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09.05.2009 | 19:29

Einigkeit mit Altbundeskanzler Helmut Kohl

Der Altbundeskanzler ist gestern in Stuttgart mit dem Preis der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung für sein Lebenswerk geehrt worden. Der Laudator, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude-Juncker, sprach von einem "großen Europäer", einem "großen Deutschen". Der durch Krankheit schwer gezeichnete alte Mann war aus tiefer Verbundenheit mit dem früheren Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer persönlich zur Preisverleihung gekommen. (Schleyer wurde 1977 von der RAF aus politischen Motiven hingerichtet und Helmut Schmidt als Kanzler hatte ihn aus Gründen der Staatsraison und Unerpressbarkeit des Staates "politisch geopfert").

Was wurde Kohl in seiner 16-jährigen Amtszeit beschimpft, belächelt, als "Birne" karikiert. Er selbst übte sich immer auch im buddhistischen Lächeln und fintenreichen Varianten einer "Diktatur des Sitzfleisches". Und doch kann man "dem einfachen Jungen aus Ludwigshafen" seine Entscheidungsstärke im rechten Augenblick nicht absprechen. Er wird als der große Einheits-Kanzler in die Geschichtsbücher eingehen. Aufgeregt sucht man in Berlin zurzeit aus 532 Entwürfen zum "Denkmal für Einheit und Freiheit", was denn am besten geeignet wäre. Warum nicht gleich Helmut als westlicher Buddha?

Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mit Helmut Kohl in der föderalen Bildungspolitik mal so einig sein könnte. Fast vergessen und doch noch rechtzeitig aus den Textgalaxien gefiltert: Kohl meinte schon vor mehr als 10 Jahren:
"Die reaktionärste Einrichtung der Bundesrepublik ist die Kultusministerkonferenz; im Vergleich dazu ist der Vatikan noch weltoffen."  Zwischendurch einfach ein weitblickender Mann.

 
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Kommentare
suppensalz schrieb am 09.05.2009 um 20:52
es gibt allerdings auch andere nette zitate zur kmk:

gerhard schröder: "wir müssen die deutsche schule retten und nicht die kultusminister"

christian wulff: (niedersachsen zahle jährlich rund 2,5 Millionen Euro an die kmk. dieses Geld solle nun für eine qualitätsverbesserung an Schulen eingesetzt werden) "statt für die bürokratie von 250 leuten, die zum teil nichts anderes tun, als vom grünen tisch aus konzepte theoretisch zu entwerfen und dann gegen gewichtige einwände rechthaberisch zu verteidigen"

reaktion aus dem kmk-präsidium (wolf/zöllner) nach wulffs aussagen: "die verantwortung für die bildung liege im föderalen system bei den ländern. um die vergleichbarkeit von schul- und hochschulabschlüssen sowie mobilität zu gewährleisten, sei aber die länderübergreifende zusammenarbeit notwendig. dies stelle die kmk sicher."

letztlich ist niedersachsen dann (doch) nicht ausgetreten...

ob wulff nicht aber doch recht hatte, wurde zumindestens öffentlich nicht mehr ausdiskutiert!

die ganze bildungsmisere zeigt sich dann jedoch wieder in der antwort aus dem kmk-präsidium. hier wird von mobilität gesprochen, die durch die arbeit der kmk gewährleistet werde. traurig ist aber, dass es dabei nicht um mobilität im geiste (der schülerinnen und schüler) geht, sondern vielmehr quasi um eine mobilität des papiers. es ist schön und gut, dass ein in bundesland a begonnener schulbesuch in bundesland b fortgesetzt, abgeschlossen und zertifiziert werden kann, aber die entscheidenden fragen (lehrerausbildung, gänsemarschunterricht www.freitag.de/community/blogs/bildungswirt/bildungspolitik--ab-im-gaensemarsch)bleiben weiter unangegangen. (ich weiss, dass die wulff-äußerungen aus dem herbst 2004 stammen, das macht es aber umso schlimmer...)

wieso sollte eigentlich nicht ein bundesland aus der kmk austreten und ein landeseigenes, auf die mobilität des geistes ausgerichtetes abitur entwickeln und umsetzen. mobil im geiste wird man sich dann sicherlich auch in anderen bundesländern behaupten können! wie das genau aussehen soll, dieses geistmobile abitur, weiss ich selbst auch nicht im detail, aber eine ansammlung schlauer köpfe (die man in der kmk vermuten sollte) könnte hier doch sicherlich hirnschmalz reinstecken.

