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Kultur : Der Muffel-Wie man immer das Fell der Anderen gerbt

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Der Muffel

Das Muffel ist eigentlich ein schwer jagdbares Bergwild. Aber, nach kultureller Transformation auf zwei Beine, ist dann der Muffel erstanden.

Ein klassicher Wilderer und zur Strecke-Bringer, kehrt er durch seine Muffeligkeit heraus, dass er die Stufe erklommen hat, an der er eigentlich nur noch an dem Interesse hat, was ihm auf dem Horizont seines Bildschirms flackert. Am liebsten beschäftigt er sich natürlich mit Fußball, Prominenten Klatsch, Fernsehen und Leuten, die auch chronische Muffel und Abbeißer sind. Zum Kenner und Liebhaber erklärt er sich flux selbst. Aber lange, -manche würden sagen, letztlich vergeblich-, muss man suchen, um dazu von ihm was Ernstes zu finden.

Entscheidend am Muffel ist aber, die Eigenwertung und Eigenwerbung ganz in den Vordergrund zu rücken. Daher ist der Muffel ein Beobachter, der beständig die Beobachteten vorführt und immer sagt ich bin, ich habe, ich diagnostiziere.... Ein Vorführer ohne Achtung für das was er sieht. Denn es dient nur dazu, Spott auszugießen und hier und da ein wenig Brandbeschleuniger zu werfen, damit, ausser ihm natürlich, denn er läuft immer rechtzeitig weg, nur Asche bleibt.

Beißhemmungen kennt der Muffel nicht, denn wenn der Verbiss zu groß wird, so springt und klettert er einfach zur nächsten Alm.

Auch die Prätention gehört zum Geschäft. Dazu dienen die dicken Bockshörner, mit denen jeglicher Versuch, eine Sache sachlich abzuhandeln, von vornherein entschieden abgewehrt wird. Denn für einen Muffel gibt es nur das Ich, sein Ich, im jeweiligen Revier. Alles andere wäre mindestens zwiespältig, unentschieden, zweifelnd, streitig, bestreitenswert, einfach weit unten, an sich nicht selbstsicher genug, für ihn, den Muffel.

Christoph Leusch

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