasse, wie z. B. der Afrikaner, der Asiaten oder der Araber oder - in erweitertem Sinne - von Menschen, die kein eigenes Land haben, wie z. B. die Kurden oder Palästinenser. Wer aber differenziert zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen, der spricht nicht von einer Rasse, sondern von der Pass-Zugehörigkeit zu einem Land, verbunden mit bestimmten Rechten und Pflichten. Von jemandem, dessen Eltern nicht deutsch sind, der aber den deutschen Pass erwirbt, kann man annehmen, dass er/sie längerfristig die Rechte und Pflichten des deutschen Staatsbürgers annimmt. In diesem Sinne ist er/sie dann deutsch, unabhängig von der "Rasse".

Unser Arbeitslosenversicherungs- und Sozialhilfesystem funktioniert m. E. nur, wenn die Beteiligten dauerhaft daran teilnehmen, sprich über viele Jahre in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Ich denke, viele Menschen haben Angst, dass das Sozialhilfesystem zusammenbricht, wenn immer mehr Menschen - ob aus dem Ausland zugereist/eingewandert oder nicht - Sozialhilfe beziehen ohne jemals in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt zu haben.
Wichtig in der Debatte ist es in jedem Fall, zwischen EU-Zuwanderern und Asylanten zu unterscheiden. Die Warnung vor einem Zustrom von Asylanten ist unbegründet, weil Deutschland ja von sicheren EU-Staaten umgeben ist und sich die wenigsten Asylanten ein Flugticket oder eine Schiffsreise nach Norddeutschland leisten können. Inwieweit sich EU-Zuwanderer auf unser Land auswirken, muss sich erst noch zeigen.

PS: Große Migrantenbewegungen hat es im Laufe der Jahrhunderte freilich immer wieder gegeben, aber sie waren stets mit Vertreibung und Elend verbunden, und sind keinem Land zu wünschen.
mustermann schrieb am 17.06.2011 um 09:56
Bülow bringt den üblichen, oberflächlichen Kulturalismus-Quark der Linken: alle Kulturen, egal wie totalitär und frauenverachtend auch immer, können in derselben Gesellschaft friedlich koexistieren. (Und in der Zivilgesetzgebung wird dann eben die Sharia eingeführt wie in Großbritannien)

Natürlich ist der Islam keine Rasse (woher nimmt Bülow eigentlich diesen Scheiss?), sondern eine totalitäre Ideologie, die unter dem Deckmantel des Kulturalismus jede Kritik mundtot macht und als rassistisch bezeichnet.

Bülow sollte sich mal überlegen, für welchen Freiheits-Begriff er einstehen will. Für die Freiheit von Frauen und Meinungsfreiheit im Sinne der Aufklärung offensichtlich nicht. Er hat als Mann ohnehin das Glück, das er niemals wie Superhirn-Höger auf Zwischendecks zum Kampf für die "Freiheit der Unterdrückten" reisen wird.
Marco Bülow schrieb am 17.06.2011 um 10:26
Erstens spreche ich nicht vom Islam und zweitens sind genau diese Vorurteile (der Islam ist totalitär=alle Moslems sind undemokratisch, frauenfeindlich, etc.), die sie in drei Zeilen raushauen unser Problem. Was meine Beziehung zu den rechten von Frauen angeht, schauen sie einfach auf meine HP. Als wenn wir hier in dt. die Gleichberechtigung hätten (Schauen sie sich einfach an, wie groß die Gehaltunterschiede bei gleicher Arbeit sind) und hier jeder frei wäre.
Marco Bülow schrieb am 17.06.2011 um 10:30
Noch was: Ich bin immer für eine ernsthafte Diskussion zu haben und ich bezeichne nur die als Rassisten, die behaupten, das bestimmte Volks- oder Religionsgruppen per se schlechter, dümmer, brutaler, etc. als andere sind.
Zu einer vernünftigen Diskussion gehört allerdings, dass man den Mumm hat seinen eigenen richtigen Namen anzugeben. Ich tue das - sie auch Herr Mustermann?
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 12:59
Herr Mustermann hat einen heftigen Stil.

Möglicherweise resultiert der aus der Erfahrung in dieser Community, daß jegliche Kritik am Islam als rassistisch, chauvinistisch, fremdenfeindlich, reaktionär usw abgetan wird.
Man könnte durchaus sagen, es wird mit zweierlei Maß gemessen.

Ein grundsätzliches Thema ist wohl, daß unausgesprochen die Meinung herrscht, Zuwanderer müßten sich kulturellen Gewohnheiten des Landes anpassen. Vor hundert und zweihundert Jahren kamen viele Franzosen nach Preußen, wegen religiöser Verfolgung in ihrer Heimat, und viele Polen ins Ruhrgebiet. Daher die vielen -ski's.
Heute sind die alle Deutsche.

Die islamischen Zuwanderer beharren sehr stark auf ihrer kulturellen, vor allem religiösen Identität, die häufig, sagen wir mal problematische Praktiken aufweist, die wir seit einigen hundert Jahren abgebaut haben.
Diese Tatsache wird hier und auch in der offiziellen Politik übergangen bzw beschönigt, was zu Mißstimmung führt.

Man sollte auch bedenken, daß viele Auswanderer aus islamischen Ländern bis zu ihrer Auswanderung die dort rigiden Kulturpraktiken anderer Religionen mitgetragen haben und in ihrer Heimat auch weiter mittragen, während sie hier, zum Teil recht fordern, kulturelle Toleranz fordern.
Sie also Sachen fordern, die sie selber nicht einhalten.

Denn Ihr Blog gilt auch für Türken, Araber, Palästinenser: die sind in ihrer Heimat auch Immigranten.
Da haben Sie noch ein weites Aufklärungs- und Arbeitsfeld, Herr Bülow.
Wohlan !
Richard der Hayek schrieb am 17.06.2011 um 13:01
es muß heißen: rigiden Kulturpraktiken gegenüber anderen Religionen
langweiler schrieb am 17.06.2011 um 12:35
Hallo Herr Bülow. Ihr Blog hat mich zu verschiedenen Gedanken inspiriert, die ich unten kurz beschrieben habe. www.freitag.de/community/blogs/tomach/erst-wenn-du-in-der-fremde-bist-weisst-du-wie-schoen----
Marco Bülow
"Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer." (Antoine de Saint-Exupéry)
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