Mit Ironie ist es ja so eine Sache. Ist sie zu subtil, versteht sie der ein oder andere Zeitgenosse nicht. Ist sie hingegen zu offensichtlich, wirkt sie alles andere als lustig. Und nichts ist trauriger als ein Witzereißer, über den niemand lacht. Zwischen den Extremen das richtige Maß zu finden, ist in Zeiten, in denen hinter jeder Aussage noch eine versteckte, eigentliche Botschaft vermutet wird, gar nicht so einfach. Warum dann nicht gleich mit dem Holzhammer zuschlagen, hat sich wohl die Agentur gedacht, die die aktuelle Kampagne für die italienische Jeans-Firma Diesel entworfen hat. Getreu der Überzeugung, dass man mit subtilen Ironie-Tönen nicht auffällt, fordert Diesel einfach: „Be stupid!“
Als Statement erstmal ungewöhnlich, gibt es dazu Begründungen, die lauten: Kluge hätten zwar Köpfchen, aber keinen Mumm etwas umzusetzen. Bei Dummen sähe das genau umgekehrt aus: Sie machen’s einfach. Daher befiehlt ein Plakat: „Think less. Stupid more.“ Auf der Webseite gibt es zudem einen Clip, der sich an der Umwertung der Werte versucht: Zu bunt aufpoppenden Wörtern erfährt man etwa, dass die Welt von vielen klugen Leute geführt werde, die den ganzen Tag kluge Gedanken haben. Und wo hat uns das hingebracht? Eben, also bitte: Dumme an die Macht.
Aber Moment mal, liebe Kreativschaffenden, bisher dachte wir immer, dass die Dummen bereits an der Macht sind. Und dass wir Machtlosen ganz furchtbar klug sind. Dieses Selbstbild könnt ihr uns doch nicht kaputt machen. Ganz im Ernst!
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Ha! Diesel gehört zweifellos auch zu den Friedhofsmaden, die sich in der neo-liberalen Beitze, die von den neuen Medien als "Ironie" und moderate Bespaßung Gleichgesinnter wahrgenommen wird ,wohlfühlen,...
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Zweifellos falsch ist dieses:
"Aber Moment mal, liebe Kreativschaffenden, bisher dachte wir immer, dass die Dummen bereits an der Macht sind." Richtig hingegen ist jenes "Und dass wir Machtlosen ganz furchtbar klug sind. Dieses Selbstbild könnt ihr uns doch nicht kaputt machen." genau nur dann, wenn wir "Machtlosen" nicht zu den wirklich dummen gehören. Die gibt es und zwar in Massen und nie an der Macht, sondern allenfals immer nur gut damit befreundet. In der Sonderform nennt man sie dann VIPs und kommen real seltener vor, dafür häufiger im Fernsehen, was auch immer einen gewissen Masseneffekt hat. |
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24.05.2012
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