Wochenthema

Die Wahrheit über den Kult des korrekten Konsums

Richtig leben | 15.04.2010 09:00 | Birgit Peuker

Wir Bio-Heiligen

Inzwischen erzeugen auch die Versprechen der Öko-Industrie Unbehagen. In der Tat gibt es viel zu kritisieren, wenn auch nicht alles. Eine Ideengeschichte der Öko-Skepsis

Sie fordern Kritik geradezu heraus, die Hybrid-Autofahrer und Bio-Brause-Trinker, die Öko-Discounter-Kunden und Kompost-Windel-Käufer. Da ist zum Beispiel dieser Spruch aus der aktuellen Bionade-Kampagne: „Wer rettet die Welt, wenn Obama krank ist?“ Klar, da ist ein Augenzwinkern dabei. So ganz ernst nehmen Werber und Konsumenten des „offiziellen Getränks einer besseren Welt“ die messianische Selbstüberhebung des Slogans nicht. Dennoch lässt sie selbst wohlmeinende Beobachter fragen, ob jemand im Ernst glaubt, ökokorrektes Einkaufen allein würde die Umweltprobleme lösen, die sich aus Lebensstil und Produktionsweise von Industriegesellschaften ergeben. Beinhaltete ökologisches Denken früher nicht auch immer Kritik an den Verhältnissen?

Heute jedenfalls proklamieren Politiker jeglicher Couleur Umweltbewusstsein. Die Sorge um die Natur gilt längst nicht mehr als weltfremd. Und die Zeiten, da ökologisch bewusst lebende Menschen als quasi-religiöse Fundamentalisten verspottet wurden, sind vorbei. Vor wenigen Jahrzehnten noch konnte man Technikkritikern mit einem „ohne Technik würden wir noch in Höhlen hausen“ begegnen. Heute klingt dieser Satz angesichts der verheerenden Umweltrisiken mancher Technologien naiv.

Zurück zur Natur

Wer einen Überblick über die Entwicklung der Kritik am ökologischen Denken gewinnen will, kann im 18. Jahrhundert beginnen. Damals schon wurde Rousseau mit seinem Ruf „Zurück zur Natur“ von den Aufklärern aus Paris belächelt. Mit der Verstädterungswelle an der Schwelle zum 20. Jahrhundert tauchten dennoch die ersten Naturschützer auf, die Vertreter der Lebensreformbewegung etwa. Deren Fortschritts-, Industrie- und Technikfeindlichkeit kritisierten Gewerkschaften und Sozialisten ebenso wie Unternehmer und Industrielle. Zeitgleich versuchten Rechte wie Linke den Umweltgedanken zu vereinnahmen. Grob lässt sich sagen: Während Konservative die Natur und mit ihr verbundene Lebensformen verklärten („die bäuerliche Scholle“), sahen Linke auf dem Land die Möglichkeit, neu anzufangen und alternative Lebensformen auszuprobieren.

Bis heute scheint der Ruf „Zurück zur Natur“ oft getragen von der Trauer über die vermeintlich verlorene Einheit des Menschen mit seinen Lebensgrundlagen. Dabei, so wenden Kritiker ein, zeichnen sich moderne Gesellschaften eben durch zunehmende Arbeitsteilung und damit durch größere Vielfalt aus. Die wiederum ermöglicht größere Freiheiten. Man vergleiche nur die Enge der Dorfgemeinschaft mit den Freiheiten des anonymen Städters. Die daraus resultierenden Spannungen muss der Einzelne freilich aushalten.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstarkte dann eine politische Ökologiebewegung, die zunächst die Produktions- und Konsumweise der Industrieländer grundsätzlich in Frage stellte. Doch spätestens bei der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 kam das Konzept der nachhaltigen Entwicklung auf die Agenda. Hatte ökologisches Bewusstsein zuvor fast immer Wachstumskritik, Entschleunigung und Partizipation eingeschlossen, waren im Konzept der Nachhaltigkeit technische Innovationen und ökonomisches Wachstum alles andere als negativ besetzt. „Schützen, um weiter auszunützen“, lautete die Kritik aus der Ecke der Alt-Ökos.

Erst das Tier, dann der Mensch

Heute wenden sich Vertreter der gleichen Kritiklinie gegen die Verwässerung des Ökologiegedankens in einem genusssüchtigen Bio-Lifestyle. Das Ziel eines neuen Verhältnisses der Gesellschaft zur Natur lasse sich nicht durch Bionade und Öko-Discounter verwirklichen. Ein Mensch, der mit Konsum die Welt retten wolle, habe das Denken, dass er kein Teil von ihr, sondern sie sein Untertan sei, nicht abgelegt. Die Befürworter der Nachhaltigkeitsidee entgegnen: Will grünes Denken überzeugen, kann es auch widersprüchliche Bedürfnisse der Menschen nicht ausblenden.

