Wochenthema

Die Frauen sind auf dem Vormarsch - aber die Gesellschaft zieht nicht mit

Emanzipation | 25.02.2010 10:05 | Susanne Klingner

In bester Stellung

Die Frauen sind auf dem Vormarsch - aber die Gesellschaft zieht nicht mit

Es gab eine Revolution. Sie ist allerdings schon an uns vorbeigezogen und auch ohne Tote und Verletzte vonstatten gegangen: Nach neuesten Zahlen sind heute in den Industrieländern die Hälfte aller berufstätigen Menschen Frauen, und das, schreibt das brititische Wochenmagazin Economist, sei die größte gesellschaftliche Umwälzung, die wir in den letzten fünfzig Jahren erlebt haben. Denn „Millionen von Menschen, die vormals abhängig von einem Mann waren, haben ihre wirtschaftlichen Geschicke selbst in die Hand genommen“. Die Euphorie der Economist-Redaktion wurde durch eine Zahl aus dem US-Arbeitsmarkt ausgelöst: Erstmals sind dort 49,9 Prozent aller Erwerbstätigen weiblich, die 50 soll dieses Jahr fallen. Auch in Deutschland ist ein Fortschritt zu sehen, wenn auch ein weniger großer: 1957, als zum ersten Mal in der Bundesrepublik ein Mikrozensus erhoben wurde, lag der Frauenanteil an den Berufstätigen bei 37,3 Prozent, 2008 waren es 45,3 Prozent. Das ist der höchste Wert, den es hierzulande je gab, in der DDR lag der Frauenanteil in den 80er Jahren bei über 49 Prozent – arbeiten zu gehen war hier für Frauen genauso Pflicht wie für Männer.

Die weibliche Revolution auf dem Arbeitsmarkt fällt in Deutschland also ein bisschen bescheidener aus als in den USA, und trotzdem stimmt es auch hierzulande: Frauen haben in den letzten Jahrzehnten alle wirtschaftlichen Bereiche betreten und teilweise erobert. Vor fünfzig Jahren wäre nicht vorstellbar gewesen, dass die Präsenz von Frauen im Berufsleben so normal werden könnte wie es heute der Fall ist: Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Ärztinnen, Anwältinnen, Frauen in Hosenanzügen, Frauen mit Aktenkoffern, Frauen, die Teamkonferenzen leiten, Frauen, die Expertinneninterviews geben. Wer sich heute noch über diese Damen wundert, ist ein Narr.

Dort hinzukommen, wo wir heute sind, war ein langer Weg. Frauenrechtlerinnen kämpften schon immer für die finanzielle Selbstständigkeit und Selbstbestimmung von Frauen. Als sich in Deutschland 1865 die Frauenbewegung im Allgemeinen Deutschen Frauenverein erstmals organisierte, war dessen ausdrückliche Aufgabe „die erhöhte Bildung des weiblichen Geschlechts und die Befreiung der weiblichen Arbeit von allen ihrer Entfaltung entgegenstehenden Hindernissen“. 1958 wurden aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch der Bundesrepublik die letzten Passagen gestrichen, in denen Frauen und Männer juristisch ungleich behandelt wurden: das „Letztentscheidungsrecht“ des Mannes, seiner Ehefrau ihren Job zu verbieten genauso wie sein Recht, über das von ihr in die Ehe eingebrachte Vermögen zu entscheiden. Frauen wussten bis dahin und auch noch lange Zeit danach oft gar nicht, wie viel Geld die Familie oder ihr Mann eigentlich auf dem Konto hatte. Doch erst ab 1977 konnten die deutschen Frauen ganz allein über ihren Beruf entscheiden. Mit der Eherechtsreform wurde dem Mann die Möglichkeit genommen, den Job seiner Frau zu kündigen, wenn er das Gefühl hatte, sie vernachlässige Haushalt, Ehe oder Kinder.

Heute wächst fast jedes Mädchen mit der Ermahnung ihrer Mutter auf, eigenes Geld zu verdienen, um unabhängig zu sein. Die meisten Frauen sind heute ganz selbstverständlich berufstätig. Sei es, weil es die ökonomischen Umstände erfordern, oder – wenn die eigene Herkunft und der Bildungsabschluss es erlauben – weil sie von so etwas wie beruflicher Selbstverwirklichung träumen.

