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2. Brief an die VHS-KursleiterInnen-Liste - Pankow, den 20.1.2012

Liebe Leute,

nochmal zum Thema "Kürzungswelle". Ich denke, dass jetzt anschaulich wird, dass keine Institution von Kürzungen verschont bleiben wird - auch nicht die Musikschulen und auch nicht die Volkshochschulen. Die Streichung der KursleiterInnenfortbildung war ein Menetekel.

Und es gibt auch keine Programmbereiche, die weniger oder mehr bedroht sind. Selbst "Deutsch als Fremdsprache (DaF)" kann morgen abgeschafft sein. Hätte das irgendjemensch vorgestern noch geweissagt, wäre er oder sie als PanikmacherIn heftigst in die Ecke gestellt worden.

Denn der geltende Polit-Merksatz lautet: „Alles, wofür es keine gesetzliche Verpflichtung gibt, steht jetzt auf dem Prüfstand" - so der Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD). Und diese Polit-Regel gilt nicht nur in Pankow, sondern berlinweit.

Damit ist die haupt- oder nebenberufiche Existenz von über 3.000 Berliner KursleiterInnen lang-, mittel- oder sogar kurzfristig UNMITTELBAR bedroht.

Was tun? Man kann LeserInnenbriefe schreiben (siehe unten) oder Briefe direkt an die zuständigen Bezirksstadträte (siehe den Brief von Thilo Billmeier an Dr. Kühne und die Vorschläge von Carsten Wiegrefe).

Ein weiterer Vorschlag war, so etwas wie Betroffenenvereinigungen auf Bezirksebene zu bilden (zusammen mit bedrohten und noch nicht bedrohten Musikschulen, Kulturhäusern, Theaterprojekten, Ehrenamts-Bibliotheken usw.).

Und wer seine Brötchen in Kultur-, Bildungs- und Sozialprojekten verdient, die an JobCenter- und Förderfonds hängen, sollte sich nicht allzu sicher fühlen.

Denn Griechenland ist überall.

ciao, Wolfgang Ratzel

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Mein Leserbrief:

Betr.: Thomas Rogalla: "Die übliche Protestwelle". In: Berliner Zeitung vom 20.1.2012, S.15

Ja, det Janze ist ein alljährliches Ritual! Aber Thomas Rogalla verwechselt Ursache und Wirkung. Denn wenn gemäß seriöser Kostenrechnung der 12 BezirksbürgermeisterInnen pro Bezirk 112 Millionen Euro fehlen, dann eröffnet der Senat die von Rogalla beklagte "immergleiche durchsichtige Nummer", indem er diese Summe eben nicht anweist. Und wenn der Senat dann nach dem rituellen Protest der Bezirke pro Bezirk nur je 50 Millionen Euro nachzuschiessen beabsichtigt (was rituell-prompt sofort wieder vom Finanzsenator Nussbaum in Frage gestellt wird), dann fehlen eben mindestens 62 Millionen, die nun in den Bezirken rituell weggekürzt werden müssen/sollen. Und zweitens ist das kein Pankower Problem, sondern ein allbezirkliches.

Übelst aber ist der "Ausweg", den Rogalla aufzeigt: Der Bezirk Pankow möge effizienter managen. Die "Produktion einer Stunde Volkshochschule " koste dort nämlich 77 Euro statt 59 Euro im Berliner Durchschnitt. Meine Frage an Herrn Rogalla: Wieviel darf eine Volkshochschulstunde kosten, um in Pankow die fehlenden 61 Millionen Euro einzusparen?

Wolfgang Ratzel, DozentInnenvertreter an der Vokshochschule Pankow

P.S.:

Der Rogalla-Kommentar ist noch nicht im Netz. Sein zynischer Lösungsvorschlag lautet:

"Im Zeitalter der Schuldenbremse sollte der Bezirk mal eine neue Platte auflegen. Pankow hat zwar gespart, liegt aber bei den Kulturkosten teils deutlich über anderen Bezirken. Die Produktion einer Stunde Volkshochschule kostete 2009 in Pankow 77 Euro, in Friedrichhain-Kreuzberg 54 Euro, im Median aller Bezirke 59 Euro. Information und Beratung eines Bibliotheksbesuchers kostete in Pankow 2,66 Euro, in Steglitz-Zehlendorf 1,46 Euro, im Median der Bezirke 2,19 Euro. An Stelle lautstarker Panik-Politik lässt sich da mit gutem Management sicherlich noch etwas effizienter arbeiten." (In: Thomas Rogalla: "Die übliche Protestwelle". In: Berliner Zeitung vom 20.1.2012, S.15)

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