Überall in den Redaktionen fragt man sich derzeit, wie man die Sache mit dem Bundespräsidenten eigentlich noch kommentieren könnte. Wir haben doch schon alles durch. Kaum war Wulff weg, war man sich noch einig: endlich. Aber wer kommt dann: Auf jeden Fall nimmt Merkel Schaden! Ach nee, doch nicht, die Tefflonkanzlerin wird sogar gestärkt daraus hervorgehen! Oh, jetzt hat sich diese FDP einfach festgelegt – Koalitionskrise! Dieser Konsenskandidat Gauck! So toll wie vor 20 Monaten dürfen wir Gauck auf keinen Fall mehr finden! Und was Gauck erst zu Occupy, Sarrazin und Vorratsdatenspeicherung gesagt hat! #notmypresident. Aber halt – das war eine Twittermeldung. Erkennt man am Hashtag.
Die Amtszeit Wulffs war kurz. Und doch wird sie in Erinnerung bleiben – nicht zuletzt als die Zeit, in der sich der Journalismus endgültig an die Gesetzmäßigkeiten des Internets angepasst hat. Zumindest an jene Gesetzmäßigkeiten, die ehrenwerte Journalisten Bloggern vor wenigen Jahren noch vorwarfen: Das ist nur Meinung, was diese Blogger schreiben, das sind doch keine Journalisten! Und die Blogger sagten: Diese Journalisten, die haben doch keine Ahnung, wir müssen denen ein wenig auf die Finger schauen. Und klar regen wir uns über sie auf! Es ist keine zwei Jahre her, da waren die Fronten noch klar.
Dann kam die Wahl zum Bundespräsidenten. Fast geschlossen erhoben die sonst so häufig Dagegen-gewesenen Netzmenschen Gauck auch zu ihrem Kandidaten – und waren sich damit zum ersten Mal einig mit den etablierten Medien. Es war ein Aufschimmern dessen, was sich jetzt in vollem Ausmaß zeigt: Die Annäherung von Netzöffentlichkeit und medialer Öffentlichkeit – was die Quantität sowie Qualität der Beiträge betrifft.
Bis zur Erschöpfung
Es war ein klassischer Dreierschritt, wie ihn Wolfgang Michal bereits am Wochenede skizziert hat: Auf ein anfängliches Klima der Konkurrenz und des gegenseitigen Misstrauens zwischen den zwei Sphären folgte eine Phase der Kooperation: Dank Wikileaks hatten die etablierten Medien gelernt, dass sie ohne Hilfe aus dem Netz nicht weiterkommen. Und andersherum: Dass die Schwarmintelligenz eine Stoßrichtung braucht, um wirken zu können. Also crowdsourcten die einen, und die anderen destillierten die Geschichten daraus. Ebenso war es im Falle Guttenberg.
Man hatte sich lieb gewonnen. Zu lieb. In der "Affäre Wulff" fielen nun der mediale Trend zur Personalisierung und der digitale zur totalen Meinungsäußerung über mehrere Wochen zusammen. Der naive Präsident war dank häppchenweiser Enthüllungen der perfekte Gegenstand für diese personalisierte Aufmerksamkeitsökonomie. Es war schon ernüchternd, wie hier im kleinen bis zur Erschöpfung eine Frage gestellt wurde, die im Großen längst keine Kraft mehr hat, um dauerhaft zu interessieren: Wer eigentlich hier wie bevorteilt wird und was passieren müsste, damit es wieder gerechter zugeht.
Es bleibt unterhaltsam
Jetzt könnte man sagen: Ja, aber das war doch alles berechtigt! Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass es sich einfach immer weiterdreht. Der Gegenstand der Berichterstattung spielt, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle.
Bereits am Sonntag Nacht wurden unter oben genannten Schlagworten wie "Occupy", "Sarrazin" und "VDS" die Kritik an Gauck im Netz so laut, dass sich am Montag im Laufe des Tages ein paar Blogger genötigt sahen, seine Äußerungen im Kontext zu betrachten. Es stellte sich heraus, dass es so schlimm gar nicht war, wie es sich in 140 Zeichen las. Cicero stellte einen Artikel online: "Wie das Netz den bösen Gauck erfand". Das Problem ist nur, dass wir längst alle das Netz sind.
