Alltag

Statussymbol | 14.12.2011 10:54 | Jan Pfaff

Deine Partei, meine Partei

Wer es als Promi geschafft hat, zeigt das nicht mehr, indem er mit großen Autos und schönen Frauen protzt. Er droht lieber mit einer eigenen Partei – so wie Bushido

Bushido hat es eigentlich geschafft. Nicht nur hat er einen "Bambi für Integration" im Trophäenschrank stehen, nein, er ist auch dem Getto seiner Jugend – Berlin-Tempelhof! – entkommen und wohnt mit Mutter, Freundin und drei Labrador-Hunden nun in einem Haus im ruhigen Lichterfelde-West. Dort kümmern sich die Frauen um die Wäsche, aber er packt mit an, wenn es gilt den Korb mit der Dreckwäsche in den Keller zu tragen. Das wissen wir, weil die Chefreporterin der Welt am Sonntag ihn jetzt zuhause besuchte und ein bemerkenswertes Interview führte. Für Aufsehen hat ein Zitat gesorgt. "Ich werde definitiv eine Partei gründen", kündigte Bushido an.

Wie, der Rüpelrapper will jetzt auch in die Politik? Bisher war die Drohung mit einer eigenen Partei ja gescheiterten Ex-Politikern vorbehalten – Oskar Lafontaine, Gabriele Pauli, Karl-Theodor zu Guttenberg. Dessen Koketterie mit der Parteigründung aus dem amerikanischen Exil heraus könnte aber der Wendepunkt gewesen sein. Die eigene Partei ist – das hat Bushido ganz richtig erkannt – nicht mehr das Vehikel zur Umsetzung politischer Ideen. Sie ist ein Statussymbol, an dem sich bemisst, welchen Celebrity-Status der Promi genießt. Kann er mithilfe langer Interviews und hoher Buch-/Platten-Ver­käufe genug Anhänger mobilisieren, erschreckt er zumindest die etablierten Parteien und beschäftigt ein Heer von Politik-Redakteuren wochenlang mit Spekulationen.

Vor seinem Haus in Lichterfelde-West hat Bushido, entnehmen wir dem Interview, auch einen hochgetunten 500-PS-Mercedes stehen. Aber das ist ja mehr so ein Statussymbol von gestern ...

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Nietzsche 2011 schrieb am 14.12.2011 um 12:15
Als Ober-Proll kann er sich ja produzieren. Integrieren - was er ohnehin nie im Sinne hatte - wird er mit "seiner" Partei jedenfalls nicht.
Armes Deutschland.
Peter Knobloch schrieb am 14.12.2011 um 13:37
Das mit dem Integrationspreis ist ohnehin eine Farce!
Der Mann ist ein Deutscher. Er hat einen tunesischen Vater und eine deutsche Mutter, bei der er aufgewachsen ist. Seinen Vater kennt er nicht, da sich seine Eltern sich früh getrennt haben. Tempelhof ist weiß Gott kein schöner Bezirk, aber alles andere als ein Ghetto. (Die Mehrheit dort wählt CDU). Auf mich wirkt dort alles ziemlich arbeiterklasse Deutsch.
Was Ihn zu einem wirklichen Ausländer macht, ist allein das Image mit dem er sich produziert. Seine Sozialisation ist deutsch! Weil er dazu noch oft genug ins Sonnenstudio geht, nehmen viele ihm dieses Image auch ab, was unseren latenten Rassismus widerspiegelt.
Der Typ hat bis zur 12. Klasse das Gymnasium besucht, hat geschmissen, weil er Flausen wie Graffiti im Kopf hatte – dementsprechend hat er übergangsweise eine Malerausbildung angefangen. Weil er clever ist, hat er bemerkt, dass er sich im Hiphop als "Kanake" vermarkten kann. Hört man Demotapes von 1999, merkt man, dass diese Idee relativ plötzlich entstanden sein muss. Die Hälfte der Songs kommt ohne Schimpfworte aus, und wirkt eher sozialkritisch ... aber das verkauft sich halt nicht so gut wie ein Straßen-Araber-Image.
Traurig, dass so ein Heuchler einen Integrationspreis gewinnt.
apatit schrieb am 14.12.2011 um 16:00
"Ober-Proll" ist doch ehrenwert, auf diesen Titel hat der Bushido keinen Anspruch.
KalleWirsch schrieb am 20.12.2011 um 10:56
@Peter Knobloch

Uneingeschränkte Zustimmung.

Aber die allergrößte Heuchelei ist der Integrationspreis an sich.


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