Achtermann

Der Schatten in mir

13.07.2011 | 12:48

"Wir. Dienen. Deutschland.", neuer unaufrichtiger Slogan des Militärs

 

 

Der Slogan zum Bundeswehr-Logo, Claim genannt, wurde mit Abschaffung der allgemeinen  Wehrpflicht geändert. Aus dem bisherigen Zusatz Karriere mit Zukunft wurde Wir. Dienen. Deutschland. Der nun ersetzte Claim hatte einen politischen Neutralitätscharakter. Jede Bank, jeder Lebensmitteldiscounter hätte mit ihm werben können. Der Aldi-Konzern bewirbt junge Leute derzeit so: Karriere ist eine Gerade. Inhaltlich nicht weit entfernt von dem, wie die Bundeswehr bisher ihr Selbstverständnis kommunizierte. Sie versprach eine Karriere, eine Laufbahn, so wie sie im gewöhnlichen Berufsalltag sich vollziehen kann, wenn man ein wenig Glück hat. Die hervorgerufene Assoziation des alten Claims war Teil ihres Selbstverständnisses: Nicht anders sein zu wollen als sonstige Institutionen, in denen Bürger ihr Geld verdienen, nur in Uniform eben.

Am 4. Juli nun stellte der Bundesminister der Verteidigung, Thomas de Maizière, die neue Botschaft der Bundeswehr vor: Wir dienen Deutschland. Diese Botschaft wurde zu einem Sound verarbeitet, jedes Wort wurde zum Satz, zumindest optisch: Wir. Dienen. Deutschland.

De Mazière bezeichnete diesen Claim als die neue Kernbotschaft der Bundeswehr. Das 'Wir' stehe für die ganze Gesellschaft. Es stehe aber auch für gelebte Kameradschaft, es schließe niemanden aus. 'Dienen' sei eine gute Sache. "Wir dienen treu auf der Grundlage unseres Grundgesetzes. Wir dienen freiwillig und selbstbewusst. Dieser Dienst fordert und erfüllt uns mit Stolz. Wir dienen mit unseren individuellen Stärken, ehrenvoll und – wenn es im äußersten Fall gefordert ist – unter Einsatz unseres Lebens.“, sagte de Maizière. Und 'Deutschland', meinte der Minister, sei unsere Heimat. Diese teilweise moralischen Ansprüche sollen die Freiwilligen also locken.

Die andere Seite ist diejenige, die der frühere erste Repräsentant dieses Deutschland in einem Interview kundgab und zum äußeren Anlass seines Rücktritts wurde: „Meine Einschätzung ist aber, […] dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege,[…]“. Diese einfache Wahrheit wurde zu einem etwas zu frühen Zeitpunkt ausgesprochen, von einer Persönlichkeit, die zu diesem Moment den allgemeinen Politikbetrieb mit verbalen Schmiermitteln nicht genügend versorgte.

Nur wenige Monate später gab das Verteidigungsministerium handlungspolitische Maximen heraus, die Köhlers Gedanken beinhalten: Offizielles Bundeswehr-Ziel ist nun "einen freien und ungehinderten Welthandel sowie den freien Zugang zur Hohen See und zu natürlichen Ressourcen zu ermöglichen."  In den am 18. Mai dieses Jahres veröffentlichten Verteidigungspolitischen Richtlinien wird  dieses Ziel nun amtlich:

 "Freie Handelswege und eine gesicherte Rohstoffversorgung sind für die Zukunft Deutschlands und Europas von vitaler Bedeutung. Die Erschließung, Sicherung von und der Zugang zu Bodenschätzen, Vertriebswegen und Märkten werden weltweit neu geordnet. Verknappungen von Energieträgern und anderer für Hochtechnologie benötigter Rohstoffe bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Staatenwelt."