Anders als früher kann sich die Kritik von Öko-Skeptikern nun, da Umweltbewusstsein zum guten Ton gehört, nicht mehr pauschal gegen „die Ökos“ richten. Doch einige davon bieten schon von sich aus Angriffsfläche genug. So haben etwa Händler und Produzenten von Bio-Lebensmitteln in den vergangenen Jahren neben dem Naturschutz vor allem mit Gesundheitsvorteilen für ihre Produkte geworben. Dagegen behaupten Kritiker jetzt, Lebensmittel aus ökologischem Landbau seien weder umweltverträglicher noch gesünder als konventionelle.

Ein dritter Strang der Kritik verweist auf den Zynismus, der darin liegt, zunächst Pflanzen und Tiere zu schützen und dann erst den Menschen. So lange Umweltschutz vor allem als Einsparung von Ressourcen verstanden werde, würden die reichen Länder dafür sorgen, dass nur die Armen weiter sparen müssten. Umweltschutz, der sich keinem politischen und sozialen Wandel verpflichte, greife schlicht zu kurz.

Was also ist dran an der Kritik am ökologischen Lebensstil? Die Diskussion ist von ideologischen, politischen und wirtschaftlichen Interessen geprägt. Sicher ist: Es ist nicht einfach, einen unvoreingenommen Blick dafür zu gewinnen, was es für Einzelne wie für Gesellschaften heißt, umweltbewusst zu leben. Ebenso sicher ist aber auch: den Versuch ist es wert.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
SiebzehnterJuni schrieb am 15.04.2010 um 14:14
In der Printausgabe: u.a. "Ökotest verdient kein Vertrauen mehr" !

Wieso?

Allein die Tatsache, dass ich weiß bzw. erfahren kann, dass bestimmte relevante Schadstoffe plus genetisch veränderte Stoffe nicht in einem bestimmten Produkt enthalten sind, reicht mir vollkommen.

Wenn die Analysen von Ökotest stimmen und nicht - wie hier die Autorin Claudia Lange - auf ein Spiegelzitat zurückgegriffen wird, reicht mir das auch.

Wenn ich dauernd in der Art einer zweiten Dissertation nachdenken oder gar lesen muss, wie viel Wasser die Heidelberger Bauern für ihre Erdbeeren gebraucht und ob sie mit dem Fahrrad, Moped oder PKW zu Ernte gefahren sind, dann fahre ich einfach mal mit dem Fahrrad zum Erdbeeren kaufen und lass den Wagen stehen. Das strengt nicht so an und ist sicher in der Summe umweltfreundlicher!!

Wir sollen durch dieses komplizierte Einkaufen abgelenkt werden von den wirklichen Gefahren. Zum Beispiel ist in Möhren in Heidelberg immer noch Radioaktivität von Tschernobyl enthalten!!!!!!. Und das sollte uns zu denken geben hinsichtlich des Umgangs mit Kernenergie - keine Laufzeitverlängerung!!
Steffen Kraft schrieb am 15.04.2010 um 14:40
Stimmt, die moderne Warenwelt ist kaum überschaubar, aber sollte uns das dazu verleiten Öko-Siegel auf Produkte zu kleben, die gar keine sind? Wem ist damit gedient? Doch wohl nur einem Verbraucher, der es nicht zu genau wissen will.
SiebzehnterJuni schrieb am 15.04.2010 um 15:30
Wenn keine Schadstoffe - oder nur welche unter der Nachweisgrenze - in einem Produkt sind, weiß ich genug.Insofern ist dann auch für mich der Öko-Siegel berechtigt!

Die Definition, was ökologisch ist, ist langsam unüberschaubar.
Steffen Kraft schrieb am 16.04.2010 um 09:52
Na, dann auf zu Aldi. Die sind ihren Erzeugern gegenüber mit am strengsten was die Schadstoffbelastung z.B. von Lebensmitteln angeht.
B.V. schrieb am 15.04.2010 um 16:42
Dieser ganze Ökohype (incl. Klimakatastrophenhype der modernen Apokalyptiker) ist in der absoluten Absurdität angekommen.
Der genusssüchtige Bio-Lifestyle ist das neue Biedermeier der neu-bürgerlichen Biopolarmoralisten (also Doppelmoral mindest hoch2), dem Neo-Spießer mit "linker" Gesinnung.

Sie wollen ihre Spießermoral hegemonial manifestieren und in die Fußstapfen des Katholizismus treten, incl. moderner Saktionsmechanismen: Ablasshandel, Bestrafung, Ächtung.
Man sollte sie zwar nicht ernst nehmen aber vor ihnen auf der Hut sein.

Wirklich ernst nehmen kann man nur die sog. "Spinner" also jene radikalen Lebensreformer von damals (Ascona, etc.) und heute (Landkommunen, Waldeinsiedler, Bio-Bauern, etc.), die in ihrer Lebensführung ihre Anschauung auch einigermaßen glaubhaft widerspiegeln.
Erich Mühsam hat sich in seinen Lebenserinnerungen zwar über sie herzhaft lustig gemacht und war von ihnen angenervt (wie es mir eben auch so geht), aber er hat ihnen durchaus Respekt gezollt. Er nahm alles mit Humor. Nachdem ihn die Radikal-Vegetarier aus dem Ort geprügelt haben, ist er mit seinem Kumpel im nächsten Dorf erstmal eine Schlachteplatte essen gegangen. :-)))

Ansonsten: ein guter Beitrag!
zelotti schrieb am 16.04.2010 um 01:03
"Während Konservative die Natur und mit ihr verbundene Lebensformen verklärten („die bäuerliche Scholle“), sahen Linke auf dem Land die Möglichkeit, neu anzufangen und alternative Lebensformen auszuprobieren."

