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Politik : S21: Nomenklatura erklärt Stuttgarter Widerstand den Krieg

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1. Dr.Kefer: Bahn hat KEINEN Stresstest durchgeführt

Kurz nach 12 Uhr heute hat der Technikvorstand der Bahn, Dr. Kefer, ohne Wenn und Aber bestätigt, was S21-Gegener seit langem behaupten: Die Bahn hat zu S21 KEINEN Strestest durchgeführt, sondern eine ganz simple Betriebssimulation. Diese Bestätigung auf der neuerlichen Geißler-CDU-Ego-Show erfolgte nicht in direkter Rede, sondern auf dem Umweg über die gezeigten Folien zu den Grundlagen der durchgeführten Simulation.

So wurde auf der Grundlagenfolie ausdrücklich formuliert: "...Grundlagen für Trassenkonstruktion und Betriebssimulation" (TV-Übertragung bei ca. 12:18 Uhr). Zwei Folien später wurde der Begriff "Betriebssimulation" ohne weitere Erläuterung durch den Begriff "Stresstest" ersetzt. Daraus ergibt sich, dass die Bahn ohne Rücksprache und Begründung ihre übliche Betriebssimulation des Bahnalltags einfach als Stresstest ausgibt.

Bestätigt wurde dies später auch verbal, wenn Dr. Kefer ausdrücklich WIEDER von "Betriebssimulation" sprach und beispielsweise ausführte: "Betrieb wird rechentechnisch simuliert". Der BETRIEB also, nicht STRESSOREN, was ERHEBLICHE STÖRUNGEN wären. Genau hier aber liegt das zentrale hypothetische Problem des Tunnelbahnhofs und die vermutete Überlegenheit des Kopfbahnhofs.

Das aber wollten die S21-Gegner getestet haben und genau dies ist nicht geschehen und von Dr. Kefer jetzt so auch offiziell bestätigt.

Bestätigt wurde auch eine andere Vermutung: Heiner Geißler ist KEIN Moderator oder gar Mediator, sondern ein parteilicher Sprecher und Manipulator der S21-Befürworter. Dies zeigte sich an mehreren Stellen z.B. durch seine eigen- bis mutwilligen Interprationen von Äußerungen der Gegner und wurde von Hannes Rockenbauch und Brigitte Dahlbender korrekt und zutreffend gerügt. Besonders unverschämt war die Einlassung, die S21-Gegner hätten halt mehr kämpfen müssen. Das ist genau der versaute und charakterlose Soizialdarwinismus um jeden Preis, der die Menschen bei der herrschenden Politik ankotzt und von dem sich das Aktionsbündnis zu Recht abgrenzt.

Inhaltlich richtig und zentral waren auch die Fragen von Boris Palmer zur Rolle von SMA. Ob dies auch taktisch klug war oder die Geißlersche Taktik verstärkt hat, die Zusschauer, insbesondere aber die Medien, gegen die S21-Gegner aufzubringen.

Ein Affront gegen die Zwangsgebührenzahler finde ich wieder einmal die unsäglichen Einlassungen des sogenannten Professors Brettschneider. Unerträglich. Das noch so nebenbei.

2. Eklat bei Geißler-Show

Das Aktionsbündnis gegen S21 hat endlich die überfällige Konsequenz gezogen und die Geißler-Runde, die der selbsternannte "Schlichter" mit immer offensichtlicher werdender Obszönität zu manipulieren versuchte, verlassen. Die Sitzung läuft gerade wieder an. Geißlers Versuch, die Anwesenden und die Zuschauer via TV stundenlang mit seinem durchsichtigen Versuch zu nerven, dem geplanten Tunnelbahnhof unter Verstoß gegen seinen eigenen "Schlichterspruch" mit aller Gewalt ein "Premium"-Etikett überzupappen, war als offensichtlicher Betrugsversuch beim betsen Willen nicht mehr zu ertragen.

Bereits in der ersten Geißler-Show war ganz klar festgehalten worden, dass der Versuch Prof. Martins, die Funktionstüchtigkeit des Tunnelbahnhofs durch eine auf den Bahnhof selbst fokussierte Simulation zu belegen untauglich ist. Der Stresstest sollte deshalb auch ausdrücklich den Bahnknoten insgesamt betrachten. Dies versuchte Geißler nun wieder zurückzudrehen. Und, wie schon im vergangenen Herbst, genau an dem Punkt, wo es für S21 - im Laufe des Palmer-Vortrags - brenzlig wurde. Damit wurde die Diskussion auch gezielt abgelenkt von den Kritikpunkten und auf ein Nebengeleise abgelenkt.

Und die Themen Sicherheit und Behindertenfreundlichkeit gerieten dahin, wo die Bahn sie haben wollte: ins Abseits, wo sie in einem Ex-Euthanasie-Land eben hingehören. Die Bahn war ja schließlich integraler Bestandteil des Völkermordsystems der Nazis. Und Tradition verpflichtet bekanntlich.

Diskussionswürdig, weil hoch verräterisch, wäre z.B. dagegen eine Äußerung von S21-Seite (?) gewesen, dass es Ziel des mehrjährigen Fahrplanaufbaus gewesen sei, beim Tunnelbahnhof ein Maximum dessen zu erreichen, was der derzeitige Fahrplan bereits bietet (TV ca. Stunde 5:15:15). Aber das wurde ganz schnell überhuscht.

Stattdessen nahmen Geißlers Parteilichkeit und Manipulationswillen ständig zu, was, Gott sei Dank, vom Aktionsbündnis diesmal auch immer wieder thematisiert wurde. Zum Beispiel ließ er eine "Frage" von Kefer an Boris Palmer zu, der aber gar nicht die Absicht hatte, zu fragen, sondern stattdessen polemisierte: Palmer bewege sich "im Reich der Fabel" oder im "Wolkenkuckucksheim". Das ähnelte dem Rufmordversuch am Büro Vieregg-Rössler via Dreisatz-Rechnung mit getürkten Zahlen im vergangenen Herbst.

