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Politik : Kollateralschäden

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Eine Journalistin unter Hausarrest, ein zweiter, dem sie Informationen weitergegeben haben soll, vorsichtshalber von seiner Zeitung nach London ins Asyl geschickt. Es geht hauptsächlich um einen Artikel, „Licence to Kill“, der sich mit gezielten Tötungen durch das Militär befasst. Welches Land mag das wohl sein? Russland? Amerika? China?

Nein, es ist „die einzige Demokratie im Nahen Osten“. Es geht um Uri Blau von der „Haaretz“ und die junge Journalistin Anat Kam. Sie wurde im Dezember verhaftet, weil sie angeblich militärische Dokumente kopiert und anderen zugänglich gemacht haben soll. Das könnte ihr 14 Jahre Gefängnis einbringen. Blau war zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung in China, sein Arbeitgeber hat ihn anschließend nach London versetzt – um ihm die Möglichkeit zu erhalten, in Freiheit zu schreiben.

Blau recherchiert und schreibt neben anderen, in Israel oft heißen Themen, auch über die Praxis angeordneter Tötungen ohne Gerichtsverfahren oder Urteil. Er soll von Anat Kam Informationen bekommen haben, dass Morde an palästinensischen Politikern und Kämpfern monatelang im Voraus geplant, aber dann als Tod bei Verhaftung deklariert werden. Dabei kommen auch immer wieder Unbeteiligte zu Tode – auch Kinder. Kollateralschäden?

Über die Affaire Kam darf in Israel laut einer „Gag order“ nicht berichtet werden. Gegen diese Zensur wird eine Klage ab dem 12. April verhandelt. Das Verfahren gegen Kam ist für den 14. April angesetzt. Es wird spannend sein, zu sehen, ob die israelische Öffentlichkeit dann über diese Praktiken mehr erfahren darf. Die Pressefreiheit dieser angeblichen Demokratie – auch ein Kollateralschaden?

www.guardian.co.uk/world/2010/apr/02/israeli-journalist-anat-kam-house-arrest

www.ipsnews.net/news.asp?idnews=50903

www.lemonde.fr/proche-orient/article/2010/04/03/l-histoire-que-la-presse-israelienne-ne-peut-pas-encore-raconter_1328302_3218.html

www.shortnews.de/id/824631/Israelische-Journalisten-befuerchten-Strafe

N.B.: Ich habe die Shortnews-Meldung verlinkt - weil ich nach einer deutschsprachigen Quelle suchte. Falls jemand noch eine andere findet, würde mich das freuen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.