Alltag

MTV-Awards | 21.09.2009 11:55 | Verena Reygers

Ladies Night, Mann!

Buh-Rufe und Häme kassierte der Rüpel Kanye West bei den MTV Video Music Awards. Und hatte sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit. Die hätten aber die Musikerinnen verdient

Ein durchgeknallter Rapper, der einem verdutzten Countryküken in die Dankesrede springt, das sind die Bilder der diesjährigen MTV Video Music Awards, die wir in Erinnerung behalten werden. Keine todesmutige Pink, blutüberströmte Lady Gaga oder den Wechseljahren trotzende Janet Jackson. Auch auch wenn das Musikfernsehen an Relevanz eingebüßt hat, die MTV-Inszenierung zeigt jedes Mal wieder einen guten Überblick dessen, was im kommerziellen Musikmainstream so passiert. Nur schade, wenn sich Kanye Wests Ungerechtigskeitsempfinden medienwirksam dazwischen schiebt. Denn eigentlich waren die VMA dieses Jahr fest in Frauenhand. Nicht nur galten Beyoncé und Lady Gaga mir ihren neun Nominierungen als die Favoritinnen des Abends, auch zeigten sich die Musikerinnen durchweg mutiger, witziger und unkonventioneller als ihre männlichen Kollegen.

Katy Perry griff auf das musikalische Erbe Queens zurück und coverte „We will rock you“ – nicht wenige, die das als Frevel deuten würden. Madonna, Überlebende im Pop-Königreich, hielt eine persönliche und emotionale Rede für Michael Jackson, während seine Schwester Janet für eine Tribut-Performance den Live-Part des gemeinsamen Scream-Videos übernahm und mit ihren 43 Jahren keineswegs aus der Puste zu kommen drohte. Der schönste, weil authentischste Auftritt aber gelang Pink, die sich zum balladesken „Sober“ am Trapez entlang schwang.

 

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Und dann war da noch Lady Gaga, deren Anwesenheit Moderator Russell Brand zu peinlichen Verbalerektionen hinriss. Ein Wunder, dass der Komiker noch ein paar intelligente Sätze schaffte: Es sei eine Schande, dass eine Künstlerin, nur weil sie erfolgreich sei und sexuell aggressiv auftrete, von den männerdominierten Medien als Frau hinterfragt würde. Jüngste Schlagzeilen spekulierten, ob die 23-Jährige vielleicht ein Hermaphrodit sei. Lady Gaga, die übrigens in Begleitung von Kermit dem Frosch erschienen war, saß entweder als rotgesichtige Spitzengardine oder weißbefederter Eskimo im Publikum und gewann insgesamt drei MTV Awards - unter anderem als „Best New Artist“. Den Preis widmete sie allen Homosexuellen, was dem homophoben Eminem, der neben ihr stand, ein verkniffenes Kopfnicken entlockte.

Bei der Preisvergabe zum besten weiblichen Video hatte Laudatorin Shakira darauf hingewiesen, dass die Nominierten nicht nur besonders talentiert seien, sondern auch alle ein bisschen gefährlich. Und so floß bei Lady Gagas „Paparazzi“-Live Kitsch und Blut ineinander über. Das ist Geschmacksache, aber immerhin eine spannendere Angelegenheit als die Auftritte von MTV-Veteranen wie Green Day oder Muse, deren Auftritte jede Schülerband effektvoller zu inszenieren gewusst hätte.

Weitestgehend frauenfrei blieben nur die Kategorien Rap und Rock. Einzig die Band Paramore mit Frontfrau Hayley Williams waren in der Kategorie „Bestes Rock Video“ nominiert. Gewonnen hat aber Green Day. Keine große Überraschung, denn die Punk-Rockband taucht seit Jahren nur noch im MTV-Rahmen auf – sind wahrscheinlich dort im Keller eingesperrt.

Vielleicht fürchtet Kanye West ein ähnliches Schicksal und macht sich deshalb mit seinen inszenierten Neidattacken wichtig. Aber wir wissen ja, nicht MTV hat in diesem Zeitalter das letzte Wort, sondern andere Medien. Und so twitterten Katy Perry und Pink klipp und klar „Fuck U Kanye“ oder „Kanye west is the biggest piece of shit on earth“. Und ein „Zitiert mich!“ hinterher. Das tun wir gerne, Pink!

 
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