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Kultur : Unwörter

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Das Unwort des Jahres ist, laut Pressemitteilung des Instituts für Sprach- und Literaturwissenschaft von heute, „Dönermorde“. Dem kann ich gut zustimmen, ich fand auch, dass diese Verharmlosung einer Mordserie lange genug gedauert hat. Eine Mordserie, der weder Döner zum Opfer fielen noch als Mordwaffe benutzt wurden, wie es jemand zusammenfasst.

Jedoch, erst mit dem Tod der zwei Haupttatverdächtigen und ihrer hinterlassenen Geständnisse kam die Einsicht über die Widerlichkeit dieser Bezeichnung. Zuvor, seit mehreren Jahren, war dieser Begriff sowie die Bezeichnung einer Ermittler-Gruppe als „SoKo Istanbul“ kommentarlos hingenommen und von der Presse teils mitbegründet, teils weiterverwendet worden.

Die Auswahl zum Unwort des Jahres ist daher in meinen Augen ein wenig dem sich bildenden schlechten Gewissen geschuldet. Hätte ich die Verwendung im letzten Jahr gerügt, hätte es vielleicht wieder geheißen, „stell’ dich nicht so an“, „sei doch nicht so empfindlich“ – oder: „blöde PC“.

Sprache – die Einstellung, die sie erzeugen kann, die Gewalt, die mit Sprachgebrauch ausgeübt wird, die Herrschafts-(sic!)Ansprüche, die durch sie begründet werden, ist ein interessantes Thema. Wer bestimmt, wer was sagen darf, wer darf – und kann – sich dagegen wehren?

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