Das ist beides eigentlich das gleiche. Diese Skepsis an der Großstadt findet man auch bei den harmlosen wie Kästner. Es geht doch einmal darum, in einer sich strukturell wandelnden Agrargesellschaft ein positives Bild für das Land zu behalten, auf das von den Städtern in Sachen Entwicklung immer fast rassistisch herab geblickt wurde.

In jedem Fall geht nur um eines: Den positiven Blick auf etwas. "Wert" wenn wir so wollen. Oder altmodischer: "Zuneigung".

Lebensstil heisst bewusste Gestaltung seines Lebens. Abkehr von einer industrialisierten Wirklichkeit. Die Romantisierung der Welt. Das was in der marxistischen Arbeitslehre auch so betont wird, die Entfremdung des Menschen, das wird positiv überwunden.

"Dagegen behaupten Kritiker jetzt, Lebensmittel aus ökologischem Landbau seien weder umweltverträglicher noch gesünder als konventionelle."

Schaut mal wo wir herkommen, und was sich dank Ökobewegung alles verändert hat in der "Produktion von Lebensmitteln". Es ist ja nicht der fundamentalistische Teebeutelmülltrenner des Ökokultisten. Was wurde früher alles an Gift gesprüht, was hat man früher alles die Natur belastet. Umgekippte Seen und Flüsse.

Die Ökobewegung gibt es doch gar nicht mehr. Das ist doch heute häufig nur noch Wellnessprodukte aus der Werbeagentur zum Als-ob Fühlen.
hibou schrieb am 16.04.2010 um 12:30
Hab, wie gesagt, maln Jahr aufm Ökohof gearbeitet,

www.freitag.de/community/blogs/hibou/hotel-naipaula-schwein-gehabt

ich weiss also, dass die normalen Bauern zwar ihre Felder vergifteten, die Kartoffeln für den Eigenbedarf aber bei uns kauften. Gleichzeitig setzten sie die wildesten Gerüchte in Umlauf: "Die düngen mit Blut!"
Die biologischen Lebensmittel waren aber in der Qualitaet ungleich höher als die andern, das steht fest....

Trotz(!)dem kann ich auch Erich Mühsam gut verstehn :-)
B.V. schrieb am 16.04.2010 um 14:46
"Die biologischen Lebensmittel waren aber in der Qualitaet ungleich höher als die andern, das steht fest...."

Keine Frage, ich bin ganz entschieden für die Förderung von Biohöfen. Es muß mehr davon geben!

"Trotz(!)dem kann ich auch Erich Mühsam gut verstehn :-)"
Endlich versteht mich mal einer ;-)
immophone schrieb am 16.04.2010 um 15:07
Als studierter Agronom der sich seit fast 40 Jahren mit dem Öko-Landbau beschäftigt, kann ich nur zusammenfassen:

Ökologische Agrarkultur
ist optimal für die Natur!

Und die Bio-Lebensmittel schmecken in aller Regel besser und sind förderlich für die Gesundheit und die Umwelt, da auf Pestizide, "Kunstdünger" und Gentechnik verzichtet wird.
Steffen Kraft schrieb am 16.04.2010 um 15:16
Ja, aber was, wenn die Öko- und Klimabilanz der ökologischer Agrarlandwirtschaft schlechter ist und die Pestizidbelastung nur noch bei 3 Prozent konventionellen Lebensmitteln problematisch ist? (Siehe den Beitrag von Kathrin Zinkant: www.freitag.de/wochenthema/1015-1015-06-07-text-4 )

Wo liegen denn die messbaren Vorteile des Ökolandbaus?
immophone schrieb am 16.04.2010 um 15:44
Bio vom Discounter ist nicht per se böse, sondern nur billiger.

Auf der Webseite des BOELW (Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft) findet sich die sehr lesenswerte Studie "28 Antworten zum Stand des Wissens rund um Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel":
www.boelw.de/bioargumente.html
Diese "Bio-Argumente" beantworten 28 Kern-Fragen kurz und fundiert. Sie stützten sich auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und bieten die Möglichkeit, die gesellschaftliche Diskussion über Bio zu versachlichen und Vorurteilen angemessen zu begegnen. Neben der Darstellung der besonderen Leistungen der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft werden ebenso ihre Herausforderungen und Entwicklungspotenziale benannt. Quellenangaben ermöglichen die Vertiefung einzelner Sachverhalte.

