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Das richtige Timing einer Imagekampagne ist die hohe Kunst der PR. Manchmal schießt bei aller Planung aber trotzdem etwas Unvorhergesehenes quer. Wegen der Taten der rechten Mörder-Truppe aus Zwickau und der, nun ja, nicht ganz so überzeugenden Rolle des thüringischen Verfassungsschutzes hat die Landesregierung in Erfurt jetzt ihre Imagekampagne für das Land ausgesetzt.
Der einstige Kampa-Macher, Kampagnen-Profi und jetzige thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig ist sich sicher, dass das Land bereits "einen schweren Imageschaden" davongetragen hat. Deswegen sei es zurzeit "kontraproduktiv", die Kampagne fortzusetzen, sagte er der Thüringer Allgemeinen Zeitung.
Ob man bei den Ansichten von New Yorker Straßenschluchten sofort eine Verbindung zum rechten Paulchen-Panther-Terror hergestellt hätte, ist fraglich – allein die Verbindung zwischen Manhattan und Erfurt wird dem Zuschauer ja schon nicht so richtig klar. Aber offenbar möchte man sich in Thüringen gerade am liebsten unsichtbar machen und verzichten deswegen darauf, deutschlandweit weitere "Das ist Thüringen"-Anzeigen zu schalten.
Wie man eine Kampagne gekonnt zurückzieht beziehungsweise den medienwirksamen Rückzug von vornherein in die Kommunikationsstrategie einplant, führt mal wieder der Kleidungskonzern Benetton vor. Für eine menschenverbrüdernde und zugleich Benetton bewerbende "Unhate"-Kampagne hatte man mehr oder weniger gegensätzliche Paare küssen lassen. Der Aufruhr um eine Fotomontage, auf der der Papst einen Imam küsst, war dabei absehbar. Ein Vatikan-Sprecher protestierte aufgeregt und nannte das Kuss-Bild eine Beleidigung aller Gläubigen – womit eine Benetton-Kampagne mal wieder ungleich größere Aufmerksamkeit erreicht hatte, als wenn die Bilder nur schnöde an Plakatwänden hängen würden.
Bei Benetton betont man das Gutgemeinte der Kampagne. Offenbar ist die Welt noch nicht reif für so viel Liebe, oder besser: für so viel Liebe im Rahmen einer Markenkampagne. Man bedauere, wenn man Gefühle von Gläubigen verletzt habe, sagte ein Benetton-Sprecher: "Um unsere Sensibilität zu unterstreichen, haben wir uns entschlossen, das Bild zurückzuziehen."
Eine andere PR-Strategie als den kalkulierten Rückzug wird hingegen Julian Assange in Stockholm brauchen. Er hat zwar Berufung gegen seine Auslieferung aus Großbritannien nach Schweden eingelegt, sich aber vorsorglich auch schon mal die Hilfe einer schwedischen PR-Agentur für den anstehenden Prozess gesichert. Das gefällt nicht allen. Aber Assange will vorbereitet sein. Denn er weiß: Nicht ist entscheidender für eine Imagekampagne als das richtige Timing.
Ausgabe 21/2012
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