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Kultur : Welche Gefahren lauern im Garten?

Jakob Augstein beantwortet hier regelmäßig Fragen rund um den Garten. Diesmal erörtert er humpelnd die Vor- und Nachteile eines Hackebeils Marke Gränsfors

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Liebe Gartenfreunde,

Sie sehen hier abgebildet ein Handbeil aus der schwedischen Schmiede Gränsfors. Es wiegt 580 Gramm, sein Stiel ist aus Hickoryholz und sein handgeschmiedeter Kopf ist mit einer scharfen Klinge versehen. Sehr scharf. Wenn Sie sich das Ding ins Bein schlagen, bleibt eine tiefe Wunde zurück. Das kann ich jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen.

Das Gränsfors Beil eignet sich hervorragend zur Entfernung kleinerer und mittlerer Äste von Stämmen und zum Vorbereiten von Kienholz. Für diesen Zweck habe ich selbst es angeschafft. Und bin, an Handarbeit ja gewohnt, gleich gestern arglos ans Werk gegangen. Es wird kälter und Zeit für den Kamin. Verblüffend, wie wenig Unfälle einem so zustoßen. Wenn ich das Arsenal meiner Haus- und Gartenbewaffnung durchgehe, kommt an Gefahrenquellen einiges zusammen: Äxte, Beile, Sensen und Zangen, schwere Hämmer, spitze Hämmer, lange Messer, geschliffene Spaten, Eisendorne, Hacken in verschiedenen Größen, und nicht zu vergessen die Bohrmaschine, die Flex und die Kettensäge. Ich nehme an, bei der Schlacht von Bouvines war man nicht schwerer bewaffnet, als mein Schuppen es hergibt. Und dennoch ist noch nie etwas passiert. Bis gestern.

Da habe ich mir also das Gränsfors Handbeil ins rechte Knie geschlagen, einen Zentimeter oberhalb der Patella. Die Wunde war vier Zentimeter lang und etwa ebenso tief. Die untere Kante des Beils ist geradewegs in den musculus vastus lateralis eingedrungen. Eine interessante Erfahrung. Es tat nicht sehr weh, es blutete nur wenig, aber es sah wirklich furchterregend aus: offenes, klaffendes, rohes Fleisch, kurz überm Knie. Merkwürdigerweise war das erste, was meinen Kindern einfiel, dass sie nun für den nächsten Tag eine Entschuldigung bekommen würden und nicht zur Schule müssten.

Ich bin nur einer von diesen bürgerlichen Gärtnern und Heimwerkern, die am Wochenende die Baumärkte bevölkern. Und bin darum weder übertrieben empfindlich noch ausgesprochen hartgesotten. Ich stellte also einen erheblichen Abfall meines Blutdrucks fest sowie den Ausbruch starker Transpiration. Es war Abend. Ich beschloss, an diesem Tag nicht mehr zum Arzt zu gehen, goss ein Glas Kirsch-Schnaps über die Wunde, verband sie und legte mich ins Bett.

Das mit dem Kirsch-Schnaps erzählte ich dem Arzt am nächsten Morgen nicht. Er war ein ernster, strenger Mann, der mich dafür schalt, nicht eher gekommen zu sein. Jetzt, sagte er, müsse er die Wunde ausschneiden. Ich zog es vor, meinen Versuch der Selbst-Desinfektion für mich zu behalten.

Ich erhielt eine kleine Betäubungs-Spritze und dann schnitt der Arzt die Wunde aus. Er arbeitete schweigend, ein kleiner Mann mit auffallend geradem Gang, offenbar aus dem Iran eingewandert, den ich mir im Angesicht einer langen Reihe Verwunderter vorstellte, wie er in großer Ruhe das schwere Amt der Triage versah. Dieser Doktor, dachte ich, während er schon nähte, würde seinem Handwerk im Katastrophenfall zweifellos ebenso konzentriert nachgehen wie hier im Berliner Vorort.

Es war der gleiche Arzt, der meinem Sohn nach einem Zusammenstoß mit einem Denkmalsockel die Stirn zugenäht hatte. Jetzt können wir wetteifern, wer die prächtigere Narbe hat.

Das Gränsfors-Beil kostet bei Manufactum 68 Euro und ist ein schönes Weihnachtsgeschenk. Es eignet sich gleichermaßen für Leute, die Ihnen nahestehen, wie für alle andere.

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