Vereinbarkeit nur für Männer

Weiblicher Lebensinhalt wird nicht mehr nur auf das Gebären und Umsorgen von Kindern beschränkt, wie es mit aufkommendem Wohlstand das bürgerliche Ideal vorsah. Nun wird auch heute noch Frauen bei der Geburt eines Kindes vom einen oder anderen Verfechter „alter Werte“ nahegelegt, sie solle sich doch ganz dem Kind widmen, da die weibliche Berufstätigkeit ihm schade – man erinnere sich nur an die Debatte, wie sie von Eva Herman und Bischof Walter Mixa geführt wurde. In nicht wenigen durchschnittsdeutschen Köpfen steckt immer noch ganz fest das „Man sollte keine Kinder kriegen, wenn man sie anschließend wegorganisiert, um arbeiten zu gehen.“

Die Freiheit, sowohl einen Beruf auszuüben als auch Kinder haben zu können – eine Freiheit, die für Männer auf der ganzen Welt selbstverständlich ist, ohne dass ihnen daraus ein Rabenvater-Vorwurf gestrickt oder sie deswegen im Beruf als weniger leistungsfähig gelten würden – diese Freiheit wird Frauen in den Industriestaaten auch heute noch nicht uneingeschränkt zugestanden. Sie ist etwas, das Millionen Mütter jeden Tag aufs Neue erkämpfen, wenn sie versuchen, ihren Vorgesetzten klarzumachen, dass sie sich auch als Mutter auf anspruchsvolle Aufgaben konzentrieren können oder wenn sie – viel zu oft auch immer noch ohne die Unterstützung ihrer Partner – versuchen, die Kinderbetreuung zu organisieren.

So weit es die Frauen in unserem Land gebracht haben in ihrem Recht auf einen Beruf und ein eigenes Einkommen: Ihr Pech ist, dass sie ihrer Umwelt Jahrzehnte voraus sind. Die Revolution, die die Frauen da auf dem Arbeitsmarkt losgetreten haben, die haben die Politik, die Unternehmen und nicht zuletzt die Kultur zu großen Teilen verschlafen. Sie haben die Vorhänge zugezogen, die fein bestickten Kissen aufgeschüttelt und so getan, als würde da draußen nichts passieren.

Progressive Parolen – nichts dahinter

Die Frauen- und Familienpolitik setzt noch immer voraus, dass Frauen die Hauptlast der Familienarbeit schultern. Deswegen gibt es noch immer zu wenige Betreuungsplätze für den Nachwuchs, deswegen gibt es „Vätermonate“ und deswegen gilt es als selbstverständlich, dass ein ganzes Jahr Elternzeit von der Mutter genommen wird. Darunter leidet zwangsläufig die Karriere der Frauen: ihre Chancen auf einen guten Job und auf Beförderungen, ihr Gehalt, ihre Möglichkeiten, auch in Teilzeit Verantwortung zu übernehmen.

Nun könnte etwas Erleichterung von Seiten der Unternehmen kommen, die gerade jetzt, da ihnen die Fachkräfte ausgehen, nicht müde werden zu betonen, dass sie händeringend nach Frauen suchen. Doch die meisten Firmen belassen es bei Parolen und hoffen, an ihrer Unternehmenskultur nicht allzuviel ändern zu müssen – an den Arbeitszeiten, an einer überholten Anwesenheitskultur, an den von männlichen Machtspielchen und Netzwerken dominierten Unternehmensstrukturen. Der Anteil der deutschen Firmen, die sich mit konkreten Maßnahmen für die Gleichstellung ihrer Mitarbeiterinnen einsetzen, liegt seit zehn Jahren konstant bei 13 Prozent, so eine aktuelle Zahl des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Nicht umsonst bleiben Frauen oft in den unteren Hierarchieebenen hängen, nicht umsonst bleiben sie auf schlecht bezahlten und noch schlechter angesehenen Teilzeitstellen hängen. Frauen besetzen in Deutschland 31 Prozent der Führungspositionen, in denen sie dann laut IAB-Studie 33 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Je höher die Entscheidungsebene, desto seltener trifft man auf Frauen. Im Top-Management sind es keine zehn Prozent mehr. Und je größer die Firma, desto öfter bleiben die Männer unter sich. In den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen sitzen insgesamt 21 Frauen. In den dreißig DAX-Unternehmen ist es nur noch eine. Wenn es heute eine Frau im Berufsleben weit bringt, dann hat sie das in den meisten Fällen nicht wegen der Strukturen in der Arbeitswelt geschafft, sondern sie schafft es trotz dieser.