 Man merkt, es geht nicht so sehr um die abstrakten Rechte der Demokratie, die im Grundgesetz niedergelegt sind. Das Sicherheitsinteresse liegt mehr im wirtschaftlichen Bereich. Die Menschenrechte international durchsetzen zu wollen, auch ein angebliches Aufgabenfeld des Militärs, hat wohl eher eine textliche Zierfunktion. Ob das Respektieren des Völkerrechts noch eine Rolle spielt, wenn die Einverleibung der Rohstoffe infrage gestellt sein sollte, bleibt offen. Der Auftrag der Bundeswehr ist nicht mehr die Landesverteidigung, das gesteht sie auch ein. Verteidigt werden sollen die Interessen der rohstoffverarbeitenden Industrien sowie deren Vertriebswege. Man ist eingebunden in die Nato, und jeder Staat, dessen Kapitaleigner wirtschaftliche Vorteile haben, hat seinen militärischen Anteil beizutragen.

 Deshalb ist der Slogan Wir. Dienen. Deutschland. nicht aufrichtig. Zwischen einem zockenden und spekulierenden Investor und einem Hartz-IV-Empfänger besteht keine Wir-Beziehung. Letzterer wird eher an die militärische Front gelockt, um die Interessen des Ersteren zu wahren, und sei es mit dem Verlust seines Lebens.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.07.2011 um 13:44
sehr schön "rund" beschrieben. auch die Logik stimmt. Und falls sich nicht genug "Freiwillige" (wirtschaftliche Erwägung) finden oder die Karre in den Graben gefahren wird, ist die Wehrpflicht ganz schnell wieder eingeführt. Interessant wäre auch wie das Kündigungsrecht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer juristisch fixiert wird. In den USA und England ist es schwer aus diesen Verträgen wieder heraus zu kommen, in den USA würde ggf auch vor Haftstrafen für "Freiwillige", die es sich nach einem Einsatz anders überlegen, nicht zurück geschreckt. Also so gesehen ist das mit dem "Wir" eher Bauernfängerei.
Achtermann schrieb am 13.07.2011 um 14:34
Die Bundeswehr sagt den künftigen Freiwilligen zu, nach sechs Monaten sich neu entscheiden zu können. Und dann herrsche Vertragsgültigkeit. Nichts habe ich darüber entdeckt, wie ein dann gültiger Vertrag aufgelöst werden kann. Wenn ein Auslandseinsatz bevorsteht, könnte sein, dass einem die Lust am Dienen abhanden kommen könnte...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.07.2011 um 15:10
@Achtermann

In Deutschland scheint es doch einfacher zu sein als in den USA & UK aus einem Vertrag heraus zukommen. Schliesslich ändern manche erst ihre Meinung wenn sie auf der Realität aufprallen. Trotzdem werden sicherlich einige Hürden installiert, z.B. wenn jemand eine Ausbildung bei der BW gemacht hat: Kostenersatz / Entschädigung usw.

Das Soldatengesetz sagt z.B. in §55 (3)
Ein Soldat auf Zeit ist auf seinen Antrag zu entlassen, wenn das Verbleiben im Dienst für ihn wegen persönlicher, insbesondere häuslicher, beruflicher oder wirtschaftlicher Gründe eine besondere Härte bedeuten würde.
oder §46 (7)
Ein Berufssoldat (gilt wohl auch für Soldat auf Zeit) ist zu entlassen, wenn er als Kriegsdienstverweigerer anerkannt ist; diese Entlassung gilt als Entlassung auf eigenen Antrag....

mehr dazu im Link unten:
Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz - SG)
neugefasst durch B. v. 30.05.2005 BGBl. I S. 1482; zuletzt geändert durch Artikel 2 G. v. 28.04.2011 BGB / Rechtsstellung der Soldaten
"Beendigung des Dienstverhältnisses"
Joachim Petrick schrieb am 13.07.2011 um 16:50
@sachima

eher geht de Maziere durch ein Nadelöhr, als dass die ausgesetzte Wehrpflicht wieder eingesetzt wird.

Nein, dann kommen die Billig- Lohn Hilfssoldaten/innen, u. a. rekrutiert aus der Ukraine, Libyen, Tunesien, Algerien, Ägypten?
Joachim Petrick schrieb am 13.07.2011 um 16:23
@Achtermann

Und 'Deutschland', meinte der Minister, sei unsere Heimat. Diese teilweise moralischen Ansprüche sollen die Freiwilligen also locken.

