Alltag

Liebe etc. | 16.03.2010 21:20 | Ulrike Mattern

Für eine saubere, geordnete Welt

Mit Groschenromanen lässt sich in Deutschland viel Geld verdienen. Doch Unterhaltung ist heute ein weites Feld. Die Verlage bedienen alle Genres, Niveaus und Geschmäcker

Zahlreiche Verlage kümmern sich auf dem deutschen Buch- und Pressemarkt um das Genre des Liebesromans, das besonders in der Sparte der Heftromane Erfolge feiert. Als „ein Spezialist in Sachen Liebe“ fühlt sich der Cora-Verlag in Hamburg. Seit 1973 bringt er angelsächsische Liebesromane im Taschenformat auf den deutschsprachigen Markt, über 800 davon im Jahr. Die verkaufte Auflage liegt bei 15 Millionen Exemplaren. 1976 entstand das Joint Venture zwischen der Axel Springer AG und der kanadischen Harlequin Enterprises. Rund 300 freiberufliche Übersetzerinnen und eine 15-köpfige Redaktion in Hamburg übertragen die Romane ins Deutsche. Die vier Basisreihen heißen Julia, Romana, Bianca und Baccara; kaufen kann man die konfektionierten Geschichten im Zeitschriftenhandel, wo sie im Segment Romane/Comics/Rätsel vertrieben werden. Julia etwa kommt auf 144 Seiten, kostet 2,40 Euro und erscheint 14-täglich in einer verkauften Auflage von über 60.000 Exemplaren. Der Cora-Verlag führt mit 94 Prozent Marktanteil das Segment der „Taschenromane im Pressevertrieb“ an. „Wir unterscheiden uns inhaltlich und qualitativ von Verlagen wie Kelter oder Bastei. Unsere Romane haben ein anderes Format, sie ähneln nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch viel mehr einem Taschenbuch. Zudem besetzen wir ein deutlich höheres Preissegment“, sagt Cora-Produktmanager Miran Bilic.

Ein Pionier in Sachen Groschenroman war der Verleger Otto Melchert, der das Format 1948 wieder in den Handel brachte. 1951 fusionierte er mit dem Verlag Martin Kelter. Berg-, Heimat- und Adelsgeschichten sind hier ebenso zu finden wie Arzt- und Mutter-Kind-Romane. 1997 erwarb Kelter auch die Frauenromantitel des Pabel-Verlages. Die monatliche Gesamtauf­lage liegt bei 3,3 Millionen Exemplaren. „Unsere Romane mit Happy End liefern die guten Nachrichten und treten für eine saubere, geordnete Welt ein“, ist der Selbstdarstellung des Verlages in Hamburg-Wandsbek zu entnehmen.

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Ein Experte für Belletristik ist auch der Bastei Lübbe Verlag, heute mit Sitz in Köln. Dessen Firmengeschichte soll Anfang der Fünfziger in einer Garage in Bergisch Gladbach begonnen haben. Gustav Lübbe und seine Frau Ursula schnürten dort „Lebensglück“ zu Paketen und boten diesen Stoff auf 64 Seiten Grossisten und Bahnhofsbuchhändlern an. Das Ende einer Liebe hieß die erste Liebesgeschichte. Arztromane wie Dr. Stefan Frank, Schnulzen von Hedwig Courths-Mahler und die seit 1954 erscheinende Jerry-Cotton-Reihe sind Klassiker aus diesem Hause. Die Gesamtauflage der Romanhefte und Sammelbände bewegt sich pro Woche bei einer Million Exemplaren.

Ein Jungspund im Gewerbe der Liebesromane ohne Heft-Anmutung ist der Lyx-Verlag, der 2007 als „fantastisches Label der Egmont Verlagsgesellschaften“ gegründet wurde. Bei einer Gesamtauflage von 2,5 Millionen Büchern setzt der Verlag auf ein relativ junges Genre: „Wir haben vampirlastig angefangen, entwickeln uns aber ständig weiter. Unser Hauptfokus liegt auf Fantasy, wir veröffentlichen keine Liebesromane nach dem klassischen Muster, sondern Unterhaltungsliteratur nach einem nuancierten Modell, in dem fantastische Elemente eine Rolle spielen – in der Romantic Fantasy mit Fokus auf Liebe und Romantik, und in der Urban Fantasy geht es auch schon einmal actionreicher und rasanter zu“, beschreibt Pressereferentin Christina Knorr die Ausrichtung. Meistverkaufte Autorinnen sind hier Lara Adrian mit ihrer mehrbändigen Vampirsaga und Katie MacAlister, die mit paranormalen Abenteuern auf der Spiegel-Bestseller-Liste landete.

Der „moderne Minnesänger“ (DPA) Nicholas Sparks katapultiert sich mit jedem seiner Romane auf diese Liste. Er gehört zu den meistgelesenen Autoren der Welt. In Deutschland verkauften sich die Bücher des Amerikaners über 15 Millionen Mal, am 13. April erscheint sein Familiendrama Mit dir an meiner Seite, zwei Wochen später läuft die Verfilmung im Kino an. „Nicholas Sparks ist für uns tatsächlich das Maß aller Dinge, wenn es um Liebesromane geht. Er vermag es wie kaum ein anderer, wirklich große Gefühle zu beschreiben, ohne je ins allzu Kitschige, Banale abzugleiten“, sagt die Heyne-Lektorin Julia Bauer über ihren Hausautor.

 
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Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.03.2010 um 23:21
Ja, der Groschenroman, nicht totzukriegen auch in Zeiten des Cents. Lesestoff, nicht Zeitung, nicht Buch. Literatur zum Wegwerfen, in den Papierkorb auf dem Bahnhof oder den neben der Bank im Park.
Aber nicht zu unterschätzen, die Wiederholungen der Klischees seit Gartenlaubenzeiten. Das möchte frau/mann lesen. Und nicht zu vergessen die miserable Bezahlung der für den zu lesenden Text Arbeitenden. Text am Fließband zu Niedriglöhnen schnell gestrickt. Billigprodukte als Massenware kommen dabei heraus.
Ein nicht unbedeutender Schriftsteller hat aber mal gesagt, daß hier - in diesem Segment - wenigstens noch viel gelesen wird, und auch die Ahnung da ist, daß es so etwas wie Literatur und Leben geben könne. Namen leider vergessen.

PS: Heißt es nicht 14-tägig statt 14-täglich, oder wirklich richtig "alle vierzehn Tage"?


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