- Wenn bei einem Schuldenschnitt in Griechenland nur die privaten Gläubiger herangezogen werden, ist das nicht stringent und auch nicht glaubwürdig. - Die in der EZB gehaltenen Anleihen werden nicht abgewertet. Hier wird den Bürgern und Steuerzahlern Sand in die Augen gestreut. Damit ist klar, dass die Abwälzung des Risikos auf den Steuerzahler über den EFSF erfolgen wird. - Die anvisierten 100 Mrd. Euro Entschuldung für Griechenland werden nicht zusammenkommen. Die Banken, die im großen Stil Staatsanleihen halten, würden Pleite gehen. Man kann sie m.E. nicht so einfach zwingen, auf ihre Forderungen zu verzichten, weil sie in erster Linie dem Kapitaleigner verpflichtet sind. Wenn die Banken trotzdem mitspielen sollen, müssen sie rekapitalisiert werden. Das kostet wiederum das Geld des Steuerzahlers. Selbst wenn die Entschuldung zusammenkommt, reicht sie bei weitem nicht aus. Dann liegt Griechenland immer noch bei ca.115% Staatsverschuldung. - Zur Stabilisierung der Banken müssen demzufolge Mittel aus dem EFSF eingesetzt werden. Da gerade die Banken in Griechenland, Spanien, Italien und Frankreich bei griechischen Staatanleihen stärker engagiert sind als deutsche Banken, übernimmt Deutschland über sein Haftungsvolumen von 27% am Gesamtrettungsschirm jetzt auch die Rekapitalisierung ausländischer Banken. - Nachdem noch ca. 250 Mrd. Euro im EFSF zur Verfügung stehen - 190 Mrd. sind also schon verpulvert - und diese auf 1 Billion gehebelt werden sollen, ist klar, dass der EFSF für 25% in die Haftung gehen soll. Die Lösung – entweder über eine Versicherungslösung oder über eine Zweckgesellschaft – kann aber nur funktionieren, wenn es Primärzeichner der Staatsanleihen gibt. Das sind dann wiederum zuallererst die Banken und Versicherungen. Nachdem ständig neue Prolongationen von Staatsanleihen der PIIGS-Staaten anstehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das gehebelte Volumen ebenfalls nicht mehr ausreicht. - Was das tatsächliche Risiko der Hebelwirkung anbelangt, bedarf es komplexer stochastischer Modelle, weil zwar der Prozentsatz der Haftungsquote relativ einfach festgelegt werden kann, nicht jedoch die Höhe der Bemessungsgrundlage, auf die diese Haftungsquote anzuwenden ist. Eine Staatsanleihe besteht aus Zins und Tilgung. Manche scheinen das zu übersehen, vor allem die Abgeordneten. - Griechenland ist in einer fatalen Lage. Das Land erzielt noch nicht einmal einen Primärüberschuss, d.h. die Ausgaben ohne Zinskosten sind geringer als die Einnahmen. Das Land benötigt dringend Investitionen, um die Einnahmeseite zu verbessern. Stattdessen werden Sparprogramme aufgelegt, die das Einkommen des Normalbürgers weiter reduzieren und damit der Wirtschaft die Kaufkraft entziehen. Das aber genau sind die Auflagen der Troika. - Ein Großteil der vermögenden Griechen habe das Land längst verlassen und der Rest zahlt deshalb seine Steuern nicht, weil ein massives Vollzugdefizit besteht. Das wird kurzfristig auch nicht zu beheben sein. - Das Ganze läuft erneut auf Zeitgewinn hinaus. Fazit: - Es ist wie schon in 2008 wiederum ein gigantisches Bankenrettungsprogramm, weil die EU-Staaten eine systemische Verschuldung betrieben haben. Der Junkie braucht nun mal den Dealer. - Das Ganze läuft auf Inflation hinaus, die den Normalbürger über die Preise treffen wird. Der Vermögende hat sich bereits über Sachwerte abgesichert und er ist bei Weitem nicht so konsumabhängig, als jemand, der fast sein komplettes Einkommen konsumiert und dem keine Kapitalreserven zur Verfügung stehen, um finanzielle Durststrecken zu überstehen. - Die Occupy-Bewegung muss sich besser organisieren und vor allem fachlich aufrüsten. Sonst wird das nichts.