Der Minister de Maiziere meint wohl mit Heimal, Deutschland AG als Dienstherrn/-herrin

Slogan:
"Geben Sie ihrer Karrirere mit der Bundeswehr als Brückendienstleister eine Chance ins Jenseitige, in rechtsfreie Räume in Kaukasien, Afrika, Arabien, Asien, in den gerade durch die G- 20 Staaten ausbaldowerten Weltkriegs- Schlachtenfelder Gebiete unserer Neuen Zeit?

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/rating-agenturen-die-nine-eleven-nuetzlichen-krisen.org-idioten?

13.07.2011 | 15:55
Rating Agenturen, die Nine Eleven nützlichen "Krisen.org" Idioten?
ezb fed japan china deflation euro dollar yen griechenland pleite giipsstaaten kommandowirtschaft schuldenbremse eu schäuble rettungsschirm banken ratingagenturen staatsanleihen eurobonds sofin bafin standard&poor`s moody fitch

Früher wurden Welparteien, wie die KPdSU. die NSDAP gegründet, heute werden Rating Agenturen gegründet, die Werte der Staaten, , Länder, Völker der Welt zu deuten?

Wurden Rating Agenturen Standard & Poor`s, Moody, Fitch nach Nine Eleven als "www.krisen.org" gebraucht?
Joachim Petrick schrieb am 13.07.2011 um 16:37
korekt:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/rating-agenturen-die-nine-eleven-nuetzlichen-krisenorg-idioten?

13.07.2011 | 15:55
Rating Agenturen, die Nine Eleven nützlichen "Krisen.org" Idioten?
ezb fed japan china deflation euro dollar yen griechenland pleite giipsstaaten kommandowirtschaft schuldenbremse eu schäuble rettungsschirm banken ratingagenturen staatsanleihen eurobonds sofin bafin standard&poor`s moody fitch

Wurden Rating Agenturen Standard & Poor`s, Moody, Fitch nach Nine Eleven als "www.krisen.org" gebraucht?

Früher wurden sogenannte Weltpartei Agenturen, wie die KPdSU. die NSDAP gegründet, heute werden Rating Agenturen gegründet, die Werte der Staaten, Länder, Völker der Welt, verdunkelt ins Nebulöse von ideologischen Unschärfen, nicht nur zu deuten, sondern globalwirtschaftlich finanzpolitisch zu kommandieren?
Achtermann schrieb am 13.07.2011 um 17:09
@ Joachim Petrick

Die kapitalistisch agierenden Rating-Agenturen haben eine Entsprechung in der Bertelsmann-Stiftung. 2006 brachte diese das Papier Die Kosten des Nichthandelns heraus. Darin heißt es:

Die zentralen Bedrohungen der heutigen Zeit heißen transnationaler Terrorismus, Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Staatsscheitern, regionale Konflikte, Organisierte Kriminalität und Energiesicherheit. Mit "Energiesicherheit" sind natürlich die Rohstoffe gemeint.

Daraus wurde dann geschlussfolgert: Europa benötigt eine größere Zahl von in Krisengebieten weltweit einsatzfähigen Kräften, vor allem, wenn mehrere Missionen gleichzeitig durchgeführt werden sollen. Die von mir im Blog zitierten Verteidigungspolitischen Richtlinien, die jetzt vom Verteidigungsministerium herausgebracht wurden, unterscheiden sich von dem Bertelsmann-Papier nicht. Hier wie dort wird auf eine enge europäische militärische Zusammenarbeit mit Arbeitsteilung als notwendig erachtet. Der Umbau der Bundeswehr folgt dem Bertelsmann-Papier.
Joachim Petrick schrieb am 13.07.2011 um 17:54
@Achtermann

Danke für die interessante Einlassung.

siehe dazu:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/lohnarbeit-der-weltliche-ablasshandel-unserer-zeit

13.07.2011 | 01:09
Lohnarbeit, der weltliche Ablasshandel unserer Zeit?
arbeitsethos arbeit lohnarbeit sinnstiftung unsinn ablass ablasshandel arbeitnehmer arbeitgeber unternehmer kommunen

"Sinn" der Lohnarbeit als ausgemachten Unsinn entlarvt?