So berichteten die Tagesthemen am Abend über einen Gauck, der einmal "Sarrazin unterstützte", und hatten ein Team in eine Berliner Kneipe geschickt, in der ein "Occupy-Aktivist" seine Kritik an Gaucks angeblicher Kritik äußerte. Zum Schluss die Worte: "Es bleibt also unterhaltsam im Schloss Bellevue". Wäre auch schlimm, wenn nicht.
Heute, am Dienstag, ist Gauck fast schon durch. Die Tendenz geht Richtug Merkel. Es geht aber auch wirklich schnell – wie sollte da auch jemand den Beipackzettel für das Modell der zusammengefallenen Öffentlichkeiten gelesen haben, auf dem steht: "Bei zunehmender meinungsmachender Zentrifugalbeschelunigung zerstört sich der Journalismus irgendwann von selbst"? Wir arbeiten bereits am nächsten Dreh.
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Oh ja, "Beschleunigung ist hinzugetreten", das wissen wir Alten doch seit Virilios bemerkenswerten Schriften.
Aber die Tendenz, und das lässt sich für eine guten Journalisten wittern, geht von der Causa Wulff in den GAUck-fall über. Vielleicht sogar wegen der den genaueren Kontext beachtenden Pressestimmem, die an sich selbst den Anspruch haben, seriös sein zu wollen. Die Recherchen zu Gauck werden immer intensiver. Und spätestens, wenn der Herr Präsident sich nocheinmal über die gottlose, lahmarschige Bande, von Arbeitscheuen auslässt, das Recht der Deutschen auf Deutschland auch in ihrem Viertel, über die Politiker,die sich nicht anmassen sollten mehr von Wirtschaft zu verstehen als die Eigentümer der Vermögen und ihre ausgebildenten Manager, der staatlich geführte Banken als von wem auch immer "besetzte" verurteilt....., dann wird nicht nur die Erklärungsnot der für die nächste Regierung sich designiert fühlenden Rot-Grünen bis Schwarz-Grünen groß..... dann wird Dank Gauck die FDP so einen Zulauf aus dem antiislamischen, all den Political Incorrect Denkenden, den GTI-Fahrern der Freiheit - FÜR SICH und FREI VON allen anderen Menschen und Bedenken - erhalten, dass sie 10 bis 15 % durchaus schaffen kann. Auch haben dann alle religiösen Fundamentalisten, insbesondere die der evangelikalen Art, einen Orienierung allein an Gott-Prediger in einem Amt, das das Bild Deutschlands in und außerhalb repräsentieren soll(te). Also hurtig liebe "Journallie" - ein Ausdruck in Anlehnung an Kanallie, den die Nazis einführten - , gebt dem Pferd Zucker und die Peitsche ! Bis zur Wahl sind es noch ein paar Tage Zeit, und Zeit ist.... männlich, völlig ohne Profil |
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Hier noch eine Quelle für den Beitrag oben: carta.info/41490/breitband-als-stream/
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… habe ich eingefügt. interessant finde ich, dass der prozess so gut in die amtszeit wulffs passt – zu seiner wahl hatte ich ein wenig enttäuscht sofort die "gegenöffentlichkeit" des netzes beerdigt (liebernichts.de/2010/06/gegenoeffentlichkeit/).
