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Kultur : Schafherden gegen Kunstraub und Zerstörung

Es gibt nicht nur schlechte Nachrichten aus Libyen: Die Kunst wurde vor der Barbarei verschont - mit originellen Methosen

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Das Auswärtige Amt warnt nicht nur vor Reisen nach Libyen, es beschwört jeden, der so eine Reise derzeit planen sollte, es unbedingt sein zu lassen. Die aktuellen Meldungen unterstützen die Dringlichkeit der Warnungen fast täglich.

Thomas Schuler war trotzdem da. Schuler fährt immer in Krisen- und Kriegsgebiete, wenn die schlimmsten Kämpfe gerade vorbei sind. Denn Schuler ist Präsident der Katastrophenhilfe im Internationalen Museumsverbund ICOM. In Libyen war er zusammen mit Kollegen von Blue Shield, der internationalen Kulturerbe-Schutzorganisation. Sie haben 30 Museen und Ausgrabungsstätten gesehen, Unesco-Weltkulturerbestätten ebenso wie Museen, die ihre extra verschweißten Türen erstmals wieder öffneten. Nur in den Süden hat sich Gruppe noch nicht getraut.

Was Schuler in Libyen sah, hat ihn schwer beeindruckt, denn er kennt die Raubgrabungen von Ägyptern in Ägypten. In Libyen hatte er dagegen den Eindruck, dass die Kulturverantwortlichen gewartet haben, bis endlich jemand kommt, guckt und ein bisschen lobt. Und was er zu berichten hat, konstrastiert wohltuend das Bild der Kulturlosigkeit, das uns die Medien aktuell vom Libyen nach Gaddafi zeichnen. Denn auch wenn diese Bilder voller Gewehre, Soldaten und Zerstörung sind – ihre Welterbestätten, die Museen und Kunstschätze haben die Libyer beschützt. Auch Leptis Magna, die größte erhaltene antike Stadt der Welt und eine der fünf libyschen Unesco-Weltkulturerbestätten. „Schafherden retteten Leptis Magna vor einer Zer­störung“, erzählt Schuler.

Der Plan ging auf

Der örtliche Antikenverwalter habe Schäfer gebeten, ihre Herden dort weiden zu lassen, wo sonst nur Touristen und Fachleute Zutritt haben. Denn: Wo Schafe sind, da sind auch Hunde, die Diebe ver­treiben. Außerdem hielten die Herden die Gaddafi-Truppen davon ab, sich dort festzusetzen und auf dem Rückzug Minen zu vergraben. Die römische Küstenfestung Sabrata hätte ebenfalls leicht zerstört werden können, denn dort verschanzten sich Gaddafi-Truppen. Doch die Rebellen griffen sie nicht an, sondern riegelten die Ausgrabungsstätte ab, um die Soldaten „auszu­hungern“. Der Plan ging auf, Sabrata blieb unzerstört.

Alles ist natürlich nicht gut, was die Museumsleute aus Libyen berichten. Ein Museumsdirektor aus Misrata wurde verschleppt und ist nicht wieder aufgetaucht. Und aus einem Banktresor wurde der „Bengasi-Schatz“ gestohlen, ein Münzschatz mit 7000 antiken Münzen. Sein Verlust wird von Experten als größter archäologischen Raub der vergangenen Jahrzehnte eingeschätzt.

Der aktive libysche Kulturschutz beeindruckt nicht nur die Museumsschützer. Auch viele internationale Stiftungen wollen jetzt helfen. Das westliche, öffentliche Interesse am „arabischen Frühling“ mag angesichts eigener Krisenängste und lokaler Entwicklungen ein wenig abgeklungen sein. Zum Glück aber funktioniert Aufbauhilfe auch, wenn die meisten Kameras schon wieder abgeschaltet sind. „Momentan haben wir mehr Hilfsangebote als Ideen für kulturelle Hilfsprojekte“, sagt Schuler. Auch die USA haben bereits mit aktiver Kulturhilfe begonnen. Die Universität Ohio wird erstmals alle Ausgrabungen in Libyen erfassen und in einer frei zugänglichen Datenbank zusammenstellen. Gute Nachrichten nicht nur für Libyen.


Uta Baier beobachtet für den Freitag den Kunstbetrieb

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