Andreas Kemper

Blog von Andreas Kemper

25.09.2011 | 07:42

Facebook - Die Zivilgesellschaft ist gefragt

Am Wochenende sollte ich bei Facebook sensible Daten bestätigen, die angeblich angebliche Freunde über meinen Wohnort und meinen Arbeitsplatz angegeben haben: Arbeitest du dort? Bestätige! Wohnst du dort? Bestätige! Selbst eine angebliche politische Betätigung sollte ich bestätigen. Es reicht.

Ich habe nichts gegen Soziale Netzwerke, sondern finde sie sehr praktisch. Das Problem ist die zentralisierte Datensammlung. Und die Monopolisierung. 90% der Zeit in Sozialen Netzwerken wird bei Facebook verbracht. Und Zuckerberg hat diese Woche angekündigt, dass die Datensammlung bei Facebook jetzt erst richtig losgeht.

Mein Problem ist dabei nicht nur, dass Facebook Daten über mich sammelt, sondern auch eine zunehmende Abhängigkeit von Facebook. Nicht bei Facebook zu sein, kommt zunehmend einem sozialen Ausschluss gleich, vor allem, wenn man viel im Internet unterwegs ist. Was passiert, wenn Facebook weiterhin ungebrochen an Gewicht gewinnt, wenn seine "Schwerkraft" zunimmt und immer weitere Menschen und Teile der Gesellschaft in seinen Orbit "saugt"? Was passiert, wenn man dann bei Facebook seinen Account verliert? Es ist dann nicht nur problematisch, bei Facebook registriert zu sein, sondern es könnte sich irgendwann als problematisch erweisen, nicht bei Facebook registriert zu sein.

Wie dem auch sei: Dieses Wochenende hat Facebook für meinen Geschmack eine Grenze zuviel überschritten. Ich möchte nicht mit echten oder angeblichen Freunden in einen Konflikt geraten, weil sie über Facebook Daten über mich veröffentlichen. Das Problem sehe ich nicht allein im "bösen Facebook", sondern in der Monopoliserung, die mit Sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+, Xing, StudiVZ, etc. einhergeht. Daher wäre Google+ auch keine Alternative zu Facebook. Die Alternative besteht in Projekten wie Diaspora*, welche Open-Source-Programme entwickeln, die es ermöglichen, "eigene" Soziale Netzwerke zu betreiben, die kompatibel sind mit Sozialen Netzwerken auf anderen Servern.

Aber um diese Idee der dezentralen, kompatiblen und auf Open-Source basierenden Netzwerken voranzubringen, müssen nun kompetente Organisationen, Gruppierungen und Institutionen dazu gebracht werden, diese Sozialen Netzwerke zu installieren und ihre Communities dazu zu ermuntern, diese auch zu nutzen.

Ich habe daher einen Aufruf an Hochschulen aufgesetzt, der unterschrieben werden kann:

Aufruf an die Hochschulen:
Schafft kompatible dezentrale Soziale Netzwerke!

Studierende und Hochschulen hatten bislang eine Vorreiterrolle bei der Etablierung internetgestützter Sozialer Netzwerke.
Soziale Netzwerke (Facebook, Xing, StudiVZ, Google+, etc.) sind untereinander nicht in der Weise kompatibel, wie wir dies von Telefonen und E-Mails kennen.
Mit Sorgen beobachten wir eine Monopolisierung, die mit der zentralen Sammlung individueller Daten einhergeht.
Wir fordern die Hochschulen auf, dezentralisiert kompatible Soziale Netzwerke für die eigene Hochschul-Community zu etablieren und die Studierenden und Beschäftigten der Hochschule mit einem entsprechenden Zugang in der Weise auszustatten, wie sie auch bereits E-Mail-Accounts erhalten. Diese Sozialen Netzwerke sollten auf frei zugänglichen Programmen (wie bspw. Diaspora*) beruhen, die eine Kompatibilität auch über den Hochschulbereich hinaus ermöglichen.

Diesen Aufruf findet ihr hier: Aufruf an die Hochschulen

Die Idee hinter diesem Aufruf ist, dass Soziale Netzwerke wie Facebook und StudiVZ ihren Anfang auch an Hochschulen nahmen und Hochschulen in besonderer Weise geeignet sind, Soziale Netzwerke zu generieren. Wenn Hochschulen an ihre Studierenden und Beschäftigen Accounts für die je eigenen Sozialen Netzwerke ausgeben und über diese Netzwerke relevante und interessante Informationen weitergeben, dann könnte genau die kritische Masse an Teilnehmern und Teilnehmerinnen geschaffen werden, die sich derzeit nicht bilden lässt für ein dezentrales Netzwerk wie Diaspora*.

Aber auch andere Institutionen der Zivilgesellschaft sind gefordert. Jede größere NGO müsste dazu imstande sein, ein eigenes Netzwerk mit dem Diaspora*-Programm zu installieren. Und auch Verlage und Zeitschriften wären dazu in der Lage, ebenso Kirchen und Parteien. Soweit ich weiß, hat aber noch nicht einmal die Piraten-Partei ein dezentral-kompatibles Soziales Netzwerk. Daher ist es kein Wunder, dass Facebook immer mehr an Gewicht gewinnt und die Verärgerten bestenfalls zu Google+ abwandern.

Wir können dafür sorgen, dass die Zivilgesellschaft sich ihre eigenen miteinander vernetzten Sozialen Netzwerke schafft, statt nur darüber zu jammern, dass Facebook schon wieder neue Maßstäbe in der Datensammlung setzt.

 

 
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Kommentare
hadie schrieb am 25.09.2011 um 10:13
Alternative Netzwerke gibts schon, z. B. Diaspora und Geraspora (wo es sogar eine Migrationsfunktion für Fratzenbuch-Aussteiger gibt).
LuGr schrieb am 25.09.2011 um 11:01
@hadie: Ja, gibt es schon - wird ja auch im Artikel geschrieben ;).