Hält Lohnarbeit von der eigentlichen Arbeit ab?

Machen Sie mit mir eine kleine Gedanken Abenteuer Reise, ein Gedankenexperiment, über ausgemachten Unsinn der Lohnarbeit sinnend, den Sinn des Wertes von Arbeit an sich, archäologisch schürfend, wieder auszugraben.

Meine steile These:

"Der Mensch an sich arbeitet, von der Wiege bis zur Bahre, erst durch die Lohnarbeit unterbricht er die Arbeit an sich"

Gerade bei dem Zusammenhang mit Sold zeigt sich doch, wie Lohn als Ablasshandel wirkt!, sich selber die eigene Schuld auf Lebenszeit ,samt Nachkommenchaft tilgend, Schuld zu vergeben, ohne dass die Beichte abgenommen, ein Priester in der Nähe sein muss, um klerikalen Ablass von Schuld, Sünden zu gewähren, oder?
Gold Star For Robot Boy schrieb am 13.07.2011 um 16:34
Das Militär ist selten aufrichtig.
Danke für den Artikel.

Wir.töten.für.Wirtschaftsinteressen.
Joachim Petrick schrieb am 13.07.2011 um 16:46
@Gold Star For Robot Boy s

bei gleichzeitigem Abbau des Personalbestandes der Bundeswehr, geht es wohl mehr vor Ort bei Auslandseinsätzen, wie in Afghanistan, um das Ausbilden von einheimischen Killern, die dann später auf anderen Kriegsschauplätzen bei Söldnerarmeen Marke Blackwater landen?

Auf jeden Fall zahlt der deutsche Steuerstaat die Ausbildung dieser Killer
Achtermann schrieb am 13.07.2011 um 17:14
@ Gold Star For Robot Boy

Wir. Dienen. Kapitalinteressen
claudia schrieb am 13.07.2011 um 21:56
>Wir.töten.für.Wirtschaftsinteressen.<
Nur echt mit den Pünktchen.
Achtermann schrieb am 13.07.2011 um 17:25
claudia schrieb am 13.07.2011 um 22:51
Die Bundes"wehr" war für den kalten Krieg konzipiert:
Drohpotential stetig vergrössern ("Wettrüsten") und möglichst viele Soldaten gegeneinander aufstellen.
Heute sind Kriegsdienstleister für das Kapitalrenditewachstum gefragt, wie von Bertelsmann beschrieben. Es liegt auf der Hand, dass diese Art von Kriegsdienstleistung anders organisiert wird.

Ich denke auch, dass das mit der Zeit immer mehr durch kapitalistische Kriegsdienstleistungsfirmen übernommen werden wird. Eine Berufsarmee könnte wie Wasserwerke oder Verkehrsbetriebe an beliebige "Investoren" verhökert werden.

Für Einsätze gegen Armutsaufstände im Lande können die Dienstleister von einer Regierung beauftragt werden. Wegen der zeitlichen Begrenzung der Aufträge könnte das billiger sein als eine staatliche Kriegsdienstleister vorzuhalten.
Eine private Kriegerfirma kann heute für einen europäischen Ölkonzern, morgen für eine chinesische Minengesellschaft und übermorgen für eine Regierung arbeiten.

Das Schaffen von Eingreifgründen und der Eingriff selbst kann von der gleichen Firma erledigt werden.
Achtermann schrieb am 14.07.2011 um 06:01
@ claudia

In Afghanistan sind mittlerweile mehr Mitarbeiter von Söldnerfirmen und militärischen Dienstleistern tätig als US-Soldaten. Auch Blackwater ist dabei. Mitarbeiter des Konzerns sind angeblich dafür zuständig, die Drohnen der CIA aufzumunitionieren, die für die Jagd auf Al-Qaida- und Talibanführer im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet eingesetzt werden.

Otfried Nassauer, Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit - BITS (2009)

www.tagesspiegel.de/politik/international/blackwater-eine-firma-fuer-die-drecksarbeit/1586544.html
Achtermann
Ich lass' mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen.
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