Kultur

Blogosphäre | 03.08.2009 14:39 | Sabine Pamperrien

Netiquette kommt nicht von "nett"

Warum sollte im Internet missfallen, was andernorts als Indiz für Durchsetzungsfähigkeit gelobt wird? Sabine Pamperrien über den rüden Umgangston in der Blogosphäre

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat neulich wieder einmal zugeschlagen. Die Rheinische Post bot der CDU-Politikerin die Chance für ein wenig Vorwahlkampf und landete gleich einen Treffer im Sommerloch. Auf die Frage, ob sie über die Zensurmaßnahmen im Internet hinaus weitere Felder sehe, wo Kinder und Jugendliche im Netz besser geschützt werden müssen, antwortete von der Leyen: "Ja, bei den sozialen Netzwerken im Internet, die Jugendliche gerne nutzen. Ich möchte gemeinsam mit den Verantwortlichen solcher Kommunikationsforen, aber auch mit der Kompetenz der Jugendlichen einen Verhaltenskodex entwickeln. [...] Mobbing im Netz kann nicht toleriert werden. Respektvoller Umgang muss in Chats, Blogs oder Foren so selbstverständlich sein, wie wir das auch im Schulalltag mit Streitschlichtern oder Vertrauenslehrern einfordern." Befragt nach den Zielen zukünftiger Familienpolitik, zählte sie später noch auf: "Das dritte große Thema wir sein, wie man Sicherheit, Fairness und Respekt im Internet durchsetzt."

Die Verantwortlichen bei der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post müssen das Konfliktpotential der Äußerungen geahnt haben, obwohl es in dem Gespräch auch um die Themen Kinderbetreuung und Kita-Streik ging. Das Blatt gab eine Pressemitteilung heraus mit der Headline "Von der Leyen fordert Benimm-Regeln fürs Internet". In Sachen Benimm liegen im deutschen Internet seit Jahren die Nerven blank. Die Kritik aus den Blogs kam sofort.

Der Hauptvorwurf lautete, von der Leyen habe offenbar nicht mitbekommen, dass es längst Umgangsregeln gebe: die Netiquette. "Andigismo" weiß im Blog antibuerokratieteam.net: "Mit ihrer Forderung versucht sie den Wählern vorzugaukeln, das ganze Netz wäre ein Hort von ungezogenen Kindern oder gar schwerst Kriminellen, und sie die glorreiche Retterin der Menschheit bringt da jetzt mal Ordnung rein. Das ist verlogen und manipulativ! Denkt die sich diese Verleumdungskampagne selbst aus oder bezahlt die dafür auch noch PR-Berater?" Und "ChuckNorris" bekundet bei freshzweinull.de streng nach den Regeln der Netiquette ("höflich bleiben", "sachlich bleiben"): "Ich hoffe mal wirklich das sich viele User die nächsten Wahlen zu Herzen nehmen und dem alten Schrapnell mit den Wahlzetteln zeigen, wo der Hammer hängt. Die gehört echt gesteinigt." "MNCH" mag es lieber virtuell: "Ich bin dafür, die muss kräftig im Internet gemobbt werden."

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Dass vielleicht Kinder und Jugendliche sich bei der Lektüre solcher Beiträge nicht einmal mehr über den Umgangston wundern, sondern ihn als gesellschaftlich geboten erachten könnten, registrieren nur wenige der Kommentatoren. Das könnte daran liegen, dass der Ton im Internet durchaus spiegelt, wie eine Gesellschaft tickt. Aus der globalen Blogosphäre gibt es ein Vergleichsmodell, in dem all das verwirklicht scheint, was "das alte Schrapnell" beeinflussen zu können glaubt. Schon vor zwei Jahren titelte die Washington Post über Japans Blogger "Humble Giants of the Web" – "demütige Giganten": Die mit Abstand aktivste Blogosphäre der Welt zeichnet sich durch ihren außerordentlich höflichen Umgangston aus. Man stelle sich hierzulande eine Restaurantkritikerin vor, die drei Jahre lang fünf mal pro Woche über ihr Mittagessen bloggt und dabei keine einzige kritische Zeile verfasst.

