ChristianBerlin

SchwammDrüber-unerhört+ubersehen

06.06.2010 | 09:26

Die Ritter der Tafelrunde

Wer sich für Notleidende und Arme in unserem Lande engagiert, für den liegen Ehre und Schande bereit. Beim 16. Bundestafeltreffen wurden die ehrenamtlichen Helfer der neuen Armenspeisung von einer CDU-Ministerin geadelt und von deren politischem Gegner als Handlanger des Sozialabbaus entlarvt.

Dissonanzen von einem bloggenden Straßensänger 

Kristina Schröder adelte die ehrenamtlichen Helfern zu "Rittern der Tafelrunde"

Bundesfamilienministerin Kristina Schrödern beim Adeln der edlen Ritter der Moderne

Schon wieder ein Auftritt bei einer gemeinnützigen Sache. Das bringt wenig oder gar kein Geld in die Kasse. Aber wir Sänger vom Straßenchor haben ja sowieso nichts von unserer Gage. Das Geld verwaltet die Treberhilfe. Was die damit macht, erfährt keiner, auch nicht, wenn man gezielt nachfragt. Aber selbst wenn wir dieses Geld ausbezahlt bekämen, müssten die meisten es beim Hartz-IV-Amt abliefern.

Zu essen gibt es dafür genug. Die endlos lange Tafel lädt auf dem Alex alle ein, die Hunger haben. Ehrenamtliche Helfer versorgen sie mit Nudelsuppe, Schmalzstullen, aufgetautem Kuchen und Servietten mit REWE-Aufdruck. Der Regierende Bürgermeister hat mit einer Stadtwette dafür gesorgt, dass zu diesem Anlass 75 Tonnen Lebensmittel gespendet wurden, die Geschäftsleiter von REWE und Penny durften dafür auch auf die Bühne – im Wechsel mit Funktionären aus Gewerkschaft und Diakonie und Politik.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ist die neue Schirmherrin der deutschlandweit über 870 Tafeln. Ihr Redenschreiber, vielleicht auch sie selbst, war auf die glorreiche Idee verfallen, die ehrenamtlichen Helfer mit den „Rittern der Tafelrunde“ zu vergleichen. Man konnte sehen, es machte der jungdynamischen Kleinen riesigen Spaß, ihren irgendwie witzigen Text vorzulesen und sich dann vom Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. einen Regenschirm als Zeichen ihrer Schirmherrschaft überreichen zu lassen.

Dabei ist das Tafelwesen, wie vieles andere auch, eine Medaille mit zwei Seiten. Durch die Erfolgsstory entstehen lokale Sachspenden-Monopole im Lebensmittel-Entsorgungs-Bereich. Traditionelle Armenküchen in Obdachloseneinrichtungen haben es in einigen Städten schwer, noch Nahrungsmittelspenden zu bekommen, weil die Restaurants und Supermärkte inzwischen alles, was übrig ist, zentral an die Tafel geben.

Immer wieder kommen auch Neid-Diskussionen auf. Wo Spenden verwaltet werden, wird nach der statistischen Erfahrung gelegentlich was abgezweigt oder für die Verwaltung im weitesten Sinne benötigt. Wenn dann als Nebeneffekt dieser Selbsthilfeorganisation ein ehemals Hartz IV Betroffener ein echtes Gehalt für echte Arbeit bezieht oder er die Geschäfte ehrenamtlich weiterführt, aber eine gute Bekannte als Sekretärin einstellt oder er ein Dienstfahrzeug anschafft, muss das kein Maserati sein, um heftige Kritik auf den Plan zu rufen.

