Vorgestern, beim ersten Anlauf zur Wahl des französischen Präsidenten, ging der moderate Sozialist Francois Hollande mit knapper Nasenlänge vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy als vorläufiger Sieger ins Ziel. Nun müssen die französischen Wähler via einer Stichwahl am 6. Mai 2012 entscheiden wer ihr künftiger Präsident sein soll.
Der österreichische Jounalist und politische Schriftsteller Robert Misik hat in seinem jüngsten Videocast auf Standart.at sofort auf den Ausgang der Wahl reagiert und meint u.a.: Die französischen Wähler könnten Europa retten.
Manchen klingt das vielleicht zu pathetisch. Oder es erscheint ihnen alarmistisch. Jedenfalls den Leuten hierzulande mag das so gehen, die immer noch nicht bemerkt haben, dass das großartige Projekt Europa (EU) am Abgrund steht. Denn dies ist in der Tat der Fall. Und mit einem krisengeschüttelten Europa steht ebenfalls nicht weniger als die Demokratie auf dem Spiele.
Nikolas Sarkozy dackelt Angela Merkel nach
Was hat all das nun mit den Wählern in Frankreich zutun? Viel. Sehr viel sogar! Um uns das vor Augen zu führen, müssen wir uns eigentlich nur eingestehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel voran und dem ihr – wie es Misik in seinem Videocast treffend formuliert – dem hinterher dackelnden französischen, quasi (um es kauderwelschend auszudrücken) in Teilen deutsch sprechenen, Präsidenten Nicolas Sarkozy wird Europa munter weiter das Grab geschaufelt.
Dies geschieht u.a., indem Deutschland allen EU-Ländern eine rigide Austeritätspolitik aufzwingt, einhergehend mit ebenballs nach deutschem Gusto verordneten, aber ökonomisch dumm zu nennenden, “Schuldenbremsen”. Zu diesen das Projekt Europa letztlich erdrosselnden Tötungsinstrumenten gehört auch der Fiskalpakt. Zumal dieser – einmal in Kraft gesetzt – eigentlich nie wieder gekündigt werden kann. Nicht einmal nach einem Regierungswechsel!
Krisen-Profiteur Deutschland
Nun könnte man fragen: Warum macht Angela Merkel, die Kanzlerin der schlechtesten und gefährlichsten Bundesregierung seit Bestehen der BRD, das eigentlich? Robert Misik sagt es in seinem Videocast: Weil Exportweltmeister Deutschland, indem es andere EU-Länders seit Jahren erbarmungslos (auch dank des vom “Genosse der Bosse”, Bundekanzler a.D., Gerhard Schröder, geschaffenen riesigen deutschen Niedriglohnsektors) “niederkonkurenziert” hat. Und darüber hinaus, so Robert Misik, verdient Deutschland dank dieser selbst mit verursacht habenden Krise und mit Kommandos von Berlin aus noch weiter verschärfenden falschen Krise nun auch wieder kräftig an der Krise selbst. Schizophren? Ja, aber leider wahr. Vielleicht erklärt diese Tatsache ja auch, warum unter Bundeskanzlerin Merkel immer wieder zu spät in bestimmten Phasen der Krise reagiert wurde? Wenn das jedoch so ist – und vieles spricht, nüchtern bedacht, dafür – kann kaum erwartet werden, dass von Deutschland eine Krisenlösung ausgehen wird. Misik: Deutschland ist der Profiteur der Krise der europäischen Südländer.
Das Gewicht Frankeichs
Schlimm daran ist ja, wie hier bereits bemerkt, dass Deutschland anderen EU-Partnern krisenverschärfende Medizin quasi zwangsverabreicht. Von den kleineren EU-Staaten ist kaum zu erwarten (und es liegt ja auch überhaupt nicht in deren Macht, weil sie über selbige nicht verfügen), dass sie sich dieser falschen Politik entgegenstellen. Also dackelt man EU-Totengräberin Angela Merkel aus Vasallentreue und unter deren gewaltigen Druck hinterher.
An dieser Stelle kommen nun die französischen Wählerinnen und Wähler ins Spiel. Frankreich ist im Konzert der Europäer neben Deutschland der größte Player. Gibt eine Mehrheit der Franzosen bei der Stichwahl am 6. Mai Sarkozy die Stimme wäre das verheerend für Europa. Das Duo “Merkozy” könnte Europa – weiter so fortschreitend wie bisher – dem Abgrund näher bringen. Brächen jedoch die Französinnen und Franzosen mehrheitlich mittels ihres Votums für den Sozialisten Francois Hollande diese Duo sozusagen entzwei, blieb dann nur noch das amputierte “Merk” übrig. Die “Zuchtmeisterin” Europas, Angela Merkel, könnte neben Sarkozy Verlierern der franösischen Wahl sein.
Auch ein politisch wacher Kopf wie Robert Misik verfällt für den Fall, dass der nächsten französische Präsident womöglich Hollande heißt, nicht gleich in übermäßige Euphorie. Schließlich ist Hollande kein Mitterand, sondern ein eher moderater Sozialist ohne charismatische Ausstrahlung. Aber vor der Wahl kündigte Hollande immerhin an, den Fiskalpakt in seiner bisherigen Form nicht zu akzeptieren. Misik: Wenn es Hollande gelänge wenigsten zehn Prozent am Fiskalpakt zuändern, wäre das bereits ein Segen für Europa. So könnte es also tatsächlich sein, dass Frankreichs Wählerinnen und Wähler Europa retten, indem sie den blass und wenig charismatisch anmutenden Sozialisten Francois Hollande zum Präsidenten der Grande Nation machten. Wie sagte doch der in Robert Misik Videocast erwähnte französische Freund dem Österreicher: Die Sozialisten hätten auch eine Ziege aufstellen können, auch die würde wohl die Mehrheit erlangen. Also schicken Frankreichs Wähler dem Möchtegern-Napoleon Sarkozy zu seiner Carla Bruni nach Hause? Vielleicht freut sich ja neben den Franzosen und vielen Europäern ja auch der aus der Ehe der beiden hervorgegangene Sproß, dass Papa dann öfters zu Hause ist …
Hier geht es zum Standard-Videocast des Robert Misik.
Übrigens: Robert Misiks Videocasts sind immer einen Klick wert!
(Ebenfalls dazu passend: Alfred Grosser. Grande Nation – was nun? – via SF Videothek “Sternstunde Philosophie)