Alltag

52 Filme - 52 Wochen | 31.12.2010 10:40 | Mikael Krogerus

Natürlicher Horror

Ein Krokodil im Wasser, ein Baum im Wasser, drei Menschen auf dem Baum - fertig war das Szenario für "Black Water", ein Film, der ein Subgenre des Horrorfilms eröffnet

Was habe ich gesehen?
„Black Water“ (2007), Laufzeit: 88 min.

Warum habe ich es gesehen?
Was für eine Woche: mein Laptop wurde gestohlen, meine Schwiegermutter war zu Besuch, Bayern München entschied sich ohne Linksverteidiger in die Rückrunde zu starten, der idiotische Mark Zuckerberg (dessen Facebook dereinst in einem Atemzug mit der Erfindung der Wasserstoffbombe genannt werden wird), wurde Mann des Jahres im Time – die gesamte Welt schien sich gegen mich verschwört zu haben. Ich suchte Zerstreuung vor dem Bildschirm.

Worum geht es?
Ein Pärchen und die Schwester der Frau machen einen Angel-Ausflug mit einem Boot in den nord-australischen Mangroven-Wäldern. Kaum haben die Freunde ihre Angeln ausgeworfen, bringt ein gigantisches schwarzes Salzwasserkrokodil das Boot zum Kentern und frisst den Bootsführer. Das Pärchen rettet sich auf einen Baum, die Blondine hockt auf dem Boot, das Killerkrokodil lauert im Wasser. Gutes Set-up, finde ich. Es erinnert an das populäre Turn-Spiel „Gerätekriegen“. Man verteilt alle Geräte und Matten in der Sporthalle, einer ist der Fänger. Wer den Boden berührt hat verloren (hier: wird gefressen). Und so versuchen die drei mal vom Baum zum Boot und mal vom Boot auf den Baum zu kommen. Irgendwann wird der Mann gefressen und seine Frau verblutet. Es ist die blonde Hysterikerin, die plötzlich arschcool das Ungeheuer erledigen muss/wird.

Die schlimmste Szene?
Keine bestimmte. Aber es hatte etwas furchtbares, dass das Krokodil, selbst nachdem es schon einen Mann verspeist hatte, noch immer unter dem Baum lauerte. Machen Krokodile so was?!

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Was bleibt?
Tierhorrorfilme bilden ein klassisches Subgenre des Horrorfilms. Der weiße Hai bleibt in jeder Hinsicht unübertroffen (auch von seinen unglaublich schlechten Sequels). Im B-Bereich streiten sich der lustig-furchtbare Lake Placid (1999) und der humorlos-brutale Alligator (1980) um die Position des Klassenbesten. Black Water nun macht ein kleines eigenes Genre auf; nennen wir es „Tierhorrorfilme, in denen echte Tiere vorkommen“. Es ist der Versuch, erzählerisch wegzukommen von der Geschichte des genmanipulierten und/oder prähistorischen Viechs, das, groß wie ein LKW, Menschen angreift. Die Krokodile im Black Water also sind echt. Das macht natürlich den totalen Horror, vor allem in der Schlußszene als das Tier direkt hinter der letzten Überlebenden auftaucht, um so furchtbarer. Der Film, Budget rund 600.000 Euro, verzichtet auf jegliche Spezialeffekte, alles ist reduziert auf die drei im Mangrovenbaum. Das ist gut. Erhöht aber die Anforderung an die Darsteller. Die wiederum spielen sehr erwartbar; in ihren Gesichtern erkennt man das gründliche Studium von 100 Jahren Filmgeschichte der Angstdarstellung: Aufgerissene Augen, spitze Schreie, hektisches Umsichschauen. Auch die Rollen sind klar verteilt. Der Mann: ein Macher, aber übermütig (stirbt). Seine Frau: analytisch, fürsorglich, klug (stirbt aber auch). Ihre kleine Schwester: hysterisch, ängstlich, schönes Dekollete (überlebt).

Wie gefährlich sind Krokodile?
Seit Blair Witch Projct sind wir etwas skeptisch, wenn im Vorspann eines Films die Einblendung erscheint „beruht auf einer wahren Begebenheit“. Auch diesmal schien die Handlung etwas gepimpt, wie ich finde. Aber nein! Genau so hat es sich zugetragen! Sogar: noch schlimmer! Der Film beruht auf einem Vorfall aus dem Jahre 2003, als drei Freunde am Fluß von einem Krokodil attackiert wurden. Einer (Brett Mann) verschwand, zwei retteten sich in einen Mangroven-Baum. Irgendwann tauchte das Krokodil wieder auf, im Maul: der tote, halbgefressene Brett Mann. Danach wartete das Tier die ganze Nacht unter dem Baum. Horror. Die ganze Story hier.
Die Regisseure haben einen guten Film gedreht. Hätten sie sich noch enger an die wirkliche Handlung gehalten, es hätte ein Klassiker werden können.

Diese Figur wäre ich gern:
Am ehesten das Krokodil. Wo sind die Tierhorrorfilme aus der Sicht des Tieres?

Was sehe ich als nächstes?
S slovenskimi podnapis.

 
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Kommentare
Ignaz Hronek schrieb am 31.12.2010 um 11:35
„... die gesamte Welt schien sich gegen mich verschwört zu haben.“

Es muss „verschworen“ (nicht verschwört).
Bitte danke.
Ignaz Hronek schrieb am 31.12.2010 um 11:37
Es muss „verschworen“ heißen (nicht verschwört).

(Typisch, beim Besserwissen selbst einen Fehler zu produzieren :-))


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