Natürlich kann man solche Logik auch umdrehen und in der wachsenden Armut den eigentlichen Skandal sehen. Auf diesen Zusammenhang machten fast wortgleich der Sozialdemokrat Wolfgang Thierse und der Linke Rainer-Maria Fritsch aufmerksam: Würde der Sozialstaat so funktionieren, wie er funktionieren sollte, bräuchten wir keine Tafeln, schon gar nicht in diesen Größenordnungen. Thierse war als Stellvertreter für Parteichef Sigmar Gabriel gekommen und Fritsch für Klaus Wowereit, der als Gewinner seiner Wette nun doch nicht einen Tag lang in der Essensausgabe einer Berliner Tafel schuften muss.

Noch weiter ging die Tafelkritik von Werner Schulten, Sprecher der AG Hartz IV in und bei der Linken. Der sah in den 40.000 ehrenamtlichen Helfern, ohne die Millionen Deutsche inzwischen nicht mehr wüssten, wie sie satt werden, „Handlanger“ des Sozialabbaus. Das war eine echt linke Kritik in der Tradition des parodoxen marxschen Argumentes, dass, wer Leiden lindert, damit den Leidensdruck und das Protestpotenzial schwächt, was vor allem als Vorwurf gegen die Religion bekannt wurde. Der Ansatz aus der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung war deshalb, das eine nie ohne das andere zu tun. Diesen Anspruch erhob aber auch die Tafel in der prompten Erwiderung eines Tafel-Aktivisten aus dem Publikum, dem Moderator Ulli Zelle ausnahmsweise das Mikrofon hinhielt: „Wir helfen den Betroffenen, aber wir kritisieren auch die Zustände, die dazu führen, dass wir überhaupt helfen müssen.“

Nach dem Erkenntnisstand von Tafelkritiker Prof. Peter Grottian geht diese Kritik aus der Tafelbewegung aber nicht weit genug. „An sich müssten die Verantwortlichen der Tafelbewegung alles tun, ihren Gründungsboom zu hinterfragen – bis hin zu der Frage, wie die Tafeln von der Politik prinzipiell missbraucht werden. Die Politik verordnet eine Magerkur und eine bürokratische Zurichtung von Menschen, die von den Tafeln blumenreich geschmückt wird. Das ist faktisch eine uneingestandene strukturelle Komplizenschaft, die die Akteure von Tafeln und Politik brüsk, aber möglicherweise leicht schlechten Gewissens zurückweisen müssten. Die Akteure der Tafelbewegung sind seit einiger Zeit selbstkritischer geworden, aber auf die Idee, ihre Tafeln bewusst für einige Tage zu schließen, um der Politik Beine zu machen, wirklich für die Grundversorgung von Menschen einzustehen, darauf sind sie bisher nur hinter vorgehaltener Hand gekommen“, schrieb der tafelkritische Sozialwissenschaftler erst letzten Montag auf den Nachdenkseiten im Internet. Er scheint Recht zu haben. Der Widerspruch aus der Tafelrunde galt Werner Schulte und nicht etwa den Stimmen aus den Hartz-IV-Macher-Parteien, die Schulte dafür sofort in Grund und Boden kritisierten.

Vielleicht ist das auch gut so. Wo kämen wir hin, wenn die Tafelritter neben dem Stopfen hungriger Mäuler noch Zeit fänden, einen Protest zu organisieren, wie ihn Peter Grottian fordert: „Besetzungen von Deutsche Bank-Filialen, um die Zahlungen für die Krise öffentlichkeitswirksam einzuklagen. Besetzung von Arbeitsagenturen, um eine 500 Euro-Regelsatz-Forderung zu bekräftigen; die Schließung von Tafeln, um eine wirkliche Grundsicherung zu erreichen; ein Streik für Mindestlöhne gemeinsam mit Gewerkschaften entwickeln u. v. m.“? Man riecht es von weitem: In Teufels Küche.