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Weitere Zentrifuge: Wenn Wulff am Ende nur noch peinlich war, dann muss jetzt festhalten, dass Gauck allein schon wegen der Art und Weise wie er wieder aus der Versenkung geholt wurde zur reinen Farce gerät. manche Medien getrauen sich gar nicht mehr öffentlich um Zustimmung zu fragen, weil mehr als zwei Drittel nicht ver-Gauck-elt werden wollen. Georg Schramm kommt auf bessere Werte …
qpress.de/2012/02/20/merkel-stellt-deutschland-vor-die-wahl-gauck/ Naja, und von Wahl wollen wir mal gar nicht sprechen. Genau genommen führt Merkel damit einmal mehr die von ihr so gepriesene indirekte Demokratie vor. Fünf Koalitionsspitzen verarschen sich gegenseitig und das Volk muss es schlucken … (°!°) |
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das wäre der nächste dreh… ich glaube nicht, dass sich zur überwindung dieser zentrifugalkräfte – um im schwurbel-slang zu bleiben – jene stets von sloterdijk bemühte "vertikalspannung" gebrauchen lässt. es geht also nicht um eine praxis, die man sich durch sorgsame übung auch aneignen kann. stattdessen sollte man sich dieser praxis eher entziehen. ich bin ja naiv, und glaube, dass man immer noch ausgeruhte texte schreiben könnte, die einen gegenstand behandeln – anstatt im meinungsmodus über sie hinwegzufegen. eigentlich hätte ich diesen text also gar nicht schreiben dürfen. aber so ist das ja immer mit theorie und praxis.
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schrieb am
22.02.2012 um 20:51
Sloterdijk und Vertikalspannung. Wo hat der das denn jetzt geschrieben? Irgendwie klingt da ein Satz nach, "man müsse sich selbst schwer machen" (im Sinne einer Gravitation). Der Mann schreibt ja so allerhand. Den les' ich eigentlich nie im Sinne einer ernsthaften Lektüre, sondern nur als Unterhaltungsliteratur, der Sprache, der Referenzen und der essayistischen Denkübung wegen.
Übrigens, dürfen sollte man immer, aber ob man immer sollte, das ist eine andere Frage, vielleicht die Frage schlechthin für die Generation "Irgendwas mit Medien" und wahrscheinlich für jeden der Texte Tagespresse oder Periodika schreibt. Um mal den Dreh zu machen: Kann man souveräne Distanz wahren ohne abgehängt zu werden. Einerseits überrollen die Verhältnisse einen selten. Andererseits können sie schnell bedrohlich werden (↑ Fabian, Erich Kästner). |
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in diesem sinne war das auch gemeint… ich glaube, die "vertikalspannung" ist leitbegriff in seiner rilke-exegese "du musst dein leben ändern".
ich werde mal wieder erich kästner lesen müssen. |
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Das Problem ist denke ich weniger, dass die Medien in diese unedle Richtung schlagen, sondern dass die Öffentlichkeit immer mehr den Boden für diese Entwicklung genährt hat.
Der Stand der "Aufklärung" der Gesellschaft in Bezug auf Politisches, Kulturelles ect. sinkt immer mher hin zum Punkt des bloßen Rezipierens, in welchem der Rezipient nurnoch aufgrund seiner Begeisterbarkeit eingestuft wird. Es zählt schon lange nicht mehr, was wiklich Relevant ist, sondern was dazu geeignet ist, relevant gemacht zu werden. Die Beschleunigung dieses Prozesses ist jedoch durchaus bedenklich, und es gilt hier um nicht weniger zu fürchten als die Freiheit höchstselbst, die Freiheit der Meinung und der Sprache, sowie auch des höchsten Guts, den Denkens. Was wir also bewahren müssen, ist den Mut anzuecken, unbequem zu sein, und unser Gegenüber, so sehr wir es auch respektieren, zu fordern, selbst zu denken. Man darf nur hoffen, dass man am Ende nicht resigniert zum Schierlingsbecher greift... |
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das ist natürlich richtig. man kann das system medien nicht als geschlossenes system beschreiben. aber irgendwie muss man sich auch darin verhalten – und ich glaube, dass die freiheit zur meinung irgendwie zu einer art zwang geworden ist.
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schrieb am
21.02.2012 um 23:48
"...ich glaube, dass die freiheit zur meinung irgendwie zu einer art zwang geworden ist."