Es wird Zeit für Politik und Unternehmen, dem Vormarsch der Frauen in großen Schritten zu folgen. Zum Beispiel auch durch gesetzlich verankerte Quoten in den Führungsetagen. Klar wird dann gern auf eben jene erfolgreichen Frauen verwiesen: „Es geht doch! Quoten wären doch eine Beleidigung für die Damen!“ Falsch, sie wären eine Anerkennung ihrer Pionierarbeit. Sie wären der Beweis dafür, dass die männlich besetzten Vorstände und Manageretagen erkannt haben, wie wichtig diese Frauen für ihr Unternehmen sind. Dass sie es sich im Grunde gar nicht leisten könnten, auch nur ein weiteres Jahrzehnt auf diese ambitionierten, klugen, gut ausgebildeten Frauen zu verzichten. Denn: Lassen wir alles wie bisher weiterlaufen, wird es noch weitere fünfzig Jahre brauchen, schätzt der Economist, bis die Umstände endlich so fortschrittlich sein werden wie die Frauen.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 25.02.2010 um 13:07
"Die Frauen sind auf dem Vormarsch - aber die Gesellschaft zieht nicht mit"

Ironie – diese Gesellschaft zieht vielleicht nicht mit, weil sie zu 52% aus Frauen besteht?

Was tun Männer, die mit den politischen Verhältnissen hierzulande nicht einverstanden sind? Sie gründen eine Partei wie die Piraten. Steht den restlichen 52% dieser Gesellschaft genauso offen. Wenn Frauen tatsächlich so fundamental im Hintertreffen sind, wie behauptet, gibt`s zur nächsten Wahl kein Halten mehr.
THX1138 schrieb am 25.02.2010 um 15:49
Liest man diesen Artikel- der über weite Strecken eine Wiederholung des ewig Gleichen ist- dann könnte man meinen, wir hier im Westen hätten mit einem enormen Kindersegen zu kämpfen, weswegen die Frauen- so die gängige Behauptung- von einer etwaigen Karriere abgehalten werden.

Doch dem ist nachweislich nicht so: Bei einer Geburtsrate von lediglich 1,33 Kindern pro Frau (BRD) kann es gar nicht sein, dass so viele Frauen einzig wegen Kindern und Familie von einer Karriere abgehalten werden.
grün schrieb am 26.02.2010 um 10:50
Leider handelt sich bei diesem Artikel um eine Aufzählung von Allgemeinplätzen. Eine Darstellung der Entwicklung der letzten 20 Jahre wäre wesentlich interessanter gewesen.

@THX1138
Hast Du Kinder? Sicherlich nicht.
Schon 1,0 Kinder beeinträchtigen die Verwendungsfähigkeit mindestens eines Elternteiles in der freien Wirtschaft beträchtlich.
Es reicht hier eine kleine Zeitrechnung aufzumachen.
Arbeitszeit plus Pausen plus Arbeitsweg (verlängert um den Weg zur Krippe/Tagesmutter/Kindergarten) führt bei Vollzeitbeschäftigung zu einer notwendigen Betreuungszeit des Kindes in den meisten Fällen von mehr als 9 Stunden. Dies kann man den lieben Kleinen aber noch nicht in jedem Alter zumuten, geschweige wird solch eine Leistung von der Mehrheit der Einrichtungen/Tagesmüttern angeboten (wenn man überhaupt einen Platz bekommt ...!)
Dazu kommen Krankheitstage des Kindes (20 Tage, die die Krankenkasse abdeckt, kommen gut und gerne zusammen). In der Regel erliegen auch die Eltern irgenwann dem Ansturm der Erreger, also noch mehr Mehrausfall ...
Desweiteren steht man nicht mehr bedingungslos für Überstunden, Dienstreisen und sonstigen Hau-Ruck-Aktionen am Arbeitsplatz zur Verfügung.
Dies ist aber besonders bei den höherqualifizierten Stellen normal.
Ich weiß nicht, inwieweit sich dieser Zustand mit 2,0 Kindern noch steigert, jedenfalls verlängert er sich bis beide Kinder einen gewissen Grad an Selbständigkeit erreicht haben.
Mein Biotop ist der öffentliche Dienst, befristet, projektgebunden, Teilzeit.

