Daniel Windheuser

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07.12.2010 | 13:19

Netzschau: "Es naut die Blacht"

Nach den die deutschsprachige Medienlandschaft fundamental erschütternden Vorgängen im Vorzeigeunterhaltungsformat des ZDF, welche zumindest kurzzeitig das Mimikrepertoire Thomas Gottschalks um den Ausdruck "ernsthafte Betroffenheit" erweiterten, sind Meinungen und Reaktionen in den digitalen Medien so bunt und vielfältig wie das Publikum einer Eurovisions-Ausstrahlung. Besonders hervorzuheben sind hier die Wirrungen, die ein Artikel der nachbarländischen Tageszeitung "Österreich" verursachte, welcher vorproduziert und zu früh veröffentlicht wurde, der jedoch, wenn auch ungewollt, ganz wunderbar als humoristischer Kommentar zur Schablonenhaftigkeit von "Wetten, dass..?" gelesen werden kann.

Und während derweil Julian Assange, der bereits gestern über seinen Anwalt angekündigt hatte, sich der Polizei in London stellen zu wollen, heute Vormittag eben dort verhaftet wurde, ist seine Nominierung zur TIME Magazine's Person of the Year 2010 weiterhin aktuell. Hier noch mal eine Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse und, weil das Internet ja nichts verliert, das archivierte, mittlerweile offiziell offline gestellte, alte Weblog Assanges aus den Jahren 2006/2007. Und, falls irgendwie oder irgendwo die Frage aufkommen sollte, warum Wikileaks eine gute Sache sei, eine paar diesbezügliche Antworten.

Der Facebook-Konzern indes, dem eine kleine Wikileakung vielleicht auch gar nicht schlecht tun würde, ändert wieder einmal Design und Usability seiner Nutzerprofile. Selbstverständlich ausschließlich aus Gründen der Anwenderfreundlichkeit. Oder? Dazu, aber auch zu diversen anderen Themen, wie etwa David Finchers "The Social Network", welchen Zuckerberg nach anfänglichem Widerstand nun wohl ob der größtenteils positiven Kritiken plötzlich auch gut findet und auch -heißt, ein Video-Interview mit dem Facebook-Gründer. 

StudiVZ streicht derweil die Segel in Sachen Konkurrenz zu Facebook und kommuniziert dies als Neupositionierung in einer Nische, die der global agierende Konkurrent bisher noch nicht bedient, nämlich die der kostenlose Telefonie innerhalb des Netzwerkes. VZ-Chef Clemens Riedl kann sich sogar längerfristig eine Integration von Facebook Connect vorstellen.

Netzwerkunabhängig kann jedenfalls nun auch statistisch belegt werden, dass das Web 2.0 die Menschen nicht nur näher zusammenbringt, sondern auch ebenso einfach wieder auseinander.

Überhaupt, verrückte Welt: Ein chinesischer Haushaltsgerätehersteller lässt mittlerweile Kühlschränke in Italien produzieren und ein russischer Multimillionär will eine Stiftung für investigativen Journalismus gründen.

Es scheint also doch noch Hoffnung in der Welt zu sein. Dies denken sich vielleicht auch die deutschen Blogger, die nun die Etablierung eines eigenen Verbandes anstreben, fußend natürlich im Widerstand gegen die aktuellen Regulierungsbestrebungen

Liebe und Beschaulichkeit also (fast) allüberall, und damit dies nicht überhand nimmt, hier noch eine kleine Prise freundlichster Schadenfreude sowie ein Klassiker der Vorweihnachtszeit:

 

 

Die letzte Netzschau findet sich hier.

 
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Daniel Windheuser
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