d'accord - aber warum das einschränkende "irgendwie"? dass es so ist, liegt ja auf der hand, und warum es so ist, ist leicht zu erklären: die unbedingte freiheit zur je eigenen meinung übersetzen demokratisch dressierte staatsbürgerhirne quasi automatisch in die auf einmal ganz unbedingte pflicht, immer und überall auch eine meinung zu haben - aber eben auch nicht MEHR als eine blosse "meinung", denn alles, was darüber geht, ist "totalitär", "stalinistisch", "dogmatisch" und so weiter und so fort. deshalb kann man heute den grössten scheissdreck daherpalavern und anschliessend mit dem brustton der überzeugung für sich reklamieren, dass man nur "seine meinung" sage, wozu man ja wohl jedes recht habe. damit gibt man dann auch nebenher ganz freimütig zu erkennen, was sich hinter dieser meinungshuberei verbirgt: die vergötterung der macht, die all diese "freiheiten" schliesslich als ein jedermannsrecht garantiert, das heisst gewaltsam für das PRINZIP des freien drauflosmeinens einsteht. in diesen souveränen meinungsbetrieb passt jemand wie gauck wie die faust aufs auge. zwar wird jetzt überall kolportiert, dass er thilos thesen dunnemals als "mutig" bezeichnet hätte, allerdings ist das gelogen, denn meines wissens hat er nicht die thesen selber, sondern nur ihre ÄUSSERUNG als "mutig" bezeichnet, das heisst von ihrem konkreten inhalt völlig abgesehen und nur die form, in der er dargetan wurde, gelobt. und eben weil das nicht die ausnahme, sondern die universale praxis demokratischer gesellschaften ist, kann sich genau darüber auch niemand aufregen, weswegen man gezwungen ist, sich stattdessen zuerst einen standpunkt zu zu legen, von dem aus man die sache filzt und zu dem schluss kommen muss: "das geht nicht!". warum und wieso das sachlich so ist, interessiert schon kein schwein mehr. sowas nennt sich dann "kontroverse" und genauso blöd, wies klingt, ists auch. |
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Ich glaube nicht, das sich die Freiheit eine Meinung äußern zu dürfen immer notwendig in einer Art Zwang niederschlägt. Es gibt einen Unterschied zwischen dürfen und müssen. Nur weil ich etwas grundsätzlich darf, muss ich es nicht notwendiger weise tun. Ich kann mich auch bewusst enthalten. Da die Medien aber zu allem eine Meinung haben, ist es leicht diese zu Übernehmen, ohne sich in die ühe zu stürzen, selbst eine zu entwickeln. Es ist also eher eine sehr große Versuchung, eine Meinung zu allem zu haben, aber keine Pflicht im eigentlichen Sinne.
Einhergehend mit der Meinungsbildung, muss diese ja auch argumentativ unterfüttert werden, d.h. das "bloße dahinplappern" an sich ist zwar möglich, doch leicht von einer fundierten Meinung zu unterscheiden. Die unterscheided den unmündigen vom mündigen Bürger, womit wir beim Kernpunkt des ganzen wären. Einhergehend mit der immensen Freiheit zur Meinung gerät der Mensch in die Verlegenheit, diese nämlich zu formen, was Mündigkeit zur eigenen Meinung vorraussetzt. Die Medien sollten eigentlich der Förderung dieser Mündigkeit dienen, indem sie möglichst objektiv und sachlich den dafür nötigen Apparat zur Verfügung stellen. Dies ist aber durch die Boulevardisierung nicht mehr gegeben, da es nicht um Aufklärung sondern um "Aufregung" geht. Die dafür eher förderliche Entwicklung sehe ich in genau diesem hier, und zwar dem freien Diskurs über Themen, im kritischen Geist, in dem kontroverse Standpunkte dargelegt und diskutiert werden können. In diesem Sinne sind es vielleicht grade jene Blogger, die die Medien auf ihr "Niveau" zogen, denen nun die Aufgabe zukommt, wieder für mehr Objektivität und weniger Meinungsproklamation einzutreten. |
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das stimmt natürlich. ich denke nur, dass man tatsächlich immer mehr zur "meinung" genötigt wird, auf kosten dessen, was man im sinne von @cuchulainn vielleicht "haltung" nennen könnte.
aber das soll jetzt nicht zu kulturpessimistisch klingen. man könnte ja auch folgern, dass "wahrheit" - oder wie auch immer man das gewünschte ergebnis dann nennen mag – heute nicht mehr im stillen kämmerlein, sondern über einen beschleunigten meinungsaustausch hergestellt wird. |
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Dass man in eine Haltung gedrängt wird, dem ist leider nicht zu widersprechen.