Schöne Grüße
THX1138 schrieb am 26.02.2010 um 22:24
Voll daneben, grün: Mir ging es explizit um die Geburtszahlen, explizit! Mit Nelly (s. unten) hatte ich darüber vor etwa einem Jahr eine sehr gute Diskussion hier im Freytag. Wrum finden gewisse Frauen eigentlich so viele Gründe, etwas nicht zu tun (die Männer sind schuld)- und so wenige, sich endlich nach vorne zu bewegen?

Nein, ich habe enttäuschenderweise eine Tochter und weiss genau, von was Du sprichst!

Und weisst Du, was ich ihr kürzlich gesagt habe- als es um Beruf und Studium ging? "Du wirst mir nie einen Mann nur deshalb nachhause bringen, damit er Dich ernähren kann..!" Ganz im vertraulichen, freundlichen Ton, versteht sich, nicht Kaiser Willhelmmässig. Aber sehr bestimmt mit einem freundlichen Lächeln.

Sie hat es, glaube ich, verstanden.
THX1138 schrieb am 27.02.2010 um 01:20
Und was den Betreuungsaufwand anbelangt: Warum arbeiten denn heute gut doppelt soviele alleinerziehende Männer Vollzeit (und doppelt soviele überhaupt) als alleinerziehende Frauen?
THX1138 schrieb am 28.02.2010 um 17:54
Warum arbeiten denn heute gut doppelt soviele alleinerziehende Männer Vollzeit (und doppelt soviele überhaupt) als alleinerziehende Frauen?

Ich halte das übrigens für eine äusserst relevante Frage- was wohl auch der Grund ist, weshalb sie von niemandem beantwortet werden kann oder will. Nächste Frage- genauso relevant:

Warum schaffen alleinerziehende Männer etwas, was alleinerziehende Frauen offenbar nicht hinkriegen..?!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.02.2010 um 17:58
@ THX 1138
Weil diese Männer genug verdienen, damit zu Hause die Putzfrau bezahlt wird?
Alien59 schrieb am 28.02.2010 um 18:10
"Warum schaffen alleinerziehende Männer etwas, was alleinerziehende Frauen offenbar nicht hinkriegen..?!"

Vielleicht, weil sie immer noch Exoten-Status haben und ständig irgendwoher Hilfe, insbesondere weibliche, bekommen? Wieviele dieser Väter heften sich das Etikett "Alleinerziehend, Vollzeit arbeitend" stolz an und haben Vollzeitbetreuung der Kinderchen durch Oma, Tante etc. - die das für eine Mutter kaum tun würden.
Dazu noch Verständnis von Lehrerinnen etc. für eventuelle Ausfälle - ich könnte eine Weile weitererzählen.

So, wie du das formulierst, eine ziemliche Unverschämtheit.
THX1138 schrieb am 28.02.2010 um 18:42
@chrisamar: "Weil diese Männer genug verdienen, damit zu Hause die Putzfrau bezahlt wird?" Und warum vedienen sie mehr?

