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Einar Schleef war ein großer Theatermann. Als bildender Künstler ist er kaum bekannt. Das will eine Hallenser Schau ändern: "Ich bin ein anderer in mir. Lebensorte“

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Gedächtnisausstellungen sind eher eine lästige Pflicht als ein Ort für spannende Entdeckungen. Es sei denn, das Gedenken gilt einem Unbekannten. Zu denen gehört der Theatermann Einar Schleef, der vor zehn Jahren starb, sicher nicht.

Der Maler und Zeichner Einar Schleef (1944 – 2001) ist dagegen noch immer ein Unbekannter. Erst ein Mal zeigte die Moritzburg in Halle, die seinen gesamten bildkünstlerischen Nachlass seit 2004 als Dauerleihgabe der Erben hütet, einen Ausschnitt aus dem riesigen Werk. Das war vor drei Jahren, als das Museum in einer Kaufhausruine 90 Gemälde und 250 Zeichnungen präsentierte. Für manchen Künstler mag das viel sein, bei Schleef war es nur ein Ausschnitt, der bildkünstlerische Nachlass umfasst 157 Gemälde und 6.700 Zeichnungen. Dass sie nach Halle kamen, war eine gute Entscheidung, schließlich wurde Schleef im nicht weit entfernten Sangerhausen geboren.

Seit der ersten Schau ist das Wissen über den Theatermann Schleef um die Erkenntnis gewachsen, dass er nicht nur Regisseur, Autor, Schauspieler, Bühnenbildner und Fotograf war, sondern auch ein eigenwilliger und einmaliger Maler und Zeichner. Einen angemessenen Platz in der Kunstgeschichte hat sein Werk naturgemäß noch nicht gefunden. Das liegt vor allem daran, dass es weitgehend im Verborgenen entstand.

Der Hallenser Ausstellungskurator Michael Freitag sieht die Bilder als „Primärquelle“ des Lebenswerks. Dabei studierte Einar Schleef nur einige Monate Malerei. Dann hatten die DDR-Kunsthierarchen genug von dessen Unangepasstheit. Schleef wurde 1965 exmatrikuliert, kam 1967 zurück an die Berliner Kunsthochschule und studierte Bühnenbild, um später als Regisseur zu arbeiten.

Fern der Kindheitswelt

Die Hallenser Ausstellung zum zehnten Todestag will nun die „Lebensorte“ des Künstlers anhand der Zeichnungen sichtbar machen. Die ersten Zeichnungen entstanden noch in der Heimatstadt Sangerhausen, viele während des Studiums in Berlin, andere in Frankfurt am Main, auf Reisen und in einem dänischen Ferienort. Es sind Augenblickszeichnungen, Porträtstudien, Landschaften. Die biografischen Brüche, vor allem das Weggehen aus der DDR und das neue Leben im Westen, haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Telefonzelle, das Symbol der kurzzeitigen Gemeinschaft bei gleichzeitig andauernder Trennung, spielt eine zentrale Rolle wie die Mauer, die Schleef nach der Übersiedlung in den Westen von seiner Mutter, von seiner Heimat, von seiner Kindheitswelt trennte.

Parallel zur Ausstellung erscheint ein „Führer zum Bildernachlass“, der versucht, das riesige künstlerische Werk des Theatermannes und Schriftstellers einzuordnen. Das ist ein schöner Anfang. Demnächst soll es ein komplettes Werkverzeichnis auf Papier und im Internet geben. Auch das ist gut und nötig. Die große Kraft, die Besessenheit, das Ausufernde, Traurige dieses Werkes wird man trotzdem nur bei der Begegnung mit den Originalen erfahren. Die wirken vor allem durch ihre Größe und Spontaneität. Wie der Regisseur und Theatermacher Schleef war der Maler und Zeichner kompromisslos, originell und immer auf der Suche nach Neuem.

Einar SchleefIch bin ein anderer in mir. Lebensorte Stiftung Moritzburg, Halle/Saale, bis 15. Januar, Begleitbuch 19,80

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