Dabei wird auch aufgezeigt, dass der Öko-Lanbau mit besseren Energie- und Rohstoffbilanzen arbeitet (das war übrigens das Thema meiner Diplomarbeit, 1979) und ein besseres Ertrags-/Leistungsverhältnis aufweist. Außerdem trägt er mehr zum Klima- und Landschaftsschutz bei und ist ein besseres Konzept für eine nachhaltige Welternährung.
Übrigens: Tausende Bauern sterben immer noch weltweit jährlich durch den Pestizideinsatz und viele bringen sich in Indien um, weil sie die hohen Kapitalkosten für die konventionelle Agrarwirtschaft nicht mehr aufbringen können.
kugule schrieb am 17.04.2010 um 10:53
Im paraguayischen Gran Chaco werden täglich über 1000ha Wald abgeholzt, der den Getreide-Monokulturen weichen muss. Besonders Soja wird dort angebaut. Soja hat einen hohen Bewässerungsbedarf, dem das paraguayische Ökosystem nicht gerecht werden kann. Außerdem ist Soja extrem schadstoffanfällig, weshalb es stark mit Pestiziden behandelt wird. Menschen, deren ursprünglicher Lebensraum die Wälder des Gran Chaco sind (indigine Ethnien, wie z.B. die Ayoreos), wurden unter Zwang aus dem Wald gelockt, oder arbeiten für die Großgrundbesitzer. Viele leben weniger als 50m von den Sojafeldern entfernt und es gibt sogar eine Schule mitten in einem Sojafeld. Die Belastung mit Pestiziden hat bereits zwei spektakuläre Todesfälle gefordert. Gesundheitsschädigungen, eine niedrigere Fertilität, mehr Fehlgeburten und eine höhere Anzahl an Kindern, die mit Behinderungen auf die Welt kommen, sind leider Tatsache.
Soja wird für die Erzeugung eines Vorprodukts für sogenannte "Bio"-Treibstoffe verwendet. Agrosprit ist aber weder "bio" gemessen an seiner Herkunft, noch ist seine Ökobikanz nennenswert. Die EU hat Beischmischungsziele von "Bio"sprit verhängt. Bis 2020 soll der Prozentsatz bei 10 liegen - eine Menge, die Europa nicht aus dem eigenen Anbau bedienen kann, weshalb Import nötig ist. Import aus Paraguay z.B.
h.yuren schrieb am 16.04.2010 um 23:08
wenigstens ein erträglicher kommentar ( der von immophone).

was soll der titel von den "Bio-Heiligen"?!
dahinter steckt zuviel distanz zur vernunft, mit verlaub. die sogenannten öko-kritiker nennen sich ökoskeptiker, weil zweifel postmodern sind. sie haben aber kein bisschen vernunft auf ihrer seite. nichts als hetze aus der position der ewiggestrigen. hetze von der anderen seite.
romantiker hat es auch schon vor rousseau gegeben.

dass verschiedene menschen sehr unterschiedlich eingestellt sind, auch in sachen bio-lebensmittel, ist doch nur die natürliche verteilung nach dem gesetz der streuung.
ökologie ist eine naturwissenschaft. das haben die kritiker und skeptiker noch nicht gemerkt oder nicht kapiert.

wenn ökologisches denken und handeln heute zum "guten Ton" gehörte, sähe die welt ein bisschen anders aus.

der artikel und die meisten kommentare sind zu oberflächlich.
hibou schrieb am 17.04.2010 um 07:27
auch mein Kommentar??
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 09:21
nein, sorry, hibou, deiner natürlich nicht. ist doch klar.
B.V. schrieb am 17.04.2010 um 10:49
Man darf aber die Ökologie als Wissenschaft nicht apriori gleichsetzen mit der Weltanschauung.

Und Kritik muß schon erlaubt sein. Weltanschauungen die vor Kritik zurück schrecken sind mir suspekt.
immophone schrieb am 17.04.2010 um 18:42
MERCI - auch ich fand den Titel unmöglich!

Ökologische Agrarkultur ist ein wichtiges und praxistaugliches Konzept der Nachhaltigkeit - das zeigen viele wissenschaftliche Ergebnisse.
Steffen Kraft schrieb am 19.04.2010 um 09:52
Kritiker haben kein bisschen Vernunft auf Ihrer Seite? Das klingt mir stark nach hermetischem, also religiösem, Denken.

Es ist interessant, welche Reaktionen das Schlagwort "Bio-Heilige" hervorruft. Ist damit im Ernst gemeint, dass die moralische Aufladung des Bio-Konsums einer Sache hilft? Das fände ich eine interessante Diskussion.
h.yuren schrieb am 19.04.2010 um 21:21
nein, steffen, so wollte ich nicht verstanden werden, und so hab ich es auch nicht gesagt.
bio und öko gehören zusammen. wer das nicht wahrhaben will, muss noch ein bisschen ins detail gehen.
HeribertSchramm schrieb am 17.04.2010 um 14:37
Jetzt hat es der Freitag den Ökos aber gezeigt! In Focus-Manier werden sechs Kritikpunkte abgehandelt, eingeleitet mit einem Wort zum Sonntag, pardon, zum Freitag, an dem Angela Merkel ihre Freude hätte: „Es ist nicht einfach .. aber den Versuch ist es wert.“

Kann sich Birgit Peuker vorstellen, dass es für den Campesino in Mittelamerika und seine Gesundheit sehr wohl von Bedeutung ist, wenn auf der von ihm angelegten Bananenpflanzung nicht Tonnen von Pestiziden vom Flugzeug aus versprüht werden? Weil er dort ökologisch wirtschaftet? Wo gibt es denn im Öko-Anbau den behaupteten Widerspruch und „Zynismus“, zunächst Pflanzen und Tiere zu schützen, dann erst den Menschen? „Pflanzenschutzmittel“ ist eine Wortschöpfung der Biozid-Industrie.

