seriousguy47

Blog von seriousguy47

01.08.2011 | 01:06

Teufelsgrube oder Stohlerbahnhof? Dr. Geißlers Demokratietherapie

S21-Haupttäter Erwin Teufel scheint sein Gewissen zu plagen. Die FAS jedenfalls gibt bekannt, Teufel wolle nicht länger schweigen. Der Grund: „Die Lage der CDU ist ernst“. Der schlechteste Stand seit 1949 zwinge dazu, nach den Ursachen zu fragen. Aus dem folgenden Bla, Bla möchte ich nur ein paar Versatzstücke herausgreifen, die aber auch nur dann lesenswert sind, wenn man sie aus dem Zusammenhang löst. Zum Beispiel ist Teufels Formulierung bemerkenswert, die Wirtschaft sei kein Selbstzweck, sondern müsse dem Menschen dienen - solange sie nicht CDU-Lügen-Rethorik bleibt. Oder: die CDU dürfe nicht das "C" im Schilde führen, wenn sie sich nicht an ihm orientiere. Ist glaubwürdig, sobald Teufel und die Seinen selbst z.B. bei S21 beginnen, das 9. Gebot zu beachten: „Du sollst nicht lügen.“ Und Teufels Einlassungen zu Recht und Gesetz schließlich wären zustimmungsfähig, wenn man das „Wie soll man von den Bürgern Rechtstreue verlangen, wenn sich ihre Staats- und Regierungschefs nicht an das Recht und an abgeschlossene Verträge halten?“ erweitern würde um die Einfügung „und Recht, Gesetz und Demokratie zertricksen, manipulieren und biegen, um über scheinlegale Verträge Kapitalinteressen gegen das Gemeinwohl durchsetzen zu können, unter dem sie ganz selbstverständlich das genaue Gegenteil von dem verstehen, was ursprünglich damit gemeint war“. [1]

Teufels „Schweigen“ ist also insoweit gebrochen, als Teufel nicht selbst in sich gehen muss. Ansonsten verhält er sich perfekt C-“christlich“, indem er den Splitter im Auge der anderen anprangert, anstatt sich mit dem Balken im eigenen Auge auseinanderzusetzen, nach dem Pharisäer-Motto:

Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faßte zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem, daß ich habe.“ Lukas 18,9-14 [2]

Heiner Geißler ist da mit seinem papierenen Versuch einer Friedensstiftung in Sachen „christlich“ und lernfähig um Längen weiter.[3] Aber er scheint zumindest die deutschen Journalisten damit intellektuell und emotional hoffnungslos zu überfordern. Gewohnt, aus Zeitmangel und Konfliktscheu auf eigenes Denken und Recherchieren zu verzichten und sicherheitshalber immer erst einmal nach der Macht zu plappern, sind sie der Herausforderung eines offenen und unvoreingenommenen Lesens nicht mehr gewachsen. Kreativität nehmen sie als unwillkommene Störung wahr, und Neues löst Unsicherheit und Angst aus.

Sie wissen das, lassen dieses Wissen aber nicht ins Bewusstsein dringen, sondern arbeiten es – siehe Teufel - projektiv an Andersdenkenden ab. Beispielhaft war in den 90ern die SPIEGEL-gesteuerte Kampagne gegen einen tatsächlichen oder vermeintlichen „Reformstau“ in Deutschland, die, bei genauerer Prüfung, gar nicht auf Reformen abzielte, sondern auf die Umsetzung längst überholter und widerlegter „neo“-“liberaler“ Konzepte von Deregulierung, Privatisierung und Sozialstaatsabbau, die in der andauernden Weltfinanzkatastrophe ihr vorhersagbares Ergebnis zeitigten. Selbst wenn man in Wirtschaftsdingen unerfahren und uninformiert war, musste allein die Tatsache skeptisch machen, dass dieser ökonomische Schwachsinn politisch von Personen betrieben wurde, die damit erkennbar intellektuell überfordert waren: Ronald Reagan und Margaret Thatcher. [4]

Dass dieser ökonomische Schwachsinn politisch inakzeptabel war, zeigte sich überdeutlich daran, dass er im faschistischen Chile sozusagen vorbildhaft umgesetzt werden sollte. Als „Reform“ propagiert wurde so von fast allen Mainstream-Medien ein nur in faschistischen Strukturen umsetzbares Wirtschaften, das nachweislich zum Zusammenbrauch des Weltwirtschaftssystems führen musste. Diffamiert als Reformverweigerung wurde dagegen genau das Wirtschaftssystem, das als Konsequenz aus den Erfahrungen mit Weltwirtschaftskrise und Faschismus konzipiert worden war. Anstelle einer intelligenten und kreativen Weiterentwicklung dieses Systems wurde seine möglichst weitgehende Abschaffung propagiert. Und SPIEGEL & Co wussten sich dabei sicher, bequem und mit Karriereperspektive an der Seite des Kapitals.