Lieber sing ich da mit Wolfgang Thierse ein nachdenkliches Liedchen, genieße die Sonne am Alex und warte einfach mal ab, welche Sparmaßnahmen morgen das Bundeskabinett für die Sozialausgaben beschließt. „Who can say where the road goes, where the day flows? Only Time.” (Enya)

 

Foto: selbst / Video: Peter Dauer

 
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Kommentare
Wolfram Heinrich schrieb am 06.06.2010 um 10:03
Dieses Bild da oben tut ja grauenvoll sein. Der einzige, wo eine anständige Hose anhaben tut ist der graubärtige Herr ganz links, alle anderen stehen mit Jeans rum.
Und früher, wie's noch das Christliche Abendland gab waren die Schlagersänger jung und weiblich und die Minister männlich und grau-gesetzt.
Das wird nicht gut enden.

Ciao
Wolfram
mh schrieb am 06.06.2010 um 18:46
man muss jeans tragen, um volksnähe zu demonstrieren. immerhin sollen die einen ja noch wählen, dann später mal.

nur ihre schuhe, die lehnen sich gegen das völkische auf. sie untermauern das anders, das besser sein der kristi.

aber die kritiker haben natürlich nicht unrecht. wenn das volk dann mal verhungert, dann ist es offensicht, dass da was schiefläuft. nur dann kann sich etwas besser.

so gehet hin und hungert euch zu tode, meine schäfchen.

mfg
mh
archinaut schrieb am 06.06.2010 um 12:31
Wundervoll, herzlichen Dank,
ein nachdenkliches Wort zum Sonntag
vom bloggenden Tafel/Bänkel-Sänger!
Rahab schrieb am 06.06.2010 um 12:39
was schlägst du vor, ChristianBerlin, außer die sonne zu genießen?
ChristianBerlin schrieb am 06.06.2010 um 13:36
Darüber muss ich gleich noch mal nachdenken - in der Ruhe des Müggelsees.

Hättest Du vielleicht schon eine Idee, die ich mitnehmen könnte?
Rahab schrieb am 06.06.2010 um 13:51
dem grottian seine bank besetzen und gucken, wie er reagiert?
ChristianBerlin schrieb am 07.06.2010 um 09:08
Was Grottian da vorschlägt, sind - für sich genommen - alles Steinzeitmethoden. Es sei denn, man macht das als bloßen Hingucker und nicht als Erpressung wie bei der RAF, also als Aktionskunst mit Medienecho wie bei Greenpeace oder Attac. Das meint er wohl auch mit "öffentlichkeitswirksam einzuklagen". Was seinen Vorschlägen dazu fehlt, ist die richtige Klageschrift, zumindest an der reizvollsten Stelle, der Bankbesetzung.

Wenn das etwas bringen soll, ist der wichtigste Part die Publicity und die zu transportierende Botschaft, nicht die bloße Aktion oder Kunst. Auch Christus am Kreuz wäre vergeblich gestorben und sogar vergeblich auferstanden, hätten nicht Petrus und vor allem Paulus das ganze auf das Weltgeschehen und Weltschicksal gedeutet und an Menschen damit zu einer existenziellen Entscheidung vor diesem Hintergrund herausgefordert. Sowas müssten wir in Gang setzen, in einer gesunden Mischung oder gelungenen Kombination.

Grottians Vorschlag mit der Bankbesetzung würde ich aus einer ganzen Reihe meiner Meinung nach vernünftiger Gründe dahingehend modifizieren, dass ich nach nicht Robin Hood Manier unmittelbar bloß Geld für die Allgemeinheit erpressen wollte, um den Sozialabbau zu mildern. In der politischen Diskussion geht es jetzt schon um ein grunde dickeres Brett, nämlich darum, deren Freiheiten und deren Macht wirksam zu beschränken, sonst könnten die Banker sich diese Kohle beim nächsten Beutezug schnell wiederholen. Es bliebe bei einem reines Hin- und Hergeschiebe, das jeweils der eine dem anderen abnötigt, nur mit dem Unterschied, dass die Banken echten Profit brauchen und der Politik symbolische Zahlungen ausreichen - was per Saldo immer ein Minusgeschäft für den Staat bedeutet.

