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Kultur : Ein Webcomic zur Lage des Iran

Ein Webcomic dokumentiert die Suche nach einem Iraner, der nach einer Demo in Teheran spurlos verschwunden ist. Der Comic wurde schon in mehr als zehn Sprachen übersetzt

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Schon bei den Unruhen im Iran im vergangenen Juni war die Öffentlichkeit hauptsächlich online dabei. Twitter erlebte seine bisher bedeutendste Stunde und das Regime musste feststellen, dass sich die Welt zu Zeiten des Web 2.0 nicht mehr so einfach aussperren lässt. Ein mutiges Comic-Projekt knüpft an genau dieser Stelle an: Zahra’s Paradise erzählt in Online-Episoden die Geschichte von Mehdi, der nach einer Demonstration in Teheran spurlos verschwindet. Sein Bruder, ein Blogger, und seine Mutter suchen nach ihm und nehmen die User mit auf die Odyssee durch Institute und Behörden, die sie mit immer neuen Schwierigkeiten konfrontieren. Die Episoden, die jeden Montag, Mittwoch und Freitag auf zahrasparadise.com erscheinen, werden von dem Dokumentarfilmer und Blogger Amir und dem Zeichner Khalil produziert, die beide nicht unter ihrem vollen Namen auftreten können.

Das schwarz-weiße Webcomic hat sich seit seiner Premiere im Februar verselbstständigt und ist zu einem weltweiten Symbol der Solidarität mit der iranischen Bevölkerung geworden. Ohne große PR ist das Projekt in wenigen Monaten gewachsen und im Netz bekannt geworden. Übersetzungsangebote von Usern finden sich schon beim ersten Eintrag, um für die Geschichte eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Bei den ersten Episoden folgten prompt Übersetzungen in Polnisch oder Indonesisch. Mittlerweile gibt es die Geschichte in zehn verschiedenen Sprachen, neben Englisch, Arabisch und Persisch auch in Koreanisch oder Hebräisch. Eine deutsche Übersetzung gibt es bislang noch nicht.

Die schlicht gehaltenen Tagebuch­einträge lesen Zehntausende User, auch bei Twitter und Facebook kann man dem Comic folgen. Für 2011 plant der amerikanische Verlag First Second die Veröffentlichung in Buchform. Den Erfolg verdankt das Comic seiner zeitnahen Dokumentationsform, durch die eine politische Relevanz entsteht. Ein User bescheinigt Zahra’s Paradise gar, ihm ein besseres Verständnis der Lage im Iran zu geben, als alle bisherigen Medienberichte. Spätestens seit dem Erfolg von Marjane Satrapis Persepolis haben sich Comics, die zeitgeschicht­liche Themen aufbereiten, etabliert. Neu ist, dass Zahra’s Paradise fast nachrichtlichen Wert hat und vom tagesaktuellen Geschehen im Iran berichtet. Es ist eine Mischung aus gebloggter Reportage und fiktiver Geschichte, die ein umfassendes Bild der Lage im Iran gibt. Denn ein Webcomic, das über seine User populär gemacht wird, kann auch ein totalitäres Regime schwer aufhalten.

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