Querdenker, Kreative, nach neuen Lösungen Suchende wurden innerhalb der Redaktion (Harald Schumann) [5], in der Wissenschaft, in der Politik und bei der mitlesenden Bürgerschaft systematisch und gezielt ignoriert, diffamiert und zum Schweigen gebracht. Solchermaßen von Kritik und Kontrolle abgeschirmt, entwickelte sich ein kollektiver „neo“-liberaler Massenwahn, der sich in Deutschland dank des tief verankerten Denkens in Kategorien sozialer Gerechtigkeit nicht so weit durchsetzen konnte wie im anglo-amerikanischen Bereich, wo sehr stark in religiös verbrämten sozial-darwinistischen Kategorien (USA) gedacht, und allenfalls im Bereich des ganz privaten moralischen Engagements für sozialen Ausgleich gesorgt wird. Ein ziemlich übertragenes Nachbeben findet derzeit in Form der sogenannten Tea Party-Bewegung statt, die gerade meint, sich durch den endgültigen Kollaps des Weltfinanzsystems selbstverwirklichen zu müssen. Hallelujah.

Weite Teile der hiesigen Öffentlichkeit haben es seit Beginn der Weltfinanzkrise im Frühjahr 2007 [6] geschafft, sich aus diesem kollektiven Wahnsystem zu befreien. Dass Korrekturen in den fatalen Strukturen ausbleiben und wir weiter auf den Abgrund zusteuern, dürfte nurmehr an der Macht des Kapitals liegen, dem das Stümpern der nationalen und der mangelnde Reformwillen der internationalen Politik nichts entgegensetzen.

Aus den berauschenden Dämpfen, die der „neo“-liberalen Miste entstiegen, entsprang auch jene „Vision“, die S21 heißt. Hier trifft Helmut Schmidts Diktum aus dem Bundestagswahlkampf 1980, "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen", ausnahmsweise zu. Was als zunächst diskussionswürdige Idee Heinz Dürrs seinen Ausgang nahm, entwickelte sich im Vakuum abgeschotteter Maultaschen-Connections von der Schnappsidee zur ingenieursmäßig abgesegneten Wahnvorstellung und droht im Moment – wenn die Meinungserhebungen einigermaßen die richtige Richtung anzeigen – sich zum kollektiven Mehrheitswahn auszuwachsen. Und dass die Deutschen dafür ausgesprochen empfänglich sind, haben sie in Weimar und danach hinlänglich unter Beweis gestellt.

Genau hier und genau deswegen aber hat Geißlers jüngste SMA-gespeiste Intervention ihren wichtigen und notwendigen Platz – sofern es kein Ablenkungsmanöver angesichts bevorstehender massiver Polizeiaktionen sein soll.[7] Es ist eine taugliche Erinnerung an das, was anstelle der irrationalen Berauschung bis in den Größenwahn hinein hätte stattfinden sollen. Und eine höchst notwendige Mahnung, nun endlich aus dem Wahn zu erwachen und die Sache, genauer: das zu lösende Problem, anzuschauen, nämlich die zukunftsfähige Ausgestaltung des Bahnknotens für die Region Stuttgart.

Und dafür hat SMA offenbar ganze Arbeit geleistet. Mit allen erforderlichen Daten, die man für diese Basisarbeit benötigt – derzeitige und geplante Bahninfrastruktur, voraussichtlich erwünschter Fahrplan und entsprechendes Betriebskonzept – hat man die notwendige Infrastruktur eruiert, die die gestellte Aufgabe in Premiumqualität erfüllt, ausbaufähig ist und schonender für Umwelt, Stadtästhetik und Staatshaushalt ist. Kurz: SMA hat exakt das Allerselbstverständlichste getan, nämlich sachorientiert und verantwortungsbewusst das Mögliche erkundet und es der demokratischen Willensbildung übergeben.[8] Ganz nebenbei hat SMA damit auch durch die Blume offengelegt, was man von dem auditierten Bahnkonzept und seinen Präsmissen hält. Nämlich gar nichts.