Wir haben es bei der Parallelwelt der Investmentbanker nicht nur mit einer geldanbetenden Sekte, sondern mit einer kriminellen Vereinigung erster Güte zu tun, die alle drei Merkmale der OK-Definition erfüllt - wobei das dritte, die Infiltration und Verflechtung mit dem Staat, dafür sorgt, dass sie nicht (mehr) verfolgt werden kann. Wenn man die Informationen glaubt, die Harald Schumann jetzt in seinen Vorträgen auftischt, ist diese Konsequenz unabweisbar. Da müssten wir ran (wollen), und nicht nur an ein paar Euros aus deren Portokasse.
ChristianBerlin schrieb am 07.06.2010 um 09:08
Was Grottian da vorschlägt, sind - für sich genommen - alles Steinzeitmethoden. Es sei denn, man macht das als bloßen Hingucker und nicht als Erpressung wie bei der RAF, also als Aktionskunst mit Medienecho wie bei Greenpeace oder Attac. Das meint er wohl auch mit "öffentlichkeitswirksam einzuklagen". Was seinen Vorschlägen dazu fehlt, ist die richtige Klageschrift, zumindest an der reizvollsten Stelle, der Bankbesetzung.

Wenn das etwas bringen soll, ist der wichtigste Part die Publicity und die zu transportierende Botschaft, nicht die bloße Aktion oder Kunst. Auch Christus am Kreuz wäre vergeblich gestorben und sogar vergeblich auferstanden, hätten nicht Petrus und vor allem Paulus das ganze auf das Weltgeschehen und Weltschicksal gedeutet und an Menschen damit zu einer existenziellen Entscheidung vor diesem Hintergrund herausgefordert. Sowas müssten wir in Gang setzen, in einer gesunden Mischung oder gelungenen Kombination.

Grottians Vorschlag mit der Bankbesetzung würde ich aus einer ganzen Reihe meiner Meinung nach vernünftiger Gründe dahingehend modifizieren, dass ich nach nicht Robin Hood Manier unmittelbar bloß Geld für die Allgemeinheit erpressen wollte, um den Sozialabbau zu mildern. In der politischen Diskussion geht es jetzt schon um ein grunde dickeres Brett, nämlich darum, deren Freiheiten und deren Macht wirksam zu beschränken, sonst könnten die Banker sich diese Kohle beim nächsten Beutezug schnell wiederholen. Es bliebe bei einem reines Hin- und Hergeschiebe, das jeweils der eine dem anderen abnötigt, nur mit dem Unterschied, dass die Banken echten Profit brauchen und der Politik symbolische Zahlungen ausreichen - was per Saldo immer ein Minusgeschäft für den Staat bedeutet.

Wir haben es bei der Parallelwelt der Investmentbanker nicht nur mit einer geldanbetenden Sekte, sondern mit einer kriminellen Vereinigung erster Güte zu tun, die alle drei Merkmale der OK-Definition erfüllt - wobei das dritte, die Infiltration und Verflechtung mit dem Staat, dafür sorgt, dass sie nicht (mehr) verfolgt werden kann. Wenn man die Informationen glaubt, die Harald Schumann jetzt in seinen Vorträgen auftischt, ist diese Konsequenz unabweisbar. Da müssten wir ran (wollen), und nicht nur an ein paar Euros aus deren Portokasse.
ChristianBerlin schrieb am 07.06.2010 um 09:11
@Freitag

Macht doch mal den Filter wieder rein, der jedes Post auf identischen Inhalt mit dem vorigen überprüft, bevor das Skript sie in die DB einträgt, und lasst diesen Filter dann auch dann drin. Der war Gold wert.
Rahab schrieb am 07.06.2010 um 09:43
hm - selbst wenn die macht der investbanker so weit beschränkt würde, dass ... würde das am grundsätzlichen problem was ändern?
ChristianBerlin schrieb am 07.06.2010 um 11:07
Meinst Du mit dem "grundsätzlichen Problem" die Bipolaren Risiken des profit- oder renditeorientierten Wirtschaftens - Stillstand und Chaos - im Sinne des Dunning-Zitats, das in Deutschland durch Karl Marx bekannt wurde?