@Alien59: "Vielleicht, weil sie immer noch Exoten-Status haben und ständig irgendwoher Hilfe, insbesondere weibliche, bekommen? Wieviele dieser Väter heften sich das Etikett "Alleinerziehend, Vollzeit arbeitend" stolz an und haben Vollzeitbetreuung der Kinderchen durch Oma, Tante etc. - die das für eine Mutter kaum tun würden." Ach, und Frauen machen das alles natürlich nicht- die haben ja nur die Alimente, sonst nichts! Deine Aussagen finde ich, gelinde ausgedrückt, ebenfalls unverschämt!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.02.2010 um 23:08
Alien, wie viele Männer kennen Sie, die nichtleibliche Kinder in ihrem Haushalt betreuen und mitfinanzieren und im Gegenzug dazu, wieviele Frauen, von denen Sie das gleiche sagen können?
Eben.
grün schrieb am 01.03.2010 um 13:52
Statistik beschreibt einen Zustand zahlenmäßig. Ein Kausalzusammenhang ist daraus nicht selbstverständlich einfach so ableitbar.
Die Statistik über 1,33 Kinder oder alleinerziehende, vollzeitarbeiende Mütter/ Väter sagt uns nichts über die Ursachen, also auch nicht über eine angebliche Schuld der Männer oder Selbstverschuldung der Frauen.

Relevante Fragen werden nicht beantwortet, weil sie relevant sind? Das ist Quatsch.
Vielmehr soll damit angedeutet werden, daß diese Frage nicht beantwortet werden soll (...von wem auch immer...), weil die Antwort nur zu Ungunsten der Frauen ausfallen kann.
Die Argumentation kann leider nur als tendenziös bezeichnet werden.

Was war vor einem Jahr, Baby? Leider, leider, leider kann ich nicht die Diskussionen von vor einem Jahr rekapitulieren. Fragt sich nämlich: von wem, wer ist wichtig und warum?

Schöne Grüße
THX1138 schrieb am 01.03.2010 um 20:53
Sehr sybillinische Antwort, grün. Mehr Behauptungen als Fakten- eher keine Fakten, dafür mehr als genug Unterstellungen.

Ich hätte da vergleichendes Material, das mittlerweile mehr als 200 Statistiken, empirische Untersuchungen und Studien umfasst.

Wo wollen wir mit der sachlichen Argumenation beginnen..?
THX1138 schrieb am 01.03.2010 um 22:07
"weil die Antwort nur zu Ungunsten der Frauen ausfallen kann."

?? Soll heissen: Nun haben wir uns über vierzig Jahre lang so schön an das Feindbild Mann gewöhnt- jetzt soll keiner kommen, und uns das wegnehmen!?

Oder: Es kann gar nichts geben, was zu Ungunsten von Frauen ausfallen kann- alles, was Frauen machen, ist per se einfach richtig.

Ich halte explizit daran fest- auch aus einer gewissen Debattier- und Streitlust heraus- dass offenbar niemand hier in der Lage ist, diese beiden ausgesprochen relevanten Fragen zu beantworten- :

Warum schaffen alleinerziehende Männer etwas, was alleinerziehende Frauen offenbar nicht hinkriegen..?!

und

Warum arbeiten heute gut doppelt soviele alleinerziehende Männer Vollzeit (und doppelt soviele überhaupt) als alleinerziehende Frauen?

Ich glaube nicht nur die richtigen Antworten auf diese, wie gesagt, äusserst relevanten Fragen zu kennen, sondern auch sonst erkannt zu haben, warum sich die Frauenfrage nur noch im Kreis herumdreht. Gut, ich habe auch gut drei Jahre dafür gebraucht. Ein möglicher Grund: Die Frauenbewegung ist insgesamt zu einer saturierten Bewegung mit einem überwiegend selbstreferenziellen Bezugsrahmen geworden. Man muss schon die alten, ausgetretenen Pfade verlassen, um auf die Fragen zu stossen, die kaum jemand beantworten kann- auch Fachkräfte nicht, wie ich bei meinen Recherchen herausgefunden habe. Und vor allem muss man den Willen haben, der Sache wirklich auf den Grund zu gehen und sich sowohl mit wissenschaftlicher Fachliteratur und entsprechenden Studien, Statistiken usw. befassen. Emma oder "Wir Alphamädchen" lesen, reicht da bei Weitem nicht.
grün schrieb am 02.03.2010 um 09:08
Sie mißverstehen mich.
Sachlich könnten Sie z.B. die Frage beantworten, warum doppelt soviel alleinerziehende Männer Vollzeit arbeiten als Frauen.
Ihre bisherigen Antworten sind keine, allenfalls Geraune.

