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Jetzt scheint es offiziell: die Frankfurter Rundschau, DER Leuchtturm sozialliberalen Denkens und sozialliberaler Tradition wird exekutiert. Der Zeitgeist will sich so ein Blatt nicht leisten. Und Geld ist bekanntlich (fast) alternativlos.
Zur 68er-Zeit war die FR DAS Pflichtblatt des studentischen Widerstandes und DIE Entspannung im dumpf-reaktionären Mediendampf. Was jetzt blüht, konnte man schon mal am 25.Juni 2011 erleben, als die FR in das ebenso unwahre wie unsägliche Halali gegen Winfried Hermann einstimmte/ einstimmen musste: der "Stuttgarter Geist", vor dem wir uns vormals in die FR flüchteten, ist jetzt auch dort angekommen:
"MDS will den Mantel der „FR“ zusammen mit der „Berliner Zeitung“ von Redakteuren des Druck- und Verlagshauses Frankfurt, der DuMont-Redaktionsgemeinschaft und der „Berliner Zeitung“ produzieren lassen."
In Berlin aber sitzt in der Chefetage Uwe Vorkötter, von 1980 bis 2001 von der Stuttgarter Zeitung sozialisiert und imprägniert. Und dortselbst während der Zeit der S21-PR Chefredaktuer.
www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0625/seite1/0083/index.html
www.fr-online.de/wirtschaft/spezials/stuttgart-21/bahn-besteht-offenbar-stresstest/-/4767758/8594734/-/
www.fr-online.de/home/wir-ueber-uns/-/4353508/7952256/-/index.html
de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Vork%C3%B6tter
Bye bye FR also. Und der heutige, heftige Meinungsbeitrag von Peter Grottian darf wohl als letztes Aufbäumen und letzte Erinnerung an eine große, (basis-) demokratische Tradition verstanden werden - die zu vielen zu lange das Geld nicht wert war?
Jedenfalls erwächst aus diesem Nachruf die Mahnung an die Stuttgarter, die neuen Stuttgarter Medien jetzt und in Zukunft nicht hängen zu lassen, sondern ihr finanzielles Überleben aktiv zu garantieren.
www.fr-online.de/politik/meinung/anhaltender-ungehorsam/-/1472602/8635652/-/index.html
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@zusammen, dafür wird uns vielleicht stoiber in zukunft durch die glotze infotainment bieten.
"Nur wenige Wochen nach Übernahme seines EU-Amts im November 2007 wurde der CSU-Ehrenvorsitzende in den Aufsichtsrat der Nürnberger Versicherungsgruppe gewählt. Seit Ende 2009 ist Stoiber zudem Beiratsvorsitzender der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte. Hinzu kommt ein Sitz im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München. Und nun der Posten bei Pro Sieben Sat1, dessen Vergütung der Medienkonzern nicht offen legte." www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ex-ministerpraesident-in-der-privatwirtschaft-der-vielbeschaeftigte-dr-stoiber-1.1115088 |
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@ glaubdir
"dafür wird uns vielleicht stoiber in zukunft durch die glotze infotainment bieten." In meine Antenne kommt er (noch) nicht rein. Ich bin einfach zu geizig - obwohl kein Schwabe. Oder vielleicht gerade deshalb? ;) |
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@seriousguy47, vielleicht ist es ja ein gutgemeinter wink des schicksals. und selbst wenn er in deine antenne reinkommt, wichtig ist ja nur, daß du ihn nicht auch noch in deinen kopf reinläßt. ;-)
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seriousguy47 schrieb am 05.07.2011 um 17:48 Uhr u.a.