"Kapital flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel."


Ich weiß nur soviel, dass auch der von Lenin und Stalin geschweißte Staatsmonopolkapitalismus aus diesem Grunddilemma nicht herauskam. Die soziale Marktwirtschaft aber auch nicht, jedenfalls nicht die nationale im Zuge der Globalisierung, bei der das scheue Reh sich mangels politischer Gegenkontrolle wieder als reißende Hyäne gebärden konnte.

Die Diskussion um den Primat der Politik halte ich deshalb tatsächlich für zielführend. Allerdings kritisiere ich daran, dass drei konkurrierende Systeme in ein gedeihliches Miteinander des sich gegenseitig Befruchtens und Begrenzens gebracht werden müssen: Das des Staates und der Politik (Justiz eingeschlossen), das des Marktes und der Wirtschaft (mit dem Geldwirtschaft und Kapital als nach wie vor unerlässlichem selbstregulieredem Selektionsprinzip) und schließlich das der Moral/Weltanschauung/Religion, das leider in der wirtschaftlichen Diskussion als Faktor völlig unterschätzt wird, weil es nach Meinung vieler in eine andere gehört: Die der globalen Sicherheit und Bedrohungslage durch Fundamentalismen verschiedenster Art. Das sollte nicht getrennt untersucht oder diskutiert werden, sondern im Zusammenhang.

Alle Menschen und Kulturen werden von diesen drei Regulationssystem in Bewegung gesetzt und gesteuert, auch wenn sie manchmal unterschiedlich aussehen. Denk an Grimms Märchen vom Tischlein deck dich, da hast du sie alle drei in ihren Grundfunktionen. Deren gedeihliches Miteinander ist in meinen Augen das grundsätzlichste aller Grundsatzprobleme. Oder meintest Du ein ganz anderes?
Rahab schrieb am 07.06.2010 um 11:42
nö.
ich hätte vielleicht nicht so schnell das zitat vom ollen kalle gefunden, aber sonst habe ich erst mal keine einwände.
nur die frage: wo fangen wir an? ich tät's mal bei staat versuchen.
merdeister schrieb am 06.06.2010 um 15:56
Das Problem mit den Tafeln ist, dass sie eigentlich das Ziel haben müssten, sich selbst abzuschaffen.

Interessant vielleicht auch der Hintergrund Politik vom Deutschlandfunk.
Wolfram Heinrich schrieb am 06.06.2010 um 19:49
@merdeister
Das Problem mit den Tafeln ist, dass sie eigentlich das Ziel haben müssten, sich selbst abzuschaffen.

Dieses Problem haben - und das immer schon - alle Erzieher, seien es Lehrer oder Eltern.

Ciao
Wolfram
poor on ruhr schrieb am 06.06.2010 um 20:51
@merdmeister
@christian Berlin

Danke für den Kommentar und den guten Blog.

Herzliche Grüße

rr
Detlev schrieb am 07.06.2010 um 10:56
@merdeister
...Das Problem mit den Tafeln ist, dass sie eigentlich das Ziel haben müssten, sich selbst abzuschaffen. ...

Sehe ich nicht so. Die Tafeln haben genug mit dem möglichst reibungslosen Tagesablauf zu tun. Die Gegenstandslosigkeit der Tafeln ist eine gemeinschaftliche Aufgabe der Gesellschaft, was bedeutet: Die Ursachen einer leider notwendigen Existenz der Tafeln angehen und beseitigen. Und genau da klemmt`s immer noch gewaltig.
merdeister schrieb am 08.06.2010 um 15:50
Am Kopf der Tafel sitzt es sich gut und man sieht nur, wie es allen schmeckt.
Magda schrieb am 06.06.2010 um 19:59
Sehr interessanter und lebhafter Bericht. Und wie ich finde mit allem Für und Wider".

