Alltag

Filmografie | 11.02.2010 12:50 | Jan Pfaff

Bolls Werk

Uwe Boll ist für viele der schlechteste Regisseur der Welt. Aber mit welchen Filmen hat er sich diesen Ruf eigentlich erarbeitet? Eine kleine Werkschau mit Youtube-Clips

Seine Karriere begann Uwe Boll 1991 mit dem Film German Fried Movie, einer Medien-Satire nach dem Vorbild von Kentucky Fried Movie (1977). Neben dem geringen Budget des privat finanzierten Films lässt der Youtube-Ausschnitt noch etwas anderes erkennen: Subtiler Humor ist nicht die Sache von Uwe Boll. Er bevorzugt den Holzhammer.

 

Mit seinem dritten Film Amoklauf von 1993 wird Uwe Boll zum renommierten Max-Ophüls-Festival eingeladen. Man nimmt ihn als Nachwuchsfilmer ernst. Der knapp zehnminütige Youtube-Clip zeigt, dass Boll hier – anders als in vielen seiner folgenden Filme – um eine ästhetische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt ringt.

2003 kam für Boll ein Wendepunkt. Sein durchaus ambitioniertes Highschool-Drama Heart of America mit Jürgen Prochnow als Schuldirektor floppte, während Gus van Sant mit Elephant in Cannes gefeiert wurde.

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Ebenfalls 2003 verfilmte Boll das populäre Zombie-Computerspiel House of the Dead. Von den Filmkritikern verrissen – die Internet Movie Database listet ihn auf Platz 53 der 100 schlechtesten Filme –, war der Film finanziell ein großer Erfolg. Im Gespräch mit dem Freitag erzählte Boll, dass er aus dem Drehbuch 30 Seiten Dialoge gestrichen hat. "In einem Zombie-Film will man Action sehen, kein Gequatsche."

2005 legte Boll mit einem weiteren bluttriefenden Computerspiel nach: BloodRayne. Für den Film gewann er als Darsteller unter anderem Ben Kingsley, Meat Loaf und Udo Kier.

An einer Satire auf das Amerika von George W. Bush versuchte sich Uwe Boll 2007. In Postal sollten "alle ihr Fett wegkriegen". Boll macht sich genauso über die Taliban wie über Bush lustig – und tritt in einer Szene auch als der "umstrittene Regisseur Uwe Boll" selbst auf. Er wird gefragt, ob es stimme, dass er seine Filme mit Nazi-Gold finanziere. Boll: "Was soll ich sagen? Ja, es stimmt. Jemand muss es ja ausgeben." Obwohl der Humor brachial und oft sehr platt ist, hat der Film auch viele Fans.

2008 drehte Boll mit Til Schweiger in der Hauptrolle den weitgehend sinnfreien Action-Film Far Cry, ebenfalls nach einer Computerspiel-Vorlage. Die Kritiken waren vernichtend.

2009 verfilmte Boll mit Henry Maske (!) in der Hauptrolle das Leben von Max Schmeling. Finanziert wurde der Film zum größten Teil von zwei Hamburger Millionären, die Schmeling ein Denkmal setzen, aber anonym bleiben wollen. Einen Kino-Verleih hat Boll bisher noch nicht gefunden. Deswegen ist ungewiss, ob und wenn ja, wann der Film in deutschen Kinos zu sehen sein wird.

Die neuesten Filme von Boll heißen Darfur und Rampage. Letzterer ist die Geschichte eines jungen Amokläufers, der seine Taten einen anderem anhängt und so ungesühnt davon kommt. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat dem Film gerade wegen Gewaltverherrlichung die Freigabe verweigert. Kommentar Boll: "Ein Witz!"

Wie geht Uwe Boll mit der Kritik und der Häme um, die er für seine Filme erhält? Ein ausführliches Porträt des umstrittenen Regisseurs lesen Sie hier.

 
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