Das Problem is dabei etwas, was ich als "unreflektierte Konsenshaltung" bezeichnen würde, der Zustand der Eintritt, wenn ich anfange mit mitmenschen zu "diskutieren" indem ich irgendwelche Platitüden auffahre, die inhaltlich nichts anderes als bloß gelesenes oder gehörtes enthalten. Eine wirkliche "Kernhaltung", die man dem ganzen abmessend zukommen lassen muss, um daraufhin zu einer eigenen Meinung zu gelangen fehlt leider meist. Diese Kernhaltung, die nichts anderes ist als ein moralischer und epistemologischer Wertekanon, kann sich eben nur durch das selbst denken aufbauen. Und das ist ja nunmal nicht mehr nötig, da wir das Szepter des Geistes bekanntlich nur allzugern in das größte Maul schmeißen. Hier schließ sich der Teufelskreis. Aber zum Glück gibts es zu jedem das ist, ein anderes wo das Gegenteil ist. Und es ist ein Segen das es sowohl Vernunft als auch Unvernunft gibt, sonst hätten wir wahrlich Schwierigkeiten, wahrlich Vernünftige Dinge zu erkennen. In diesem Sinne ist eigentlich alles wie immer, wirkt nur schlimmer und geht irgendwann auch wieder vorbei ;) |
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Sehr geehrter Herr Dörfler, sehr geehrte Mitleser,
mein Studium der Kommunikationswissenschaft und 20 Jahre Arbeit im Fernsehen sind nicht spurlos an mir vor rüber gegangen. Und bei der gesamten Debatte dürfen wir weiterhin gerne Virilio, Sloterdijk und Kollegen zitieren. Ich empfehle da gerne auch noch Herrn Kittler oder Herrn Bolz. Etwas wirklich kurioses lässt sich für mich bei der Debatte erkennen. Wie gehen Journalisten heutzutage damit um, dass sich "Meinungen" zu einer "App" reduziert haben? Daumen rauf "gefällt mir", Daumen runter "gefällt mir nicht". So geht man heutzutage mit Meinungen um. Das beste an diesem Prozess ist für den User, dass es überhaupt keine Konsequenzen für ihn macht, wie er sich entscheidet. Mit einem "Klick" ist die Meinung erledigt, die nächste wartet schon. Einen solchen Prozess darf man bewerten wie man möchte. Und man darf sich auch viel Zeit nehmen, ihn zu überdenken. Leider muss man sich aber auch damit abfinden, dass ein solcher Zeitaufwand für ein Thema dem Umfeld egal wird. Für die Benutzung einer Tastatur oder eines Touchscreens bedarf es keiner großen Intelligenz. Bei der Tastatur noch eher, schließlich muss man Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen in eine logisch verständliche Reihenfolge bringen. Bei den Touchscreens ist es einfacher. Zusammenhänge werden vereinfacht mit einem Symbol belegt. Dieses Symbol ist schnell und einfach zu bedienen. Und kaum hat man diese Aufgabe erledigt öffnet sich schon ein Neues. Als Reaktion bleibt da nur das Mitmachen. Als User, Macher oder auch in beiden Funktionen. In der Politik war man nicht schnell genug und hat diese Entwicklung etwas zu spät bemerkt. Noch kann man aber Aufholen. Und im Grunde genommen sogar eher einfach: Bereits im Mittelalter hat man gelernt, dass man mit Bildern und einfachen Werten Moral beim Volk machen kann. Gut/ Böse, schwarz/ weiß, richtig/ falsch. Das sind einfache Kategorien, die nie aus der Mode kommen. (Nur Schlauköpfe werden Millionär, das "richtige" Talent super, etc. ...) Mit solchen Begriffen lässt sich eine Gruppe gut lenken, wenn sie die Orientierung verloren hat. Man gibt die Hoffnung nicht auf, den "Richtigen", das "Gute" gefunden zu haben. Hauptsache, das Vorherige tritt schnell ins Dunkle und wird vergessen. Das nenne ich eine gelungene Unterhaltung. Als Ex-Fernsehmensch und junger Rentner darf ich mir diesen "Luxus" hoffentlich noch erlauben. |