"Der sah in den 40.000 ehrenamtlichen Helfern, ohne die Millionen Deutsche inzwischen nicht mehr wüssten, wie sie satt werden, „Handlanger“ des Sozialabbaus. Das war eine echt linke Kritik in der Tradition des parodoxen marxschen Argumentes, dass, wer Leiden lindert, damit den Leidensdruck und das Protestpotenzial schwächt, was vor allem als Vorwurf gegen die Religion bekannt wurde."

Auch ja und nein. Denn Handlanger sind sie, das stimmt. Nur, sie schwächen das Protestpotential nicht. Sie verhindern eher noch größere Verwahrlosung. Ist leider so.
Lee Berthine schrieb am 06.06.2010 um 21:13
die Tafeln sind einerseits ein Akt der Nächstenliebe und Solidarität, andererseits "stabilisieren" sie ungerechte Zustände.

Trotzdem, gut dass es sie gibt, dass es Menschen gibt, die sie tatkräftig unterstützen - auch wenn sie hoffentlich irgendwann mal überflüssig werden sollten...in Teufels Küche...
Joachim Petrick schrieb am 11.06.2010 um 03:22
"die Tafeln sind einerseits ein Akt der Nächstenliebe und Solidarität, andererseits "stabilisieren" sie ungerechte Zustände."

...nicht,wenn Tafeln sich als Teil der Rekonstruktion von verschüttetem Gemeinwesen säkularer wie klerikaler Ausrichtung verstehen!, oder?

tschüss
JP
Detlev schrieb am 07.06.2010 um 11:29
Ehrenamtliche Mitarbeiter mit dem Begriff "Handlanger" zu assoziieren ... ist einerseits ein wenig heftig, andererseits in manchen Fällen leider die traurige Realität. Diese Zweckentfremdung sozial engagierter Menschen findet auch bei Mitgliedern des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes statt. Vor einigen Jahren durfte ich diese Praktik des "Nutzniessung" aus nächster Nähe beobachten. EhrenamtlerInnen führten teils die Jobs von ansonsten gut bezahlten Karitativen aus. Menschen in sogenannten geschützten Bereichen wurden ungewollt und vor allem ungefragt zur Alibifunktion der Subventionspolitik karitativer Einrichtungen. Am Ende diente es mehr dem Erhalt von Arbeitsplätzen von hauptberuflich wirkenden "Dienern des Herrn". (Bezogen auf die eher kommerziell agierenden Einrichtungen unter dem Schirm der Kirchen). und der seltsamen Mehrung von Grundstücken und Immobilien. Überdies ging es soweit, dass sich privat engagierte Menschen unverhofft auf einer offiziellen Liste von Ehrenamtlichen wiederfanden. Ohne vorher gefragt zu werden. Auf diese Weise werden durchaus Teilzeit- und Vollzeitarbeitsplätze eingespart.

Die Diskussion um und über die Tafeln sollte noch weiter in die Gesellschaft hineingetragen werden.

@Christian, danke für Beitrag. Einer der Highlights im Internetdschungel
Joachim Petrick schrieb am 11.06.2010 um 03:04
Lieber Christian,
vielen Dank für diesen Blog.

So berechtigt die Grundsatzkritik an den Verhältnissen ist, die die Tafelritter/innen als deren Botschafterinnen hervorgebracht, so ist es doch vollkommen daneben, die Botschafter/innen für ihre Botschaft erst an den medialen Pranger, dann an den Anger zu binden.

Noch können wir halbwegs das Maß der Armut in unserem Lande durch die öffentlichen Tafeln erkennen. Armut, Vereinsamung sind ja meistens Weggefährten, soweit es deren Mobilität, deren Beine noch hergeben, die es zu den Tafeln zieht.

