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Politik : Machtlose Gitter

Die Verhaftung von Julian Assange wird vielleicht Wikileaks zerstören, das Whistleblowing im Internet wird aber weitergehen

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Nun ist geschehen, womit die meisten gerechnet und was viele befürchtet hatten: Die britische Polizei hat Julian Assange verhaftet. "Um 9.30 Uhr auf einer Londoner Polizeiwache", wie es in einer Meldung der Polizei heißt. Der Sprecher von Wikileaks hat sich offenbar selbst gestellt. Nun beginnen zwei Prozesse, die beide mit großen Unsicherheiten behaftet sind: der um Assange und derjenige der Organisation Wikileaks, die jetzt beweisen muss, dass sie auch ohne ihr öffentliches Gesicht weiterarbeiten kann.

In den nächsten Tagen werden sich die Schlagzeilen wahrscheinlich vor allem mit dem Prozess gegen Assange beschäftigen - was angesichts so einiger Merkwürdigkeiten des Verfahrens in Schweden jedenfalls verständlich erscheint. Langfristig jedoch mindestens ebenso brisant ist die Frage, was nun mit Wikileaks geschieht. Seit der Veröffentlichung des Colletaral Murder-Videos hat Assange die Organisation streng auf sich zugeschnitten, wenn nicht gar mit sich identifiziert. Viele Medien machten dabei gerne mit, bauten ihn als einsamen Kämpfer auf und bestärkten ihn damit noch in seiner Strategie.

Ob sie und Assange Wikileaks damit allerdings einen Gefallen getan haben, erscheint nun mehr denn je fraglich. Denn jenseits des Wirbels um seinen Kopf wollte Wikileaks ja einmal ein aufklärerisches Projekt verwirklichen. Bisher kann die Welt nur hoffen, dass Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson Recht behält, wenn er sagt, dass die Verhaftung Assanges die Veröffentlichung der weiteren Kabel-Berichte nicht verzögern werde. Es ist nicht zu hoffen, aber auch nicht auszuschließen, dass der Strom der Veröffentlichungen anschließend dennoch versiegt. Dann hätte Assange die Organisation von sich abhängig und damit verletzbar gemacht.

In jedem Fall ruht die Hoffnung nun auf jenen, die von dem Prinzip des Whistleblowings im Internet trotz des Rückschlags nicht abrücken wollen - und die vielleicht nicht die Organisation, aber das Prinzip von Wikileaks am Leben halten werden. Denn das ist sicher: Ideen lassen sich nicht hinter Gitter sperren.

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