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Kultur : Wahre Größe zählt

Die Künstlerinnengruppe Gorilla Girls Broadband stellt mit einem Do-it-Yourself-Poster die Machtfrage: Welcher (Ex-)Staatspräsident ist in Ihren Augen der sexistischste?

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Was haben Bill Clinton, Silvio Berlusconi, Moshe Katsav, Slobodan Milosevic, Charles Taylor und Dominique Strauss-Kahn gemeinsam? Richtig, alle Männer hatten mehr oder weniger lange während ihres besten Alters viel Macht. Und alle haben sie in der einen oder anderen Form Dreck am Stecken, haben während ihrer Amtszeit die eine oder andere Untat begangen. Während sich Bill Clinton mit einer Affäre mit Monica Lewinsky noch das harmloseste (sprich: vor allem ein moralisches) Vergehen hat zuschulde kommen lassen, hört das Schmunzeln spätestens bei Charles Taylors vermutlich systematisch angeordneten Vergewaltigungen in Liberia auf.

Angesichts all der gereiften Männer, die in den vergangenen Jahren ihre Machtpositionen besonders in Bezug auf Frauen missbraucht haben, fragen die Guerrilla Girls Broadband nach einer Bewertung dieser Politiker. Die feministische Künstlerinnengruppe ist eine Schwestergruppe der Guerrilla Girls aus New York, die seit Jahrzehnten den Kunstbetrieb, insbesondere den amerikanischen, aufmischen und auf amüsante Art und Weise sexistische und rassistische Missstände anprangern.

Wahre Größe zählt, meinen sie, wie aber misst man Größe? Die Gruppe hat in typischer Guerrilla-Girls-Manier ein DIY-Poster „Heads of State“ entworfen, auf dem man die Vergehen von Berlusconi und Co. Penissen in allen Zuständen zwischen schlaff bis steif zuordnen kann. Als Ordnungskriterien stehen jeweils die Positionen der Männer, ihre Vergehen, bei denen sie in flagranti ertappt wurden, sowie die Strafe zur Auswahl.

Dazu muss man wissen, dass das Poster als Wortspiel per se nur im Amerikanischen funktioniert. Der Clue, die Politiker nach ihrer „dickishness“ (dick meint im Deutschen Schwanz) zu ordnen, verliert im Deutschen an Zusammenhang: Es sei denn man übersetzt „dickishness“ mit „Arschigkeit“ statt wortwörtlich mit „Dreistigkeit“.

Erklärtes Ziel der Guerrilla Girls ist es, Feminismus mit viel Humor und einem Augenzwinkern auf den Tisch zu bringen und damit salonfähig zu machen. „Re-inventing the F-Word“ nennen sie ihre Strategie. Angefangen hat die Arbeit der Guerrilla Girls 1985 mit einer Ausstellung im New Yorker Modern Museum of Art, die versprach eine internationale Gesamtschau der Malerei und Skulptur zu sein. Von 169 ausgestellten Künstlern waren 13 weiblich. Anlass genug für die Feministinnen eine erste Posteraktion zu starten, die nachfragte: „How many women had one-person exhibitions at NYC Museums last year?“. Bekannt geworden ist später etwa jenes Poster mit einem weiblichen Akt, der eine Gorillamaske trägt und die Frage „Do women have to be naked to get in the museum?“ stellte. Seither machen die Guerrilla Girls immer wieder mit Protestaktionen, charmanten Kampagnen und DIY-Drucksachen von sich reden.

Hinter der Gruppe stehen Künstlerinnen, die anonym bleiben und nur mit Gorillamasken und via Pseudonymen verstorbener Künstlerinnen kommunizieren. „Wir setzen Humor ein, um Informationen zu vermitteln, Diskussionen zu provozieren, und zu zeigen, dass Feministinnen witzig sein können. Wir tragen Gorillamasken, um den Fokus auf die Themen zu lenken anstatt auf unsere Persönlichkeiten,“ erklärt das Kollektiv auf ihrer Webseite. Wie viele sie sind, verraten sie nicht, vermutlich sind es unterdessen mehr als 100 Frauen; im Jahr 2000 haben sich mehrere Schwesterorganisationen der Guerrilla Girls gebildet, etwa die Guerrilla Girls Broadband oder Guerrilla Girls On Tour, um an mehreren Fronten für ihre Sache zu kämpfen.

Das Poster „Heads of State“ wurde erstmals auf der New Yorker Artists Book Fair diesen Oktober präsentiert. Entstanden ist es ursprünglich für einen Workshop an der Zürcher Hochschule der Künste, die den Entwurf aber mit der Begründung abwies, niemand lasse sich heutzutage noch von Penissen schockieren. Das genau wollen sie nun mit ihrer Posteraktion überprüfen, indem sie die Leute dazu aufrufen, es auf pinkem Papier auszudrucken, die "Heads of State" anzuordnen, das ganze plakatieren und anschließend mit einem Foto zu dokumentieren, also an die Gorilla Girls zurückzuschicken.

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