merdeister

135 rote Waldameisen

08.03.2010 | 22:21

Kammern - Merdetext

In meinem Kopf hat sich nix verändert.

Kammern

In einem Herz, da wohnten drei Kammern, was natürlich nicht genug ist, denn Kammern sind Quadrowohnliche Wesen. Und ein Zimmer stand leer, was nicht heißt, niemand sei drin, denn das war nicht der Fall. Im Zimmer wohnte ein Nagel, der steckte alleine in der Wand. Das Bild mit dem er einst ein Beziehung hatte, war schon seit langem weg, die Trauer hatte er bereits hinter sich gelassen oder vor sich, denn sie war in die Wand gesickert. Der Nagel wollte nicht, dass eine weitere Kammer in sein Zimmer zog, denn er war gern allein. Er sah nur eine Möglichkeit mit dem Problem fertig zu werden. Die Kammern mussten genetisch verändert werden, so dass sie zu triwohnlichen Kammern würden.

Nägel sind, das ist eine Tatsache die einigen Wissenschaftlern erst kürzlich -während eines denkwürdigen Ereignisses auf das ich hier nicht näher eingehen kann und möchte(Erbsensuppe spielte eine Rolle)- klar wurde, Naturtalente, wenn es um genetische Manipulation geht. Die Wissenschaftler halten diese Tatsache allerdings unter Verschluss, denn die Folgen eines Nagelexodus in die Forschungslabore wären verheerend, man denke allein an tausende schlaflose Fakire.

Unser Nagel jedoch war sich seines Talents bewusst, tief drinnen, wo das Chi strömt, über die Niagarafälle der Seele rauscht und sich ins Karmabecken ergießt, da konnte er es spüren. Und so zog er seinen Unterleib mit einem Knirrschen aus der Wand und kam mit einem leisen Klirren ninjamäßig auf dem Boden auf.

Da es tiefste Nacht war, schliefen die Kammern in ihren Zimmern tief und fest. Sie waren in der Disko gewesen, beim Kammerflimmern und das hatte sie sehr müde gemacht. Der Nagel hatte so leichtes Spiel und konnte mit lockerem Dribbling die Abwehr der DNA umspielen, durchbrach gekonnt Wasserstoffbrückenbindungen und überwand mit Leichtigkeit die Van-der-waals-Kräfte seiner Gegner. Alles in allem war er nach 36 Stunden fertig und fix in der Wand.

Als die Kammern erwachten und Kaffee getrunken hatten, wurde ihnen plötzlich klar, dass sie keine Quadrowohnlichen Kammern mehr waren, etwas in ihnen hatte sich verändert, das konnten sie ganz deutlich spüren und ein Lächeln breitete sich auf ihren Gesichtern aus, das breit genug war, damit der Nagel im Nebenzimmer es bemerken konnte und ihm schlagartig klar wurde, was für ein fataler Fehler ihm unterlaufen war. Als er irgendwo zwischen den Basenpaaren über Kopf hängend die Folge „GATCGGCA“ oft hintereinander eingesetzt hatte, hatte er übertrieben. Aus den Kammern waren gehwohnliche Kammern geworden und da waren sie auch schon zur Tür raus.

Wer sollte ihm jetzt den Kühlschrank öffnen?

 

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 08.03.2010 um 22:24
Klasse! Sehr originell. :)

rr
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 06:22
:-)
Sarah Rudolph schrieb am 08.03.2010 um 22:30
i like!
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 06:22
Me thanks.
Cassandra schrieb am 08.03.2010 um 22:30
heart surgery
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 06:24
Bald bekommst Du auch die Bilderhoheit über meine Texte ;-)
Cassandra schrieb am 09.03.2010 um 20:54
happy ;p


archinaut schrieb am 08.03.2010 um 22:34
... da ist es ja wieder, das Frontallappenwippen, sehr schön, aber natürlich ein trauriges Ende....
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 06:26
Es fühlt sich mehr wie ein Sirren an. Das Leben ist halt so, manchmal steht man vor dem geschlossenen Kühlschrank und keiner macht auf.
goedzak schrieb am 09.03.2010 um 23:23
In dem Fall besser als drinsitzen. Oder, nee, Erfrieren soll ja angenehmer sein als Verhungern.
goedzak schrieb am 08.03.2010 um 23:48
Dieser Text ist zwar auch ein Scheiße-Text, aber nicht von 1996, stimmts?!
Falls aber doch, hast Du ihn zumindest mit der in einem bereits Jahre andauernden Medizinstudium erworbenen Kompetenz überarbeitet... Anders ist das jedenfalls nicht zu erklären!
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 06:29
Stimmt, der ist von gestern, ich wollte wissen, ob ich es noch kann oder ob mich dieses Studium mein Mojo gekostet hat.
Sarah Rudolph schrieb am 09.03.2010 um 09:26
Mojo: läuft.
merdeister schrieb am 09.03.2010 um 17:22
Beweisführung per excellenz

Cassandra schrieb am 10.03.2010 um 01:36
Wer sollte ihm jetzt den Kühlschrank öffnen?



kühlschrank, einsam in einer der kammern.


vielleicht...


ist im kühlschrank ja mehr leben, als der nagel denkt


und zu hoffen wagt.


ob es nun so ausschaut, wie wir es erwartet haben - oder doch ein wenig ängstlicher...?


oder angsteinflösender?


oder chaotischer?


oder heimliche träume erfüllend?


gibt er leben zurück?


oder nur essbaren trost in dunkler stunde?


...so verlockend, dass wir uns manchmal ganz dort verkriechen wollen...?


der letzte rettungsanker auf hoher see?


oder doch nur eine attrappe?


gar gefährlich?

alles nur träume?
selbst wenn. schau dir die realität an, sie ist auch nicht schlechter...


denn er hört dir geduldig zu, wenn's dir mies geht.


und freut sich noch viel mehr mit dir, wenn es gut läuft.


vielleicht müssen nägel nur die augen, noch nicht einmal türen öffnen.

und dann werden träume vielleicht eben doch manchmal wahr.
merdeister schrieb am 10.03.2010 um 07:08
Wow!

Danke!

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merdeister
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