Alltag

Kirche & Missbrauch | 16.02.2010 16:40 | Susanne Lang

Yippie, Mixa ist wieder da!

Der Bischof von Augsburg hat eine Stärke: Er weiß immer, die Schuldigen woanders auszumachen. Auch in der Debatte über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche

Gott hat viele geniale und äußerst effektive Dinge erschaffen. So genial und effizient wie diese eine Wunderwaffe aus seinen Händen, ist allerdings nichts anderes - nicht mal der Teufel höchstpersönlich: Bischof Mixa. Bürgerlich: Walter Mixa, geboren am 25. April 1941 in Königshütte, Oberschlesien, derzeit amtierender Bischof von Augsburg und deutscher katholischer Militärbischof.

Seine Stärken: Er vergleicht nicht nur gerne die Anzahl der durch den Holocaust ermordeten Juden mit der Zahl der Schwangerschaftsabbrüche. Nein. Er hält Frauen, die ihre Kinder relativ schnell (nach Maßstäben der katholischen Kirche) in Tagesbetreuungsstätten geben, für Gebärmaschinen. Und neuerdings hat diese wahnsinnig meisterhafte PR-Maschine den wirklich wahren und wahrhaftigen Grund (auf katholisch: Schuldigen) für die Missbrauchsfälle innerhalb katholischer Kircheneinrichtungen gefunden: die 68er. Mhm. Nicht nur, weil die irgendwie an allem schuld sind, was sich in den vergangenen 40 Jahren verändert hat (inklusive Klimawandel, das hat nur noch keiner so dezidiert geäußert). Nein, sie sind ganz explizit schuld daran, weil sie die Sexualität mit Minderjährigen propagiert und betrieben hätten.

Was soll man sagen: Der Kerl kann nicht von dieser Welt sein, so gut macht der aus Sicht der Kirche seinen Job. Man muss es schließlich nur irgendwie schaffen, die alten Kampfgeschütze zu reaktivieren, den Pawlow'schen Schnappreflex, der beim Stichwort 68 auf allen Seiten der Zitat-Lager sofort einsetzt.

Und deshalb sollte jeder, der sich nun ansatzweise in irgendeiner Talkshow oder sonstigen Missbrauchsmedien dieser Gesellschaft ernsthaft über diesen Bullshit aufregt, eine Woche lang in einem Jesuitenkloster inhaftiert werden.

 
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