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die like-kultur ist wohl die spitze dieses eisbergs, das stimmt. aber als junger rentner hätte man doch genug zeit, dem etwas entgegenzusetzen ;)
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Lieber Sebastian,
auch das Netz wird erwachsener. Es kann sich täuschen, jemanden vertrauen, weil er z.B. auserkoren von der Opposition einer Regierung, die man nicht mag, und bemerkenswerterweise gestützt von den sog. Leitmedien so plötzlich in den Fokus rückt. Sicher gab es in der Facebook-armen und twitter-losen Zeit 2010 auch schon Stimmen des Journalismus und auch in politischen E-mail Verteilern, die eindringlich vor dem möglichen GAUck warnten. Und es braucht auch Zeit, um jemanden kennenzulernen. Der "böse Gauck" ist keine Neuerfindung der Netzgemeinde. Viele waren einfach nur beruhigt, nicht ihn als Präsidenten zu sehen. Die Entlarvung von Wulff als den Vorteilsnehmer und -gewährer war deshalb um so genussvoller und triumphierender, weil es noch einmal bestätigte, was man so unbewiesen immer vermutete über das Gebaren der politischen Kaste. Doch jetzt, obwohl ich das mit dem "Dreisprung" nicht verstehe, gibt es wirklich eine Chance auf Gegenöffentlichkeit. Die Kritik an der Gaucknominierung im Netz verstummt keineswegs. Und anscheinend ist man besser informiert und interpretiert besser als selbst die respektable SZ. Aber "Cicero" ? Da verweist ein/e gewisse/r Manu als Kommentar zu dem Blog www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz "Ein Aspekt hätte ich noch: Ich finde es ist kein Zufall, dass ein solcher Verteidigungsartikel bei Cicero erschienen ist. Gauck ist ja Mitglied der Atlantik-Brücke. Der Chefredakteur von Cicero ist Michael Naumann, Ehegatte der Enkelin des Gründers der Atlantik-Brücke. Es gefällt dem Lobbyistenclub wohl nicht wie Gauck Stück für Stück in seiner unmenschlichen Art enttarnt wird...." Also, Theorie mal Theorie sein lassen und dranbleiben Hajü |
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na, das werden wir – keine sorge ;)
mit dem "dreisprung" meinte ich die synthese aus personalisierung (lieblingsmotiv des journalismus) und unbedingter meinungsäußerung (gründungsgeste des netzes) bei immer schnellerer taktung – vielleicht kann dieser text ja eine anregung sein, dem mal tiefer nachzugehen. |
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na fein mediales occupy (verschmelzung) * da drängt sich die frage nach koch und kellner auf * verzahnungen steht: für zackenförmige, formschlüssige verbindungen in der technik zur kraft- und bewegungsübertragung liest sich da aus rein egoistischen gründen weitaus feiner, pfiffiger und steiler!
feine restnacht noch christiane paffen |
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Die Gauckbehörde ist unter uns. Ich habe "keine Wahl". Mich Arbeiter fragt keiner ob ich einen Prediger will. Unterschreibt der mal das Gesetz zum EFS-Vertrag?
Der Artikel und die Kommentare, sind wirklich alle sehr eloquent verfaßt. Etwas vermisse ich den Humor, oder nur den Witz. Aber das liegt wohl an mir. Das Foto zum Artikel zeigt, mir den einzigen Witz. Gut getroffen, eine "nette" Profilleiste von Menschen, die "über Menschen" zu Gericht zu sitzen scheinen, deren Einspruch nicht stattgegeben werden soll. Was habe ich als Arbeiter-Demokrat mit diesen Leuten, die da wie die Hühner auf der Stange sitzen, zu tun? Nichts! Aschermittwoch ist heut. Da singt der Jecke. Alle: "Scheiß egal, Scheiß egal, ab Du Huhn bist oder Hahn! Wenn Du Huhn bist, muß Du Eier legen können, wenn Du Hahn bist, mußt Du Hühner treten können ... |
Ausgabe 20/2012
16.05.2012
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