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Kultur : Die Rassisten-Cam

Laptop-Kameras von HP können Schwarze nicht erkennen. Facebook geht gegen virtuelle Selbstmörder vor. Und ein Ausbrecher macht sich im Netz über seine Verfolger lustig

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Wir schreiben das Jahr 2010 und das Internet wird immer undurchschaubarer. Es ist praktisch unmöglich geworden, im Netz noch zwischen Gut und Böse, Schwarz oder Weiß zu unterscheiden. In solchen Zeiten kann man es der Firma Hewlett Packard (HP) eigentlich nicht zum Vorwurf machen, dass ihre Webcams keine Schwarzen erkennen. Zwei Verkäufer aus Texas taten es trotzdem und ernteten mit ihrem Video „HP-Computer sind rassistisch“ weit über eine Million Klicks auf Youtube. In dem Clip funktioniert die automatische Gesichtserkennung bei der hellhäutigen Verkäuferin tadellos, die Laptop-Kamera folgt ihren Kopfbewegungen. Bei ihrem dunkelhäutigen Kollegen bleibt sie dagegen starr. Die Popularität des Videos veranlasste HP mittlerweile zu der Klarstellung, dass es sich um ein bisher unbemerktes Licht- und Kontrastproblem handele, das man schnell beheben wolle.

Wesentlich leichter in Schwarz-Weiß-Malerei tut sich hingegen Facebook: Das soziale Netzwerk findet Selbstmord verdammenswert, auch den virtuellen. Deshalb droht man dem Portal Seppukoo.com mit einer Klage. Auf der Seppukoo-Seite bietet eine italienische Künstlergruppe mit dem französischen Namen „Les Liens Invisibles“ Hilfe beim Profil-Selbstmord an, der die Nutzerseite auf Facebook durch eine Todesanzeige ersetzt. Benannt ist das Ganze nach Seppuku, dem rituellen Selbstmord der Samurai, oft fälschlicherweise Harakiri genannt.
Noch weiter treibt es die Seite Suicidemachine.org: Dort kann der Profil-­Suizid – anders als bei Seppukoo – auch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mittlerweile blockt Facebook beide Webseiten und hat seine Anwälte losgeschickt. Begründung: Das Netzwerk, das die Daten seiner Nutzer selbst eifrig sammelt und speichert, will angeblich deren Privatsphäre schützen.

Virtuellen Selbstmord hat Craig ­„Lazie“ Lynch dagegen gar nicht nötig: Facebook löschte mehrmals seine Profile und Fanseiten. Der zu sieben Jahren Haft verurteilte Einbrecher ist vor drei Monaten aus einem englischen ­Gefängnis geflohen und verhöhnt seither virtuell die Ermittler. Sein Profilfoto auf Facebook zeigt ihn mit ausgestreckten Mittelfinger, in den Status-
Updates machte er sich über die Polizei lustig, an Weihnachten posierte er halbnackt mit Truthahn. Seine Fanseite hatte vor ihrer letzten Löschung 40.000 Anhänger. Facebook hat Lynchs Account nun ganz ­gesperrt und seine Nutzerdaten brav an die Polizei weiter gereicht. Beging Lynch, auf seine eigene Art, also auch Selbstmord? Wenn, dann ist er wieder auferstanden: Gerüchteweise verbirgt er sich nun hinter dem Facebook-Namen "Maximum Justice".

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