Aus den von Ihnen zitierten Statistiken, kann man pauschal nicht zu einem Urteil kommen.
Das schönste Beispiel der mir bekannten Statistiker war immer folgendes: Der Anstieg der Geburtenzahlen und der Störche in Südschweden korreliert, also ist die Legende vom Storch belegt. Richtig?
Ihre Argumentation mit der Statistik würde Ihnen nicht einmal ein Geisteswissenschaftler abnehmen.
Sie müssen schon auch Gründe nennen und dafür müßten Sie etwas mehr in Detail gehen. Auch wenn Sie 200 Statistiken und mehr kennen, entbindet Sie das nicht von der Pflicht zur Einzelanalyse.

Schöne Grüße
grün schrieb am 02.03.2010 um 09:42
"Ein möglicher Grund: Die Frauenbewegung ist insgesamt zu einer saturierten Bewegung mit einem überwiegend selbstreferenziellen Bezugsrahmen geworden. Man muss schon die alten, ausgetretenen Pfade verlassen, um auf die Fragen zu stossen, die kaum jemand beantworten kann- auch Fachkräfte nicht, wie ich bei meinen Recherchen herausgefunden habe."

Diesen Vorwurf können Sie jeder, aber auch jeder Fachrichtung/Wissenschaft machen. Selbst den Naturwissenschaften. Da gibt es Fragen, die kann keine Fachmann beantworten. Und keiner sucht nach der Antwort. Da ist mal was modern und alle laufen dem hinterher und dann stellt es sich als Blödsinn raus.

Statt dem Glauben an Antworten, bitte mehr Fakten.

Schöne Grüße
THX1138 schrieb am 02.03.2010 um 11:37
Wenn diesen Mittwoch- als Vorstufe- alles gut geht, dann werden Antworten auf genau diese Fragen- und noch viele mehr- bald im Buchhandel erhältlich sein.

Nein, auch wenn ich könnte- free content kann und will ich nicht so öffentlich liefern, schliesslich ich bin kein Altruist.

Doch ich finde, alleine mit den beiden erwähnten Fragen das Feld bereits schon genügend erweitert zu haben. Eigentlich habe ich mehr preis gegeben, als mir lieb ist. Auch mit den anderen Fragen andernorten in dieser Freitagsausgabe (alle drei Artikel UND demjenigen von JA mit 400 Kommentaren kürzlich).
Nelly schrieb am 26.02.2010 um 15:18
Schade, wieder nur ein Wiederkäuen inzwischen altbekannter Statistiken. Dabei gab es doch diese Woche einen Beitrag mit über 400 Kommentaren zu diesem Thema. Ein paar von den strittigen Punkten da hätte man doch aufgreifen können. Auch beim "Freitag" also läßt sich die Redaktion vom Meinungsbild in der Community nicht beeindrucken, ja, nimmt es nicht einmal zur Kenntnis.
THX1138 schrieb am 26.02.2010 um 22:27
Alte Weltbilder sind eben geläufiger- und bieten überdies den Vorteil, dass man sich geistig nicht allzu stark wandeln muss.

Ist eine reine Bequemlichkeitsfrage, schätze ich- und eine finanzielle auch noch, wie befürchtet werden muss. Doch das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier geschrieben...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.02.2010 um 00:52
"Es wird Zeit für Politik und Unternehmen, dem Vormarsch der Frauen in großen Schritten zu folgen. Zum Beispiel auch durch gesetzlich verankerte Quoten in den Führungsetagen. Klar wird dann gern auf eben jene erfolgreichen Frauen verwiesen: „Es geht doch! Quoten wären doch eine Beleidigung für die Damen!“ Falsch, sie wären eine Anerkennung ihrer Pionierarbeit."

