Niedersachsen wurde einst in AWD umbenannt: Das Niedersachsenstadion in Hannover heißt derzeit nach dem Finanzoptimierer: AWD-Arena. Die Namensrechte eines solchen Stadions kann man mieten, das wissen auch Fans von richtigen Fußballvereinen, Vereinen, die ihre Heimspiele in Bier-, Bank-, Versicherungs- oder Internetdings-Stadien austragen. Doch kein Erstligastadion, abgesehen vielleicht von der Mercedes-Benz-Arena in – richtig – Stuttgart und der →Volkswagen-Arena in Wolfsburg, ist so treffend benannt wie die AWD-Arena in Hannover. AWD, das ist ein klingender Name, der Assoziationen weckt von internationalem Feuerwerkswettbewerb und farbig beleuchteten Sitzbänken an der Hannoveraner Georgstraße; aber auch von Kaschmir, Zigarre und Privatkredit. AWD ist wie Niedersachsen.
Dass der langjährige AWD-Co-Vorstandsvorsitzende Carsten Maschmeyer die →Maschsee-Connection quasi schon im Namen trägt, ist ein Zufall, aber wenigstens ein lustiger. In Maschmeyers Haus hat Bundespräsident Christian Wulff geurlaubt, er hat die Kanzlerkandidatur Gerhard Schröders unterstützt, er hat mit dem SPD-Mitglied und Regierungsberater Bert Rürup 2010 die MaschmeyerRürupAG gegründet. AWD ist Niedersachsen. Manche behaupten sogar, Niedersachsen sei ein Teil von Deutschland.
Da tritt FDP-Generalsekretär Christian Lindner zurück, und wer soll, Stand Mittwochnachmittag, nachrücken? Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Schatzmeister Patrick Döring. Woher kommt Döring? Niedersachsen (➝Kabinett).
Jürgen Trittin war Minister im Kabinett von Gerhard Schröder in Hannover von 1990-1994 (Kabinett Schröder I). Sigmar Gabriel war auch mal Ministerpräsident in Niedersachsen. Und bei Ministerpräsident Christian Wulff saß zunächst Ursula von der Leyen am Kabinettstisch (Kabinett Wulff I) und später Philipp Rösler (Kabinett Wulff II). Ist das alles nur Zufall? ➝Maschsee-Connection
Lena Meyer-Landrut, 1991 in Hannover geborene Afrikanistik-Studentin, ist ein Beispiel dafür, dass aus dem vielseitigen Land Niedersachsen noch viel mehr kommt als nur die große Politik. Andererseits: Meyer-Landrut wurde, nachdem sie 2010 den Eurovision Song Contest gewonnen hatte, am Flugplatz vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff abgeholt. Der mag sich gedacht haben: Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, derart standesgemäß in der Gegend herumzurepräsentieren? Es war an diesem Tag im Mai 2010, an dem Hannover in Sachen Ereignislosigkeit von Bielefeld deutlich abgehängt wurde. Dafür führt Hannover heute unangefochten die Liste der Städte an, die Lena Meyer-Landrut freiwillig verlassen hat.
Man kennt das aus Hollywood-Filmen. Wichtige Gespräche und entscheidene Wendungen finden gern am Ufer großer Gewässer statt. Nun hat Niedersachsen bekanntlich eine malerische Nordseeküste, die entscheidenden Gespräche in diesem Bundesland finden aber offenbar an einem Binnengewässer statt. All die niedersächsischen Strippenzieher laufen in Hannover ständig zusammen um den Maschsee, pflegen so ihr Netzwerk und bereiten den nächsten Karriere-Coup vor. So erklären sich zumindest Journalisten überregionaler Zeitungen die auffällige Häufung niedersächsischer Landeskinder in Spitzenpositionen auf Bundesebene. Und einen Namen hat das Ganze dann praktischerweise auch schon: Es ist die Maschsee-Connection.
Sie waren düster, die ersten Jahre in Deutschland. Giovanni di Lorenzo war elf Jahre, als seine Mutter mit ihm nach Deutschland zog. Rimini. Rom. Hannover. Graue Straßen, verengte Hirne. "Di Lorenzo, diesen Itaker, sollte man aufhängen", rief der Oberstudienrat auf dem Ratsgymnasium, schrieb die Lorenzo in seinem Buch Wofür stehst Du?. Als er dem Schulleiter davon erzählte, sorgte der sich vor allem um den Ruf der Schule. Hannover sei "die Hölle auf Erden" gewesen, sagte der Journalist einmal. Er sprach damals kaum Deutsch, fühlte sich ohnmächtig, in der "kleinlichen" Welt der Siebzigerjahre. Trotzdem fand er in dieser Stadt seine Berufung: Di Lorenzo schrieb bei der Hannoverschen Neuen Presse seinen ersten Artikel. Bei der Lokalzeitung ist man heute stolz, dass aus dem eigenen Praktikanten ein Zeit-Chef wurde.
Wiglaf Droste kann der Satz zugeschrieben werden: "Wenn's dir in Hannover gefällt, gefällt's dir überall." Was soll man tun in einer Stadt ohne Eigenschaften (so wurde Hannover lange Zeit genannt), noch dazu in den Sechzigern? Gitarre umhängen, Elvis imitieren, eine Beatband gründen. Englische Songs singen. Westeuropa erobern. Dreimal hintereinander im ausverkauften Madison Square Garden in New York auftreten. 100 Millionen Platten verkaufen. Die erfolgreichste deutsche Rockband aller Zeiten werden. Ein Export-Renner made in Hannover. Kanzler Schröder (➝Maschsee-Connection, ➝VW) zwischendurch ein Geburtstagsständchen spielen. Die Hymne zu Glasnost und Mauerfall ("Wind of change") komponieren. Zwei Jahre lang Abschied nehmen. Das letzte Konzert zu einem gigantischen "zweistündigen Höllentrip" machen. Wo sonst könnte der getobt haben als in der TUI Arena Hannover.
