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Die Wahlen laufen weiter, mit, soweit ich lese, guter Beteiligung. Teilweise lange Schlangen vor den Wahllokalen, hier und da wird über Missstände berichtet, aber nicht über massive Wahlfälschungsversuche.
Wer wählt - alle, offensichtlich. Gestern erreichte mich bei Twitter ein Photo, dass mir so typisch erschien, dass ich mir die Erlaubnis erbat, es hier einzustellen:

(Photograph - alle Rechte: Mosab Elshamy)
Zwei Nonnen, zwei Hijabis und eine Niqabi. Ägypten, Dezember 2011.
Vor Januar wird es kein endgültiges Wahlergebnis geben, aber nach dem ersten Wahlgang war wohl schon recht deutlich, dass es keine Regierung ohne Beteiligung einer islamischen Partei geben wird. Die Verrenkungen, die schon jetzt teilweise im Ausland gemacht werden, um die jahrelang in schönstem Einvernehmen mit Mubarak verfemten und verfolgten Muslimbrüder zu akzeptieren, weil man an ihnen nicht vobeikommen wird, beobachte ich teils mit Zynismus, teils mit Verachtung - sorry.
Wenn mich etwas wunderte, dann die teilweise Überraschung, dass die neuen Parteien so schlecht abschnitten. Leider vernahm ich die auch von Teilen dieser Parteien bzw. ihrer Unterstützer. Das ist die Folge davon, wenn sich eine kleine, westlich denkende Elite für Ägypten hält. Ägpyten sind aber eben nicht nur diese netten, adretten Leute. Ägypten sind die vielen Millionen gläubiger Muslime. Und die stellten fest, dass nun Leute zur Wahl stehen, die sie aus der Moschee kennen, die immer schon ein offenes Ohr für ihre Probleme hatten, denen sie zutrauen, nicht korrupt zu sein. Also werden die gewählt.
Dabei schneiden z.T. die Salafi besser ab als die Muslimbrüder. Warum? Da gibt es verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Die Salafi wurden von Mubarak weit weniger gehasst und verfolgt, als die MB - weil sie sich religiös begründet auf den Standpunkt stellten, sich nicht gegen die Regierung auflehnen zu dürfen. Damit leiden sie jetzt nicht unter den Folgen der Hasspropaganda des alten Systems, das die MB seit Jahren im In- und Ausland verteufelte.Und: die MB gehören viel mehr zur akademischen Mittel- und Oberschicht - das lässt manche Wähler wohl eher zu den ihnen näher stehenden Salafi abwandern.
Andererseits sollen sie auch von ehemaligen Mubarak-Anhängern unterstützt werden - eine Vermutung, die ich las, ohne dass ich sie widerlegen oder bestätigen könnte.
Dieser Artikel ist nur mal ein kurzer Zwischenruf, ich ergänze ihn mit einer Reihe von links, die ich in den letzten Tagen sammelte - für weiteres Studium.
Why Islamists are better Democrats (Time)
www.economist.com/node/21541440
english.ahram.org.eg/News/28235.aspx
www.arabmediasociety.com/?article=712
carnegie-mec.org/publications/?lang=en&fa=46152
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Ich auch.
Das Hauptproblem ist aber m.E. die derzeitige Militärregierung, die sich mit der Abgabe von Macht sehr schwer tut und sich vor Übergabe ans gewählte Parlament etliche Rechte sichern wollte. Dabei waren sie so gierig, dass selbst die FJP, die viel Wert auf Stabilität legt, ihnen die Zusammenarbeit bei den Vorbereitungen aufgekündigt hat. Gerade jetzt gibt es wieder Demonstrationen vor dem Regierungsgebäude, und die Militärs lassen prügeln. |
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Ein Blogeintrag, der sich auch mit dem Thema beschäftigt, sehr lesenswert.
blogs.cfr.org/husain/2011/12/15/should-we-fear-the-muslim-brotherhood/ Die Einleitung lies mich lächeln - weil es so sehr stimmt. Vor einem Jahr wäre ich für einen ähnlichen Artikel wie den obigen virtuell gesteinigt worden: "In the past when I visited Cairo people would only whisper the name of the then-banned Muslim Brotherhood for fear of unwanted attention from the authorities. Not anymore. The movement now stands on the point of sharing power in Egypt and shaping the future of the country and the wider region. The mothership of all Islamist movements, its political offspring have already won office in Gaza, Turkey, Morocco, and Tunisia." |
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Artikel über einen Richter, der schon die Proteste gegen Mubarak mitführte. Aufgrund seiner Stellung und politischen Laufbahn könnte er im neuen Parlament eine größere Rolle spielen - Mahmoud El-Khodeiry
english.ahram.org.eg/News/29350.aspx “As an MP, I will be concerned with two main things: making bread available to all people so as to establish what we call ‘food security,’ and making every citizen feel safe in the streets,” he explained. “Any party that achieves power and fails to make these two things priorities will be snubbed by the people within a few months because the hungry won’t wait.” “I personally believe the best example of Islamic-oriented political rule exists in Turkey, which puts feeding the hungry first,” El-Khodeiry said. “I visited Turkey three times and remember seeing many unveiled women in the streets – just as one would expect to see in Europe.” |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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