Schauen wir doch nach Schweden, dem buchstäblichen Mutterland der Geschlechterdemokratie, um die Rechtmäßigkeit eines Quotenansinnens folgendermaßen abgehandelt zu sehen:

"Nach Protesten gegen eine Quotenregelung für Frauen an schwedischen Universitäten will die Regierung in Stockholm die Initiative wieder aussetzen - weil sie Studentinnen benachteiligt. Die Vorschriften, wonach es an schwedischen Universitäten möglichst die gleiche Anzahl von Männern und Frauen geben soll, habe in Wahrheit zu einer Diskriminierung von Studentinnen geführt, schrieb der schwedische Hochschulminister Tobias Krantz am Dienstag in einem Beitrag für die Zeitung "Dagens Nyheter". Gerade für bei Frauen beliebten Studiengängen wie Psychologie und Veterinärmedizin seien jüngst wegen der Quotenregelung bevorzugt Männer genommen worden, obwohl es mehr qualifizierte Frauen als Männer für die Studienplätze gegeben habe.

"Das Bildungssystem sollte Türen öffnen und sie nicht motivierten jungen Frauen vor der Nase zuschlagen", schrieb Krantz. Ein schwedisches Gericht hatte vor kurzem zudem zugunsten von 44 jungen Frauen entschieden, die gegen die Ablehnung des Studienplatzes aufgrund ihres Geschlechts geklagt hatten. Die Regierung hatte den Universitäten im Jahr 2003 erlaubt, die Regelungen zur Minderheitenförderung anzuwenden."

Abgesehen von der persönlichen Eignung jener späteren Psychologinnen ist damit zu rechnen, dass sie auf diese Weise ihre eigene Klientel schaffen.
Vormarsch eben.
SvenMaximilian schrieb am 28.02.2010 um 00:55
Ich unterstütze das Anliegen der Autorin nach einer Forderung für Frauenquoten in Führungsetagen!

Frauen sind mehrheitlich harmoniebedürftig und bescheiden, dass man es mit solchen Eigenschaften in einem Raubtierkäfig wie dem Arbeitsmarkt nicht weit bringt ist doch wohl offensichtlich. Berufssituationen wie ein Einstellungsgespräch oder eine Gehaltsverhandlung wird bei gleicher Eignung immer der dominante Mann für sich entscheiden, egal ob auf der anderen Seite ein Mann oder eine Frau sitzt. Selbst wenn die Frau formal besser qualifiziert ist, wird der Mann durch sein selbstsicheres Auftreten die weibliche Konkurrentin ausstechen. Das Selbstwertgefühl des durchschnittlichen Mannes ist stets höher als sein tatsächlicher Status und das strahlt auf den Kommunikationspartner ab.

Chef: Schaffen sie Aufgabe X?
Frau: Ich denke schon.
Mann: Selbstverständlich!

Es fängt ja schon damit an, dass Männer eine lautere Stimme haben. Bei einer Meinungsdifferenz wird die Frau einfach akustisch übertönt. Wenn dann noch ein Schuss Aggressivität in die Stimme kommt ist die weibliche Gesprächspartnerin schnell kleinlaut.

Es handelt sich bei den Frauen also ganz offensichtlich um eine der Menschengruppen die eines besonderen Schutzes bedarf, zum Beispiel eben durch die Einführung einer Frauenquote für Führungsetagen. Diese sollten aber europaweit einheitlich und nicht etwa im nationalen Alleingang eingeführt werden um Standortnachteile durch quotenbesetzte Stellen auszuschließen.
THX1138 schrieb am 28.02.2010 um 01:16
Karl Marx hätte Freude an Ihnen. Emotionalität anstelle von Qualifikation also. Das ist doch mal etwas ganz Neues!

Nun blicke ich wieder zuversichtlicher in die Zukunft!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.02.2010 um 08:39
Alice Schwarzer nennt deine Sichtweise, SvenMaximilian, nichts geringeres als die eines tumben Biologisten.

Genau diese deine Sichtweise, von der "Menschengruppe die eines besonderen Schutzes bedarf" führte zur uralten, klassischen Arbeitsteilung und ist somit Ursache der Situation, welche - so heißt es - von der emanzipierten Frau zutiefst verabscheut wird.

Wie an anderer Stelle bereits gesagt, Mann lässt besser die Finger weg von Frauen und ihren Bedürfnissen, wenn er der Selbstinstrumentalisierung für diese Bevölkerungsgruppe wirksam entgehen will.
SvenMaximilian schrieb am 28.02.2010 um 11:16
"...bei gleicher Eignung..."
SvenMaximilian schrieb am 28.02.2010 um 11:40
Was Frau Schwarzer von meinen Ansichten hält und in welche Schublade sie meine Ansichten einsortieren würde interessiert mich reichlich wenig.

