Politik

Ultimatum für Falludscha | 16.04.2004 00:00 | Ewa Jasiewicz

Massaker ratloser Besatzer

Wer die Stadt nicht freiwillig verlässt, wird bombardiert

Vor Tagen ist in der Stadt Falludscha die Wut auf die Besatzer, auf den alltäglichen Rassismus und die Gewalt der US-Streitkräfte förmlich explodiert. Die Bilder von vier verbrannten Amerikanern und ihren geschändeten Leichen gingen um die Welt. Was dagegen am Osterwochenende geschehen ist - an gleicher Stelle - nimmt kaum jemand in der westlichen Welt zur Kenntnis. Es war - man kann es nicht anders nennen - ein Massaker.

Zunächst hatte die US-Luftwaffe mehrere Viertel von Falludscha mit B-52-Flugzeugen bombardiert. Zu den Zielen gehörten auch eine Moschee und das städtische Krankenhaus. Insgesamt wurden allein dabei mindestens 470 Menschen getötet und 1.700 verletzt. Die Zahl der Toten stieg danach von Tag zu Tag weiter, weil die Stadt von den US-Streitkräften eingekesselt und abgeriegelt wurde, so dass die dringend benötigte Hilfe für Hunderte von Verletzten in den Hospitälern vollkommen ausblieb.

Immer wieder wurden Rettungswagen von den Amerikanern beschossen, sobald sie versuchten, Verletzte aus der Stadt zu transportieren. Trotz aller Gefahren versuchten dennoch Menschen aus der Umgebung mit privaten Fahrzeugen in die Stadt zu gelangen, um Lebensmittel und Medikamente zu bringen. Der Solidarität mit Falludscha will und kann sich offenbar im gesamten Land kaum jemand verschließen.

Zwischenzeitlich - es war in der Nacht vom Ostersonntag zum Ostermontag - wurde angeblich ein Waffenstillstand verkündet. Doch wäre es irreführend, von einer tatsächlichen Waffenruhe zu sprechen, um den Zustand zu beschreiben, der dann eintrat. Die Amerikaner teilten den Leuten mit, sie müssten die Stadt verlassen und zwar innerhalb von acht Stunden - sollten sie bleiben, müssten sie die Konsequenzen tragen. Das taten viele dann auch und versuchten, in das etwa 65 Kilometer entfernte Bagdad durchzukommen. Weil aber die Hauptstadt längst abgeriegelt war, saßen die Konvois mit den Menschen schon nach kurzer Zeit fest - gefangen in der Wüste. Nach Ablauf einer achtstündigen Frist wurde dann Falludscha erneut bombardiert. Augenzeugen haben berichtet, dass selbst der kilometerlange, in der Wüste gestrandete Konvoi der Falludscha-Flüchtlinge von US-Truppen beschossen worden ist.

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Angesichts des Massakers von Falludscha scheint es nicht verwunderlich, dass Iraker in allen Teilen des Landes bereit sind, sich am Aufstand gegen die Besatzer zu beteiligen, so aussichtslos er auch immer sein mag. Dabei geht es nicht nur um die Exzesse und Ausschreitungen der US-Truppen, die in ihrer Ratlosigkeit immer zügelloser werden, sondern auch um die Politik des Besatzungsregimes. Den Irakern ist nicht verborgen geblieben, dass US-Statthalter Paul Bremer - entgegen allen öffentlichen Bekundungen - wieder auf alte Funktionäre der Baath-Partei setzt und selbst frühere Geheimdienstmitarbeiter Saddams eingestellt hat, um die sogenannten "neuen Sicherheitskräfte" aufzubauen.

Ewa Jasiewicz ist freischaffende Journalistin und arbeitet im Irak für die NGO "Occupation Watch".

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