Dabei sieht es ganz danach aus, als ob die Initiative von SMA ausgegangen ist [9] und Geißler sich nur darauf eingelassen hat, weil seine schwarz-grünen Herrschaftspläne für den Parteigenossen Mappus geplatzt sind und seine zu diesem Zweck inszenierte Schlichtungsfarce als solche durchschaut worden war. SMA scheint ihm die nötigen Unterlagen für eine Überarbeitung seiner Demokratietherapie angeboten zu haben. Und dass er das erkannte und nutzte, hebt ihn dann doch wieder ab von jenem S21-Mob, der sich weigert, seinen Wahn aufzugeben, zur Vernunft zurückzukehren und aus den begangenen schweren Fehlern und (kriminellen ?) Verfehlungen zu lernen.

Stattdessen wird das getan, was ertappte Kriminelle üblicherweise tun, sofern sie über hinreichende finanzielle Ressourcen verfügen: Leugnen, falsche Zeugen vorschicken, Medienkampagnen starten, Schuld anderen zuschieben, eskalieren und „Fakten schaffen“ (sprich: mögliche Ausstiegskosten erhöhen), die die Motivation zum Untersuchen und die Bereitschaft zum juristischen Stopp möglichst weit absenken sollen. Und wenn man am Ende doch verlieren sollte, dann soll vorher möglichst viel irreparabler Schaden entstanden sein. Um den Wahn zu beenden, reicht Geißlers Intervention also nicht aus. Leider. Dazu bedürfte es wohl stärkerer Reize – wie dem, den die Weltfinanzkatastrophe setzte. Und selbst da ist ja nur der Wahn gestoppt, nicht aber die Machtverhältnisse und der fatale politische Kurs.

In den Medien wird derweil versucht, das, was man weder intellektuell noch emotional zu fassen vermag und das Mut und Rückgrat erfordern würde, in irgendwelche platten Muster zu pressen, die irgendwie passend scheinen. Zum Beispiel das Muster „zu spät“. So kann man den Vorschlag akzeptieren und zugleich verwerfen. Und so wird dieses Muster denn auch allzu gerne verwendet.

Dabei ist genau das Gegenteil richtig: die Geißlersche Intervention passt gerade dann, wenn es bereits zu spät scheint.

Dieses Muster wurde im Übrigen ja auch bereits gegen den anschwellenden Protest des Jahres 2010 eingesetzt, dem vorgehalten wurde, dass man 15 Jahre lang gepennt habe. Eine ebenso dreiste wie schwer zu durchschauende Lüge. Denn am Anfang hatte ja ein Konzept von Heimerl gestanden, das dem jetzt von SMA auf wesentlich fundierterer Datenbasis und wesentlich professioneller erarbeiteten Vorschlag ähnelt. In meiner Erinnerung (und vielleicht auch in der vieler anderer Medienkonsumenten) hatte sich dieses ursprüngliche Konzept eingelagert und wir sahen die spärlichen und wenig aussagekräftigen Medienberichte über die Weiterentwicklung von S21 immer auf dieser Basis. Erst die Photomontagen der Parkschützer, die im Frühjahr 2010 offenlegten, dass und in welchen skandalösen Ausmaß der Schlossgarten zerstört werden sollte, brachten die Wahrheit ans Licht – und lösten den Schock aus, der den Protest eskalieren ließ.

Nun hat SMA einen Kompromiss erarbeitet, der zwar den Gegnern von S21 viel zu viele Zugeständnisse gerade in diesem Punkt abverlangt und vor allem auch erst dann zustimmungsfähig sein wird, wenn sichergestellt ist, dass die unabdingbaren Umwelt-Essentials gewährleistet sind.[10] Er ist aber deutlich besser als S21 und greift dabei auf vieles zurück, was für S21 bereits durchgeplant ist. Wenn Gegner und S21-Betreiber sich darauf einließen, sich zusammensetzen und den Vorschlag gemeinsam perfektionieren würden, dann könnten die notwendigen bürokratischen Schritte in hohem Tempo nachgeholt werden. Für Stuttgart wäre es keine so ideale Lösung wie K21 es sein würde, aber um ein Vielfaches besser und zukunftsfähiger als S21.

