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Ich spekuliere nicht mehr an der Börse. Vor einer Woche habe ich Schluss gemacht. Den größten Teil meiner Aktienpakete habe ich verkauft. Im Nachhinein betrachtet gerade noch rechtzeitig. Eine Milliarde Euro habe ich jetzt ganz konservativ angelegt. Dafür sind mir fünf Prozent per anno sicher, also 50 Millionen. http://bilder.net/geld,klopapier.jpgDarauf zahle ich die Zinsertragssteuer von 25 Prozent. Also bleiben mir noch 37,5 Millionen. Monatlich sind das etwas mehr als drei Millionen. Nicht besonders viel, aber dafür muss ich keinen Finger mehr krumm machen. Lange genug war ich ein Leistungsträger dieser Gesellschaft, der nicht ins Ausland abgewandert ist. Mit diesen monatlichen Zuflüssen komme ich so hin. Denn wer etwas mehr besitzt als der Durchschnitt, benötigt Personal für Haus und Garten. So schaffe ich auch im Ruhestand Arbeitsplätze. Nicht sehr viele, das gebe ich zu - aber immerhin. Mich stört es eigentlich nicht, dass meine Zinseinnahmen von den Kleinschuldnern bezahlt werden, die derzeit rund 15 Prozent entrichten, wenn sie ihr Konto überziehen. Ohne meine Geldanlage und die meiner Freunde würde die Bank Kredite nicht so günstig gewähren können. Wir tragen einerseits zur Bankenstabilität bei und verhelfen andererseits den Kleinkonsumenten zu ihrem Glück. Würden unsere Steuern gesenkt werden, könnten wir noch ein bisschen mehr tun für die Allgemeinheit. Aber leider: Nicht alle Politiker verstehen etwas von Geld.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.