Diese synthetischen Wirkstoffe, die einzeln Krebs erregen, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, Allergien befördern, im Cocktail eingesetzt gänzlich unerforschte Konsequenzen haben können, sollen sich anschließend in Luft auflösen? Hat Katja Töpfer schon etwas vom Doping im Sport gehört? Dort hinken die Fahnder dem Erfindungsgeist der Biochemiker weiterhin zwei Schritte hinterher. Was man nicht sucht, kann man nicht finden. Dazu ein Beispiel aus der Landwirtschaft: Im konventionellen Getreideanbau wird Chlormequat seit Längerem als Wachstumsregulator eingesetzt. Niemand konnte sich vorstellen, dass dieses Mittel auch (verbotenerweise) beim Möhrenanbau benutzt wird. Bis zufällig auf diesen Stoff getestet wurde. Was leistet ein Halmverkürzer bei Möhren? Er hält das Grün länger frisch. Bei Bundmöhren ein wichtiges Verkaufsargument. Schön fürs Auge, schlecht fürs Immunsystem.

Wer wollte Anna-Lena Krampe widersprechen: Der von den Hard-Discountern geführte Preiskampf stellt ein echtes Problem da. Die Milchbauern können ein Lied davon singen. Es gilt aber auch: Das Aldi-Prinzip „konsequent einfach“ führt zu Organisationsformen und Abläufen, deren Ergebnis extrem niedrige Kosten sind. Nicht automatisch zu Lasten der Löhne. Damit werden Endverbraucherpreise möglich etwa für Bio-Bananen von 1,69 €/kg (aktuell: 1,59 €/kg). Ohne dass die Erzeuger in Lateinamerika weniger Geld bekommen muss als von den Vorlieferanten von „Basic“ oder „Alnatura“. Dort kauft man Bananen zu 1,89 €/kg bis 2,49 €/kg. Aldi und Co machen Bio-Produkte für größere Käuferschichten erschwinglich - und induzieren Umstellungen auf Öko-Anbau. Im Übrigen auch für deutsche Bio-Produzenten, deren Kartoffeln und Möhren in erster Linie von Discountern vermarktet werden. Die Lösung besteht nicht darin, gesundes Essen einer Elite („Mittelstand“) vorzubehalten. Der engagierte Naturkosthandel muss sich dem Wettbewerb stellen, seine Strukturen kontinuierlich effektiver gestalten und dabei eigenen Werten folgen. Etwa, indem er Bio-Milchbauern nicht 0,22 €, sondern 0,36 € bis 0,40 € für das Kilogramm Rohmilch zahlt und dem Endverbraucher den höheren Preis für „faire“ Bio-Milch erklärt. Die Upländer Bauernmolkerei in D-34508 Willingen (www.bauernmolkerei.de) und andere Initiativen zeigen, wie man so etwas erfolgreich macht.

Eine Super-Gegenüberstellung hat sich Kathrin Zinkant ausgedacht: „Wer kein oder wenig Fleisch … isst, schützt das Klima auch mit konventionellen Nahrungsmitteln effektiver als jemand, der täglich Lebensmittel und Fleisch im Bioladen besorgt.“ Man muss nur die Gegensätze erfindungsreich gestalten und schon hat man eine neue „Wahrheit“ als Argument gegen biologische, für konventionelle Produkte. Nach dem Motto: „Wer mit dem Fahrrad bei Aldi vorfährt und dort konventionelle Lebensmittel kauft, tut mehr gegen den CO2-Ausstoß als der Porsche-Fahrer, der eine 5-km-Spritztour zum Bioladen unternimmt, um ein Osterei zu kaufen.“ Der geneigte Leser fühlt sich verschaukelt.

Während man den Beiträgen von Claudia Langer und Michael Jäger eine Vertiefung gewünscht hätte, überrascht Toralf Staud den Leser zum Abschluss mit der bahnbrechenden Erkenntnis: „Es ist nicht verkehrt, Produkte zu kaufen, die weniger problematisch sind als andere.“ Vielen Dank für die Entlastung meines Gewissens! Wie ist es denn zu den politischen Beschlüssen gekommen, die der Autor lobt? Ohne Anti-AKW-Bewegung kein EEG-Gesetz. Ohne Bewegung für und Marktanteile von Naturkost kein Verbot von Hardcore-Pestiziden und auch kein Monitoring des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Ohne „Greenpeace“-Analysen keine Anforderungen von Aldi, Edeka u.a. an ihre Lieferanten, die erlaubten Rückstandshöchstmengen von Pestiziden deutlich zu unterschreiten. Folgt man T. Staud, hat die Graswurzel-Bewegung der Vielen, ohne und mit Bio-Einkaufsbeutel, ihre Schuldigkeit getan. Jetzt sollen die Politiker ran! Ein toller Beitrag in einer Wochenzeit, die sich sozialen Bewegungen verpflichtet fühlt.