In einer Studie hinterfragten damals Japanische-Experten den phänomenalen Unterschied zur englisch-sprachigen Blogosphäre, die sich so gern in Fundamentalkritik, Verbalattacken und Verschwörungstheorien ergeht. Nicht nur der Ton, sondern auch die Interessen der beiden Sphären unterscheiden sich gravierend. Die japanischen Blogger scheuen sich vor Themen wie Politik und posaunen nur sehr selten Expertenwissen hinaus. Während US-Amerikaner bloggen, um aus der Masse herauszuragen, bloggen Japaner, um sich in die Masse einzufügen. In Japan sei es gesellschaftlich nicht akzeptiert, Ruhm zu suchen. Das gilt selbstverständlich auch für die Blogs. Beide Extreme sind Zuspitzungen konformistischer beziehungsweise nonkonformistischer Gesellschaften.

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass der Umgangston, der sich im deutschen Internet ausgebildet hat, mit geänderten Verhaltensmustern im virtuellen Raum gar nicht so viel zu tun hat. Die Wurzel des Übels ist ein ganz alter Hut: die Ellenbogengesellschaft. Wenn es denn eines Umdenkens in Sachen Umgangston bedarf, dann nicht am Beispiel Internet, sondern etwas grundsätzlicher. Warum sollte im Internet missfallen, was andernorts als Indiz für Durchsetzungsfähigkeit gelobt wird?

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.08.2009 um 17:57
Dann sind also die USA und Japan zwei grundverschiedene Gesellschaftsformen? Gar diametral verschieden, eben konformistisch und nonkonformistisch?
Etwa Ellenbogen- hier und Herzensgesellschaft dort?
merdeister schrieb am 08.08.2009 um 14:52
Deswegen haben die Japaner so selten Herzinfarkt und die Amerikaner so oft Tennisellenbogen.
crossmeDiana schrieb am 03.08.2009 um 23:29
Nett wie sich die Hüter der Netiquette selbst entlarven. (Zu deren Selbstüberschätzung hier ein paar Anmerkungen: www.fit-for-crossmedia.de/index.php?id=94) Mit dem Fazit dieses treffenden Artikels bin ich trotzdem nicht ganz einverstanden. Im direkten Umgang miteinander haben viele Leute deutlich mehr Hemmungen oder - anders formuliert - bessere Umgangsformen als in der scheinbaren Netzanonymität. Wenn man seinem Gegenüber ins Gesicht blickt, sagt sich manches doch nicht so leicht.
oranier schrieb am 04.08.2009 um 19:23
@ crossmeDiana

Das erinnert mich an den wirklich netten Moderator eines Internet-Forums, der einmal bemerkte: "Im Internet sind die Menschen wie im wirklichen Leben auch, nur schlimmer".

Er empfahl mir im übrigen, zur Erhöhung meines Nettigkeitsfaktors auf meine zahlreichen ironisch-sarkastischen Bemerkungen mit ausgesuchten kleinen Smileys hinzuweisen. Ich bedankte mich für den Tipp und antwortete, ich überlegte auch seit längerer Zeit, an der Rückseite meines Autos eine Vorrichtung anbringen zu lassen, durch die beim Bremsen zusätzlich zu den Bremslichtern in riesigen Lettern eine Leuchtschrift erscheinen sollte mit dem Text: "Achtung, ich bremse!".
Radar schrieb am 05.08.2009 um 14:37
Ja, hinter den Umgangsformen sind sie hinterher.
Aber daß v. d. Leyen mit dem Gesundheitsministerium liebäugelt, wie man las, während gleichzeitig die Pharmaindustrie (ihr Ehemann) mit am Familientisch sitzt, das hat natürlich Stil und daran ist von der Form her nichts auszusetzen. Nur inhaltlich eben.
rama schrieb am 05.08.2009 um 14:39
Meine Beobachtung: die größten Rüpel reagieren wie Mimosen, werden sie selbst Objekt von Kritik. Welches Phänomen wäre dann für die hiesige Blogosphäre stilbildend: die Suche nach Gefolgschaft, Konformismus gern, wenn denn ich die Form festlege?
Radar schrieb am 05.08.2009 um 15:18
Bei vielen Tätern und Schreibtischtätern sind Umgangsform, Manieren und Maniküre top. Das hält sie überhaupt nicht von perversen oder amoralischen Inhalten und Machenschaften ab. Deshalb misstraue ich den Forderungen nach formaler Höflichkeit und diesen Dingen. Weil es auch die Illusion über das Wesen oder ein Teil des Wesens der Menschen fördert (siehe den Artikel "Ganz normale Menschen").
Für mich dreht das zu schnell in Unehrlichkeit und dahin, sich etwas vor zu machen.
oranier schrieb am 05.08.2009 um 16:25
Was schlägst du also vor als angemessenen Umgang miteinander in Diskussionsforen? Es ist doch hier die Rede von wildem und beleidigendem Beschimpfen, das ebenfalls eine amoralische Machenschaft ist, u.U. sogar ein Straftatbestand.