Was mir fehlt ist das Einbinden der tafeln in das Leben im Stadteil, in den Kommunen, den Dörfern. Warum geschieht die Speisung der Vielen nicht unter dem Dach eines Rathauses, der Kirchen, Gemeinde- , Theaterhäusern, Volksbühnen, Kongress- Centern, Bürger- , Kommunikationszentren, damit die Tafeln in ein kulturelles Gesamtangebot eingebettet sind?
Bedenket wohl:
„Der Mensch lebt bicht vom Brot, Trinken allein!
Säkulare, Klerikale Bildung, Ausbildung, Kultur ist auch ein Lebensmittel!

Im Gaza Streifen ist seit Jahren zu besichtigen, wenn Säkulare, Klerikale Bildung, Ausbildung, Kultur als Lebensmittel verweigert wird und die Versorgung mit dem Allernötigsten an Nahrung durch die Verteilung von Care- Paketen einmal die Woche als Heil der Welt bis zum Nimmerleins Tag X gepriesen wird

Gaza ist nicht nur in Nahost. Gaza ist, anders als Dafur, längst Alltag in allen europäischen Ballungsgebieten, ohne die Menschen hinter Mauer, Stacheldraht einzusperren.

Die Tafel- Bewegung der vierzigtausend ehrenamtlichen Helfer/innen an nahezu neunhundert Orten in deutschland recht verstanden, lehrt uns, dass Säkulare, Klerikale Bildung, Ausbildung, Kultur die eigentlichen Lebensmittel sind, an denen es weiterhin allerorten mangelt.

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 11.06.2010 um 03:41
Nachtrag als Vortrag:

Die EZB, FED u. u. stellen den Banken Versicherungen säckeweise neu gedrucktes Geld zum „Nulltarif“ bereit, um billiges Geld in die Wirtschaft zu pumpen, im deregulierten Weltfinanzmarkt täglich spekulierend gezielt zu versenken, damit die Aufblähung der Geldmengen in allen Währungen unter Noten Druck gehalten, nicht in sich zusammenfällt, keinen Inflation droht.
Inzwischen sind viele Banken, Versicherungen mit ihrem Eigenkapital gegen Null, dieses Geschäftsmodell der wundersamen Geldvermehrung der Notenbanken der G 20 Staaten ohne Nachhaltigkeit und wirtschaftstheoretische Billigkeit leid.

Warum erhalten jetzt nicht die Verbraucher/innen, Privathaushalte von den Notenbanken Geld in Säcken zum Nulltarif zugestellt, damit diese verlässlicher als die Banken, Versicherungen, das frisch gedruckte Geld als unmittelbare Kaufkraft in die Wirtschaft pumpen?
Vielleicht ginge es auch per Rohrpost, oder von der EZB geeichter eigener Geld- Druckmaschine daheim?

Sollten wir ein menschenrecht auf Kreditwürdigkeit für die Finanzierung der alltäglichen Angelegenheiten und Bedürfnisse, samt Partizipation an Bildung, Ausbildung, Sport, Spiel, Spass, Kultur im Zeitalter der Finanzindustrie und Finanzprodukte fordern?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 23.06.2010 um 00:31
Hallo Christian,
wo bleibt ein Lebenszeichen, eine Antwort von Dir.

Hoffentlich sind Dir Deine Füsse nicht eingeschlafen und Du womöglich unter der Tafel der Ritter gelandet?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 23.06.2010 um 00:31
Hallo Christian,
wo bleibt ein Lebenszeichen, eine Antwort von Dir.

Hoffentlich sind Dir Deine Füsse nicht eingeschlafen und Du womöglich unter der Tafel der Ritter gelandet?

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 23.06.2010 um 02:03
siehe dazu:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/wer-einmal-an-der-tafel-sass-und-ass

23.06.2010 | 01:29
„Wer einmal an der Tafel saß und aß?“
kultur

JP
ChristianBerlin
Evangelischer Theologe (Pastor) und Freier Journalist. Lebt in Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein der EKBO. Singt im Straßenchor.
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