Verlierer gäbe es – außer OB Schuster und dem Stuttgarter Gemeinderats-Kartell - keine. Denn Kapital und Arbeit könnten gleichermaßen profitieren. Stadt, Region und Bahn hätten einen zukunftstauglichen Bahnknoten. Und den Immobilienfritzen werden ohnehin bereits anderweitig reichlich bedacht. Einen Gewinner aber gäbe es: die bürgerliche Demokratie. Sie hätte bewiesen, dass sie immer und überall alternativ-fähig, lernfähig und lösungsfähig ist. Selbst wenn alles alternativlos, zu spät und sonst was erscheint. Nur eines gibt es – neben der Macht des Kapitals und des Militärs -, was am Ende die Demokratie auf ihrem Weg aufhalten und sie zerstören kann: menschliche Dummheit .

Schaun wir mal, ob wir beim weiteren Verlauf des S21-Prozesses der amerikanischen Demokratie näher sind, die sich gerade anzuschicken scheint, sich dem Tea Party-Wahn entgegenzustellen. Oder ob wir den syrisch-libyschen Weg wählen, wo der Wahn bereits in einen Blutrausch übergegangen ist.

Einstweilen aber muss der Kampf sich gegen die Ausweitung des S21-Wahns und die Förderung menschlicher Dummheit durch die S21-Betreiber richten. Es ist massiv drastische und schonungslose Aufklärung zu betreiben über das, was S21 anrichten wird. Es sind Namen zu nennen und Verantwortlichkeiten. Die schönen Fassaden vor den stinkenden Hinterzimmern müssen ein Ende haben.

[ 1 ] www.faz.net/-021xy0

[ 2 ] www.luther.enet.de/11_trinitatis.html

www.bibel-online.net/text/luther_1912/matthaeus/7/

[ 3 ] www.schlichtung-s21.de/fileadmin/schlichtungs21/Redaktion/pdf/110729/frieden_in_stuttgart.pdf

[ 4 ] www.youtube.com/watch?v=iHlc3k3deAM&;;feature=player_embedded

www.videogold.de/harald-schumann-wirtschaftliche-macht-und-demokratie-vortrag/

www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Demokratiekongress/Harald_Schumann__Wirtschaftliche_Macht_und_Demokratie_Mainz_13_3_2011.pdf

[ 5 ] Original und Fälschung:

de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus

Fälscher:

de.wikipedia.org/wiki/Chicagoer_Schule

de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Boys

de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Reagan

de.wikipedia.org/wiki/Reaganomics

de.wikipedia.org/wiki/Laffer-Kurve 

Leider fehlt hier jeder kritische Hinweis darauf, dass es sich bei dieser Kurve um keine „wissenschaftlich“ fundierte Theorie handelt, sondern um eine reine, von den Medien (Wall Street Journal) gepuschte Schnapsidee, die nur einem gedient hat: dem Profiteur Laffer. (Alfred L., Malabre: Ungehörte Propheten Stuttgart, Schäffer-Poeschel Verlag, 1994, Seiten 216 ff)

hbr.org/products/6440/6440p4.pdf

de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Thatcher

de.wikipedia.org/wiki/Thatcherismus

de.wikipedia.org/wiki/Augusto_Pinochet

[ 6 ] de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

[ 7 ] www.bei-abriss-aufstand.de/2011/07/31/voralarm-polizeikreise-bestatigen-zufle-park-raumung-in-den-kommenden-tagen/

[ 8 ] www.deutschebahn.com/site/shared/de/dateianhaenge/presse/stuttgart21__stresstest.pdf

Materialien, Dokumente und Präsentationen:

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/Rockenbauch_Eroeffnung.pdf

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/Dahlbender-vortrag-stresstest.pdf

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/s21-Hopfenzitz-Naumann-Engelhardt-Praemissen.pdf

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/Stresstest-Kefer.pdf

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/Schlusspraesentation_SMA.pdf

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/pr%C3%A4sentation-palmer.pdf

dl.dropbox.com/u/3936116/zukunft-mobilitaet/stuttgart21/gei%C3%9Fler-kombiloesung-stuttgart21-vorschlag.pdf

[ 9 ] www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/geisslers_plan_als_test_fuer_die_deutsche_streitkultur_1.11709295.html

www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/kompromissloesung_fuer_stuttgart21_1.11698689.html

www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/sma_stresstest_1.11694918.html

[ 10 ] www.focus.de/politik/deutschland/stuttgart-21/stuttgart-21-die-proteste-gehen-weiter_aid_650760.html