Ich denke, dass man hier zwei Dinge nicht durcheinander werfen sollte. Tatsächlich wäre es fragwürdig und bigott, wenn eine Gesundheitsministerin Krankenkassen und Patienten auszubeuten hilft und nebenher Höflichkeit im Netz propagiert, und tatsächlich ist die smarte Höflichkeit von Bankern im englischen Zwirn, eingesetzt als vertrauensbildende Maßnahme zum Zwecke der Kunden-Abzocke moralisch korrupt. Doch sind diese Fälle dadurch gekennzeichnet, dass eine "falsche" Höflichkeit politische oder ökonomische Macht zu verschleiern und möglichst widerstandslos durchzusetzen helfen soll.

Jedoch selbst hier gilt: solange die Verhältnisse bestehen und nicht unmittelbar zu brechen sind, haben die Menschen kein Interesse daran, sich daran in alltäglichen fruchtlosen Konflikten aufzureiben, statt einen freundlichen Modus vivendi des Status quo zu pflegen. Sie tun allerdings als Abhängige gut daran, wachsam zu sein und sich nicht einlullen zu lassen.

Ganz anders sieht die Sache aber aus bei Bloggern und Forennutzern als prinzipiell Gleichen unter Gleichen. Da setzt eine fruchtbare Diskussion geradezu verschiedene Standpunkte voraus (eine Verständigung von Eltern-Ich zu Eltern-Ich im Sinne der "Humanistischen Psychologie", wo zwei radikale Atheisten sich etwa einig sind über die Antiquiertheit und Schädlichkeit der Religion, ist ja kaum als echte Diskussion zu kennzeichnen). In einem solchen Kontext aber die Vertreter kontroverser Positionen zu beschimpfen, statt ihnen Argumente entgegenzuhalten, ist nicht nur schlechtes Benehmen, sondern stört oder zerstört gar jede sachliche Auseinandersetzung. Davon kann der Schreiber dieser Zeilen, selber durchaus ein Freund von pointierter und ggf. auch polemischer Auseinandersetzung, aus den Erfahrungen in verschiedenen Foren ein Liedchen singen.
Radar schrieb am 05.08.2009 um 15:41
Nach meiner Beobachtung dienen Umgangsformen, wie sie häufig gemeint sind, dazu, die Unterpriveligierten psychologisch in Schach zu halten. Sie sind auf die Adeligen- und Diplomaten-Erziehung zurück zu führen.
Bei beiden Gruppen spielen Lüge und Täuschung, zumindest die Vermeidung der klaren Darstellung von Absichten und Sachverhalten, eine große Rolle. Man überbrachte Kriegserklärungen mit feinsten Umgansformen. Tausende wurden in der Folge abgeschlachtet, litten an Hunger usw.

Der Inhalt ist das Wichtige, nicht die Form. Nicht das Benimm-Getue, mit dem zum Beispiel Großbourgeoises auftreten, während sie hintenrum das Volk über den Tisch ziehen und enteignen (www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/mittelschicht-finanziert-reiche/).
Dieses Benimm-Getue dient hauptsächlich zur Täuschung. Mittels Äußerlichkeits-Mätzchen will man sich als guter und vertrauenswürdiger Mensch/Gruppe darstellen und die wahren Schachzüge und Hinterhältigkeiten überlagern.
oranier schrieb am 05.08.2009 um 17:33
Hallo Radar,

unsere beiden letzten Postings haben sich überschnitten, wie ersichtlich, gebe ich dir in einigen Punkten recht, allerdings nur bedingt.