Ein anderes Beispiel für Geißlersche Parteilichkeit: Fragen von Minister Hermann blieben an einer Stelle ebenso unberücksichtigt wie Wortmeldungen von Rockenbauch, aber CDU-Hauck durfte mehrfach in die Runde labern und blieb nicht nur ungerügt, sondern bekam solchermaßen gestellte "Fragen" auch noch auf Kosten anderer beantwortet.

Der Gipfel war dann zweifellos das Geißlersche Diktum: "Ich habe die Premium-Frage geklärt." Dazuzudenken wäre: Da kann SMA schreiben, was sie wollen. Solcherlei "Wortklauberei" interessiert mich nicht.

Oder der alte Demagogentrick des Herrn G.: "Ich stelle die Fragen, die der normale Mensch stellt" - was allenfalls richtig wäre als "....die der alte, schwerhörige Mensch stellt, der überdies partout keine andere Meinung mehr hören will". Dass diese Einschätzung nicht ganz falsch sein kann, zeigte sich gegen Ende der Debatte, als versucht wurde, darzulegen, dass ein Verspätungsabbau an einem Bahnhof primär etwas mit der Art des Fahrplans zu tun hat und nicht mit der Infrastruktur. Das heißt, mit dem passenden Fahrplan kann man das an JEDEM Bahnhof erreichen. Das beweist aber nicht die überlegene Qualität eines isoliert betrachteten Projektes. Wenn schon, dann müsste dieser Fahrplan wenigstens vergleichend für K21 und S21 betrachtet werden.

Das brachte Herr Naumann vor und ergänzte es mit einem zweiten Punkt: der 30 prozentige Zuwachs, der dem Stresstest zugrunde lag, liege unter den vorliegenden Prognosen für den Bahnverkehr der Zukunft, markiere aber bereits die Grenzen von S21. Darauf Geißler, er verstehe gar nichts mehr.

Zentral war aber der Satz: "Wir können nicht immer von Adam und Eva anfangen". Dummerweise liegt aber genau da die Ursache des Konflikts, der solange weiterlaufen wird, bis dies endlich korrigiert ist: S21 wurde NIE als im Vergleich zum Kopfbahnhof besserer Bahnhof für Bahn UND Kunden geplant, sondern lediglich als irgendwie zu machende Schnapsidee.

Der konsequente Auszug des Aktionsbündnisses scheint Geißler dann dermaßen aus der angemaßten Rolle des "neutralen Schiedsrichters" geworfen zu haben, dass er verriet, dass er bereits ein fertiges Kompromißpapier zum Verteilen bereitliegen habe. Kenner von Niklas Luhmann dürfte die Tatsache, dass weniger überraschen als die die Art, wie......

Update 19:30 Uhr:

Der politisch unabhängigste Teil des Aktionsbündnisses hat die Geißler-Show endgültig verlassen, nachdem die Bahn sich weigerte, ein Moratorium mit Bau- und Vergabestopp zur Prüfung der abschließenden Geißler-SMA-Vorschläge zuzusagen. Das kann man nur als endgültige Kriegserklärung der Nomenklatura an den Stuttgarter Widerstand auffassen. Ein Ende der kriminellen Machenschaften ist also nicht abzusehen.

Sehr erhellend in Bezug auf die politische Unzurechnungsfähigkeit der offiziellen Befürworter von S21 war eine Äußerung von OB Schuster, er könne sich nicht vorstellen, dass die Bahn einen unzureichenden Bahnhof bauen wolle. Demnach kann es die Katastrophe von Eschede nie gegeben haben, denn welcher anständige Ingenieur baut denn einem Hochgeschwindigkeitszug bewußt unzureichende Räder ein, die zwangsläufig zu einer Katastrophe führen müssen? Demnach kann es keine Probleme mit Klimaanlagen gegeben haben. Denn welcher anständige Dienstleister baut denn in moderne Züge unzulängliche Klimaanlagen ein, die nicht für einen Sommer ausgelegt sind? Und es kann auch keine eingefrorenen Weichen gegeben haben. Denn welcher Bahnfachmann arbeitet denn mit unzulänglichen Weichen, die für einen normalen Winter nicht geeignet sind?

Mehr braucht es nicht, um sich ein Urteil über die Kompetenz unserer derzeitigen politischen Führung zu bilden.

Dass alle Befürworter am Ende dem Geißlerschen "Friendensangebot" eine demütigende Absage erteilten, ist nur konsequent und zeigt, dass die Befürworter alle Geißlerschen Kompromißversuche von vornherein nur für lächerlich hielten und selbst den eigenen Parteigänger nur für einen nützlichen Idioten halten. Insofern hätte Geißler besser daran getan, sich von Anfang an an die Vernunft und die Argumente zu halten - sich also an die Seite des Widerstandes zu stellen.

3.Weiterführende Links:

bit.ly/pTPQZz

www.bei-abriss-aufstand.de/2011/07/29/rede-von-winfried-wolf/

www.bei-abriss-aufstand.de/2011/07/29/presseerklarung-stuttgart-21-beim-stresstest-durchgefallen/

railomotive.com/2011/07/geissler-schlagt-kopf-und-tiefbahnhof-vor/

www.bei-abriss-aufstand.de/2011/07/29/presseerklarung-frieden-fur-stuttgart-s21-ist-ausdiskutiert/

Der „Friedensvorschlag“ von Geißler:

assets0.parkschuetzer.de/assets/downloads/faktencheck/frieden_in_stuttgart.pdf

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.