Ich verstehe allerdings nicht so recht den Aufruf. Ein "alternatives" soziales Netzwerk zu schaffen, zunächst uni-spezifisch, welches sich dann auf die ganze Gesellschaft ausdehnen soll, ist lobenswert. Allerdings - und das sind die Knackpunkte - stellen sich mir dabei folgende Fragen:

1.) welche Hochschule tut diesen gesamtgesellschaftlichen Dienst, wenn finanziell gar nichts zurückkommt?
2.) wie erreicht man diese "kritische Masse an Teilnehmern"?

In der heutigen, vernetzten Gesellschaft ist es schwerer als noch vor 5 Jahren, ohne großes Werbebudget und PR-Maßnahmen - also beides Dinge, die sehr viel Geld kosten, welches bei einer Open Source-Software unwiederbringlich ausgegeben wird - für "noch so ein soziales Netzwerk" zu werben, wie sich der gemeine und bequeme VZ- oder Facebook-Nutzer sagen wird.

Deswegen: Wenn sich freiwillig ein Wohltäter findet, der fortwährend auch zu Administrationszwecken bereit ist, sehr viel Geld auszugeben dafür: super. Sonst: nette Idee, aber wird wohl leider nichts.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 12:01
Hallo LuGr,

ich denke, dass die Hochschulen ein Interesse daran haben, über eigene Soziale Netzwerke zu verfügen. Sie statten zumindest hier in Münster auch jeden Studierenden/ jede Studierende mit einer eigenen hochschulspezifischen E-Mail aus. Das könnten sie auch mit einem Netzwerk-Account machen. Bzw. der Account könnte der gleiche sein.

LG
Andreas
Dabularasa schrieb am 25.09.2011 um 12:55
Lieber Herr Autor,

solche Fragen werden ihnen nur zugestellt wenn Sie bereits bei Facebook die Hosen herunter-gelassen haben.
Letztlich ist jeder User für die Eingabe und Angabe der Daten zu seiner Person verantwortlich.
Wie kommen Sie auf Abhängigkeit von Facebook ?
Suchtverhalten ?
Niemand wird zur Benutzung gezwungen.

Wer seinen Account löschen möchte:

https://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account

Der obige Link beseitigt den gesamten Account nach einer Frist von 14 Tagen.
---------------------------------------------------
Die Funktion ist ziemlich versteckt.
Einfach zu finden ist nur die Deaktivierung-Funktion von Facebook.
Diese legt aber nur den Account still.

Derzeit kann ich nur als Alternative Google+ benennen.
Zumal bei Google+ explizit auf User-wünsche und Einwände eingegangen wird/wurde.
Glücklicher weise gibt es dort kein Biometrie Unsinn wie in Zuckerbergs Moloch hat.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 16:56
Hallo Dabularasa,

erst einmal danke für die weiterführende Information.

Aber weder sehe ich in Google+ eine wirkliche Alternative, da Google+ prinzipiell eine gleiche Datensammelwut zuzutrauen ist wie Facebook, noch nützt es viel, Individuen dafür verantwortlich zu machen, wenn sie nicht wissen, welche Schalter sie immer wieder neu zu betätigen haben, wenn sie ihre Daten schützen wollen.

Eine Alternative muss struktureller Art sein: dezentrale und miteinander kompatible Soziale Netzwerke auf der Grundlage von Open Source Programmen.
der Menschen einer schrieb am 25.09.2011 um 17:38
.....wer auf so oberflächliche Weise Google PLUS mit FaceBook vergleicht, hat sich wohl weder über die einzige Alternative zu dem "Merk befreiten-Sozial-Network" FaceBook schlau gemacht, noch die grundsätzlichen Unterschiede erkannt. (Anmeldung NUR mit Klarnamen!)

Zuckerbergs hinterhältiger Versuch, den virtuellen Ganzkörperscanner jetzt auf "freiwilliger" Basis einzuführen, entspringt doch nur der "Angst des Torwarts vorm Elfmeter", nämlich dem bevorstehenden Mitgliederschwund infolge Abwanderung (jedenfalls der "bewussten" Mitglieder) in Richtung Google+.

FaceBook ist zum weltweit größten "FakeBook" verkommen, das eigentlich jeder meiden sollte.

Hier die Vorteile von Google+ gegenüber FaceBook:
j.mp/mY2snp

Mark Zuckerberg ist übrigens das populärste Google+Mitglied, noch vor dem Google CEO und Mitbegründer Larry Page: j.mp/rdG28w
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:52
Natürlich muss Google+ jetzt mit Datensicherheit punkten, wenn es nur irgendwie mithalten will. Aber zu glauben, dass Google+ grundsätzlich datensicher ist, das ist doch naiv.

Google hätte die Chance gehabt (und hat sie noch!) Ressourcen in Diaspora* zu stecken, sein Soziales Netzwerk Google+ mit Diaspora* kompatibel zu machen. Vielleicht machen sie das, wenn Google+ scheitert. Schon alleine, um dem Konkurrenten zu bremsen. So gesehen, wäre es kontraproduktiv, bei Google+ mitzumachen.
der Menschen einer schrieb am 25.09.2011 um 18:20
Sie scheinen zu vergessen, dass es Google+ offiziell noch gar nicht gibt, man ist noch in der "Probezeit" !

Wie Google+ letztendlich aussehen wird, bleibt abzuwarten, ich sehe das sehr positiv.

Allein die Verbindung mit den Mailaccounts (auch die gehören zu den besten) macht Google+ höchst interessant, von dem Killerfeature der "Circles" ganz zu schweigen.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 19:00
Ich nutze auch Google+ von Anfang an und finde es benutzerfreundlicher als Facebook. Das Killerfeature "Circles" gab es allerdings bereits ein Jahr vorher bei Diaspora*. Dort heißt es "Aspekte". Facebook hat "Circles" jetzt im Prinzip auch integriert.

Und was E-Mails und Soziale Netzwerke betrifft, so verteilt Facebook E-Mail-Accounts über die Facebook-Anmeldung, bspw. xxx.yyy@facebook.com.

Das Problem besteht aber nicht darin, ob Facebook oder Google+ besser ist, sondern dass beide Systems monopolisierende Datenkraken sind.
der Menschen einer schrieb am 25.09.2011 um 21:19
Da fehlt mir jedoch eine angemessene Differenzierung: FaceBook sammelt ausschließlich um maßgeschneiderte Werbung an "seine" Kundschaft zu bringen, Google sammelt aus den unterschiedlichsten auch nachvollziehbaren und meist akzeptablen Motiven.
Daran wird auch kein dezentrales Netzwerk etwas ändern, und zusammen mit dem "humanen" Umgang mit den Daten seitens Google möchte ich meine Daten dann doch lieber da sehen, wo ich sowieso schon bin, ob ich denn nun will, oder nicht, und sie nicht einer weiteren Stelle anvertrauen.

Ich denke, dass es zumindest für die unzähligen Google-Accounter auf längere Sicht nur Google+ geben wird.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 21:25
Nun gut. Wir haben eine unterschiedliche Einstellung zu Google. Ich meine gehört zu haben, dass auch Google einen unsensiblen Umgang mit Daten hat.

Prinzipiell geht es auch nicht um Google oder Facebook, sondern um die Frage, ob die Daten bei einem Internet-Konzern oder dezentral gespeichert werden.
der Menschen einer schrieb am 25.09.2011 um 21:43
Den Durchbruch wird nur ein Anbieter haben, der weltweit die notwendigen Resourcen zur Verfügung stellt, die auch eine verträgliche Performance gewährleisten.
Ich denke da auch an Video-Blogs mit 15-20 Teilnehmern gleichzeitig.
Sowas wird kein dezentraler Anbieter leisten können, deshalb sehe ich da auch nicht die geringste Chance.

Wie nervig eine schwache Performance ist, sieht man ja an den Ladezeiten hier im derFreitag, da ist bei einer vergleichsweise winzigen Teilnehmerschaft schon OHNE Videokanal Hängen im Wald.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 21:50
Ich weiß nicht genau, was du mit Video-Blogs meinst. Prinzipiell hat ein Netzwerk von tausenden von Sozialen Netzwerken mehr Rechnerkapazität als ein einzelner Monopolist - jedenfalls würde ich mir das wünschen. Im Prinzip lässt sich die Kapazität einzelner Rechner und Server addieren. Aber ich bin kein Fachmann und lasse mich eines besseren belehren.
der Menschen einer schrieb am 25.09.2011 um 22:44
Ich denke da Konferenzen von bis zu 20 Teilnehmern, die auch alle ihre Cam benutzen können, außer Google+ bietet dies derzeit kein anderes weltweites SocialNetwork an.

Ich weiß nicht, ob Du Dich an die Skype-Casts vor ein paar Jahren erinnern kannst, bei denen sich weltweit Interessierte zu einem Thema über Headset und Tastatur miteinander verbinden konnten. Zusätzlich will Google+ die Videofunktion liefern.

Ein weiterer potentieller Anbieter für eine Netzwerk-Alternative könnte noch die Microsoft Company werden, die ja bekanntlich Skype gekauft hat und somit bereits auf einen nicht zu unterschätzenden Kundenstamm zählen kann.
Die Pläne sind bereits auch in dem neuen Betriebssystem Windows 8 erkennbar, das in einer Entwicklerversion derzeit auch von mir getestet wird.
j.mp/r2y2bA
Ich empfehle die 64bit-Version, einen entsprechenden Rechner voraus gesetzt.

Zum kostenlosen Download geht es hier:
j.mp/pRJZWp
Andreas schrieb am 25.09.2011 um 22:47
Wie wunderbar ein dezentrales Netz mit von vielen verschiedenen Anbietern betriebenen Server funktioniert, zeigt ein uralter Dienst im Internet: E-Mail.

Auch hier kommunizieren ganz verschiedene Mailserver über standardisierte Protokolle miteinander. Ist sogar recht ausfallsicher.

Wenn Facebook ausfällt, ist alles duster. Wenn ein Disporaserver ausfällt, läuft das gesamte dezentrale Netz trotzdem weiter.

Und eine bessere Peformance kriege ich auch hin. Es muss ja nicht ein Anbieter (wie im Fall Facebook) Rechenleistung für ALLE zur Verfügung stellen, sondern nur für die eigenen Anwender, also z.B. die Studenten einer Universität.
Andreas schrieb am 25.09.2011 um 22:47
Wie wunderbar ein dezentrales Netz mit von vielen verschiedenen Anbietern betriebenen Server funktioniert, zeigt ein uralter Dienst im Internet: E-Mail.

Auch hier kommunizieren ganz verschiedene Mailserver über standardisierte Protokolle miteinander. Ist sogar recht ausfallsicher.

Wenn Facebook ausfällt, ist alles duster. Wenn ein Disporaserver ausfällt, läuft das gesamte dezentrale Netz trotzdem weiter.

Und eine bessere Peformance kriege ich auch hin. Es muss ja nicht ein Anbieter (wie im Fall Facebook) Rechenleistung für ALLE zur Verfügung stellen, sondern nur für die eigenen Anwender, also z.B. die Studenten einer Universität.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 22:59
@der Menschen einer
Ich kann dich gut verstehen. Ich bin auch sehr ambivalent bei Google. Im Fall der sozialen Netzwerke finde ich es schade, dass sie nur Ideen von Diaspora übernommen haben (Circles), sie hätten tatsächlich auch ein diaspora-kompatibles Google+ anbieten können und damit hätten sie einiges an Vertrauen zurückgewonnen.

@Andreas: genau, E-Mail oder Telefon wären die Vorbilder für ein dezentrales Soziales Netzwerk: verschiedene Anbieter, aber Kompatibilität.
Oxhöfter schrieb am 26.09.2011 um 13:37
vielen dank werde ihre hinweise nutzen hoffentlich mit erfolg!
Gold Star For Robot Boy schrieb am 25.09.2011 um 13:02
Vergesst Facebook.
Eine gigantisches Spionageunternehmen am Rande der Legalität.
Darüberhinaus erlaubt sich die Firma Aktivitäten von Nutzern einzuschränken, z.B. bestimmte politische Postings zu zensieren.
Überwachung, fehlender Datenschutz und Zensur in sog. Social Networks nimmt zu. Während dem Bürger vermehrt über die Schulter gesehen wird, erlaubt sich der Staat immer mehr Geheimniskrämerei und kriminalisiert Whistleblower Portale wie Wikileaks.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 16:58
Dem stimme ich zu, aber es gibt ein Bedürfnis nach Sozialen Netzwerken. Und hier muss grundlegend eine Alternative geschaffen werden.
d353rt schrieb am 25.09.2011 um 14:49
Man kann sich nur staunend die Augen reiben, über die vermeintliche Sorglosigkeit mit der facebook auf die stetig wachsende Kritik reagiert.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:08
Wieso sollte facebook ernsthaft auf Kritik eingehen, wenn sie mit ihrem Konzept keine Mitglieder verlieren?

Und sie verlieren keine Mitglieder, weil es keine attraktive Alternative gibt. Es gibt keine attraktive Alternative, solange die eigenen Freunde bei Facebook sind.

Das heißt, es bedarf einer echten Anstrengung, Alternativen zu errichten. Daher meine Bitte: unterstützt den Aufruf.
der Menschen einer schrieb am 25.09.2011 um 17:52
Der Aufruf dürfte ungehört verhallen, und das zu recht, denn virtuelle soziale Netzwerke machen nur Sinn, wenn sie keinen räumlichen Beschränkungen unterliegen.

Das spüren "wer kennt wen" und "SchülerVZ" doch gerade ganz deutlich, insofern wird nur das globalisierte Netzwerk überleben.
Und wer da die Persönlichkeitsrechte am besten schützt, wird die Nase vorn haben, und das ist ganz sicher NICHT FaceBook!
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:56
Hi,

deswegen ja der Aufruf kompatible Netzwerke zu starten.

Zur Verdeutlichung: ich habe einen Account bei diasp.org. Die Uni Münster gründet ein Soziales Netzwerk Uni-Münster, welches diaspora-kompatibel ist. Ich bin dann mit allen Mitgliedern der Uni-Münster (Studierende und Beschäftigte) mit meinem Diaspora-Account in der Weise verbunden, als wäre es ein gemeinsames Netzwerk. Die Daten liegen aber dezentral auf dem Server meines Vertrauens.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:57
Also das war jetzt ein Beispiel. Die Uni Münster ist leider nicht dabei, ein diaspora-kompatibles Netzwerk zu etablieren.
Andreas schrieb am 25.09.2011 um 22:50
Globaler als ein dezentralisiertes Netzwerk dürfte es kaum gehen.

E-Mail ist ja auch ein globales System.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 23:12
Stimmt. :-)
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:17
Weiß jemand, wie es kommt, dass man plötzlich von Bekannten einem Wohnort und einem Arbeitsplatz zugeordnet wird?
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:24
Weiß jemand, wie es kommt, dass man plötzlich von Bekannten einem Wohnort und einem Arbeitsplatz zugeordnet wird?

Hängt das damit zusammen, dass Facebook jetzt Listen eingeführt hat, mit denen man Freunde zuordnet?
Sarah Rudolph schrieb am 25.09.2011 um 21:29
Ja, exakt damit.
Wenn du also Menschen in die Liste "aus meinem Wohnort" packst, werden diese Menschen gefragt, ob sie denn wirklich da wohnen. Ohne dass du vorher darüber informiert wirst.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 21:43
Irritiert hat mich dabei, dass auch mein Arbeitsplatz genannt wurde, zweimal falsch, einmal richtig. Eine voreingestellte Liste "Arbeitsplatz" habe ich gar nicht gefunden.

Diese Listen sind eine Verballhornung der "Aspekte" bei Diaspora*. Bei Diaspora* dienten sie dazu, den Beteiligten mehr Kontrolle zu geben, wem was gepostet wird - bei Facebook wird daraus eine Datenabfrage.
Sarah Rudolph schrieb am 25.09.2011 um 23:12
Die voreingestellten Listen scheinen dynamisch zu sein. Wenn also jemand angegeben hat bei "Firma" zu arbeiten und mehrere Leute über "Firma" zu kennen scheint, macht facebook daraus die Liste "Firma" mit den dazugehörigen Vorschlägen. Hat jemand anders aber z.B. "Firma AG" angegeben, heißt dessen Liste aber auch so, auch wenn sie die gleichen Personen beinhaltet. Bist du als dritter aber mit den beiden Personen befreundet und sie bestätigen dich in diesen Listen, wirst du also gefragt, ob du bei "Firma" bzw. "Firma AG" arbeitest. Gruselig, und ja, es führt den Urspung der Aspekte bzw. Kreise total ad absurdum.

Außerdem frage ich mich noch, was passiert, wenn ich die Liste "Arschlöcher" erstelle, ob FB dann auch etwas zu fragen findet.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 23:34
Das ist wirklich gruselig, vor allem im Zusammenhang mit der Bilderkennung. Bei Twitter melden sich gerade im 10-Minuten-Takt Leute, die von Facebook nach Diaspora wechseln. Ein kleiner Hoffnungsschimmer. Aber es fehlen die interessanten Anbieter. Hab gerade Wikipedia vorgeschlagen, ein Diaspora-Netz aufzumachen: de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Caf%C3%A9#Facebook_-_Ein_Aufruf_an_die_Zivilgesellschaft

Also es könnte viele Anbieter geben - übrigens auch den Freitag ;-)
Maike Hank schrieb am 27.09.2011 um 16:00
Liebe Sarah,
Benachrichtigungen gibt es glaube ich nur bei den dynamischen Listen. Ich habe kürzlich Leute zur Liste "Enge Freunde" hinzugefügt und es wurde niemand benachrichtigt. Die "Arschlöcher" erfahren also wohl auch eher nichts davon. Du könntest es ja mal mit einer unverfänglichen Liste ausprobieren : )

Ich flippe allerdings gerade dabei aus, meine neue Timeline in der Ansicht für Menschen, die nicht meine Freunde sind, frei von Informationenzu bekommen. Geradezu unmöglich: Veranstaltungen, die ich besucht habe, kann ich auf meiner Timeline-Ansicht ausblenden, öffentlich werden sie aber noch angezeigt. Umgekehrt wäre das sinnvoller : )
Ich hoffe, dies ändert sich ganz schnell, sobald alle die neue Timeline haben.
Fro schrieb am 25.09.2011 um 17:40
Sehr unterstützenswert der Aufruf zur Dezentralisierung – in die Richtung muss es gehen. Aber ist es nicht etwas verfrüht? Diaspora scheint noch nicht so ganz ausgereift und wartet noch auf die Optimierung durch die Open-Source-Gemeinde. Man siehe hier und hier die Erfahrungsberichte.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 17:47
Das kann sein. Deshalb habe ich ja auch nicht geschrieben, dass die Hochschulen das Diaspora*-Programm übernehmen sollen, sondern dass sie sich daran beteiligen, ein dezentralisiertes Soziales Netzwerk aufzubauen.
Wer, wenn nicht die Hochschulen, hat die Kapazitäten, Diaspora* oder ein entsprechendes Programm auf- bzw. auszubauen?
Rosa Sconto schrieb am 25.09.2011 um 22:43
@ Andreas Kemper FB verliert Mitglieder. Und die Aktie sinkt.

Diese Kritik von Tim Berners-Lee "Facebook could fragment web" sagt alles:
www.guardian.co.uk/technology/2010/nov/22/tim-berners-lee-facebook

oder:
www.huffingtonpost.com/2010/11/22/tim-berners-lee-facebook-threat-_n_786855.html

und am qualifizieresten hier:
www.theregister.co.uk/2010/11/20 berners_lee_says_facebook_a_thret_to_web/

Da stimme ich einigen anderen hier in Bezug auf Google+ zu. Wer sensible Daten einer offenen Plattform wie dem Internet im Allgemeinen anvertraut, braucht sich nicht wundern wenn die Kontrolle darüber verloren geht. Es würde doch auch niemandem einfallen sich auf den Marktplatz zu stellen und die eigene Lebensgeschichte auszuplaudern.

Es ist wie beim Autofahren: einsteigen & Gaspedal ist nicht drin. Bei LinkIn ist es der gleiche bedenkliche Leichtsinn, der manche vollkommen sorglos werden läßt. Sorglosigkeit wird bei all diesen sgnt. "sozialen" Netzwerken zwar nicht verlangt, aber gefördert, weil manche scheinbar ein überzogenes Mitteilungsbedürfnis haben.
Tom Waits sagt es so: I never lie, because I never tell it all.
Andreas Kemper schrieb am 25.09.2011 um 23:11
Hi Rosa Sconto,

die letzte Studie, die ich kenne, wo ich gerade nicht den Link finde, besagt, dass 90% der Zeit, die in Sozialen Netzwerken verbracht wird, in Facebook verbracht wird. Das heißt, alle anderen inklusive Google+ teilen sich den Rest der 10%.

Natürlich ist es wichtig, eine Datensensibilität zu entwicklen. Ich war damals einer von denjenigen Aktivist_innen, die die 1984er Volkszählung verhindert, bzw. verschoben haben. Was jetzt, 2011, bei Facebook passiert, ist unglaublich.

Aber moralische Appelle helfen hier nicht weiter. Soziale Netzwerke sind gewollt - es geht darum, sie sozial verträglich zu gestalten. Daher geht es darum, dass sich die Zivilgesellschaft ihre eigenen dezentralen Neztwerke schafft. Und hier könnten die Hochschulen eine Vorreiterrolle spielen.
der Menschen einer schrieb am 26.09.2011 um 10:26
Der statistische Vergleich von FaceBook mit Google+ ist völlig unsinnig, da ersteres seit 5 Jahren am Markt ist und Google+ offiziell noch gar nicht.

Wenn Google+ offiziell startet, wird FaceBook dramatisch einknicken, zumal die realistische Userzahl bei FaceBook wegen der MultiNicks wahrscheinlich bei nur einem Drittel der im Umlauf befindlichen liegen wird.
FaceBook ist viel heiße und stickige Luft, sozusagen eine Mogelpackung, das haben inzwischen auch die Spekulanten an der Börse erkannt.
Andreas Kemper schrieb am 26.09.2011 um 10:37
Ich bin da skeptisch. Etwas ähnliches wurde prophezeit, als Google mit dem Wissensportal Knol eine Konkurrenz zu Wikipedia aufbaute. Ich warte immer noch auf eine Revitalisierung von Google-Knol, vielleicht tut sich da ja was im Zusammenhang mit Google+. Soziale Netzwerke und Wissensportale könnten sich eigentlich gut ergänzen.
Wir werden sehen...
Rosa Sconto schrieb am 26.09.2011 um 18:58
@ "der Menschen einer",
ich sehe jetzt schon eine ähnliche Entwicklung wie damals, als Murdoch MySpace kaufte. Vor 3 Monaten wurde ein Wirbel um FB's Börsengang veranstaltet. Murdoch wurde gerade durch den Wolf gedreht und MySpace ist praktisch fertig. Facebook ist praktisch ein betagtes Modell, spätestens wenn verstanden wird von all den Google Features einen angemessenen und selbstverantwortlichen Gebrauch zu machen ist Facebook auf dem Abstieg. In den USA geht diese Entwicklung viel schneller. Mit dem Kauf der Motorola-Mobile-Phone-Sparte steht da schon das nächste Feature vor der Tür. Darum ist wohl Google das Theater zwischen Samsung und Apple auch egal.

@ Andreas Kemper
Der einzige Hardware Hersteller der wirklich mit offenen Quellen arbeitet ist Texas Instruments und die arbeiten gerade an einem vielversprechenden Projekt das an dieses anknüpft:
en.wikipedia.org/wiki/Texas_Instruments_OMAP . Das Problem mit den Hochschulen ist einfach das sie zu akademisch sind, zuviel Fummelei, das wollen die meisten "User" nicht. Ich glaube das je einfacher die Benutzeroberflächen sind desto intrusiver diese "sozialen" Netzwerke.
der Menschen einer schrieb am 27.09.2011 um 10:03
Der Unterschied bei Google ist, dass sie aus "Fehlern" (die oft gar keine sind) lernen, und das Environment entsprechend den User-wünschen abändern.
Das Angebot von Google ist in sich schlüssig und rund, deshalb sehe ich auch dort die größten Erfolgsaussichten, so "ehrenwert" Deine Gedanken auch sein mögen, andere werden nicht die notwendigen "Ressourcen" bereit stellen können.

hier das komplette Paket:
j.mp/obUDIc
der Menschen einer schrieb am 27.09.2011 um 10:09
@Rosa Sconto, volle Zustimmung.
Es gehören neben den "guten" Absichten auch die notwendigen "Mittel" zum Gelingen eines globalen Erfolgs dazu.

Und ein Sozial Network wird in Zukunft nur noch global erfolgreich sein, weil nur globale Vernetzung auch Sinn macht.
Alles andere wird ein frommer Wunsch bleiben.
Andreas Kemper schrieb am 27.09.2011 um 15:05
Hi "der Menschen einer",

Diaspora ist doch global. Globaler als ein Monopolist je sein könnte. Google ist nicht soziale vernetzt, genausowenig wie Facebook global vernetzt ist. Google und Facebook sind monopolisierende Anbieter.

Die Idee von Diaspora hingegen ist, ein globales Netz von zigtausenden oder gar Millionen von Anbietern zu schaffen. Diaspora ist ein Open Source-Programm, welches diese Vernetzung technisch ermöglicht. Google und Facebook sind kommerziell ausgerichtete Megakonzerne, die auf die Verdrängung von Konkurrenz ausgerichtet sind.
Andreas Kemper schrieb am 26.09.2011 um 11:17
Eine weitere Idee: Wikipedia könnte ebenfalls dezentrale kompatible Soziale Netzwerke etablieren. Wikipedia ist keine Enzyklopädie, sondern ein enzyklopädisches Projekt, oder anders ausgedrückt: ein Soziales Netzwerk mit dem Ziel der Erstellung einer Enzyklopädie. Wenn dieses Soziale Netzwerk kompatibel gemacht würde mit Diaspora, dann wäre ein großer Schritt getan. Leider hat der deutsche Wikimedia-Verein eher die Nähe zu Bertelsmann gesucht und in seinen Vorstand einen BILD-Journalisten gewählt... Dies spricht jedoch nicht gegen das, was prinzipiell möglich wäre.
Oxhöfter schrieb am 26.09.2011 um 13:33
die zivilgesellschaft wird AUSGEFRAGT von einer weiteren Stelle solange, bis es nicht das allergeringste persönliche private geheimnis mehr gibt. Wie werde ich facebook wieder los?
der Menschen einer schrieb am 26.09.2011 um 13:42
Dabularasa hat es weiter oben bereits erklärt, hiermit:
erst einloggen und dann den Link eingeben!
https://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account
Andreas Kemper schrieb am 26.09.2011 um 13:47
Individuell wird man Facebook wieder los, wie Dabularasa es oben gezeigt hat.

Ob man sich aber nicht irgendwann gezwungen fühlt, irgendwann wieder in Facebook einzutreten, so wie man sich heute gezwungen fühlt, eine Bankverbindung zu haben, das lässt sich nur gesellschaftlich lösen.
redfox schrieb am 29.09.2011 um 20:17
"Ob man sich aber nicht irgendwann gezwungen fühlt, irgendwann wieder in Facebook einzutreten, so wie man sich heute gezwungen fühlt, eine Bankverbindung zu haben, das lässt sich nur gesellschaftlich lösen."

Oh, also bitte... nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

Bisher und soweit ich sehen kann, gibt es für mich keinerlei Notwendigkeit mich bei Facebook oder der Konkurrenz anzumelden. Auch meine Freunde sind längst nicht alle dabei. Manche schon, aber:
Was könnte ich denn verpassen?
Wenn ich ihnen etwas mitteilen will oder andersrum, existieren auch jetzt schon genug Wege.

Lieber verbringe ich - anonym! - meine Netz-Zeit z. B. in Foren. Auch dort ergeben sich meist etwa eine handvoll neuer Freundschaften - aufgrund des (mehr oder minder) sachbezogenen Austauschs und nicht, weil einem die Nase des Gegenübers so gut gefällt.

Facebook ist bestimmt gut für Menschen mit viel Langeweile und befriedigt auch die Neugierde.
(Exessive) Facebook-Nutzer kommen mir blutigem Laien allerdings vor wie die digitale Version der Fenstergucker, also wie eine Omi, die ihre unausgefüllten Tage damit verbringt, Nachbarn und Passanten auf der Strasse zu beobachten. Das kann schon interessant sein - aber doch wohl eher in Ausnahmefällen.

Es dauert bestimmt nicht mehr lange, bis sich auch bei uns «professionelle Lebens-Ruinierer» versuchen werden breitzumachen, die Facebook-Profile mit unerlaubt-gesammelten Nacktbildern verknüpfen: www.20min.ch/digital/webpage/story/-Auf-einmal-sieht-mich-jeder-nackt--18089984

Spätestens da aber dürfte es für die meisten heißen: Schluß mit lustig

Fazit:
www.youtube.com/watch?v=wSUpZqOhRdI

P.S. Aufs Handy verzichte ich auch schon seit Jahren. Bin wohl so ein bißchen aus meiner Generation gefallen...
Andreas Kemper schrieb am 01.10.2011 um 10:40
Die erste große Tageszeitung überlegt bereits, Leserbriefe nur per Facebook-Account zuzulassen. Facebook ist halt auch für Dienstleister eine bequeme Sache, an die man alles mögliche abgeben kann.
Meine ersten Recherchen an meiner Heimat-Uni Münster ergaben übrigens, dass sie sich in diesem Jahr tatsächlich damit befasst haben, ein eigenes Soziales Netzwerk einzurichten, dass sie aber davon Abstand genommen haben, weil es zu teuer ist.

Ups... ich wollte gerade nachschauen, ob die Uni statt eines eigenen Netzwerkes Facebook eingebunden hat, und stieß dann auf das Forschungsprojekt "WeChange". In diesem Forschungsprojekt wird untersucht, wie Mitarbeiter_innen über Soziale Netzwerke wie Facebook in das Unternehmen eingebunden werden können. www.uni-muenster.de/Rektorat/exec/upm.php?rubrik=Alle&neu=0&monat=201109&nummer=14781

In diese Richtung habe ich noch gar nicht gedacht, als ich davon sprach, dass irgendwann Facebook so notwendig für die gesellschaftliche Partizipation sein könnte, wie ein Sparbuch. Dass Unternehmen mit Mitarbeiter_innen über Facebook kommunizieren wollen und quasi erwarten, dass ihre Arbeiter_innen und Angestellen einen Account haben, das eröffnet ganz neue Perspektiven der Betriebsratsarbeit.
der Menschen einer schrieb am 01.10.2011 um 11:11
da hast Du den Salat, alle frommen Wünsche nur noch Makulatur, wie gesagt, dezentrale Netzwerke sind weder finanzierbar noch sicher, weil in zu vielen Händen.

Um so wichtiger wäre es, den Münsteranern den FaceBook-Quatsch auszureden, siehe meinen Beitrag ganz unten: j.mp/rcEC1a
Andreas Kemper schrieb am 01.10.2011 um 11:56
Ich glaube nicht, dass die Uni Münster überlegt hat, Diaspora einzuführen. Ich habe gerade den Pressesprecher angeschrieben und warte auf eine Antwort.

Diaspora lässt sich anders etablieren als ein eigenständiges Soziales Netzwerk. Man kann einfach entsprechend der Rechnerleistung limitiert die Accounts rausgeben, oder seminar- bzw. fachbereichbezogen. Sobald mehr Rechnerleistung da ist, erweitert man. Wer schon direkt dabei sein möchte, den verweist man auf die anderen Diaspora-Server außerhalb der Uni.

Mit deinem Argument der Sicherheit müsstest du auch fordern, dass es nur einen E-Mail-Anbieter geben dürfe und nicht eine Vielzahl von Anbieter wie gmx, yahoo, web.de, gmail... denn das wäre in deiner Argumentation unsicher, weil in zu vielen Händen.
der Menschen einer schrieb am 01.10.2011 um 13:23
nein lieber Andreas, der vergleich hinkt gewaltig: zwischen einem email-Account und einem sozialen Netzwerk gibt es grundsätzliche Unterschiede, die andere Sicherheitsmaßnahmen erfordern.

Du hast doch auch einen eigenen Briefkasten, in den unterschiedliche Zusteller etwas hinein werfen können.
Deshalb kommen sie trotzdem nur bis vor die Türe und wissen nichts von Dir persönlich.
Andreas Kemper schrieb am 01.10.2011 um 14:11
Die E-Mail gehen aber über den Server der Anbieter und bleiben da mindestens solange, bis sie gelöscht werden. Wo ist der Unterschied zum Sozialen Netzwerk?
Andreas Kemper schrieb am 01.10.2011 um 14:15
Würden die E-Mails nur an dich gehen, könntest du sie nur von deiner Festplatte aufrufen. Wenn du aber die gebräuchlichen Anbieter nimmst, lagern sie auf der Festplatte der Anbieter, daher kannst du ja von überall auf deine E-Mails zugreifen. Der Vergleich mit der Post passt da nicht, da die Post tatsächlich einen Brief abliefert und nicht noch eine Kopie des Briefes bis zur Löschung im Postamt behält.
der Menschen einer schrieb am 02.10.2011 um 14:03
Manchmal denke ich, Du willst nicht verstehen:

das eine ist mein verschlossener Briefkasten, in den verschiedene Zusteller meine Post einwerfen, das andere ist ein öffentlich ausgehängtes schwarzes Brett, auf dem persönlichste Infos von mir und anderen für jeden einsehbar kleben.
Andreas Kemper schrieb am 02.10.2011 um 17:04
Postings in Sozialen Netzwerken müssen nicht offen und für jeden einsehbar sein. Ich sehe da keinen großen Unterschied zu E-Mails. E-Mail-Verteiler und Soziale Netzwerke können offen oder geschlossen sein.

Zwischen E-Mails und Sozialen Netzwerken gibt es grundsätzlich keinen Unterschied. Oder habe ich dich immer noch nicht verstanden. Dann versuche bitte noch einmal klar zu machen, worin der für diese Diskussion relevante Unterschied zwischen E-Mails und Sozialen Netzwerken besteht.
Andreas Kemper schrieb am 26.09.2011 um 14:25
Auf Netzpolitik.org findet sich ein spannender Artikel: Das neue "Facebook - Nix wie raus hier" netzpolitik.org/2011/das-neue-facebook-nix-wie-raus-hier mit einer Zusammenstellung von Alternativen zu Facebook.
der Menschen einer schrieb am 01.10.2011 um 02:20
Die unglaubliche Geschichte des Österreichers Max Schrems und seine FaceBook-Story: j.mp/rcEC1a
der Menschen einer schrieb am 01.10.2011 um 02:21
Die unglaubliche Geschichte des Österreichers Max Schrems mit seiner FaceBook-Story: j.mp/rcEC1a
Andreas Kemper schrieb am 01.10.2011 um 15:09
Interessant ist der Aspekt des Goldenen Käfigs. Die Daten die Facebook über jemanden zusammenstellt, gehören Facebook und nicht den Teilnehmer_innen.
Dabularasa schrieb am 01.10.2011 um 20:13
Hier kommt Facebook in Erklärungsnot.
Wie ich schon einmal bemerkte-> die größte Fahndungsdatenbank der Welt.
Ideal für Rasterfahndungen.
redfox schrieb am 01.10.2011 um 23:32
Eine Möglichkeit, die jeder kennen und möglichst viele nutzen sollten:

"Nach der europäischen Datenschutzrichtlinie hat jeder Mensch das Recht eine Kopie der Daten zu bekommen, die ein Unternehmen über ihn speichert. Das gilt natürlich auch für deine Daten bei Facebook, da du als Europäer einen Vertag mit “Facebook Ireland Ltd” in Irland hast."