"(...) Bye bye FR also ..." Ja, leider! Ich bedaure es sehr, dass es fast keine konzernunabhängigen, "unbestechlich recherchierenden" und dadurch selbstbewußt auftretenden (weil nicht von Werbung und Konzerninteressen abhängigen) Printmedien in diesem Land mehr gibt. Sicher, ich lese 'taz', 'ND' und 'SZ', aber ..., was ist das gegen die ca. 100 Tageszeitungen, die vor der Nazizeit allein in Berlin Tag für Tag erschienen? Ich erlaube mir, in diesem traurigen Kontext, noch einmal zu dem von mir verfassten 'Nachruf' auf die Frankfurter Rundschau zu verlinken: www.freitag.de/community/blogs/sexpower/bye-bye-frankfurter-rundschau Ich bin sehr traurig! |
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Hallo Knüppel,
Danke für den interessanten und persönlichen Link. Kannte ihn nicht - der 1. April war aber auch wirklich kein angemessenes Datum....;) Ansonsten: die FR ist dem neon-liberalen Geist ganz zum Opfer gefallen. Der Rest "nur" geistig - mal von den von mir und den im Link genannten Ausnahmen abgesehen, denen man noch ein paar weitere hinzufügen könnte. Das Ergebnis aber ist durchweg dasselbe. Schröder opferte dann auch politisch den von Rot-Rrün erhofften neuen Geist seinem "lupenreinen" Demokratieverständnis...... ...und deshalb engagiere ich mich beim Widerstand gegen S21, einem der letzten "gallischen Dörfer" der Demokratie..... |
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Schade um die FR, ich war fast 40 Jahre ihr Abonennt. Jetzt kaufe ich sie mir manchmal noch wg. Widmann, Nutt und ihres manchmal erstaunlich kapitalismuskritischen Wirtschaftsteils. Scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein, dass auch diese Autoren abgewickelt werden. Der Untergang der alten FR ist (u.a.) ein Symptom dafür, dass sich die sozialliberalen Milieus auflösen. Reste tummeln sich hier beim FREITAG.
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"...Symptom dafür, dass sich die sozialliberalen Milieus auflösen. Reste tummeln sich hier beim FREITAG."
Eigentlich war die richtige Adresse dafür ja mal die ZEIT Community und FREITAG hatte links mehr Platz. Insofern ist auch die Schließung der ZEIT Community und ihre Auferstehung als Forum für vorselektierte Besinnungsaufsätze ein weiteres Symptom für den Versuch, den kritisch-reflektierenden Liberalismus endlich aus der Öffentlichkeit zu drängen und auszutrocknen. Man muss wohl davon ausgehen, dass nach dem endgültigen Wegfall des moralischen Drucks, der nach Hitler&Co in dieser Gesellschaft herrschte, nicht nur die materielle Spaltung der Gesellschaft immer weiter ins Extreme getrieben wird, sondern dass auch die plumpe traditionelle ideologische Spaltung wieder höchst erwünscht ist und kritische Reflektion dazwischen nurmehr als Störung wahrgenommen wird. Und diese traditionelle ideologische Spaltung ist ja in Wahrheit nur die Alleinherrschaft von rechts. Der Linken kommt in so einer Konstellation lediglich die Rolle des "schwarzen Mannes" zu, mit dem man Wähler ängstigen kann. Ein starkes sozialliberales Milieu in der Mitte könnte es möglich machen, dass dieses System zumindest partiell und zeitweise demokratische Züge annehmen könnte. Aber es soll wohl nicht mehr sein. Das Kapital scheint sich - wieder und immer noch - mächtig genug zu fühlen, um auf die demokratische Nachkriegskosmetik verzichten zu können. Und die Bürger scheinen sich damit zufrieden zu geben, solange es dafür noch ein paar Euro gibt. Wie stark das System sich während des Niedergangs der sozialliberalen Kontrolle bereits offen kriminalisiert hat, zeigt sich gerade wieder mal beispielhaft in den zunehmenden Enthüllungen der Kungeleien und Betrügereien bei S21. Sie scheinen mittlerweile selbst bei der SPD als selbstverständlich angesehener politischer Alltag zu sein. Und ausgerechnet in dieser Situation gibt es jetzt keinerlei Medium mehr, das genügend Menschen mit seinen Aufklärungsversuchen erreichen könnte. Allerdings sind die Bürger natürlich mit schuld, wenn sie nicht bereit sind, solche Medien hinreichend zu unterstützen. Vielleicht ist die neue "Alles Umsonst"-Ideologie ein Bumerang, der uns nochmal ganz hart gegen die Birne knallt....... |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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