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Blog von siegstyle

05.12.2011 | 11:47

Arbeitskreis Netzpolitik bei der #SPD.

Was bis jetzt niemand wusste: Die SPD ist die Mutter aller Internetparteien. "Wir hatten schon 1996 einen Webauftritt, für den sich keiner interessiert hat", so Parteichef Sigmar Gabriel voller Freude. Überhaupt sind die Sozialdemokraten eine Partei voller Visionen und Überzeugungen: So durfte Helmut Schmidt gestern eine Rede halten, die man von ihm in ähnlicher Form gefühlt 100. mal gehört hatte. Einzige Neuerung: das Wort "NATO-Doppelbeschluss" fiel ausnahmsweise nicht. Ansonsten viel 80er Rhetorik im 21. Jahrhundert, was zumindest zum allgemeinen Retrotrend passte. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überraschte mit der Mutter aller Politiker-Phrasen: "Wir machen Politik für die Menschen." Gerüchten zufolge soll es daraufhin zu Massenaustritten von Hühnern, Pferden und anderen Nutztieren bei vielen SPD-Ortsvereinen gekommen sein.

Aber selbst den Gerechtigkeits-Dinos der SPD ist klar geworden: Mit dem digitalen lässt sich Real-Politik machen. Darum twittert selbst Helmut Schmidt jetzt als @mentholzigarette und postet Tweets wie: "Einbindung der BRD in EG essentiell.", "Online-Petition zur Freilassung von Hanns-Martin Schleyer: bit.ly/raf1977 - unterschreiben!" oder "Telegramm an Erich Honecker gesendet. #nurmalso." Die Sozis sind also wirklich im hier und jetzt angekommen. Trotzdem gibt es für einige altgediente Parteigenossen Nachholbedarf. Darum hat der "Arbeitskreis Netzpolitik" am Rande des Parteitags der SPD in Berlin einen Workshop unter der Leitung der Internet-Ikone Sascha Lobo ausgerichtet. Wir durften als einzige Pressevertreter dabei sein.

Steinbrück: "Herr Lobo, ihr Iro ist ja jetzt violett!"

Lobo: "Passend zur Farbe des Parteitags: Purpur, Herr Bundeskanzlerkandidatkandidat."

Steinbrück: "Sie wollen uns heute das Internet, den Cyberspace, den Informations-Superhighway näher bringen?"

Gabriel, Nahles und Steinmeier schauen interessiert und hoffnungsvoll.

Lobo: "Fangen wir mal mit einfachen Dingen an. Von den Piraten haben sie ja schon gehört. Die haben sich mit der Drogenfreigabe gerade thematisch breiter aufgestellt. Wenn sich diese - ich möchte im weitesten Sinne sagen - Menschen treffen, trinken sie Club Mate."

(Lobo präsentiert eine Flasche des Mate-Tees. Golden wie ein Pokal glitzert die Flüssigkeit in der Flasche.)

Nahles: "Oh, der sieht aus, wie der Eigenurin, den wir in unserem sozialdemokratischen Feldenkrais-Kreis reichen. Schmeckt bestimmt lecker!"

Lobo: "Trinken üben wir später, jetzt wird erst einmal bestellt. Herr Steinmeier, mit ihrer Semi-Nerdbrille, könnten sie auch in einer illegalen Bar in Neukölln was bekomme. Sie kommen jetzt rein und wollen einen Club Mate trinken."

Steinmeier (öffnet die Tür und simuliert eine Türklingel): "Palim, Palim."

Lobo: "Bitte schön, was darf's sein?"

Steinmeier: "Ich hätte gerne eine Flasche Club Sandwich."

Lobo: "Club Sandwich gibt's doch nicht in Flaschen!"

Steinbrück und Gabriel: "Club Sandwich gibt's doch immer nur in der Senator Lounge der 1. Klasse in der wir proletarisch reisen!"

Lobo: "Ruhe auf den billigen Plätzen! Steinmeier, wir üben das noch mal. Sie kommen jetzt noch mal rein und bestellen. Aber diesmal richtig"

Steinmeier (öffnet die Tür und simuliert eine Türklingel): "Palim, Palim!"

Lobo: "Guten Tag, was kann ich dir gutes tun?"

Steinmeier: "Ich hätte gerne eine kleine Flasche Club Sandwich! DAS müsste doch möglich sein."

Lobo ist vollkommen verzweifelt. Sein purpurner Iro hängt schlapp runter. Das digitale Denkmal merkt: Es hapert bei der SPD an den Grundlagen. Er entschliesst sich noch einen Schritt zurück zugehen. 

Lobo: "OK, wir drehen die Sache um: Ich komme jetzt rein und bestelle was."

Steinmeier: "Und ich bin der Verkäufer?"

Lobo: "Genau. Ich hoffe, dass überfordert sie nicht."

Die Deus ex machina Helmut Schmidt dazu: "Er kann es!"

Steinmeier kommt rein ohne die Türklingel zu simulieren.

Lobo (streng): "Geht die Türklingel nicht?"

Steinmeier geht zurück, simuliert die Türöffnung: "Palim, Palim."

Steinmeier: "Ich hätte gerne einen Club Mate."

Lobo: "Ham wa nich, aber ich kann ihnen noch ein paar Flaschen von der SPD anbieten!"

Gerade in dem Moment twittert @mentholzigarette "Scheiße! Der neue #Tatort mit Schimanski war schon gewöhnungsbedürftig!" Ab heute ist klar: Die SPD wird den digitalen Raum erobern.

 
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Kommentare
chrislow schrieb am 06.12.2011 um 17:32
"Wir hatten schon 1996 einen Webauftritt, für den sich keiner interessiert hat"

-> Ist ja die reinste Satire...

Der Vorsprung ist dahin ... Inzwischen haben alle Parteien einen Webauftritt, für den sich keiner interessiert...
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