Vom Bahnhof in Wolfsburg, an dem immerhin einige ICEs auf dem Weg nach Berlin halten, sind es nur ein paar Schritte zur Autostadt, einem Automobil-Erlebnispark. Die „Autostadt“ ist aber nur die Autostadt in der Autostadt, sozusagen. Ganz Wolfsburg ist eigentlich vollumfänglich volkswägisch. Die Stadt wurde gegründet, weil hier 1938 das VW-Werk entstand (siehe auch A-Z der schlimmen Orte).
VW ist nebenbei der Beweis, dass Niedersachsen auch politisch nicht nur aus Hannover besteht. Das umgangssprachlich genutzte schwer politische Verb "hartzen" zum Beispiel hat seinen Ursprung hier, bei VW: Peter Hartz, nach dem die in der Schröder-Regierung eingeführten Arbeitsmarktreformen benannt wurden, war Personalvorstand und Vorstandsmitglied der Volkswagen AG. Dann trat er im Rahmen der VW-Korruptionsaffäre zurück. Das war im Juli 2005, im selben Monat, in dem Gerhard Schröder die Vertrauensfrage im Bundestag stellte und dem Bundespräsidenten (dem damaligen) die Auflösung des Parlaments vorschlug. Ob es sich bei diesem zeitlichen Zusammentreffen wirklich um einen Zufall handelt, wurde nie hinterfragt. Zurecht.
Es gibt zwei Werbespots, die Niedersachsen weit über seine Landesgrenzen hinaus zum Zeichen für Klarheit und zum Synonym für große Visionen gemacht haben.
Hier das Original:
... und hier das Remake:
Fläche: 47.634 Quadratkilometer; Schulden: 54 Milliarden Euro; Einwohner: 7,9 Millionen; Kühe: 656.000
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Klärt mich auf: Soll das irgendwie witzig sein und ich hab den subtilen Humor bloß nicht verstanden/bemerkt?
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Hätts de nur die Filmchen angeguckt.Leidlich lustig,nicht weiter
nachdenken,es iss bald Weihnachten. Wobei,ein "Erster Mann im Staate" und ein "Dritter Mann im Staate" ´sich anstelle eines "Seppuku" vielleicht immerhin zu einem Läuterungsbad in eben jenem See begeben "täten", da muss wohl noch Ostern auf den gleichen Tag fallen. Also deviant, lass uns in die Christmette gehen und die Internationale anstimmen (in memoriam Helder Camara z.B.). Hab nur mal so vor mich hin fabuliert. |
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schrieb am
14.12.2011 um 20:52
In die Christmette? In welche? Die von den Faschisten oder den Kapitalisten?
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"Klärt mich auf: Soll das irgendwie witzig sein und ich hab den subtilen Humor bloß nicht verstanden/bemerkt?"
Nein, das ist bitterer Ernst. Was denn sonst? |
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Also ich wohne jetzt seit (doch schon) über zwei Jahren in Hannover, habe davor mal in Bielefeld gewohnt und komme eigentlich aus Stuttgart. Ich habe ein paar Male richtiggehend gekichert als ich mir diesen Text zu Gemüte führte. Auch, weil mir so viele bekannte Städte und Marotten der satirisch betrachteten Hauptprotagonistin an der Leine reichlich bekannt vorkamen.
Sehr nett. Auch wenn ich Hannover gerade in den Sommertagen doch arg zu schätzen gelernt habe. Im Winter erscheint es doch manches Mal eher trostlos. Aber welche Stadt tut das auch nicht? |
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>Wiglaf Droste kann der Satz zugeschrieben werden: "Wenn's dir in Hannover gefällt, gefällt's dir überall."<
Hab ich als: "Wer Hannover kennt, dem gefällt's überall" Anfang der Achtziger live von den 3 Tornados gehört. Tat mir schon ein bisschen leid für die Niedersachsen ausse "tiefe Bene", die von den alternativen Durchblickern ins 'Café Einstein, da müssen sie hin' geschleppt wurden. Hat halt jeder sein Bündel zu tragen. Grüße aus der Hauptstadt & Weihnachten im Satire-Blog: barspiegel.blogspot.com/ |
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Och, ich bitte Euch... über Hannover und Niedersachsen gibt's soviele schön platte Klischees, und Ihr kriegt bei einem 'A-Z' nur mickrige 10 Einträge zusammen. Jetzt bin ich als Hannoveraner persönlich beleidigt... nachdem man schon im hier verlinkten 'A-Z der schlimmen Orte' schändlich ignoriert wurde.
Und wer stilecht basht, erwähnt bei 'Zahlen' auch nicht die Population der Kühe, sondern die der Schweine. Davon gibt's in Niedersachsen nämlich Gerüchten zufolge mehr als Menschen - Schnittmengen nicht mitgezählt. |
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Darf man in einem Land rechtsstaatliche Wunder erwarten , dessen Staatsanwaltschaften faktisch Teil der Exekutive, den Justizministern unterstellt und weisungsabhängig sind, und dessen Medieneigner - im Falle Ihres eigenen, privaten Interesses- sich als Ankläger der sogenannten Eliten aufspielen dürfen ?
Auch nicht neu: www.juergen-roth.com/deutschlandclan.html Hannover ist überall in diesem Land. |
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Hannover, wie ich es sehe:
dinkelschnitte.wordpress.com/2011/10/20/blinkis-urlaubssimulator-7/ gute reise. |
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24.05.2012
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Na, wie war's in der Schule