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
SuzieQ schrieb am 01.08.2011 um 02:02
Stattdessen wird das getan,was ertappte Kriminelle üblicherweise tun,...
...nämlich genau das zuzugeben,was ihnen sowieso schon nachgewiesen werden kann...
Es kommt hoffentlich der Tag, an dem offen bekannt wird,welch Schmierenkomödie hier abgelaufen ist.
Und dann wird abgerechnet.
mcmac schrieb am 01.08.2011 um 10:09
sofern es kein Ablenkungsmanöver angesichts bevorstehender massiver Polizeiaktionen sein soll (der Geißler/sma-Vorschlag SK 2.2)

Solange es keinen Bau- und Vergabestopp für S21 gibt, ist ein Nachdenken/Diskutieren dieses Vorschlags genau das: Die DB hat gerade eben 25 % der Aufträge für S21 vergeben (die natürlich auch in SK 2.2 vergeben worden wären, sicherlich; aber, was für ein "Verfahren", schon wieder!!).

Ob S21 oder SK 2.2: Es geht darum, K21 unbedingt zu verhindern. Offensichtlich stimmt da die Rendite nicht. Was darauf schließen lässt, dass K21 die volkswirtschaftlich beste Lösung ist. (Wobei man noch einen Schritt weiter gehen kann: ein instandgesetzter K20 wäre auf absehbare Zeit völlig ausreichend. Er würde Zeit/Raum schaffen, in Ruhe und abseits von Hochgeschwindigkeits-Planungen über sinnvolle Weiterentwicklungen nachzudenken. -Aber, oh Gott!, da wäre dann das Rendite-Ding völlig im A...).

lg
mcmac schrieb am 01.08.2011 um 12:30
Nachtrag -was auch die Spatzen bereits von den Dächern pfeifen (von denen man annimmt, sie wären, in der Hand gehalten, besser, als die Friedens-Tauben auf dem Dach...):

"[...]Jetzt trennt bloß noch der Stuttgarter Bahnhof als großes Symbolthema Schwarze und Grüne.[...]" FAZ

"[...]Zugleich sei es ein unbestreitbarer Verdienst der Gegner, dass bisherige Schwachstellen der Planungen erkannt worden seien und jetzt auch beseitigt werden müssten.[...]" SWR

Eine IHK-Umschreibung für "nützliche Idioten"...
seriousguy47 schrieb am 01.08.2011 um 15:04
Hallo mcmac,

der SMA-Vorschlag ist zunächst einmal eine Welle, auf der man richtig surfen muss. Die Frage ist: was heißt hier "richtig"?

1. Sich von Geißler oder Merkel diktieren zu lassen, wie man darüber zu denken hat, ist schon mal falsch. Es ist doch so: ist die Idee erst einmal in der Welt, unterliegt sie nicht mehr der Macht dessen, der sie in die Welt gesetzt hat. Es sei denn, man lässt sich entsprechend hypnotisieren. Wir müssen sie uns aber aneignen und in unserem Sinne nutzen.

2. Sich von der Idee gefangen nehmen zu lassen wäre ebenfalls verkehrt. Der Widerstand muss seinen Kurs beibehalten UND ERWEITERN. Mir ist immer noch viel zu wenig Juristerei unterwegs.

3. Der SMA-Vorschlag scheint mir zunächst einmal ein Mittel zu sein, um die öffentliche Meinung wieder vom Widerstand zu überzeugen. Und dafür waren die spontan offenen Reaktionen des Widerstands und das bornierte "Dagegen" der Profitnutten und Polit.....schon mal ein guter Anfang, den es unbedingt weiter zu verfolgen gilt. Wie genau, das ist zu überlegen. Klar ist aber doch, dass es nun viel leichter sein müsste, deutlich zu machen, wer welche Interessen verfolgt, wer lügt und in der Vergangenheit gelogen hat, wie SPD und Polizei mit der möglicherweise organisierten Kriminalität der Bahn kollaborieren.....Es ist eine Vorlage, die wunderbar in eine Situation passt, wo der Widerstand sich unbedingt weiter fokussieren und professionalisieren muss, weil er zunächst einmal Druck aus dem Kessel nimmt. Und weil die Vorlage ein Katalysator ist, der sichtbar macht, wo die "Guten" und wo die "Bösen" stehen, um das mal im BILD-Weltbild zu formulieren.

