asansörpress35

Fernschreiber

05.12.2011 | 18:33

Helmut Schmidts Parteitags-Rede verdient mehr als die Zigarette danach

Die Eröffnungsrede des SPD-Urgesteins Helmut Schmidt gestern auf dem SPD-Bundesparteitag in der "Station Berlin" wurde mit großem Jubel aufgenommen. Es war die Rede eines großen Demokraten, eines vor allem aus der bitteren Erfahrung, welche Schmidt unter "Adolf Nazi" im Zweiten Weltkrieg hatte machen müssen, heraus überzeugten Europäers.  Natürlich durfte man als Zuhörer nicht ausblenden, dass auch Helmut Schmidt in seiner Zeit als Bundeskanzler zwiespältige Dinge politisch ins Werk setzte. Schmidts Rede gestern aber war die eines um den Frieden, das  Vertrauen der Europäer untereinander und nicht zuletzt: der Demokratie Besorgten. Seiner Partei und uns schrieb er einiges ins Stammbuch.

Würde doch nur einmal die derzeit amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel eine solche Rede halten und danach handeln! Stattdessen gibt sie die Zuchtmeisterin Europas und treibt uns mit der damit verbundenen völlig verfehlten Politik alle dem Abgrund ein wenig näher.

Der 92-jährige Helmut Schmidt hat wahrlich nicht immer Recht. Aber an seiner gestrige Rede ist wenig auszusetzen.  Sie zeigte darüber hinaus in welch finstren, ja: grottenschlechten Zustand sich deutsche Regierungs-Politik befindet. Wohl deshalb erntete sie auch so langen Applaus. Zu selten hört man solche eingdringlichen, auf historischen Erfahrungen, gesunden Menschenverstand und einer vernünftigen Weltsicht basierende Worte heutzutage! Weder in Deutschland noch in Europa finden sich derzeit Politikerinnen und Politiker, die einem - vor mir aus: durchaus manches Mal zwiespältigen Mann wie Helmut Schmidt das Wasser reichen können. Allesamt hecheln sie den größtenteils von ihnen selbst entfesselten Finanzmärkten hinterher, um deren Erpressungenerbötig in Politik zu kleiden. Ein Jammer!

Schmidt Rede gestern auf dem SPD-Parteitag in Berlin verdiente mehr die Zigarette danach.  Ein Nachdenken wäre sie mindestens wert...

Lesen Sie zur gestrigen Rede auch diesen Kommentar:

www.readers-edition.de/2011/12/04/helmut-schmidt-steckte-sich-eine-verdiente-zigarette-an-und-vielen-ein-licht-auf/

 

 
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Kommentare
Zeitwechslerin schrieb am 05.12.2011 um 18:45
Hmm. Ganz und gar großartig. Und falls er sich mit den Eurobonds irrt: Er ist dann nicht mehr da.

Politik besteht nicht nur daraus aus Gründen des Takts Geld zur Verfügung zu stellen und Garantien zu geben, was keiner garantieren kann.
Nietzsche 2011 schrieb am 05.12.2011 um 20:36
Welch ein Idol! Da kann man doch gleich mal den rechten Flügelmann Schmidt "gut reden ": dass auch Helmut Schmidt in seiner Zeit als Bundeskanzler zwiespältige Dinge politisch ins Werk setzte.
Seltsam, dass er Helmuth Kohl weichen musste. Ist seine Gloriole damals noch nicht sichtbar gewesen?
Vielleicht ist mancher zu jung, um Verhältnisse einordnen zu können.
Uwe Theel schrieb am 05.12.2011 um 22:19
Man schaue sich die reale Politik und die aller Ideologie entkleidetet Programmatik der SPD an. Dort gestaltet Schmidt nicht mehr wirklich mit aber für diese, ihren Wahlsieg in 2013 hat er geredet und bringt gerade das Dchlachtschiff ZEIT dazu auf Kurs.

Von Verschuldung darf man reden, aber nicht vom Scheitern des Euro, sprich vom Scheitern des Kapitals. Dass Kapitalismus nicht ohne stetig wachsende Verschuldung geht, entgeht dem VWLer Schmidt noch immer.
siggy schrieb am 06.12.2011 um 22:32
Der Block ist wohl ironisch gemeint?!
Helmut Schmidt, der Hamburger Hardliner, der endgültig den Abschied der SPD von linker Gesinnung beschließen und sich persönlich für überdurchschnittliche Verdienste als HJ-Führer auszeichnen ließ, kann kaum gemeint sein.
asansörpress35 schrieb am 13.12.2011 um 10:33
asansörpress35
Hochpolitischer Mensch, der seit der Schulzeit getrieben ist, schreibend dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Jemand, der auf Grund seiner bisher gemachten Erfahrungen, unzufrieden mit dem Zustand unserer Gesellschaft und der Welt (sowieso)ist...
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