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Im Ersten Weltkrieg war der Ungarisch-Österreicher Silvester Matuschka mit zwei Tapferkeitsmedaillen für sein aufopferungsvolles Totschießen von Feinden ausgezeichnet worden.
Er schilderte seine Tätigkeit:
“Habe ich geblasen zu den Maschinengewehren. (Der Angeklagte brüllt :) Schießen !
Schießen ! Schrießen ! Eine halbe Stundc lang nichts wie gespritzt mit Maschinengewehren . . . Als kommt Licht des Tages vor und so hoch (der Angeklagte hebt die Hände ungefähr anderthalb Meter hoch) nichts als Tote.” (Arbeiter-Zeitung, 16. Juni 1932)
Danach konnte er es auch nicht lassen:
“Am 13. September 1931, kurz nach Mitternacht, reißt eine Explosion einige Waggons des Wien-Budapest-Expresszugs auf einem Viadukt vor der ungarischen Bahnstation Bia-Torbagy (40 km von Budapest) in die Tiefe. 24 Passagiere können nur mehr tot geborgen werden. Der Anschlag ist der dritte in einer Reihe von Attentaten, zwei frühere bei Neulengbach und Maria Anzbach in Niederösterreich blieben ohne Opfer, ein Anschlag auf den Berlin-Basel-Schnellzug fordert mehr als 100 Verletzte.
Ohne Ermittlungsergebnisse abzuwarten, wird von der rechtsrechten Presse im Klima des aufkeimenden Nationalsozialismus ein "kommunistisches Attentat" festgestellt. Das Unglück ist auch in Ungarn ein willkommener Anlaß, unliebsame "amtsbekannte Kommunisten" wahllos zu verhaften. Wenige Wochen nach dem Attentat wird der Geschäftsmann Sylvester MATUSCHKA festgenommen und 1932 unter Anklage gestellt, den Eilzug mittels einer Rohrbombe mit eineinhalb Kilo Ekrasit gesprengt zu haben.
(…) MATUSCHKA scheint tatsächlich ein politischer Attentäter gewesen zu sein, wie ungarische Quellen behaupten:
..."The judge had to make psychoanalytical studies during his trial: was he insane, an incorrigible criminal, or a political terrorist? His quick repartees were impudent and startling. He accused a certain "Leo," as having made him commit the crime, without identifying Leo. Matuska did not gain any material advantage from this mass murder, which remained a mystery for ten years. He was declared completely sane of mind by the Courts, but his death sentence was commuted by the Regent to life imprisonment. Nobody suspected that Matuska, seemingly with no political affiliation whatsoever, had been a tool of the Communist Underground. Carefully, he had been planted in Budapest years before, ordered to stay out of politics and to perpetrate his ghastly crime when "Leo" his contact man, commanded him to do so. Litvinov's speech on terrorism must be evaluated in the light shed by these facts..."Tatsache ist, daß Sylvester MATUSCHKA seine 6-jährige Haftstrafe in Österreich abgesessen hat, danach seine lebenslange Haft in Budapest antrat und sich seine Spur 1945 (nach dem Einmarsch der Sowjets) verliert. Einige Quellen behaupten, er wäre begnadigt worden, andere meinen, die Sowjets hätten ihn freigelassen und für ihre Zwecke "engagiert".”
Crimezzz (s.u) kommt zum Schluß: Sylvester MATUSCHKA ist definitiv kein Serienkiller, sondern unter Massenmörder oder politische Attentäter einzuordnen. Man darf gespannt sein, unter welchem Etikett Breivik entsorgt werden wird.
Horst Jarka meinte, dass Silvester Matuschka sich die politische Situation zunutze gemacht und den Verdacht auf politische Terroristen zu lenken versucht habe (in Deutschland auf die Nationalsozialisten, in Ungarn auf die Kommunisten). Matuschka – ein frühgeborener Antitotalitarist?
Der österreichische Dichter und Kabarettist Jura Soyfer legte Matuska folgende Lyrik in den Mund . Die Frage, wer in solcher Causa verrückt war und ist, ist schneidend unbeantwortet.
MATUSKA SPRICHT
“Als Gott und Kaiser mich einst riefen,
Hab' Hunderte ich massakriert ;
Das nannt' man damals >Offensiven<,
Man fragte nicht nach den Motiven,
Man hat mich zweimal dekoriert.
Ich tat dasselbe dann privat -
Da hieß es plötzlich: Greueltat !
Man hört jetzt rings >Heil Hitler !< schreien.
Es kriegt der Kerl auch immerfort
Von Thyssen, Skoda Geldanleihen;
Warum? Er will das Yolk befreien.
Und wie ? Ganz klar : durch Massenmord !
Ich tat dasselbe. Statt zu schrein:
>Heil Matuska !<, sperrt man mich ein.
Zwei Sorten gibt's von Massenmördern:
Die einen pflegt ins Kriminal
Ihr ohne weiters zu befördern,
Die anderen zum General.
Wer ist verrückter, frag' ich da:
Die Welt oder der Matuska?<
Arbeiter-Zeitung, 19. Juni 1932.
Quelle: Jarka, Horst (Hg.) : Jura Soyfer. Lyrik. Europaverlag München, Wien Zürich 1984
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Interessant.
LG |
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@bertamberg
"Hab' Hunderte ich massakriert ; Das nannt' man damals >Offensiven<, Man fragte nicht nach den Motiven, Man hat mich zweimal dekoriert. Ich tat dasselbe dann privat - Da hieß es plötzlich: Greueltat !" Das gibt auf entsetzlich erhellende Weise zu denken. |
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@Joachim Petrick: Es ist entsetzlich, aber es freut mich, dass es Sie zum Denken anregt.
Was halten Sie davon: Es wird immer gesagt, dass Computerkriegsspiele in diesem Zusammenhang völlig ohne Relevanz sind, weil man in Studien keinen Zusammenhang zwischen gehäuftem virtuellen Kriegsspielen und realen Gewalttätigkeiten feststellen konnte. Vielleicht war nur das Studiendesign zu schlecht? Nach dieser Logik müssten doch die Bundeswehr und die Lufthansa auf ihre Flugsimulatoren verzichten können. Warum tun sie es nicht? Ein mir persönlich bekannter Abiturient des aktuellen Jahrgangs wollte umbedingt Kampfpilot bei der BW werden, hat fleißig virtuell trainiert und fast alle Eignungstests bei der BW bestanden, nur beim letzten ist er durchgefallen, in der Simulation mehrerer parallel auszuführenden Handlungen war er überfordert. Die BW nahm ihn nicht, obwohl er überragende Ergebnisse in den anderen Disziplinen aufwies. Mit politischem Bewußtsein hat der Junge nichts am Hut - wem könnte man besser lohnende Ziele zum Treffen geben wenn nicht so jemandem ? "Man fragte nicht nach den Motiven". Wir sollten es umso mehr tun. |
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Wer ist "Wir"? Das Volk?
Zu: "nur beim letzten ist er durchgefallen, in der Simulation mehrerer parallel auszuführenden Handlungen war er überfordert." Erinnert mich an Stanislaw Lem, da hat der Raumschiffpilot auch schmaechlich versagt in der Abschlusspruefung, neben navigieren, Feinde abschiessen etc. sollte er noch mit einer Eintagsfliege im Cockpit fertig werden, das war zuviel. In der Simulation kann man mal auf "Pause" druecken um Pinkeln zu gehen... "Blasenvergewaltigung" im Stress beim Tanklasterbeschuss mit Zivilisten... DAS kann nich jeder! |
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Gute Frage. Wen ich mit "Wir" gemeint habe, war primär auf uns vergnügungssüchtige Prolls, Citoyens und Biedermänner und -frauen der Jetztzeit gemünzt: Ob der eine das Handwerk des staatlich legitimierten Bombenlegers lernen will ohne zu wissen warum und wofür und für wen das gut sein wird, ob englische Jugendliche ohne Ausbildung zu Raub und Brandschatzung zwecks sofortiger Frustrationskompensation schreiten, ob Blogger besserwisserisch wissen wie der Hase läuft oder zu laufen hat : Haben sie nicht eines gemeinsam - den Mangel an dativem Denken und an Phantasie, wem das, was sie tun (werden) nützt und wem es schadet, aber mehr als genug von der ”Ich bin im Recht das zu tun”-Attitüde?
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Matuschka war seiner Zeit weit voraus.
Nach der Entlassung die erworbenen Fähigkeiten als Ich-AG einzusetzen, war wie wir heute wissen, wegweisendes Krisenmanagement. |
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Liebe Claudia,
auch wenns am Anfang schwer fällt: Zynismus ist keine Lösung. Mt der Parallelsetzung Matuschka-Breivik wollte ich keineswegs andeuten, dass ich das als "wegweisendes Krisenmanagement” ansehe. Wenn einem Matuschka die Shoa folgte, was soll dann einem Breivik folgen? Wenn die Toten des WTC einer Satisfaktion bedurften, war es im Sinne eines wie auch immer gewünschten nachhaltigen politischen Effektes legitim und sinnvoll, es in der Form zu tun, in der es hauptsächlich in Afghanistan und dem Irak erfolgt ist? Was du mir tust, das vergelte ich dir doppelt und dreifach, damit du dir merkst, dass ich mir das nicht gefallen lasse, egal was es mich und dich kostet? Gewalt ist keine Lösung. Gewalt ist Ausdruck eines von atavistischen Selbstverteidigungsreflexen geprägten unterschwellig dominierenden Bedrohungsgefühls ohne steuernde Großhirnbeteiligung. Dies ist keineswegs der elementare Baustein für eine sich selbst ad infinitum weiterschreibende Erfolgsstory, auch wenn die Menschheit von ihren Anfängen sich bis ins Jahr 2011 damit mehr schlecht als recht retten konnte. In diesem Zusammenhang ist an Sigmund Freud zu denken, der formulierte, dass die „konstitutionelle Neigung der Menschen zur Aggression gegeneinander“ das „größte Hindernis der Kultur“ sei und konstatierte: „Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.” Freud, Sigmund (2000): Das Unbehagen in der Kultur, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt/M., S. 113. |
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schrieb am
12.08.2011 um 04:21
>>Mt der Parallelsetzung Matuschka-Breivik wollte ich keineswegs andeuten, dass ich das als "wegweisendes Krisenmanagement” ansehe.<<
Das hatte ich auch nicht angenommen, bertamberg. >>Wenn einem Matuschka die Shoa folgte, was soll dann einem Breivik folgen?<< Die Shoa folgte nicht einem Matuschka, denn der nicht die Mittel, einer kleinen, insolventen Kakeeler- und Schägerpartei zur Macht im Staate zu verhelfen. Wir wissen ja recht gut, woher die NSDAP ab 1930 das Geld für ihre mönströsen Propagandakampgnen hatte. >>Wenn die Toten des WTC einer Satisfaktion bedurften, war es im Sinne eines wie auch immer gewünschten nachhaltigen politischen Effektes legitim und sinnvoll, es in der Form zu tun, in der es hauptsächlich in Afghanistan und dem Irak erfolgt ist?<< Es wäre sinnvoll gewesen, die Täter zu ermitteln und vor ein Gericht zu stellen. Das wissen wir ja auch, und wir können uns denken, warum die Regierung der USA kriminalistische Ermittlungen behinderte statt sie zu fördern. Auf welche Weise der Pipelinestreit zwischen Unocal und Bridas und die grossen Erzvorkommen in Afghanistan mit den WTC-Anschlägen zusammenhängen könnten: Die Frage wurde auch schon gestellt. Die Antworten auf die Frage wurden schon oft gegeben, und wir werden eine friedliche, für Menschen geignete Welt nicht schaffen können, wenn wir immer wieder neue Ablenkungsfragen stellen, auf die dann wieder keine konstruktive Antwort gefunden wird. >>„Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.”<< Aus der psychiatrischen Praxis von Dr. med. Freud kam die Antwort auf die Frage, was den Aggressions- und Selbstvernichtungs- "Trieb" fördert und wie diese Ursachen abgestellt werden können, auch nicht. Sonst würden nicht heute immer noch so viele hilflose Fragen gestellt. Nicht Matuschka hat den ersten Weltkrieg begonnen oder die NSDAP an die Macht gebracht. Nicht der Oktoberfestattentäter hat den ersten Afghanistankrieg angezettelt. Und Breivik nicht den Libyenkrieg. Die Ursachen für Kriege, Herrschaft von Menschen über Menschen und Ausbeutung der Menschen durch Menschen immer wieder in der Psyche eines Einzelnen zu suchen ist genauso irreführend wie die Ursache der Arbeitslosigkeit in den Arbeitslosen oder die Ursachen von Plünderungen in den Plünderern verorten zu wollen. Oder die Ursache einer Grippe im Fieber. |
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@ claudia: Ich konnte mit ihrem Zynismus nichts anfangen. Mit "folgen " meinte ich einen chronologischen Ablauf, keinen kausalen Zusammenhang.
Was sind für Sie "Ablenkungsfragen"? Freud hatte nur eine Diagnose gestellt, und was die Therapie betrifft, gibt es da eine babylonische Vielfalt, was aber nicht bedeutet, dass diese Ansätze nutzlos sind. Wieso schließen Sie kategorisch aus, das die Psyche als solches von Interesse sein könnte, wenn es darum geht, Aggressionen zu verstehen oder abzubauen? Neurobiologen tun solches schon länger nicht mehr. Ich hoffe, der Thread geht weiter, auch wenn ich erst ab Montag wieder Zeit zum antworten habe. |
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schrieb am
14.08.2011 um 10:40
>>Wieso schließen Sie kategorisch aus, das die Psyche als solches von Interesse sein könnte, wenn es darum geht, Aggressionen zu verstehen oder abzubauen?<<
Ich schliesse das gar nicht aus, lieber bertamberg. Nur gehe ich nicht davon aus, dass die Psyche eines Einzelnen ein Gewaltsystem erzeugt. Eher ist es so, dass eine bestimmte psychische Veranlagung für bestimmte Karrieren förderlich sein kann. Das trifft aber weder auf Matuschka noch auf Breivik zu. Eher schon auf den Faschisten Martin Wiese: Der könnte, wenn mal wieder eine offene Gewaltherrschaft gebraucht wird, zum "Staatsmann" befördert werden. Und Gewalttäter anführen. Auch Hitlers und Ludendorffs Psyche waren zunächst nicht gefragt. Hitler wurde 1923 weggesperrt, in der Festung Landsberg. Ludendorff konnte sich dem durch Flucht entziehen. Die NSDAP war zeitweise verboten. Es war auch gar nicht primär die Psyche Hitlers, die ab 1930 von finanzstarken Unterstützern eingekauft wurde: Gefragt waren primär die agitatorischen Fähigkeiten des Dr. Josef Göbbels. Der latente Antisemitismus Hitlers und einiger "Kampfgenossen", vor 1933 nur wenig wahrgenommen, wurde mitgekauft. Erst nachdem die NSDAP mit Hilfe der hohen Parteispenden ihren Stimmenanteil verzehnfachen konnte und 1933 zur "staatstragenden Kraft" im Lande erhoben wurde (vom Reichspräsidenten), konnte der Antisemitismus zur Staatsdoktrin werden. Dann gab es natürlich z.T. recht gut bezahlte Jobs für gewaltbereite Täter. Daraus folgt: Nicht Täter, sondern Anstifter/Anführer steigen auf. Führer, die gewaltbereite Menschen benutzen, gelten in der Regel nicht als therapiebedürftig. Sie können allenfalls mal im Knast landen, wenn sie momantan nicht gebraucht werden. Täter landen weder im Knast noch in der Psychiatrie, wenn ihr Anführer gebraucht wird. Daraus folgt weiter: Um potentielle Gewalttäter zuverlässig therapieren zu können, müssen gewaltfördernde Herrschaftssysteme abgestellt werden. Prinzipiell Ähnliches gilt für eine Neigung zur Wirtschaftskriminalität, eine weitgehend als "leistungstragend" verherrlichte Gewaltform, die steile Karrieren in einem ökonomischen Gewaltsystem ermöglicht, das ebenfalls bedenkenlos über Leichen geht. Und ggf. eben auch die Anführer physischer Gewalttäter anheuert, siehe Hitler, Göbbels & Co. |
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@ Claudia: Wir erleben tagtäglich, dass Menschen und Gemeinschaften nicht einmal gewaltbereite Individuen "abstellen" können, wie sollen da "gewaltfördernde Herrschaftssysteme abgestellt werden", wenn es schon an der Zivilcourage fehlt, gegen Einzelne Randalierer einzuschreiten statt wegzukucken, wenn in der U-Bahn Gewalttätigkeiten stattfinden?
Sicher ist Breivik ein Wirrkopf statt der Visionär, der er glaubt zu sein, und , würde er "gebraucht", würde er nicht weggesperrt. Nur: Wie sähe eine "zuverlässige Therapie" aus, wenn sie bei potentiellen Gewalttätern ansetzen soll, wo wurden Erfahrungen damit gemacht, sollte man da nicht besser von vorbeugenden Maßnahmen sprechen ? Wie definiert man den "potentiellen Gewalttäter"? Panksepp geht davon aus, dass Gefühlen evolutionär bedingte neuronale Mechanismen zugrunde liegen. Er bezeichnete vier basale emotionale neuronale Netzwerke, die sich auf der Grundlage eines rudimentären „emotiven Organsystems“ in Reaktion auf Umweltreize hin gebildet haben (die zugehörigen Emotionen sind in Klammern angefügt): SEEKING (Begehren, Hoffnung, Erwarten), RAGE (Hass, Wut), PANIC (Einsamkeit, Trauer, Trennungs-Disstress) und FEAR (Angst, Alarmierung, Schrecken). Als sozialfördernde Emotionen gebe es neuronale Entsprechungen für LUST (Lustempfindung), CARE (Fürsorge) und PLAY (Spieltrieb). (Panksepp J (1998/2005): Affective neuroscience: the foundations of human and animal emotions. New York) Eine ähnlich einfache Einteilung machte Bertrand Russell: “Der Krieger, der Gentleman, der Plutokrat, der Diktator – jeder hat seinen eigenen Maßstab für das Gute und Wahre.” (Russell, B. (1999): Philosophie des Abendlandes, Europa Verlag, München Wien 8.Aufl., S. 55) Ich bin sehr dafür, dass die Anführer, die Diktatoren und Plutokraten dieser Welt keine Krieger mehr finden, die von einem missverstandenen Tapferkeitsgebot motiviert für sie das Morden erledigen, und keine Gentlemen, die in Missdeutung ihres ur-ethischen Imperativs Menschen davon abhalten, gegen die Ungerechtigkeiten des Mordens aus niedrigen Beweggründen, gegen Lügen zur Verteidigung des Mordens und gegen das Verschieben des Solidaritätsgebots auf die ferne Zukunft sich einzusetzen. Ich sehe aber kaum eine soziale Einrichtung, in der junge Menschen dazu erzogen werden, "Nein" zu sagen, so wie es z.B. Bradley Manning tat. Mit seinem Gewissen ist jeder allein, und da gilt der Herdentrieb: Wenn RAGE aktiv ist, ist PANIC und FEAR abgeschaltet, erst recht CARE. RAGE kann aber gut mit PLAY und LUST zusammen aktiv werden: Modell Breivik. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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