da ruft helmut kohl aus dem off: die doch net, die sind doch reaktionär...

in diesem sinne einen schönen samstag abend!
Bildungswirt schrieb am 10.05.2009 um 11:19
Lieber Suppensalz,
prima, deine kleine KMK-Recherche. Und Christian Wulff? - tja, wenn's ernst wird ...Solche Institutionen sind zählebig. Der Soziologe Luhmann hat hier das entsprechende zur Selbstreferenz und zur internen Systemerhaltung, Tendenz Ausbeitung gesagt.Zur KMK können wir mal extra diskutieren.
Ursprünglich waren wir bei Helmut Kohl, Preisverleihung, Lebensleistung, Denkmal.
Freundliche Grüße vom Bildungswirt
Micha schrieb am 09.05.2009 um 23:43
Kohl soll ja nun auch an Band III(?) seiner politischen Erinnerungen sitzen, leider(naja...) habe ich I+II nicht gelesen, aber vielleicht weiß du, was er im Rückblick zur KMK denkt bzw. über diese Institution, die jeder verwünscht, aber die doch wohl niemand "loswerden" kann... Was er wohl selbst zu einem Denkmal sagen würde?
Wahrscheinlich würde er es aussitzen und dann wäre das Denkmal da - wobei er zvor bei Dieckmann & Co. sicher zum Hörer gegriffen hätte...
Bildungswirt schrieb am 10.05.2009 um 11:26
Lieber Micha,
ich bin kein "Kohl-Experte", was er im Rückblick zur KMK denkt? - keine Ahnung. Der Bund hat bei der föderalen KMK (Ländersache)eh nur eine Zaungastrolle. Das ging Kohl wohl mal kurzfristig auf die Nerven.
"Denkmal aussitzen", sag ich doch: der sitzende deutsche Buddha.Da sollten sich vor allem die "Berliner" äußern.
Grüße vom Bildungsiwrt
suppensalz schrieb am 10.05.2009 um 17:00
zum thema denkmal:

besser als viele der vorgestellten vorschläge wäre ein kohl-buddha allemal. was beispielsweise eine riesengiraffe mit der deutschen einheit zu tun haben soll, wird mir nicht wirklich klar... im besten sinne könnte man vielleicht noch sagen, dass sie mit ihrem langen hals über die mauer schauen konnte...

zumal der kohl-buddha, so er denn selbst zustimmen würde, gerade in einer touristenmetropole wie berlin auch mit dem vorurtei aufräumen würde, wir deutschen wären nicht weltoffen und könnten nicht auch über uns selbst lachen...

allerdings steckt hier durchaus auch einige brisanz drin, denn ein missverständnis in richtung kohl- oder buddha-verarsche ist sicherlich nicht undenkbar...

vielleicht hat kohl aber ohnehin sein denkmalrecht durch die schwarzgeldaffäre verwirkt...
Bildungswirt schrieb am 10.05.2009 um 18:00
Na Suppensalz,
vielleicht wärst du das "Salz in der Suppe" im Berliner Denkmalseintopf? Jedenfalls gute Überlegungen, bewirb dich doch als Kreativtalent bei Oberbürgermeister Wowereit?
Ein kreativ verfremdeter, schwebender Helmut Kohl, mit Mauerspechten im Hintergrund, wäre sicher gut für Berlin, die Buddhisten und Christen aller Länder würden das lächelnd, aber wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Vielleicht könnte noch in 100 Meter Entfernung - aber in direktem Blickkontakt mit Kohl - Willy Brandt(historischer Kniefall und Motto: "Demokratie wagen") ins Großdenkmal einbezogen werden? Die Touristen wandern und wandeln dann zwischen den beiden Bezugspunkten hin und her, stellen Aossoziationsketten her ...Was meinst du?

"Schwarzgeldaffäre"? Wenn interessiert das noch, wenn alles heute Peanuts sind und Milliarden auf Pump jede Woche bis zur bitteren Neige fließen.
Freundliche Grüße vom Bildungswirt
Bildungswirt
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