4. Die SMA-Vorlage enthält genau das Fachurteil, das das Audit nicht enthält, weil SMA eben doch von der Bahn abhängig ist. Das haben inzwischen sogar ein paar überdurchschnittliche Journalisten entdeckt. Das muss in der "Stresstest"-Debatte in möglichst viele Köpfe gebracht werden.

bit.ly/qVKSLS

Und die taz hat bereits einen drauf gesetzt und ein paar der Lügen wieder ans Licht gebracht, mit der ein ähnlicher Vorschlag schon einmal weggelogen wurde. Auch das gehört jetzt in möglichst viel Köpfe.

www.taz.de/Stuttgart-21-Kompromiss-/!75433/

Ich habe in meinem Beitrag möglichst viel Skepsis einzubringen versucht. Aber mein innerer Kompass sagt mir, dass es da lang geht. Dass da der kollektive Wahn durchbrochen werden kann. Die Frage ist nur, ob und wie wir es schaffen, diese Chance zu nutzen. Verlieren kann man immer, aber das sollte einen nie abhalten, es trotzdem zu versuchen.
seriousguy47 schrieb am 01.08.2011 um 16:57
Nachtrag:

Der SMA-Vorschlag hat die starren Fronten geöffnet und die resultierende neue Beweglichkeit gilt es zu nutzen. Wichtig wäre es, dass die Medien sich dabei neu justieren. Das könnten sie tun, wenn sie jetzt erkennen, wo die Blockade liegt.

Die Chance für den Widerstand besteht z.B. darin, aus der von der Bahn-PR gefertigten Schablone auszubrechen, die der Öffentlichkeit erfolgreich suggeriert hat, wir seien Nervensägen und jetzt sei es aber genug. Es muss uns gelingen, die Gegenseite zu den bornierten und dummen Nervensägen zu machen, die in Wahrheit seit 15 Jahren alles blockieren.

Wichtig ist auch, dass jetzt die Grünen und der Widerstand nicht mehr gegeneinander stehen, sondern die Front wieder zwischen uns und den Tunnelparteien verläuft. Dies ist umso wichtiger, wenn am Ende eine Niederlage stehen sollte. Denn dann wären die Grünen wieder die Einzigen, die Politik- und Demokratiefähigkeit bewiesen haben. Die SPD aber wäre da, wo sie hingehört: bei Schröder und Putin. Ein mangelhaftes CDU-Fake eben (siehe auch die neuerlichen Schröder-Einlassungen...).

Die hiesige SPD braucht entweder schleunigst eine Revolte der Basis oder ein Wahlergebnis unter 5 Prozent. Der SMA-Vorschlag und der idiotische Umgang der SPD-Führung damit könnte die Bereitschaft zu einer solchen Revolte steigern, weil der Basis dadurch Dummheit dieser Führung noch deutlicher wird.

Und ich bin mir sicher, dass es noch viel mehr solcher kleiner Dinge gibt, die in der Summe und richtig erkannt dem Widerstand zu neuem Aufschwung verhelfen könnte.
nevermore schrieb am 01.08.2011 um 18:25
Was den Widerstand betrifft, haben Sie im Hinblick auf das Aktionsbündnis recht. Bei den Parkschützern dagegen scheint die Betonkopf-Fraktion die Oberhand zu haben. Anscheinend ist dort noch nicht angekommen, was die Stunde geschlagen hat (nämlich dass K21 so gut wie ausgeträumt ist).

Es sieht aus, als ob sich die SPD bewegt. Die Hauptbedingung scheint zu sein, dass keine neuen Planfeststellungsverfahren nötig sind (inwieweit das kategorisch ist, bleibt abzuwarten, jedoch sieht es damit nicht ganz so schlecht aus, wenn man der Badischen glauben will:
www.badische-zeitung.de/suedwest-1/analyse-geisslers-kompromissvorschlag-unter-der-lupe--48087096.html )

Ramsauer will immerhin auch prüfen. Das Haupthindernis dürfte Schuster sein.
seriousguy47
Nicht so wichtig.
Mitglied seit:
2 Jahre 35 Wochen
Zuletzt aktiv:
28.05.2012
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 235
Kommentare: 1134
Logbuch
11:23
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:22
Oliver Bottini hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:18
gerhard monsees hat gerade einen Kommentar geschrieben.
11:13
Myriam Schäfer hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
11:12
goedzak hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG