archinaut

nirgends.......... sicher... nie

02.06.2010 | 01:15

Flieg weiter, Matthias!

Nach flüchtigen Elementen forschen die Physiker, errechnen und erzeugen Konstellationen der Entropie, beweisbar nur im Schatten einer Ahnung........ mit einer sehr eigenwillige Konzeption von flüchtigen Räumen öffnet ein Mitstudent mir Augen und Ohren im Jahr 1987: für einen städtebaulichen Entwurf zur Revitalisierung und Nachverdichtung einer Siedlung aus den fünfziger Jahren entwirft der Kommilitone eine Reihe von blauen Wohngebäuden, die der westlichen Ausfallstrasse hinter Berlin-Spandau einen neuen Rhythmus geben sollen. Erst erklärt Matthias den Entwurf entlang der Zeichnungen, und dann..... singt er uns die Häuser vor.

Bei der Präsentation der Diplomarbeit zeigt er keine Pläne, keine Zeichnung, lediglich eine Partitur: sechs Sprecher senden Botschaften durch den Vorstellungsraum, fragile Beziehungen entstehen in wechselnden Kraftfeldern, synchronisieren sich in den Rhythmus alternierender Wiederholungen, drängend zum Gleichlauf, abklingend in die Vereinzelung, frei schwärmend....

Ich will Räume beschreiben, die zwischen den Individuen entstehen, für Sekunden nur, Räume, die wandelbar sind... versucht er mir zu erklären.

 

Zur Wendezeit kommt er aus Belgien zurück, sein nächstes Stück heißt Brüssel-Projekt, dazu schneide ich für ihn ein Video. Eine junge Dramaturgin begleitet mich durch die Nächte am Schnittcomputer, eine zierliche, energische Person, ich erinnere noch ihre schwarze Lockenmähne und ein wundervoll voluminöses Parfum..... sie ist ein Fan der ersten Stunde: Matthias macht tolle Sachen..... 

 

Zwanzig Jahre sind vergangen, werf’ ihn endlich mal in die Guglmaschin: Matthias Wittekindt gebe ich ein, und dann finde ich Memotrip:

Die Geschichte von Simonides. Die stammt von Cicero, und er erklärt, dass Simonides nach diesem Ereignis eine Erinnerungstechnik entwickelte, die Namen und sogar ganze Texte an Bilder koppelt. Wer sich an einen Text oder an bestimmte Stichworte erinnern will, baut sich zu jedem Wort ein Bild. Diese Bilder hängt er dann in Gedanken in einem imaginären Gebäude auf, und zwar an markanten Stellen. Um sich später an einen Text zu erinnern, schreitet man gewissermaßen durch sein Gebäude und ruft die Bilder ab, die einem die gesuchten Worte zurückgeben....  

 

  youtube.com/watch?v=mys2k5sLylw

  

Hier endet der 93. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
archinaut schrieb am 02.06.2010 um 01:57
Hier noch ein Nachtrag zum 92. Eintrag:

Kirche und Stadt – die Wiedergewinnung der Mitte
wird der Vortrag von Prof. Dr. Hans Stimmann, Architekt und Stadtplaner, ehem. Senatsbaudirektor als Mitglied der SPD, für den 7. Juni 2010 angekündigt, um 18.00 Uhr beginnt die Andacht im Berliner Dom.........
hibou schrieb am 02.06.2010 um 05:17
Ne sehr sehr spannende Person stellst Du da vor, archinaut! Hab direkt Lust bekommen, den "Sog" zu lesen...
Meiner Ansicht nach sind mehrstimmige (Sprech)Gesaenge die modernste Form der Literatur.......
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.06.2010 um 09:49
@hibou:"Meiner Ansicht nach sind mehrstimmige (Sprech)Gesaenge die modernste Form der Literatur......."
Nein, hibou, Literatur muss sich über's Lesen, hinter der Schädeldecke "neu erfinden" ;-)...Dort erst etwas zum Klingen bringen...
archinaut schrieb am 02.06.2010 um 20:01
@hibou
"Meiner Ansicht nach sind mehrstimmige (Sprech)Gesaenge die modernste Form der Literatur.......", damit meinst Du bestimmt die FreitagCommunity ?-))
hibou schrieb am 03.06.2010 um 06:13
warum nur übers lesen? auch sprechen geht hinter die schaedeldecke.....
hibou schrieb am 03.06.2010 um 06:17
@archinaut: *smile*
Mingus schrieb am 02.06.2010 um 09:25
Räume beschreiben, die zwischen den Individuen entstehen... erinnert mich an den, der gesagt hat, dass sein Atelier zwischen den Menschen ist. Auch virtuelle Räume sind Ateliers, für Sekunden nur, sie sind wandelbar...

Schönes Bild, lieber archinaut, wer Botschaften durch Vorstellungsräume schickt, auch dein Projekt der Blogofiktion, das ich als solches gerade eben erst wahrnehme. Ich werde das als Triptychon in mein Erinnerungsgebäude hängen... :-)
archinaut schrieb am 02.06.2010 um 20:11
.....zuviel der Ehre, liebe? Mingus:

"Ich werde das als Triptychon in mein Erinnerungsgebäude hängen... :-)"

- Blogofiktion ist übrigens auch eine schöne Worterfindung, ist ja alles noch ganz frisch in den Blogger-Latifundien :-))

Freue mich über Deine geneigte Wahrnehmung,
vielen Dank!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.06.2010 um 09:55
@ archinaut, ich bin immer wieder erstaunt über die Räume, die Du öffnest...Ich lese sie sehr gerne.
Gruß
leif
archinaut schrieb am 02.06.2010 um 20:04
Liebe leif,
freue mich über Deine Erstaunlichkeit :-))

Erlesene Räume
sind erlöste Räume

(Alte Spruchweisheit aus den Binsen....)

Herzliche Grüße
archie
poor on ruhr schrieb am 02.06.2010 um 13:36
@archinaut
Von Dir bin ich ja sowieso ein Fan! Danke für den tollen Blog!

Herzliche Grüße

rr
archinaut schrieb am 02.06.2010 um 20:05
Lieber Fan rr,

Deine Gewogenheit freut mich sehr!

Herzliche Grüße
archie
luggi schrieb am 02.06.2010 um 22:42
ich auch...und so...mit allen...räumlich gesehen

Warte mit raumgreifendem Spannungsgefüge auf den siebten Blogeintrag, nach diesem also.
archinaut schrieb am 03.06.2010 um 01:35
Aufgeräumte Grüße
an den lustigen luggi mit den
geräumigen Hosentaschen :-))

(Danke für die Geduld!)
archinaut
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ebertus hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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