bertamberg

Gesundheit, Geld oder Leben?

06.09.2011 | 23:27

“Das Placebo wirkt!” - Dekonstruktion einer Zwecklüge. Teil 1

 

Warum war das Jahr 1946 ein Meilenstein der Medizingeschichte?

Der Begriff “placebo” war erstmals 1785 in der medizinischen Literatur erschienen und wurde in ''Motherbys Medical Dictionary" als "a commonplace method or medicine” beschrieben (Shapiro & Morris, 1978). Die Cornell Conference von 1946 war im Rückblick ein Ereignis, das das Placebophänomen öffentlichkeitswirksam darstellte und den Einsatz von Placebokontrollen , die bislang seltener Einzelfall gewesen war, zur Routine machte.

Pepper sprach davon, dass gegen Ende des 18. Jahrhunderts fast alle Medikationen von pharmakologischer Wirkungslosigkeit gewesen seien.  (Pepper, O,H. (1945), A note on the placebo, American Journal of Pharmacy, 117, 409-412.)

Aus dieser Haltung heraus ist verständlich, wenn während der Eröffnung der Cornell Conference der Vorsitzende E. F. DuBois meinte, daß die Placeboforschung der wichtigste Schritt in der wissenschaftlichen Medizin sei: 

„As a matter of fact, I think we can show that the study of the placebo ist the most important step to be taken in scientific therapy“ [ebd.].

Tatsächlich denke ich: Wir können zeigen, dass die Erforschung des Placebo-Phänomens der wichtigste Schritt ist, der in der wissenschaftlich begründeten Therapie bewältigt werden muss.” (Cornell Conferences on Therapy (1946) The use of placebos in therapy.Therapeutics 1718–1727)


Wie ist diese Überzeugung zustandegekommen? Im Protokoll der Konferenz läßt es sich nachlesen, nämlich angesichts der Therapieerfolge der Homöopathie (ebd. Herv. d.Verf.):

Weiter wird in dem Protokoll berichtet, welche Art von Wirkungen Placebos haben könnten, beispielsweise gegen Schlafbeschwerden, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit. Sodann werden verschiedene solcher Placebos genannt, z. B. Gentiana oder Baldrian.

Spätestens hier offenbart sich die phytotherapeutische Ignoranz des werten Dr. DuBois: Dies sind naturheilkundliche Mittel mit spezifischer Wirksamkeit gegen eben jene genannten Beschwerden, die sich als Phytotherapeutika ebenso wie in homöopathischer Zubereitung bewährt haben!

So ist also im Protokoll der Cornell Conference von 1946 nachzulesen, daß die Placebodiskussion 1946 eingeleitet wurde, weil orthodoxe Ärzte in ihrer ärztlichen Praxis Erfolge von Homöopathika und Phytothera-peutika beobachteten, dann aber diese Erfolge nicht in ihr theoretisches Konzept der Wirklichkeit und der Medizin einfügen konnten und nicht bereit waren, zu akzeptieren, daß es sich um spezifische Therapieeffekte handeln könne. Es sollten also mit dem Placeboargument jene beobachteten Erfolge hinwegrationalisiert werden.”

Shapiro, A. K. & Morris, L. A. New York: Wiley) waren der Ansicht, dass die Geschichte der Medizin weitestgehend als Geschichte des Placebo-Effektes charakterisierbar sei ( 1978, The placebo effect in medical and psychological therapies. In Handbook of Psychotherapy and Behavior Change, (Bergin & Garfield, eds.). Wenn Patienten geholfen wurde, dann sei das primär psychologisch zu erklären.

Das ist natürlich Unfug.

Das Konzept der Bedeutungserteilung, das in dem nicht-dualistischen Medizinmodell der “Integrierten Medizin” nach Uexküll eine große Bedeutung hat, ist ein wesentlich stimmigerer Erklärungsansatz. Mehr davon im Teil 3.

 

 

 
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Kommentare
fingerhut schrieb am 16.09.2011 um 14:42
Diese Ignoranten weigern sich also ohne Alternativen zu prüfen einen kausalen Zusammenhang zwischen Behandlung und Besserung der Krankheit anzunehmen. Wie kommen die nur dazu. Das ist ja geradezu grotesk, wissenschaftlich!
bertamberg schrieb am 17.09.2011 um 14:48
fingerhut schrieb am 16.09.2011 um 14:42

Sorry, Ihr Beitrag ist etwas aphoristisch verkürzt. Wenn meinen sie mit "Ignoranten"? Was empfinden Sie als "grotesk"?
bertamberg
Xundheit! Salut ! o! genese! Therapie muss aufs Ganze gehen.
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Sisyphos Boucher hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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