Kein Wort zur Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit weltweit, einer der wichtigsten Zukunftsfragen der Menschheit. Zur Unterstützung der Subsistenzwirtschaft in Afrika, Asien und Südamerika durch das weltweite Netzwerk der Bio-Dachorganisation IFOAM. Zu den vielfältigen Aktionen gegen Gentechnik – ebenfalls einer Zukunftsfrage der Produktion von Lebensmitteln.

Keine Ahnung von den aktuellen Diskussionen innerhalb der Bio-Bewegung oder, wenn man so will, des Bio-Business. Denn natürlich gibt es auch hier kleine und große Fragen, die man kritisch untersuchen darf und sollte: Gehen Naturkost-Unternehmen fair mit ihren Erzeugern, Lieferanten, Mitarbeitern … um? Zahlen sie angemessene Löhne? Was tun gegenüber einem Bio-Palmöl-Produzenten in Kolumbien, der Kleinbauern von ihrem Land vertrieben haben soll? …

Dafür „kritische“ Beiträge, die sich entweder durch Unverbindlichkeit auszeichnen, eines dialektischen Besinnungsaufsatzes würdig (einerseits … andererseits), oder sich für eine Publikation im Webportal des Industrieverbandes Agrar e.V. (www.iva.de) eignen. Seines Zeichens Wirtschaftsverband der Hersteller von Pflanzenschutzmittel, Grüner Gentechnik, Düngemitteln und Verschiedenem mehr. Der Berg kreiste („Die Wahrheit über den Kult des korrekten Konsums“) und gebar ein Mäuschen – grau, nicht grün. Auf Enthüllungsstories dieser Qualität kann ich im Freitag getrost verzichten!
weinsztein schrieb am 19.04.2010 um 00:18
Obigem Kommentar schließe ich mich an.
Steffen Kraft schrieb am 19.04.2010 um 09:59
Danke für den ausführlichen Kommentar. Ich möchte auf Ihre Anmerkung zu Toralf Stauds Artikel eingehen, die ich ganz richtig finde, auch wenn Sie meiner Ansicht nach einen schräge Bewertung daraus ziehen.

Staud geht es doch gerade darum: Es war die Anti-AKW-Bewegung, die in Sachen erneuerbaren Energien etwas bewegt hat, nicht in erster Linie die Macht der Verbraucher. Auch Greenpeace ist eben keine Verbraucherschutz-, sondern eine Lobbyorganisation.

Ich stimme Staud zu: Es reicht eben nicht auf Konsumtrends zu setzen, die sozialen Bewegungen werden gebraucht.
h.yuren schrieb am 19.04.2010 um 21:17
steffen, warum nicht lobby? es ist doch entscheidend: lobby für wen?
Steffen Kraft schrieb am 20.04.2010 um 09:59
Genau, eine Lobby, also eine Organisation, die POLITISCHEN Einfluss ausüben will, nicht nur Einfluss auf das Einkaufsverhalten oder das Warenangebot.

Das halte ich - mit Staud - für wichtig, wenn man wirklich an der Änderung der Verhältnisse interessiert ist und sich nicht von der Vorstellung blenden lassen will, dass man mit seiner eigenen Ernährung einen Beitrag zur Rettung der Welt leisten könnte.
jo2909 schrieb am 18.04.2010 um 11:04
Zugegeben, das Cover des aktuellen Freitag hat mich echt positiv überrascht. Bisher hatte ich das Blatt immer als das Kuschel- und Wohlfühlblättchen derjenigen urbanen Millieus wahrgenommen, die ernsthaft meinen, die Grünen seien ja doch irgendwie eine linke Partei, Öko sei progressiv und Bionadekonsum rette die Welt. Und dann so ein böses böses Titelbild! Mitten ins Herz! Na ja, am Ende kam es dann doch wie gedacht. Die Kritik war handzahm und substanzlos. Mehr noch: Hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Entweder waren die angeblichen Kritiker offen als grüne Lobbyisten (Utopia.de oderklima-luegendetektor) gekennzeichnet oder sie waren ganz offentsichlich Anhängern der Öko-Ideologie. Aber es liegt ja eh auf der Hand: Jeder, der es wagt, tatsächlich Kritik an Öko-Dogmen zu üben, ist entweder von der Industrie gekauft oder einfach nur ein schlechter Mensch. Argumente für meine Meinung findet Ihr z.B. hier: www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_dossiers/gruene_ngos/
h.yuren schrieb am 19.04.2010 um 21:15
guter jo, novo heißt auf griechisch neo, und dann kannste noch nach wahl liberal oder konservativ anhängen. ich hab in das blättchen hineingeguckt. einmal für immer.
jo2909 schrieb am 20.04.2010 um 11:46
Danke für Deinen Kommentar h.yuren.

