Das Pop-Blog

Blog von Das Pop-Blog

09.09.2010 | 12:52

Superpunk: Ich bin nicht unten

 

Ich schreibe diese Zeilen in erster Linie, weil ich es mir schuldig bin. Genau genommen bin ich es nicht mir, sondern meiner Freundschaft zu J schuldig. J, den ein Clochard vor Lidl einmal “Küstenkanake” nannte, war es, der mich der Band Superpunk aus meiner (Wahl-)Heimatstadt Hamburg näher brachte. Ich selbst war bezüglich meiner Heimat lange ein musikalischer Kulturpessimist. Das lag an Uhlenhorst.

Er gabelte mich an einem Donnerstag in einer frischen Frühlingsnacht in einem Berliner Indieklub auf, klärte recht schnell, ob ich aus Ostdeutschland und Sheila meine Freundin wäre. Und selbstverfreilich ob ich Fußball spielen könnte. Zu Buche standen 2 Ja's und ein Nein. Danach gab es Schnaps und wenig später das erste Mal Superpunk auf der Heimstereo von J. Dazu wurde Döner gereicht. Gegen 6 Uhr schliefen wir ein und waren ehrlich. Betrunken. Irgendwie.

6 Jahre später stehen wir an einem Donnerstag im Festsaal Kreuzberg. Er hat inzwischen ein Kind, ich ein gerissenes Trommelfell. Carsten Friedrichs, der Frontmann von Superpunk, erinnert mich an meinen alten Schulfreund S. Zumindest hinsichtlich seiner Kleidung, die grob unter “Klamotten von meinem großen Bruder aus Pinneberg” einzuordnen ist. Er ist ihnen entwachsen und irgendwie auch wieder nicht. Alt sieht er aus, irgendwie amtlich gezeichnet. J und ich trinken 3-5 Biere, ich höre wenig, er singt mit. Danach gibt es wieder Schnaps, wir schließen uns in die Arme und gehen heim - heute getrennt. Mir tun die Knie weh. Ich frage mich, ob es Friedrichs wohl ähnlich geht. Wenig später klingelt der Wecker.

Superpunk sind immer noch da, heißt es. J kommt nicht auf das Festival, um Klares mit mir zu trinken. Er muss arbeiten, die neue Wohnung mit Kinderzimmer renovieren und “einfach mal durchatmen”, sagt er. Ich bin enttäuscht, habe aber inzwischen ebenfalls eine Freundin. Auch mein Ohr tut nicht mehr weh. Dann fügt er hinzu, dass er die Karten verkaufen werde und wir die Einnahmen an einem Freitag, also nicht unter der Woche, gegen Astra eintauschen könnten. Ich bestehe auf ein süffigeres Bier und freue mich. Auf Superpunk, auf mein der fehlenden Textsicherheit geschuldetes Fantasie-Hanseatisch, auf das Treffen mit J und einen ehrlichen Abend mit Männern, die Wehwehchen pflegen.

 

JJK

 
Senden Bookmarken Drucken
Das Pop-Blog
Das Freitag-Blog zur Musik. Hier schreiben Jan Jasper Kosok, Maike Hank, Daniel Windheuser, Sophia Hoffmann und Antonia Märzhäuser. In nächster Zeit vor allem für das Berlin Festival.
Mitglied seit:
1 Jahr 40 Wochen
Zuletzt aktiv:
08.09.2011
Status:
Redakteur
Aktivität:
Beiträge: 26
Kommentare: 1
Logbuch
17:02
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
17:01
doimlinque hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:57
ed2murrow hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:53
Schachnerin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:51
Der König von Prussia hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG