Empfehlung der Woche

Generation rechts?

Generation rechts?

Rüdiger Maas

Hardcover, gebunden

288 Seiten

24 €

Zur Empfehlung
THEATER DER WELT Chemnitz 2026

THEATER DER WELT Chemnitz 2026

Theaterfestival

Festivalzentrum: Spinnbaugarten

Vom 18. Juni bis 5. Juli 2026!

Zur Empfehlung
Das Los des Fremden

Das Los des Fremden

Brandt Andersen

Drama

USA 2025

104 Minuten

Ab 18. Juni 2026 im Kino!

Zur Empfehlung
Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus

Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus

Zeppelin Museum Friedrichshafen

Seestraße 22 | 88045 Friedrichshafen

Vom 22. Mai 2026 bis 4. April 2027!

Zur Empfehlung

Politik : Festung Europa

Das neue Asylrecht

Zum Kommentar-Bereich

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Share Icon
Jetzt kostenlos testen

Die Festung Europa steht. Uneinnehmbar für jeden, der hier Schutz vor Verfolgung finden will. Während die Außenmauern der Europäischen Union am 1. Mai unter großem Jubel neu gezogen wurden, so dass zehn weitere Staaten in ihnen Platz finden, wurden dieselben Mauern zwei Tage zuvor fast unbemerkt gegen ungebetene Besucher noch fester verschlossen. Am 29. April einigten sich die EU-Innenminister auf ein neues europäisches Asylrecht, dass nur ein Ziel kennt: Die Abschottung des neuen Europa vor Flüchtlingen aus aller Welt.

Kernpunkt der neuen EU-Gesetzgebung ist die deutsche "Drittstaatenregelung", die nun EU-weit gelten soll. Danach können nun in allen 25 EU-Staaten Asylbewerber an der Grenze ohne nähere Prüfung ihres Falles abgewiesen werden, wenn sie aus einem sicheren Drittland kommen. Als sichere Drittstaaten gelten vor allem Länder, die die Genfer Flüchtlingskonvention einhalten. Doch genau die beinhaltet die Verpflichtung, in jedem Einzelfall ein Verfahren zur Klärung des Flüchtlingsstatus durchzuführen und wird - laut UNO-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers - eben durch das neue Asylrecht innerhalb der EU nun außer Kraft gesetzt.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat damit seine Mission erfüllt. In den fünfjährigen Verhandlungen auf EU-Ebene verhinderte er nachhaltig bessere Asylstandards, demontierte den internationalen Flüchtlingsschutz und setzte nun schließlich die Drittstaatenregel durch. Zusammen mit der ebenfalls auf Schily zurückgehenden Europäischen Grenzagentur, die ab Anfang 2005 für einen effektiven Schutz der neuen EU-Außengrenzen sorgen soll, wird sie ihre volle Wirkung entfalten. Das Copyright für diese Entwicklung, die noch durch die Aufnahme biometrischer Merkmale in die Visaanträge einreisender Ausländer komplettiert wird, liegt dabei eindeutig in Berlin.

Der Tag der Asylrechts-Einigung ist ein bittere Stunde für all die Menschen, deren letzte Rettung die Flucht ist. Kein Flüchtling kann mehr auf legalem Wege in das Herz Europas gelangen - das Asylrecht wird zum Konjunkturprogramm für Schlepperbanden. Es fördert die Illegalisierung und Kriminalisierung von Verfolgten, die sich - ohne Verstoß gegen das neue Asylrecht - in der EU nicht mehr in Sicherheit bringen können.

Doch seine Ausstrahlung reicht noch weiter: Die Anrainerstaaten der Union müssen über kurz oder lang ihre Grenzen ebenfalls abschotten, wollen sie nicht zum Sammelbecken all der Flüchtlinge werden, denen die Europäische Union den Einlass verweigert. Ein Dominoeffekt, der dazu führen wird, die Festung Europa nicht nur von Asylsuchenden weitgehend freizuhalten, sondern diese auch in Flüchtlingslagern nahe ihrer Verfolgerstaaten festzusetzen.

Themen

sticky banner image

35 Tage gratis zum 35. Geburtstag

der Freitag digital mit Zugang zu allen Artikeln inkl. E-Paper & Audio