In meinem Kommentar schrieb ich: "Aber es liegt ja eh auf der Hand: Jeder, der es wagt, tatsächlich Kritik an Öko-Dogmen zu üben, ist entweder von der Industrie gekauft oder einfach nur ein schlechter Mensch."

Du hast mich zu Recht darauf aufmerksam, dass mein Satz nicht ganz vollständig ist: Jeder, der es wagt, tatsächlich Kritik an Öko-Dogmen zu üben, ist entweder von der Industrie gekauft, einfach nur ein schlechter Mensch, NEOLIBERAL oder NEOKONSERVATIV."

Jetzt müsste der Satz aber so ziemlich alle relevanten Feinbilder grüner Orthodoxie umfassen, oder?

Übrigens, noch ein kleiner Link zu einem Artikel der sich mit dem Mythos Neoliberalismus kritisch auseinandersetzt ;) www.novo-argumente.com/artikel/98/novo9863.pdf
Gerd Schnepel schrieb am 21.04.2010 um 06:43
Heribert Schramm weiter oben schreibt: "in FOCUS"-Manier, ich sage, in der Ökolandbaufrage ist der FREITAG, so leid es mir tut, dem SPIEGEL fürchterlich ähnlich, der es jahrzehntelang nicht schaffte, bei Ökoartikeln den selbstgestrickten Kratzepullover wegzulassen; er war jedesmal drin, wahrscheinlich hielten das die unterschiedlichen Autoren für witzig.

Der FREITAG genauso: viel Ironie, Halbwahrheiten, glatte Fehler und der spöttische Unterton und das wohlfeile Herumkritisieren an Leuten, die den Biolandbau schlicht ernst nehmen, betreiben und davon leben (sind Millionen von mehrheitlich "kleinen" Bauern und Bäuerinnen, allerdings gibt es auch 1000 ha-Farmen darunter).

Jedesmal geht es dem FREITAG darum, negative Aussagen zu diesem Thema zu machen, und wenn schon das Positive einfach nicht wegzuleugnen ist, wird versucht, es halbwegs lächerlich zu machen oder Spinnern zuzuteilen.

Wieso werden die Leute so aufgeregt und bemühen sich, blitzgescheit scheinende spitze Kommentare abzugeben, sich höhnisch zu verbreiten über das "Eine andere Welt ist möglich", oder eben "abwägend" "beide Seiten" darzustellen? Alles total nervig. Wir machen Biolandbau, weil es die einzig sinnvolle Art ist, Landwirtschaft zu betreibebn; wir machen es nicht für Rewe oder den Bioladen oder die Kratzepulloverfraktion oder für Ökotest oder für eine Bioszene. Das hat sich vielleicht tatsächlich (oder eingebildet) herausgeformt, aber das ist doch nicht uns anzulasten.

Wir machen Biolandbau aus Vernunft, denn wie kann es vernünftig sein, Boden und Bodelebewesen, essentiell wichtig für kräftig wachsende gesunde Nahrung, mit chemischer Kriegsführung umzubringen? Wie kann es vernünftig sein, jedes Jahr weltweit mehr Chemikalien auszubringen, eine wahnsinnige Bdelastung für Böden, Lebewesen, Konsumenten, Wasser, Luft und Klima? Es ist doch unvernünftig bis zum Anschlag, auf GMO zu setzen, die z.B. konstruiert wurden, um immer höhere Rationen von RoundUp zu vertragen? Wie kann es vernünftig sein, in der Lebensmittelproduktion auf Technologien zu setzen, die auf Erdöl aufgebaut sind, irre Energiemengen verbrauchen, das Klima schädigen und zudem endlich sind und enorme Abhängigkeiten der Bauernschaften mit sich bringen? U.v.a.m.!

Biolandbau schont Resourcen, spart Energie, verbessert Böden, Klima und Wasser, bringt HÖHERE Ernten (wenigstens bei uns in den Tropen, in Europa scheint es meist ein bisschen weniger zu sein, dafür aber besser), Ökolandbau kann die Welt durchaus ernähren, ohne bei dem Versuch es zu tun die natürlichen Grundlagen zu zerstören. Dies alles machen wir also, trotz Anfeindungen, dummem Gequatsche, Falschmeldungen aus der Saatgut- und Agrarchemiegroßindustrie, weil es einfach besser, vernünftiger, sicherer und an der Zukunft, der nachhaltigen, orientiert ist.

Unangenehm daher, daß Großstadtschreiberlinge immer wieder zum Lächerlichmachen angesetzt werden. Denn nach wie vor ist unsere Ferindschaft zahlreich, wie schon erwähnt, von Monsanto bis Bayer und und und, deshalb könnten wir sachlich zutreffende, ermunternde, motivierende Artkel gebrauchen, im Interesse der Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, im Interesse der tödlich bedrohten Umwelt, statt immer wieder uns mit den Lächerlichkeiten abmühen zum müssen, immer wieder dieselben "Einwände" gegen vernünftige, nachhaltige Landwirtschaft abwehren und diskutieren zu müssen. Soll doch die Giftfraktion ihr Schadobst fressen und ihre Billighormonhühnchen! Aber ernsthafte Medien wie der FREITAG sollten irgendwann aufhören, dafür immer wieder das Forum abzugeben. Überlasst es dem SPIEGEL und FOCUS und schreibt mal fundierte Artikel über unseren vernünftigen Weg und seine Herausforderungen. Im Übrigen LIEBEN wir auch noch die Natur, die Umwelt, den Regenwald, die Flüsse und Seen, die Landwirtchaft ... aber das wird ja wohl auch gestattet sein, neben all unserer Vernunft.

Gerd Schnepel

Sano y Salvo - Safe and Sound, Primera Asociación Campesina de Cultura y Producción Ecológicas en la Región Autónoma del Atlántico Sur, Nicaragua

La Esperanzita, Escuela Campesina de Agricultura Ecológica en el Trópico Húmedo, Nueva Guinea, Nicaragua
Steffen Kraft schrieb am 21.04.2010 um 10:10
Ihre Vorwürfe sind heftig. Aber sind Sie auch berechtigt? Ich denke nicht.

Uns geht es um eine unvoreingenommene Berichterstattung - die sowohl Befürworter als auch Kritiker zu Wort kommen lässt und dem Leser einen Überblick über die einzelnen Kritikrichtungen verschafft, die ja existieren und denen sich Bio-Konsumenten ausgesetzt sehen.

Wie Sie zum Beispiel an Michael Jägers - und nicht nur an seinem - Beitrag sehen, geht es keineswegs "jedesmal" darum, negative Aussagen zu machen.

Vielleicht mag Sie eine kritische Auseinandersetzung nicht "ermutigen", allerdings scheint mir Erbauung Einzelner kein primäres Ziel eines fundierten Journalismus zu sein, wie Sie ihn einfordern.
Gerd Schnepel schrieb am 30.04.2010 um 21:17
Wegen der Distanz, und weil ich immer schwanke, ob ich die abonnierte Zeitung erwarten soll (4-6 Wochen Verspätung!) oder schon mal im Internet vorab reinspioniere, sehe ich Ihre Antwort erst jetzt, lieber Herr Kraft! Die gewisse Heftigkeit meines Beitrages speist sich aus diesem Frust, immer dieselben Sprüche hören zu müssen, bzw. diese "Arroganz" oder so, womikt die "Ökoszene" ins Lächerliche gezogen wird. Klar muss es Kritik geben, die Skandale aufgedeckt etc., aber bei uns habe ich das Gefühl, das wir nach wie vor (40 Jahre schon!) von vornherein mit dem Touch der leicht Abwegigen vorab klassifiziert werden. 1000% abwegig sind jedoch Monsanto und Bayer, und gut 150% abwegig immerhin noch die us-amerikanische Food and Drug Administration und jetzt ihr englisches Pendant. Da wird richtig gemauschelt, Beziehungen bis zum Gehtnichtmehr eingesetzt, manipuliert, gefälscht und bestochen. Falls Sie es nicht kennen: lesen Sie bitte Marie Monique Robin, El Mundo según Monsanto (deutsch, engl., frz., alles erhältlich).

Erbauung Einzelner habe ich extra nicht eingefordert, das wäre ja platt oder dumm, sondern ich habe nur gesagt, da "wir" schon so viele mächtige und dumme, je nachdem, Gegner haben, gleichzeitig aber für Ernährungssicherheit und Umwelt eine extrem positiv ausschlaggebende Rolle spielen, wäre hin und wieder ein Artikel angebracht, der den Ökolandbau und seine Welterhaltungsrolle bekannt macht (!), betrachtet, reflektiert, analysiert, ohne diese modisch skeptische arrogancita (Diminutiv von arrogancia ...).

Suerte, alles Gute, ich bleibe dem Freitag treu ..., Gerd Schnepel
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.05.2010 um 09:25
Besser wie Sie, Herr Schnepel, kann ich meinen Frust über diese blöde, weltfremde und arrogante Titelzeile und den dazugehörigen Text auch nicht ausdrücken. Vielen Dank Ihnen und auch Herbert Schramm genauso. Dass der Spiegel in seinem Wissenschaftsressort sehr industriefreundlich und manchmal lächerlich oberflächlich war, kenne ich auch schon lange. Ich erinnere mich da an einen besonders ordinären Beitrag, der in Bild-Zeitungsmanier bei Prinz Charles unter die Gürtellinie haute, weil er sich entschieden gegen die grüne Gentechnik ausgesprochen hat. Da kamen aber von den SPIEGEL- Lesern selbst gehörige Proteste. Beim Freitag habe ich leider den Eindruch, dass echt Kritisches in der Zeitung nicht abgedruckt wird. Ich hoffe, dass dies nicht an unbelehrbarer Arroganz der FREITAG- Macher liegt. Dem SPIEGEL traue ich gesunde Regenerationsfähigkeit immer noch zu und ich bin froh, dass es ihn gibt. Auf ihn möchte ich zuletzt verzichten müssen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.05.2010 um 10:17
Sorry: er heißt ja Heribert,der Herr Schramm !
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