Deiner allgemeinen These "Der Inhalt ist das Wichtige, nicht die Form" widerspreche ich, ebenfalls bedingt, mit folgender philosophischer Argumentation:

Die Reflexion über den Zusammenhang von Form und Inhalt bzw. Form und Stoff und die Frage, welchem von beiden der Vorrang gebührt, geht bereits auf die antike Philosophie zurück, zumal auf Aristoteles. Er unterscheidet hyle (Stoff), lat. materia, eidos (Form), lat. forma und ousia (Substanz).
Entscheidend ist hier folgendes: Erstens kann man Form und Stoff nicht als dichotomische Gegensätze ansehen, sondern als dialektischen Zusammenhang. Beides sind bloß analytische Begriffe, d.h., mit ihnen unterscheidet man etwas in der Theorie, was einzeln als solches in der Wirklichkeit nicht vorkommt. Es gibt keinen formlosen Stoff und keine stofflose Form. Beide kommen nur zusammen vor und bedingen einander. Der Tischler, der einen Stuhl herstellt, findet "Holz" immer schon in bestimmten Formen vor, als Bretter, Bohlen o.ä., und formt dies um in eine neue Form.
Das Wesen (ousia, lat. substantia) wird aber hierbei zumal durch die Form bestimmt, nicht durch das Material. Stoff und Form bilden zusammen mit dem Zweck und dem Hersteller die vier Ursachen alles Seienden, dabei bestimmt der Zweck die Form, und diese macht den Stuhl zum Stuhl, nicht das Holz.

Dies die allgemeinsten Bestimmungen in dem Zusammenhang. In deiner Formulierung von Form und Inhalt findet sich die Problematik z.b. in der Literaturtheorie wieder. Auf hier ist es so: der Inhalt ist keineswegs beliebig, aber die Form macht letztlich die Qualität des Romans, des Gedichts, des Dramas aus. Hier gilt, in Bezug etwa auf "fortschrittliche" Literatur, das Diktum Gottfried Benns: Gut gemeint ist noch lange nicht gut.

Wie gesagt, ist aber das Wesentliche der unauflösliche Zusammenhang zwischen beiden. Will sagen: du kannst keinen Inhalt losgelöst von seiner sprachlichen Form kommunizieren, wie sollte das gehen? Die sprachliche Form "formt" aber den Inhalt immer schon mit, d.h., der anders ausgedrückte Inhalt ist nicht mehr derselbe.

Womit jedoch, des wesentlichen Zusammenhangs wegen, hier nicht das Hohelied auf den Formalismus in der Kunst und die hohlen Formen im menschlichen Umgang gesungen werden soll.

Quod erat demonstrandum.
Jörn Kabisch schrieb am 05.08.2009 um 16:53
Schon mal jemand aufgefallen, dass hier am Fuß der Seite genau falsch "Nettiquette" steht. Wie peinlich.
Knüppel schrieb am 08.08.2009 um 17:14
Na ja, jetzt haben Sie es ja korrigiert.
Lernfähigkeit bewiesen, setzen!

Gruß
SexPower
Daniel B. schrieb am 05.08.2009 um 17:51
Gehen kritisches Denken und ungehobeltes Benehmen wirklich Hand in Hand? Sowohl der Artikel - zumindest in Teilen - als auch so mancher Kommentator scheint da ja erstaunlicherweise wirklich einen notwendigen/unvermeidbaren Zusammenhang zu sehen. Wenn mein Eindruck, dass so manche unterstützenswerte Sache durch die Radikalität ihres Vortrages eher behindert als gefördert wird zutrifft, ist das natürlich bedauernswert.
Dass auch schlechte Menschen gute Umgangsformen haben können lässt übrigens noch lange keinen Umkehrschluss zu...
mh schrieb am 09.08.2009 um 09:07
gesellschaftlich sind wir mittlerweile in einem status angelangt, in dem es schon als unhöflich gilt direkt und offen zu sprechen. dies gilt insbesondere für das politische dasein.

dabei geht es nicht nur um glättung der sprache, sondern hauptsächlich um glättung von meinungen und das halte ich für eine extrem gefährliche tendenz, mit der neigung zur etiketten-begründeten meinungsunterdrückung.
Radar schrieb am 05.08.2009 um 18:01
Ungehobeltes Benehmen?