Hier

die Schritt für Schritt- Anleitung.
Dabularasa schrieb am 01.10.2011 um 21:05
BlackHat USA 2011: Faces Of Facebook-Or, How The Largest Real ID Database In The World Came To

www.youtube.com/watch?v=fZQ7Th9L5ss&feature=related
Dabularasa schrieb am 01.10.2011 um 22:55
Auch sollte man beachten wie die sozialen Netzwerke in Militär-strategischer Hinsicht an Bedeutung gewinnen.

Es gibt eine Ausarbeitung dieser Belange:

is.gd/ObpePg
Dabularasa schrieb am 01.10.2011 um 22:55
Auch sollte man beachten wie die sozialen Netzwerke in Militär-strategischer Hinsicht an Bedeutung gewinnen.

Es gibt eine Ausarbeitung dieser Belange:

is.gd/ObpePg
miauxx schrieb am 02.10.2011 um 01:31
Als ich so ein bisschen im thread herumlas und feststellte, dass doch angesichts der sehr bedenklichen Tendenzen in den Geschäftspraktiken von Facebook, welche ja Gegenstand des Artikels sind, doch ernstlich über Google+ als mögliche Alternative diskutiert wird oder andere über ihre Timeline bei Facebook "ausflippen" (ach Gottchen, was für Probleme), musste ich mich an die Äußerungen eines zwar erzkonservativen und schrulligen Protagonisten aus einem von mir zweimal verschlungenen Roman erinnern, die aber hier einfach wie die Faust auf's Auge passen:

Die Romanfigur reflektiert über eine Zeit,
"in welcher der mikroelektronischen Industrie unterm Druck globaler Konkurrenz die größte Erpressung der Menschheitsgeschichte gelang zu dem Effekt, daß nunmehr vom Poeten in der Dachkammer bis zum Großkonzern alle genötigt sind, mit dem Erwerb von Kommunikationsapparaten, deren Nutzungsdauer sich immer schneller verkürzt, das Gewinninteresse dieses industriellen Sektors zu bedienen und damit zwangsläufig die Rotation zu beschleunigen, mit der die Eigendyamik jener erpresserischen Marktstrategie sich bewegen soll. —"
Rosa Sconto schrieb am 04.10.2011 um 09:35
Google+ ist das Gegenteil von Facebook:
"Google+ ist eigentlich das komplette Gegenteil von Facebook. Facebook hat zuerst eine Community gehabt und erst dann neue Services wie Chat, Kontakte, Bilder-Uploads und so weiter hinzugefügt. Bei Google ist der Ansatz genau umgekehrt. Wir hatten erst verschiedene Produkte und Services, die für sich selbst genommen sehr erfolgreich sind wie Picasa Webalben, Google Mail, Docs und nicht zuletzt Youtube. Wir versuchen jetzt jedes dieser Produkte sozial zu machen, gemeinsam erlebbar zu machen", sagt Jems Redmer.

preview.tinyurl.com/6gbq5y6

Was mir an Google+ als Privatperson gefällt, ist das Kreiskonzept und dass ich in der Lage bin, ähnlich wie im realen Leben, Informationen nur mit meiner Familie teilen kann und nicht mit meinem Arbeitgeber. Google+ weist aktiv darauf hin, dass er sich Gedanken machen sollte, wem er was mitteilt. Das ist glaube ich wichtig, dass man dem Nutzer mehr aktive Steuermöglichkeiten bietet. Und genau das wird bei der Mehrheit der Nutzer von "sozialen" Netzwerken wenig beachtet.
Andreas Kemper schrieb am 04.10.2011 um 11:38
Das genaue Gegenteil von Facebook ist nicht Google+, sondern das sind dezentrale Open Source Programme wie Diaspora*.
Ich finde momentan Google+ auch wesentlich symphatischer als Facebook. Aber meine Vermutung ist, dass Google+ sich gegenüber Facebook nur behaupten kann, wenn es den Schwachpunkt von Facebook zum Thema macht. Und diese Schwachpunkt ist der Datenkram. Daher tut Google+ gerade alles, um hier zu trumpfen. Das heißt, Google ist aus strategischen Gründen so benutzer_innenfreundlich. Diaspora* ist dies vom Prinzip her.
Rosa Sconto schrieb am 04.10.2011 um 23:15
Ich dachte das Apple heute eine Liasion mit Facebook vorstellen wird, - und nicht nur dies olle iPhone5.
Diaspora habe ich mir angeschaut und es ist natürlich besser weil all dieser Datenkram dezentral abgelegtist. Da ist nur der Haken, es ist gut für politischen Kram, für persönlichem Ideenaustausch. Wenn ich aber meine Kunden auf solch ein Netz luren sollen hab ich sofort die besorgte Frage ob ich noch ganz bei Trost bin.
Es ist ähnlich wie hier in der FC, kommerziell darf gar nicht erst gedacht werden...
Naja, vielleicht kooperieren ja Microsoft und Facebook zusammen, das wäre dann der CyberGAU.
Andreas Kemper
Mich interessieren die Themenbereiche * Diskriminierung - insbesondere Klassenspezifische Diskriminierung * Genderforschung * Erkenntnistheorie (Fragen zur Virtualität) * Utopien * Entwicklung der Wissensplattformen im Internet (Wikipedia, Google-Knol) * Anarchismus
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