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Kultur : Superpunk: Ich bin nicht unten

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Ich schreibe diese Zeilen in erster Linie, weil ich es mir schuldig bin. Genau genommen bin ich es nicht mir, sondern meiner Freundschaft zu J schuldig. J, den ein Clochard vor Lidl einmal “Küstenkanake” nannte, war es, der mich der Band Superpunk aus meiner (Wahl-)Heimatstadt Hamburg näher brachte. Ich selbst war bezüglich meiner Heimat lange ein musikalischer Kulturpessimist. Das lag an Uhlenhorst.

Er gabelte mich an einem Donnerstag in einer frischen Frühlingsnacht in einem Berliner Indieklub auf, klärte recht schnell, ob ich aus Ostdeutschland und Sheila meine Freundin wäre. Und selbstverfreilich ob ich Fußball spielen könnte. Zu Buche standen 2 Ja's und ein Nein. Danach gab es Schnaps und wenig später das erste Mal Superpunk auf der Heimstereo von J. Dazu wurde Döner gereicht. Gegen 6 Uhr schliefen wir ein und waren ehrlich. Betrunken. Irgendwie.

6 Jahre später stehen wir an einem Donnerstag im Festsaal Kreuzberg. Er hat inzwischen ein Kind, ich ein gerissenes Trommelfell. Carsten Friedrichs, der Frontmann von Superpunk, erinnert mich an meinen alten Schulfreund S. Zumindest hinsichtlich seiner Kleidung, die grob unter “Klamotten von meinem großen Bruder aus Pinneberg” einzuordnen ist. Er ist ihnen entwachsen und irgendwie auch wieder nicht. Alt sieht er aus, irgendwie amtlich gezeichnet. J und ich trinken 3-5 Biere, ich höre wenig, er singt mit. Danach gibt es wieder Schnaps, wir schließen uns in die Arme und gehen heim - heute getrennt. Mir tun die Knie weh. Ich frage mich, ob es Friedrichs wohl ähnlich geht. Wenig später klingelt der Wecker.

Superpunk sind immer noch da, heißt es. J kommt nicht auf das Festival, um Klares mit mir zu trinken. Er muss arbeiten, die neue Wohnung mit Kinderzimmer renovieren und “einfach mal durchatmen”, sagt er. Ich bin enttäuscht, habe aber inzwischen ebenfalls eine Freundin. Auch mein Ohr tut nicht mehr weh. Dann fügt er hinzu, dass er die Karten verkaufen werde und wir die Einnahmen an einem Freitag, also nicht unter der Woche, gegen Astra eintauschen könnten. Ich bestehe auf ein süffigeres Bier und freue mich. Auf Superpunk, auf mein der fehlenden Textsicherheit geschuldetes Fantasie-Hanseatisch, auf das Treffen mit J und einen ehrlichen Abend mit Männern, die Wehwehchen pflegen.

JJK

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