Was mich hingegen viel mehr interessiert ist die von mir in einem Alltag tatsächlich erlebte Lebensrealität. Was helfen mir schlaue feministische Theorien wenn die Realität ihnen ganz offensichtlich widerspricht? Sicherlich gibt es immer Ausnahmen, aber die Mehrheit der Frauen die ich kennengelernt habe entspricht nunmal dem oben dargestellten Bild. Da ändert auch Frau Schwarzer mit ihren Wunschträumen nichts dran.

Ein Problem einer Frauenquote in Führungsetagen wäre allerdings, dass es zwar vielleicht genügend formal qualifizierte Frauen gibt, aber nicht genügend die auch eine hinreichend Autorität besitzen um ihre dominanten männlichen Mitarbeiter gegebenfalls zu maßregeln.
SvenMaximilian schrieb am 28.02.2010 um 12:08
Noch ein Nachtrag zum Biologismus: Ich behaupte keineswegs, dass die Eigenschaften Frauen ausschließlich auf ihren Genen beruhen. Die Gesellschaft macht Frauen sicherlich auch ein ganzes stückweit zu dem was sie sind. Wenn beispielsweise Männer dominante Frauen attraktiv finden würden, dann gäbe es vermutlich auch mehr davon. Die Mehrheit der Männer bevorzugt aber eine Partnerin die eine geringere Köpergröße, ein geringeres Selbstbewußtsein, ein geringeres Einkommen, eine höchstens gleichwertige formale Bildung und einen geringeren gesellschaftlichen Status hat. Insofern wäre wohl auch noch die Frage, ob sich überhaupt genügend weibliche Bewerber finden würden für die Führungsetagen, weil die Frauen ja durch die Annahme einer solchen Position ihre Attraktivität für einen potentiellen Partner verringern würden. Ich möchte hiermit nochmal wiederholen, dass ich hier nicht von allen, sondern lediglich von der Mehrheit der Menschen spreche. Erfreulicherweise gibt es auch eine kleine Minderheit von Männern und Frauen die sich herzlich wenig um die gesellschaftlichen Erwartungen und Mehrhheitsverhältnisse kümmern :)
THX1138 schrieb am 28.02.2010 um 17:57
Aber eines muss ich Ihnen neidlos zugestehen, SvenMaximilian: Gewisse männliche Charaktermerkmale haben Sie sehr treffend beschrieben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.02.2010 um 22:08
"Die Gesellschaft macht Frauen sicherlich auch ein ganzes stückweit zu dem was sie sind."

Und weiter:
Die Gesellschaft macht Männer ein ganzes Stück weit zu dem, was sie sind.

Die Verantwortlichkeit gegenüber Frauen ist Männern noch immer zu eigen und wird von der Gegenseite mit `Männer müssen dies, Männer müssen jenes` bisher auch aufrecht erhalten. Ob weiterhin erfolgreich, muss Mann sich angesichts der "Wertschätzung" tradiert männlichen Bemühens endlich zu Bewußtsein bringen.

Nicht vergessen, diese Gesellschaft besteht zu 52% aus Frauen.
Also, Mann und Frau machen sich ein ganzes Stück weit zu dem was sie sind.
Und genau das bestimmt meinen Alltag tatsächlich erlebter Lebensrealität.
Phineas Freek schrieb am 28.02.2010 um 22:08
Ausnahmsweise möchte ich da mal persönliche Vorlieben verraten: eine kluge nette Frau mit einem mehr als anständigen Einkommen und einer eher aristokratischen als puritanischen Lebenseinstellung, im Gegensatz zu ihrer 180 Stunden die Woche durchhechelnden und konkurrenzverseuchten Schwester aus der "mittleren Führungsebene"

- dass so ein feines Einkommen nicht mit nerviger und gesundheitsschädlicher Erwerbsarbeit zu erzielen ist, sondern den anderen sehr eigentümlichen Einkommensarten zu verdanken wäre, sollte schon klar sein -

käme meinen Bedürfnissen schon sehr gelegen.
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