Ich verstehe diesen Fetisch nicht. Kunststück, ich habe nichts gegen Schimpfworte und deutlichen Ausdruck.
Ich bin auch so sozialisiert. Bewußt und Punk. Wenn wir uns gesagt haben, daß wir jemand gut finden, dann haben wir Schimpfworte benutzt und nicht "Ehrenwerter
so und so" gesagt.

Was hat man davon, wenn man nach den Rechtlinien der Etikette behandelt wird?

Ich werde dann "mit Respekt" behandelt. Ansonsten werde ich demjenigen mal Rspekt beibringen, oder?

Ich fand das gut, was Kinski da manchmal in der Öffentlichkeit gemacht hat und wie er es gemacht hat.
Und ich lehne es ab, daß nur Künstler so etwas dürfen, sogenannte normale Menschen aber nicht, also Leute, die nicht im verkoksten Eitel-Eitel-Kulturbetrieb arbeiten. Wer leben als Kunst versteht, ist auch Künstler und dann ist es wieder gedeckt.

Außerdem hat das viel damit zu tun, welchen Ruf man hat. All dieses Zeug. Und der Ruf sollte einem m.E. weitgehend egal sein. Die Abhängigkeit von der Bewertung und der Gunst anderer.
Radar schrieb am 05.08.2009 um 18:34
Wenn man diese Dinge zu hoch hängt, und das tut man m.E. in der bürgerlichen Gesellschaft, dann wird es nichts mit eigenständigem, kritischen Denken.

Mir geht der Inhalt über alles und bei der Formenwahl sollte man intuitiv sein. Ansonsten, wenn das ausartet, Zankereien, dann kann man ja im Internet einfacher als im anderen Leben, sich zurück ziehen oder aber den rhetorischen Kampf üben.

Gäbe es die Möglichkeit zur Telepathie, ich bin überzeugt, man würde sich wundern, was all die anständigen Leute wirklich denken und wie sehr sie sich beim sprechen und beim schreiben verstellen. Wie schlecht auch.
Dann würde einen der Sadismus nicht überraschen, der eben nicht aus dem Nichts kommt bei den anständigen Bürgern (siehe "Ganz normale Menschen").
Authentizität heißt, sich nicht zu verstellen. Das aber tun sehr viele mit den sogenannten Höflichkeitsregeln und -formen.

Danke, Oranier, für Deine ausführlichen Beiträge. Denke ich noch darüber nach. Bin erst morgen wieder an einem Computer.
Immerhin reichte das Thema (im weiteren Sinn) zum Streit/Kontaktabbruch mit meinem besten Freund. Es ging darum, daß A. Kluge irgendwas gesagt oder geschrieben haben soll, wie: "Wo die Liebe mit dem Portmonnaie zusammenfällt". Also, ich weiß nicht, ob das jetzt verständlich ist. Ich sehe da eber auch die Umgangsformen, den Stil der Großbürgerlichen. Ich hatte mich mit meinem Freund lange und wiederholt über Form und Inhalt unterhalten.
Nun, er hatte, wie wohl Kluge auch selbst, Sympathie für dieses Bild, für diesen Satz, für diesen gesellschaftlichen, und psychologischen Tatbestand, während es für mich schlicht Korruptheit bedeutet. Unabhängig von all den Formen solcher Beziehungen und den vermeintlichen Schönheiten und Möglichkeiten.
Ist bisschen weit her geholt, aber es steht in diesem Kontext. Form und Inhalt.

Der Daoismus und auch andere philosophische und spirituelle Richtungen warnen vor Falschheit, zu viel Getue und zu viel Erwrtungen. Zu Recht meines Erachtens.

Freundliche Grüße!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.08.2009 um 03:39
zusammengefaßt auf den letzten absatz bezogen:
eben. uralte verhaltensmuster mal wieder.
auf den allerletzten satz=frage bezogen: da geht es um selbstdarstellung, eigenmarketing oder wie auch immer das zu nennen ist. und das geht natürlich am besten, indem man andere möghlichst schnell diskreditiert um sich selbst zu erhöhen.


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