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Kultur : Die Anti-Westerwelle-Crowd

Eine Koalition hat Guido Westerwelle schon vor den Verhandlungen mit der CDU erfolgreich geschmiedet: Im Netz sind viele, viele gegen ihn. Und das mit kreativer Energie

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Im Netz ist er schon jetzt der Durchstarter: Guido Westerwelle. Die Ausschnitte der Pressekonferenz, in der der FDP-Vorsitzende und mögliche Außenminister der schwarz-gelben Koalition einem BBC-Journalisten nicht auf Englisch antworten wollte, wurden hunderttausende Male auf Youtube geklickt und in unzähligen Blogs kommentiert. Es kursieren Rap-Versionen, Remixes und Gegenbotschaften. Kurz nach der Wahl schickte ein Twitter-User namens Westerwave fleißig seine Tweets auf Westerwelle-Englisch: „I am the coming germany outside minister. No one can reach me the water!“

Vor allem aber scheint man bei den Grünen im Post-Wahlkampf, die Causa Westerwelle mit Hilfe von eigenen Videobotschaften verarbeiten zu müssen. Auf dem Youtube-Kanal von Hans-Christian Ströbele, Grünen-Direkt-Kandidat für Berlin Friedrichshain-Kreuzberg wurden in der letzten Woche allein drei Videos zur PK und Westerwelles Englischkenntnissen gepostet – allerdings sagte Ströbele auf Nachfrage des Freitag, er wisse nichts von seinem Kanal, versicherte aber, dass er seinem Team da vollkommen vertraue.

Der Grünen-Chef Cem Özdemir begnügte sich hingegen nicht damit, Schnipsel unkommentiert ins Netz zu stellen. Einige Tage nach der Konferenz hat er einen Aufruf an die BBC veröffentlicht. In „Stay with us, BBC“ auf dem Kanal Gruen versichert er, in demonstrativ lässigem Englisch, dass nicht alle Deutschen so seien wie Westerwelle, und dass es ja auch einen Joschka Fischer gegeben hätte und in vier Jahren seien ja wieder Wahlen.

Bleibt noch Julia Seeliger. Auch sie hat eine Videoantwort erstellt. Dafür steht die ehemalige Grünen-Nachwuchs-Politikerin und heutige Online-Nachwuchs-Redakteurin bei der taz im Verkehrslärm und Herbststurm auf dem Balkon des Redaktionsgebäudes und trägt hölzern ihren ironisch gemeinten Text vor, in dem sie Westerwelle Verständnis entgegen bringt: Sie selbst könne auch nicht so gut Englisch, sagt sie, und Joschka Fischer hätte es zu Beginn seiner Amtszeit als Außenminister auch nicht so drauf gehabt. Es gibt also hope.

Die Piratenpartei macht es sich einfacher und recycelt einfach den Guido-Song, einen brillianten Beitrag der NDR Satire-Sendung extra3 von Januar 2009, der es so auf den Punkt bringt: „Das ist Guido Westerwelle, das ist der, den keiner mag.“ Und der, der uns noch zu viel kreativem Output anregen wird.

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